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„Es gibt ein ganzes Ökosystem“

Neu entdeckte Riesenviren könnten helfen, die Eisschmelze in Grönland zu verlangsamen

Die Schneealge verdunkelt das Eis. Das führt dazu, dass das Eis weniger Sonnenlicht reflektieren kann und deshalb schneller schmilzt.
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Die Schneealge verdunkelt das Eis. Das führt dazu, dass das Eis weniger Sonnenlicht reflektieren kann und deshalb schneller schmilzt.

Algen, die das Eis in Grönland bedecken, sorgen für eine schnelle Eisschmelze. Ein Fund auf dem Eisschild könnte nun helfen, die Schmelze zu verlangsamen.

Aarhus – Wenn in der Arktis nach Monaten der Dunkelheit die Sonne wieder scheint, erwacht dort das Leben – und zwar auch an Stellen, mit denen man nicht unbedingt rechnen würde. Schneealgen, die schlafend auf dem Eis auf die Sonne warten, erwachen und beginnen zu blühen. Dabei verdunkeln sie große Bereiche des Eises – was ein Problem ist: Verdunkelt sich das Eis, kann es weniger Sonnenlicht reflektieren. Stattdessen absorbiert es das Licht und die Wärme sorgt dafür, dass das Eis schneller schmilzt.

Doch ein Forschungsteam glaubt nun, eine mögliche Lösung gefunden zu haben. Die Forscher von der Universität Aarhus in Dänemark haben entdeckt, dass Riesenviren auf dem grönländischen Eisschild leben, die möglicherweise das Wachstum der Algen regulieren könnten. Die Viren sind mit bis zu 2,5 Mikrometern Größe deutlich größer als herkömmliche Viren, die zwischen 20 und 200 Nanometer messen. Gefunden wurden sie in verschiedenen Proben von dunklem Eis und aus Schmelzwasserlöchern.

Riesenviren könnten Schneealgen auf Grönlands Eis kontrollieren

Laura Perini, Postdoktorandin an der Universität Aarhus, vermutet, dass die Riesenviren auf Schneealgen abzielen und so deren Wachstum kontrollieren könnten. „Wir wissen nicht viel über die Viren, aber ich denke, sie könnten nützlich sein, um das Schmelzen des Eises zu verringern, das durch Algenblüten verursacht wird“, erklärt die Forscherin in einer Mitteilung. Die Studie wurde im Fachjournal Microbiome veröffentlicht.

Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben.
Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben. © dpa/NASA/AP
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer.
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer. © Felipe Dana/dpa
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen.
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen. © Urs Flueeler/dpa
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen.
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen. © Oscar Vilca/INAIGEM/afp
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden.
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden. © Urs Flueeler/dpa
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination.
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination. © Johannes Eisele/afp
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser.
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser. © Jonathan Nackstrand/afp
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt.
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt. © Fabrice Coffrini/afp
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien.
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien. © Peter Parks/afp
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten.
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten. © imago/Xinhua
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.  © NASA Earth Observatory/Jesse Allen und Robert Simmon/United States Geological Survey/dpa
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen.
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen. © Kay Nietfeld/dpa

Es ist das erste Mal, dass Riesenviren auf der Oberfläche von Eis und Schnee gefunden wurden, die von Mikroalgen dominiert werden. Früher wurden Riesenviren in Kläranlagen, Ozeanen, Böden und sogar im menschlichen Körper entdeckt. Dass sie offenbar auch auf dem grönländischen Eisschild vorkommen, erweitert das Verständnis der Mikrobiologie in extremen Umgebungen. „Es gibt ein ganzes Ökosystem um die Algen herum“, erklärt Perini. „Neben Bakterien, filamentösen Pilzen und Hefen gibt es Protisten [mikroskopische Lebewesen], die die Algen fressen, verschiedene Pilzarten, die sie parasitieren, und die von uns gefundenen Riesenviren, die sie infizieren.“

Eine Probe, in der das Team um Laura Perini die Riesenviren gefunden hat.

Riesenviren könnten die Eisschmelze verlangsamen

Die Fähigkeit der Riesenviren, ihre eigene DNA zu transkribieren, unterscheidet sie von normalen Viren, die RNA verwenden, um Proteine zu bilden, sobald sie einen Wirt infiziert haben. Diese Eigenschaft macht Riesenviren einzigartig und könnte bedeuten, dass sie verschiedene Rollen im Ökosystem spielen.

Das Forschungsteam hofft, dass die Riesenviren dafür sorgen können, die Eisschmelze zu verlangsamen, indem sie die Schneealgen kontrollieren. Wenn die Algen weniger wachsen, bleibt die Oberfläche des Eises heller und reflektiert mehr Sonnenlicht, wodurch sich die Schmelzrate verringern sollte. „Indem wir sie weiter erforschen, hoffen wir, einige dieser Fragen zu beantworten“, sagt Perini.

Wissenschaftler wollen weiter forschen, um die Mechanismen zu verstehen

Es ist jedoch noch unklar, wie spezifisch und effizient diese Kontrolle sein könnte. Weitere Forschung ist erforderlich, um die genauen Mechanismen zu verstehen, durch die die Riesenviren die Algen beeinflussen. „Wir wissen nicht genau, welche Wirte die Riesenviren befallen. Einige könnten Protisten infizieren, während andere die Schneealgen angreifen“, so Perini.

Das Forschungsteam plant, seine Untersuchungen fortzusetzen und weitere Details über die Interaktionen der Riesenviren im arktischen Ökosystem zu veröffentlichen. „Später in diesem Jahr werden wir eine weitere wissenschaftliche Arbeit mit weiteren Informationen über Riesenviren veröffentlichen, die eine kultivierte Mikroalge infizieren, die auf der Oberfläche des grönländischen Eisschildes gedeiht“, blickt Perini in die Zukunft. (tab)

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