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Wirtschaft taumelt

Merz-Regierung einig bei drei Krisen-Maßnahmen: Wirtschaft reagiert sofort – und legt Finger in die Wunde

Die Spitzen der Bundesregierung haben sich in zentralen Punkten geeinigt. Mit zwei zentralen Beschlüssen soll die Wirtschaft wieder vorangebracht werden.

Update, 22.22 Uhr: Die Koalition um Friedrich Merz wollte sich geschlossen und tatkräftig zeigen, um der wirtschaftlichen Krise im Land zu begegnen. Nun gibt es erste Reaktionen auf die Beschlüsse aus dem Koalitionsausschuss. Klimaschützer und die Opposition äußern teils scharfe Kritik. Dagegen begrüßen erste Wirtschaftsverbände die Einigungen, mahnen aber zugleich weitere Schritte an.

Der Beschluss von Union und SPD im Koalitionsausschuss für die Einführung eines Industriestrompreises sei „ein nützlicher Baustein, ersetzt aber keine echte Standortoffensive“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Wolfgang Große Entrup am Donnerstagabend. „Wir brauchen jetzt Entlastung auf breiter Front – bei Energie, Steuern und Bürokratie.“

Große Entrup lobte eine zügige Einigung der Koalitionäre und erklärte, der Industriestrompreis müsse „jetzt schnell und wirksam bei den Unternehmen ankommen“. Die „ohnehin engen Grenzen“ der EU-Kommission müssten „komplett ausgereizt werden“, forderte er. „Und vor allem darf es keinen typisch deutschen Sonderballast in Form von zusätzlichen Anforderungen geben.“ Die Gewerkschaft IG Metall äußerte sich ebenfalls zustimmend zur Einigung. Gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe erklärte sie jedoch, der Industriestrompreis sei „kein singuläres Allheilmittel, sondern muss mit weiterer kluger Industriepolitik ergänzt werden“.

Unterdessen begrüßte die Luftfahrtbranche unter anderem die von Union und SPD vereinbarte Rücknahme der Anhebung der Luftverkehrssteuer. „Die Bundesregierung hat Wort gehalten und der jahrelang weiter steigenden Kostenspirale bei Steuern und Gebühren für Luftverkehr ab Deutschland ein Ende gesetzt“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Joachim Lang. Er sprach von einem „wichtigen Signal“, erklärte aber zugleich: „Damit Deutschland am anhaltenden Boom des Luftverkehrs in Europa teilhaben kann, sind in den kommenden Jahren aber noch weitere Schritte erforderlich.“

Krisen-Krimi beim Koalitionsausschuss: Merz-Regierung verkündet wichtige Neuerungen

Update, 19.52 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat in einer Pressekonferenz zum Koalitionsausschuss von zwei zentralen Beschlüssen berichtet. „Zum einen: Wir wollen für die Jahre 2026 bis 2028 den Industriestrompreis einführen“, so Merz. Der Zielpreis solle bei etwa 5 Cent pro Kilowattstunde liegen. Damit wäre der Preis pro Kilowattstunde für die energieintensive Industrie deutlich günstiger als der durchschnittliche Strompreis von 18 Cent, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft den Preis Anfang Oktober bezifferte. Die Gespräche mit der EU-Kommission seien weitestgehend abgeschlossen und man gehe davon aus, dass die Regierung die Genehmigung für den Preis erhalte.

Ebenso haben sich die Koalitionsparteien auf eine „Kraftwerkstrategie“ geeinigt, so Merz weiter. Damit sollen Lücken geschlossen werden, die durch Wind- oder Sonnenflauten bei Erneuerbaren entstehen könnten. Bereits 2026 sollen „insgesamt 8 Gigawatt für neue steuerbare Kapazitäten zur Versorgungssicherheit ausgeschrieben werden“. Bis 2031 sollen diese in Betrieb gehen. Dazu werde eine schnelle Einigung mit der EU-Kommission angestrebt. Die Kraftwerke sollen bis spätestens 2045 „technologieoffen“ durch den Betrieb mit Wasserstoff klimaneutral werden.

