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Studie zeigt Beschleunigung

Risse in Grönlands Eisschild zeigen beschleunigtes Wachstum – Forscher ist besorgt

Die Risse im grönländischen Eisschild wachsen – besonders schnell dort, wo das Eis auf das warme Meerwasser trifft. (Archivbild)
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Die Risse im grönländischen Eisschild wachsen – besonders schnell dort, wo das Eis auf das warme Meerwasser trifft. (Archivbild)

Eine Studie zeigt eine beunruhigende Zunahme von Spalten im Eisschild von Grönland. Die Auswirkungen auf den Meeresspiegel könnten beträchtlich sein.

Durham – Der grönländische Eisschild, die zweitgrößte Eismasse der Welt, spielt eine entscheidende Rolle beim globalen Meeresspiegelanstieg. Seit 1992 hat es bereits zu einem Anstieg von etwa 14 mm beigetragen und könnte durch weiteres Schmelzen bis zum Jahr 2100 einen Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 30 cm verursachen. Jüngste Forschungen unter der Leitung von Tom Chudley von der Universität Durham haben nun eine beschleunigte Rissbildung im Eisschild aufgedeckt, die auf den Klimawandel zurückzuführen ist.

Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben.
Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben. © dpa/NASA/AP
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer.
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer. © Felipe Dana/dpa
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen.
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen. © Urs Flueeler/dpa
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen.
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen. © Oscar Vilca/INAIGEM/afp
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden.
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden. © Urs Flueeler/dpa
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination.
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination. © Johannes Eisele/afp
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser.
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser. © Jonathan Nackstrand/afp
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt.
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt. © Fabrice Coffrini/afp
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien.
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien. © Peter Parks/afp
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten.
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten. © imago/Xinhua
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.  © NASA Earth Observatory/Jesse Allen und Robert Simmon/United States Geological Survey/dpa
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen.
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen. © Kay Nietfeld/dpa

Grönländischer Eisschild: Forscher beobachten beschleunigte Rissbildung

Die von Chudley geleitete Studie untersuchte mehr als 8000 3D-Oberflächenkarten des grönländischen Eisschilds, die mit hochauflösenden Satellitenbildern erstellt wurden. Die Forscher stellten fest, dass die Risse an den schnell fließenden Rändern des Eisschilds zwischen 2016 und 2021 signifikant an Größe und Tiefe zugenommen haben. „Wo das Eis schneller wird, beginnt es, aufzubrechen“, sagt Chudley. „Das trifft besonders auf die Bereiche zu, die auf das warme Meerwasser stoßen.“

In den Randbereichen, in denen das Eis schneller fließt, stieg die Rissbildung um 25 Prozent. Diese Zunahme ist schneller als bisher beobachtet und wird durch wärmere Luft- und Meerestemperaturen begünstigt. Interessanterweise wurde die Zunahme der Risse teilweise durch eine temporäre Verlangsamung des Sermeq Kujalleq-Gletschers ausgeglichen, was die Gesamtveränderung der Rissbildung über den gesamte Eisschild auf plus 4,3 Prozent begrenzte. Allerdings hat der Gletscher seine Fließgeschwindigkeit wieder erhöht, was darauf hindeutet, dass die Phase des Gleichgewichts zwischen Risswachstum und -schließung nun beendet ist.

Wachsende Risse im Eis lassen den grönländischen Eisschild schneller fließen

„Wenn die Risse wachsen, treiben sie einen Prozess an, der den Eisschild schneller fließen lässt. Sie können dafür sorgen, dass Eis ins Meer fällt“, erklärt der Forscher, der besorgt ist: „Wir fürchten, dass wir Mechanismen sehen, die für eine weitere Beschleunigung sorgen.“ Die langfristigen Auswirkungen dieser Entwicklungen könnten erheblich sein. Auf Jahrtausendzeitskalen warnen Wissenschaftler, dass konstante Temperaturen über 2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau das Risiko erhöhen, dass allein die Antarktis und Grönland für einen Meeresspiegelanstieg von 12 oder gar 20 Meter verantwortlich sein können.

Die neuen Erkenntnisse wurden im Fachjournal Nature Geoscience veröffentlicht und sollen Wissenschaftlern helfen, die Auswirkungen von Eisschäden und Rissbildung in Vorhersagen über das zukünftige Verhalten des grönländischen Eisschilds einzubeziehen. (tab)

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