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Verbandschefin im Interview
E-Auto-Wende kostet Arbeitsplätze: „Regierung muss jetzt handeln“
Die Elektroauto-Reform werde „erhebliche Arbeitsplatzeffekte“ haben: VDA-Präsidentin Hildegard Müller erklärt im Interview die Folgen.
Gmund – Stellenabbau und Werksschließungen bei VW, Bosch, der Woco-Goup, Schaeffler, dem Automotiv-Komponentenhersteller Hirschvogel und zuletzt am Ford-Standort Köln. Die Krise der deutschen Automobilindustrie scheint kein Ende zu nehmen.
Doch was bedeutet das am Ende für Beschäftigte, für die Wirtschaft, für das ganze Land? Eine Mahnung zum gemeinsamen Kraftakt kommt von Hildegard Müller. Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie hat beim Ludwig-Erhard-Gipfel mit dem Münchner Merkur über die Herausforderungen der Branche gesprochen. Sie räumte bei dem Termin im Mai auch ein: Die Wende zum Elektroauto werde ganz klar einen Stellenabbau bedeuten.
Frau Müller, was braucht es von der Politik, aber auch von den Unternehmen, damit jetzt wieder Schwung in den Arbeitsmarkt der Autoindustrie kommt?
Zunächst einmal kommt ganz viel Dynamik von der Autoindustrie selbst. Allein in den nächsten vier Jahren investieren wir rund 320 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Hinzu kommen etwa 220 Milliarden Euro in Sachinvestitionen, insbesondere in die Werke. Das ist ein gigantisches Versprechen in die Zukunft. Doch im Gegensatz zur Industrie ist der Wirtschaftsstandort international nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Politik muss endlich entschlossen gegensteuern.
E-Auto und die Folgen für Deutschland: „Erhebliche Effekte“ – auch für Arbeitsplätze
Heißt, vonseiten der Politik muss nun was kommen?
Wir benötigen verlässlich niedrigere Energiepreise sowie ein Steuer- und Abgabensystem, das dem internationalen Vergleich standhält. Und die ausufernde Bürokratie, die Unternehmen seit Jahren lähmt, muss endlich konsequent abgebaut werden. Das sind nur einige Beispiele – und das alles ist längst bekannt. Die neue Bundesregierung muss jetzt handeln und sich dabei klar und wirksam gegenüber Brüssel positionieren, um die zentralen Themen auf europäischer Ebene voranzubringen.
Und mit einem Blick über den europäischen Tellerrand hinaus?
Wichtig ist eine aktive Handelspolitik der Europäischen Union. Es müssen möglichst viele Handelsabkommen mit möglichst vielen Regionen in der Welt abgeschlossen und Handelshemmnisse abgebaut werden. Das ist wichtig, um internationale Märkte wieder stärker zu erschließen. Zudem braucht es Rohstoffabkommen mit anderen Ländern, das ist auch für die Elektromobilität – Stichwort Batterien – ganz entscheidend.
Was kann man den Arbeitnehmern der Automobilindustrie versprechen – kann man aktuell überhaupt Versprechen geben?
Wir versuchen, so viel Wertschöpfung der Zukunft, wie es nur geht, hier in Deutschland zu erhalten und weiter aufzubauen. Entscheidend dafür ist die bereits erwähnte internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Es kommt aber eine weitere Herausforderung hinzu: Die Transformation selbst führt zu erheblichen Arbeitsplatzeffekten bei Herstellern und Zulieferern – allein schon, weil die Produktion eines Elektroautos im Vergleich zum Verbrenner deutlich weniger Komponenten erfordert. Deswegen schauen wir auch in angrenzenden Branchen, ob sich Kooperationen ergeben können.
Autokrise: „Geht längst nicht nur um Arbeitsplätze – es geht um Stabilität des demokratischen Systems“
Sollen also Mitarbeiter den Betrieb oder sogar die Branche wechseln?
Wie sieht die Automobilindustrie dann Übernahmen von Unternehmensstrukturen durch Rüstungskonzerne wie Rheinmetall?
Zu einzelnen Unternehmen äußere ich mich grundsätzlich nicht. Generell aber gilt: So gut wie alles, was hierzulande Zukunft und Wachstum schafft, ist erstmal richtig und wichtig. Ich habe natürlich ein großes Interesse an einer starken Autoindustrie in Deutschland. Vor allem geht es mir aber um die Menschen.
Wie meinen Sie das genau?
Es geht darum, den Menschen in Deutschland echte Perspektiven zu geben. Denn wenn man sieht, wie populistische Parteien versuchen, bestehende Sorgen für sich auszunutzen, wird deutlich: Es geht längst nicht mehr nur um Arbeitsplätze – es geht um die Stabilität unseres demokratischen Systems. Deshalb sind jetzt alle gefragt, Verantwortung zu übernehmen. Die Wirtschaft muss investieren, innovativ und offen bleiben. Und die Politik muss endlich die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.