Zudem will die schwarz-rote Koalition zum 1. Juli 2026 die Ticketsteuer im Luftverkehr senken. Das teilte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach dem Koalitionsausschuss mit. Er sprach von einer Größenordnung von etwa 350 Millionen Euro zugunsten der Luftverkehrsindustrie in Deutschland. Wenn es damit Steuerausfälle geben sollte, würden diese in Verkehrsetat verbucht. 

Im Mai 2024 wurde die Luftverkehrsteuer deutlich erhöht. Das verteuert potenziell Passagierflüge von deutschen Flughäfen. Im Koalitionsvertrag hatten CDU, CSU und SPD angekündigt, die Erhöhung zurückzunehmen. Dies ist bisher unter Hinweis auf knappe Kassen aber nicht passiert.

Koalitionsausschuss wird zum Krisen-Krimi: Söder prescht mit drei Punkten und spezieller Bayern-Forderung vor

Erstmeldung: Am Donnerstagabend (13. November) kommen die Spitzen der Regierungsparteien zum Koalitionsausschuss in Berlin zusammen. CDU, CSU und SPD stehen dabei großen Fragen gegenüber – zumal die wirtschaftliche Lage in Deutschland die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) zum Handeln drängt. Entsprechend wird der Fokus im Kanzleramt auf der Situation der deutschen Industrie und der Sicherung von Arbeitsplätzen liegen.

CSU-Chef Markus Söder stellt vor dem anstehenden Koalitionsausschuss klare Forderungen an die Koalition. (Archivbild)

Vor dem Treffen hat CSU-Chef Markus Söder bereits einige Forderungen an die Regierungspartner gestellt. Gegenüber der Augsburger Allgemeinen hat er erneut die Notwendigkeit eines Industriestrompreises betont und eine Abkehr vom geplanten Verbrenner-Aus gefordert. Zudem will er die von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) geplanten Gaskraftwerke vor allem in den Standorten Bayern und Baden-Württemberg bauen lassen. Denn dort schlage nun mal das „wirtschaftliche Herz Deutschlands“.

Industriestrompreis gegen Wirtschaftskrise in Deutschland? Koalition könnte Einigkeit erzielen

Dass es einen Industriestrompreis in Deutschland geben wird, haben die Regierungsparteien schon in ihrem Koalitionsvertrag beschlossen. Für Unternehmen, die durch Maßnahmen wie die Senkung der Stromsteuer oder eine Reduzierung der Umlage der Netzentgelte nicht ausreichend entlastet werden können, habe man eine „besondere Entlastung“ in Form des Industriestrompreises geplant.

Und tatsächlich könnte eine solche Regelung für die energieintensive Industrie ab 2026 kommen. Zumindest hatte das Bundeswirtschaftsministerin Reiche (CDU) zum 1. Januar des kommenden Jahres in Aussicht gestellt. Jedoch seien noch Detailfragen zu klären und es müsse überprüft werden, ob eine solche Regelung nach EU-Vorgaben zulässig ist.

Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die Komplette Liste in Bildern

Friedrich Merz
Das Kabinett Merz ist die seit dem 6. Mai 2025 amtierende Bundesregierung unter der Führung von Kanzler Friedrich Merz. Es handelt sich um die fünfte schwarz-rote Koalitionsregierung und die 17. Regierung unter Führung der Unionsparteien auf Bundesebene. © Michael Kappeler/dpa
Nina Warken
Nina Warken hat bereits Geschichte geschrieben: Als erste Frau wurde sie im Juli 2026 Chefin des Bundeskanzleramtes. Die bisherige Bundesgesundheitsministerin übernahm das Amt von Thorsten Frei – und damit die zentrale Koordinationsstelle der Regierungsarbeit.  © Christoph Soeder/dpa
Linnemann
Im Zuge des Personalumbaus hat der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Juli 2026 das Gesundheitsressort übernommen. Allerdings hat er vorab selbst Zweifel gesät, dass er wirklich der richtige Mann für den Job ist. Er wäre nach der Regierungsübernahme durch Merz gerne Arbeitsminister geworden, musste das Ressort aber der SPD überlassen. Dem Sender Phoenix hatte er im Mai 2025 zum Interesse an anderen Kabinettsposten gesagt, es sei nicht „sein Ding“, nur Minister zu sein, damit das irgendwo in Wikipedia stehe. „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen.“  © Christoph Soeder/dpa
Steffen Bilger
Ebenfalls neu im Kabinett ist der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Er gilt als fachlich geeignet, ist sehr gut vernetzt, arbeitete in der schwarz-roten Koalition bislang aber vor allem im Hintergrund. Der gelernte Rechtsanwalt stammt aus Baden-Württemberg und ist ausgewiesener Verkehrsexperte: Er saß schon als frisch gebackener Bundestagsabgeordneter von 2009 bis 2013 im Verkehrsausschuss. Bei den Koalitionsverhandlungen nach der Wiederwahl von Angela Merkel (CDU) 2017 war er als Vertreter der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur beteiligt. 2018 wurde er dann Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. © Marijan Murat/dpa
Sommerfest der SPD im Landkreis Verden
Und sonst? Lars Klingbeil ist als Vizekanzler weiter der zweite starke Mann in der Regierung Merz. Eigentlich brennt er für die Außenpolitik und geprägt durch den familiären Hintergrund als Soldatensohn am Heeresstandort Munster für Verteidigung. Jetzt steht er dem Finanzressort vor. Für Klingbeil, der im konservativen SPD-Flügel zuhause ist, könnte es das Sprungbrett für eine Kanzlerkandidatur 2029 sein - auch wenn manchen in der Partei aufstößt, mit welcher Skrupellosigkeit er sich zuletzt seine Macht sicherte. © Focke Strangmann/dpa
Alexander Dobrindt
Innenminister ist Alexander Dobrindt. Der bisherige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag galt schon seit Wochen als gesetzt für den Posten, auf dem er die von der Union verlangte „Migrationswende“ umsetzen soll. Dobrindt war von 2009 bis 2013 CSU-Generalsekretär, danach vier Jahre Bundesverkehrsminister. Als CSU-Landesgruppenchef galt er als wesentlicher Faktor für die relativ geräuschlose Zusammenarbeit von CSU-Chef Markus Söder und Merz. © Sebastian Gollnow/dpa
Außenminister Wadephul bei der UN
Auswärtiges Amt: Johann Wadephul. Erstmals seit fast 60 Jahren führt die CDU wieder das Außenamt. Den Posten hat Merz, der im Kanzleramt maßgeblich auch die Außenpolitik mitgestalten will, nun an einen Fachpolitiker aus dem Bundestag vergeben. Wadephul kommt aus Schleswig-Holstein und ist bisher als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. Er gilt als international gut vernetzt und war in den vergangenen Wochen bereits in Paris, London und Warschau, um sich mit den dortigen Außenministern zu treffen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsminister Pistorius besucht Objektschutzregiment
Verteidigungsminister Boris Pistorius war für die SPD gesetzt – schließlich ist er Deutschlands beliebtester Politiker. Als er im November 2023 „Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime“ für die Bundeswehr ausrief, legte der Niedersachse die Latte hoch. Seit der Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse kann er sich über mangelnde Finanzierung nicht mehr beschweren. Der Jurist wurde in Osnabrück geboren, er arbeitete in mehreren niedersächsischen Regierungsstellen und war von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt („das schönste Amt der Welt“). In den zehn folgenden Jahren war er Innenminister von Niedersachsen. 2023 übernahm er das Verteidigungsministerium von Christine Lambrecht und gewann in kurzer Zeit die Anerkennung der Truppe und der Verbündeten. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Bundeswirtschaftsministerin Reiche zu Energiekosten
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie ist Katherina Reiche. Lange galt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann als wahrscheinlicher Minister – doch der sagte ab und blieb auf seinem Posten an der Spitze der Parteizentrale. Merz entschied sich dann für die frühere Umwelt- und Verkehrsstaatssekretärin Reiche aus Brandenburg. Sie ist seit vielen Jahren in der Wirtschaft und war von 2015 bis 2019 zunächst Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär. Die stellvertretende CSU-Vorsitzende war schon von 2018 bis 2021 als Staatsministerin für Digitales im Kabinett von CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Bär kam 2002 zusammen mit vielen anderen jungen Christsozialen während der Kanzlerkandidatur von Edmund Stoiber erstmals in den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte sie in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen das deutschlandweit höchste Ergebnis. © Heiko Becker/Imago
Aktionsplan Steuer- und Finanzkriminalität
Justiz: Stefanie Hubig. Die SPD-Politikerin begann 2000 im Bundesjustizministerium und stieg zur Referatsleiterin auf. 2008 ging sie nach Mainz: Erst in die Staatskanzlei, 2009 übernahm sie die Leitung der Abteilung Strafrecht im Justizministerium. Hubig wurde 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Justizminister war damals ihr Parteikollege Heiko Maas. Beide gerieten mit dem damaligen Generalbundesanwalt Harald Range aneinander: Dabei ging es um später eingestellte Ermittlungen gegen zwei Blogger von Netzpolitik.org wegen Landesverrats. © Michael Kappeler/dpa
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Karin Prien – Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die in Amsterdam geborene Prien arbeitete zu Beginn ihrer Karriere als Rechtsanwältin im Bereich Wirtschafts- und Insolvenzrecht, engagierte sich aber auch früh in der Hamburger Lokalpolitik. 2011 wurde sie in die Bürgerschaft gewählt, bevor sie nach Schleswig-Holstein wechselte. Im „Zukunftsteam“ des gescheiterten Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet war sie 2021 gleichfalls für den Bereich Bildung zuständig. © Jens Schicke/Imago
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bodenständig, geradlinig, klar: Als Bundestagspräsidentin hat sich Bärbel Bas einen guten Ruf erworben. Zuvor war die Duisburgerin einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie sitzt seit 2009 im Bundestag und kümmerte sich unter anderem um Gesundheitspolitik. Ihre unkomplizierte Art mag mit der Herkunft zu tun haben: Die neue Bundesministerin für Arbeit und Soziales wuchs als zweitälteste von sechs Geschwistern in materiell einfachen Verhältnissen auf. Spielen, so erzählte Bas später, musste sie als Kind draußen, weil im Kinderzimmer zu wenig Platz war. © Imago
Pressekonferenz Wildberger und Warken
Digitalisierung und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger. Merz hat ganz früh angekündigt, dass er einen Experten aus der Wirtschaft mit dem neu geschaffenen Ressort betrauen will. Nun soll der Chef der Holding der Elektronikmärkte MediaMarkt und Saturn den Posten übernehmen. Der promovierte Physiker Wildberger war von 2016 bis 2021 Vorstand der Holding des Energiekonzerns Eon und davor unter anderem in Managementpositionen bei den Telekom-Konzernen Vodafone und Deutsche Telekom. © Soeren Stache/dpa
Fortsetzung der Sommerreise von Bundesumweltminister
Umwelt und Klimaschutz: Carsten Schneider war in der Ampel-Regierung von Olaf Scholz Staatsminister und Beauftragter für Ostdeutschland. Damit war er eine der profiliertesten Stimmen dieser Region und sollte vor allem für gleichwertige Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern sorgen. Schneider stammt aus Erfurt und sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Dort war er unter anderem Haushaltspolitiker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Der 49 Jahre alte Bankkaufmann gilt als pragmatisch, erfahren und vielseitig einsetzbar.  © Stefan Sauer/dpa
90. Grüne Woche Berlin - Eröffnungstag
Ernährung, Landwirtschaft und Heimat: Alois Rainer. Nach dem Rückzug des zunächst vorgesehenen bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner ist der Niederbayer zum Zug kommen. Der 60 Jahre alte Metzgermeister sitzt seit 2013 im Bundestag. Schon sein gleichnamiger Vater saß 18 Jahre im Bundestag, seine Schwester ist die ehemalige Bundesbau- und Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt. © Sebastian Gollnow/dpa
Reem Alabali-Radovan
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Reem Alabali-Radovan hat eine steile politische Laufbahn hingelegt. Zuletzt war sie Integrationsbeauftragte der Ampel-Regierung. Nun folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter der Schwerinerin. Geboren wurde Alabali-Radovan 1990 in Moskau. Im Alter von sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie, die vor den politischen Verhältnissen im Irak floh, nach Mecklenburg-Vorpommern. Als Integrationsbeauftragte setzte sie sich unter anderem gegen Racial Profiling ein, also die verdachtsunabhängige polizeiliche Kontrolle von Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe und anderen ethnischen oder religiösen Merkmalen. Alabali-Radovan ist verheiratet mit dem Profiboxer Denis Radovan und bekam 2023 eine Tochter.  © Katharina Kausche/dpa
Verena Hubertz
Die neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist eine politische Senkrechtstarterin: Verena Hubertz ist seit 2021 Bundestagsabgeordnete und wurde direkt stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, zuständig unter anderem für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie, Bauen und Wohnen. Oft führte sie in der Ampel-Koalition Verhandlungen mit Politikern von Grünen und FDP, wenn es um strittige Fragen ging. Laute Töne sind nicht ihr Fall. Die Triererin und Betriebswirtin hat eine für Politiker eher ungewöhnliche Biografie. 2013 gründete sie mit einer Studienkollegin das Küchen-Start-up Kitchen Stories. Die Idee: in Videos und Schritt für Schritt zu zeigen, wie einfach Kochen sein kann.  © Kay Nietfeld/dpa
Patrick Schnieder
Bis Juli 2026 war Patrick Schnieder Bundesminister für Verkehr. Verkehr. Merz hat ihn entlassen, weil er mit seiner Amtsführung unzufrieden war – besonders bei den Dauerkrisenherden Schienennetz und Infrastruktur. Die Entlassung Schnieders nach nur gut einem Jahr im Amt stieß in der CDU teilweise auf heftige Kritik. © Sven Kaeuler/dpa
Jens Spahn
Auslöser für den Kabinettsumbau im Juli 2026 war der Rücktritt von Jens Spahn als Unions-Fraktionschef. Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz nahm den Wechsel an der Fraktionsspitze zum Anlass, die CDU in Regierung und Partei neu aufzustellen. © Michael Kappeler/dpa
Thorsten Frei
Umbau auch in der Union: Thorsten Frei übernahm den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag. Er war bisher Kanzleramtsminister. Frei steht für eine unverwüstlich wirkende Freundlichkeit, gepaart mit geduldiger Erklärlust. Trotz seiner nach außen getragenen Sanftmütigkeit steht wr inhaltlich für Härte. Die innere Sicherheit und die Begrenzung der Migration zählen zu den Kernthemen des Innenexperten, der als Sohn eines Polizisten in Südbaden aufgewachsen ist. © Michael Kappeler/dpa
Franziska Hoppermann
Für Linnemann wurde Franziska Hoppermann als CDU-Generalsekretärin ins Amt gewählt. Die bisherige Bundesschatzmeisterin gilt als arbeitnehmernah und hat ein starkes Profil in der Frauen Union.  © Christoph Soeder/dpa
Philipp Amthor
Philipp Amthor bekam eine Schlüsselrolle bei der föderalen Zusammenarbeit. Er wurde von Merz zum neuen Staatsminister im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen ernannt, der bisherige Amtsinhaber Michael Meister musste gehen. Amthor war bisher parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium. © Christoph Soeder/dpa
Christiane Schenderlein
Christiane Schenderlein wird Nachfolgerin von Tino Sorge als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Sie war bisher Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt.  © Kay Nietfeld/dpa
Wolfram Weimer
Er bleibt Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer. Er will aber nur für eine Legislaturperiode im Amt bleiben. 2003 war er Gründer des Berliner Magazins „Cicero“, das er bis 2010 leitete. Zuvor arbeitete er als Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Nach „Cicero“ war er bis 2012 Chefredakteur des Magazins „Focus“. Anschließend gründete Weimer gemeinsam mit seiner Frau, der früheren „FAZ“-Journalistin Christiane Götz-Weimer, die Weimer Media Group. © Georg Wendt/dpa

Dass man in diesen Fragen eine Einigung erzielen wird, glaubt unter anderem CDU-Fraktionschef Jens Spahn. „Ich rechne mit Entscheidungen zu einem Industriestrompreis und zu Gaskraftwerken für bezahlbare Energie“, sagte Spahn mit Blick auf den Koalitionsausschuss dem Tagesspiegel. Auch Söder pocht auf eine Entlastung der Unternehmen, dass diese im internationalen Wettbewerb nicht abgehängt werden.

Aus für das Verbrenner-Aus? Söder erhöht Druck auf die SPD – „Freiheit und Technologie-Offenheit“

Ein großer Streitpunkt wird wohl das von der EU geplante – und von den Unionsparteien kritisch betrachtete – Aus für Autos mit Verbrennermotor sein. Ab 2035 sollen demnach keine Autos neu zugelassen werden, die mit fossilen Brennstoffen wie Benzin oder Diesel betriebenen werden. Synthetische Kraftstoffe wie E-Fuels sind von dem Verbot ausgenommen. Auch bereits zugelassene Verbrenner dürfen weiter gefahren werden. Große Teile der Union lehnen diese Regel ab, darunter Bundeskanzler Merz und Bayerns Ministerpräsident Söder.

Den Koalitionspartner SPD, der an dem geplanten Zulassungsverbot festhalten will, fordert Söder entsprechend zu Zugeständnissen auf. „Natürlich“ wolle auch er sich für den Ausbau der Elektromobilität einsetzen, so der CSU-Chef gemäß der Augsburger Allgemeinen. „Dennoch brauchen unsere Automobilhersteller im internationalen Wettbewerb mehr Freiheit und Technologie-Offenheit über 2035 hinaus.“

Zustimmung für neue Gaskraftwerke – Söder fordert vor Koalitionsausschuss Konzentration auf Bayern

Einer der kontroversesten Energiepläne der Bundesregierung dürfte der Bau von bis zu 40 neuen Gaskraftwerken sein. Wirtschaftsministerin Reiche will mit dem Bauprojekt für eine Versorgungssicherheit für die Industrie und die Bevölkerung sorgen, sollten die erneuerbaren Energien nicht ausreichen. Mindestens 20 Gigawatt sollen die Kraftwerke liefern, hatte Reiche vor ihrem Amtsantritt angekündigt.

Doch um das Projekt umzusetzen, müsste der Staat die Bauvorhaben massiv subventionieren. Denn die Kraftwerke sollen nur dann laufen, wenn nicht ausreichend Wind wehe und die Sonne nicht scheine. Dazu braucht es aber eine Genehmigung der EU, weil die Förderung ein Eingriff in den europäischen Strommarkt bedeutet und damit den Wettbewerb verzerren könnte. Und das bedroht die Pläne der Merz-Regierung erheblich. Einem Bericht des Spiegels zufolge, würde das Ministerium in Brüssel daher nur noch über Kapazitäten in Höhe von 12 bis 12,5 Gigawatt verhandeln.

Söder will trotz aller Hindernisse, an denen auch der ehemalige grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck gescheitert ist, an den Gaskraftwerken festhalten. Mehr noch: er verlangt, dass sich der Bau vor allem auf Süddeutschland konzentriert. „In Bayern und Baden-Württemberg schlägt das wirtschaftliche Herz Deutschlands. Wer das ignoriert, riskiert einen wirtschaftlichen Infarkt für das gesamte Land“, sagte er der Augsburger Allgemeinen.

Industrieverband stellt Forderungen an Koalitionsausschuss: „Versprechen nicht eingelöst“

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) kritisiert vor dem Koalitionsausschuss, dass die Regierung ihr „Versprechen, die notwendigen Voraussetzungen für eine wettbewerbsfähige und wachsende Volkswirtschaft zu schaffen, nicht ausreichend eingelöst“ habe. Die Wirtschaft habe weiter mit massiven Problemen, wie einer überbordenden Bürokratie und „Lasten auf breiter Front“ zu kämpfen. Das hemme Wachstum und verhindere notwendige Investitionen.

Statt Ausgaben in das beschlossene Sondervermögen auszulagern, müssten die zusätzlichen Milliarden „zusätzlich zu vorhandenen Investitionsplänen eingesetzt werden“. Die geplanten Entlastungen würden zwar Mut machen – „gehen aber noch nicht weit genug. Ohne weitere, umfassende Entlastungen bleibt jede Wachstumsstrategie Makulatur. Unsere Vorschläge liegen auf dem Tisch.“ (Quellen: AFP, Augsburger Allgemeine, Tagesspiegel, Spiegel, BDI) (nhi)

Rubriklistenbild: © RALF HIRSCHBERGER/AFP

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