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Europa erwärmt sich zunehmend
Tausende Menschen fallen Klimaerwärmung zum Opfer: WHO-Kommission verlangt globalen Gesundheitsnotstand
Europa erwärmt sich deutlich schneller als der weltweite Durchschnitt – mit spürbaren und zunehmend ernsthaften Folgen für die Bevölkerung.
Europa erwärmt sich schneller als jeder andere Kontinent. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) steigen die Temperaturen hier etwa doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt – mit spürbaren Folgen für Gesundheitssysteme und Bevölkerung.
Hitzewellen, Überschwemmungen und die Ausbreitung neuer Krankheitserreger setzen bereits heute Millionen Menschen unter Druck. In einem am Montag veröffentlichten Bericht warnt eine internationale Expertenkommission deshalb eindringlich vor den gesundheitlichen Folgen der Klimakrise. Die zentrale Botschaft: Der Klimawandel sei nicht mehr allein ein Umweltproblem, sondern zunehmend auch eine globale Gesundheitskrise.
Pan-European Commission on Climate and Health
Die Pan-European Commission on Climate and Health ist eine unabhängige Beratungsgruppe, die vom WHO-Regionalbüro für Europa eingesetzt wurde, um den politischen Stellenwert, das Bewusstsein und die Unterstützung für stärkere Maßnahmen gegen die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels zu erhöhen.
Experten fordern: Klimawandel soll von der WHO als globaler Gesundheitsnotstand eingestuft werden
Die Experten fordern unter anderem, den Klimawandel künftig als Risiko für die Gesundheitssicherheit zu behandeln. Besonders weitreichend ist die Forderung an die WHO selbst: Die Kommission verlangt, den Klimawandel offiziell als „gesundheitlichen Notstand von internationaler Tragweite“ einzustufen. Die bisherigen Internationalen Gesundheitsvorschriften seien vor allem für zeitlich begrenzte Krankheitsausbrüche entwickelt worden, nicht jedoch für eine langfristige globale Krise wie den Klimawandel.
Zu der paneuropäischen Kommission gehört auch der Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Eine solche Notlage wurde etwa für die Covid-Pandemie ausgerufen. Der SPD-Politiker sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Die WHO muss der Bekämpfung der Klimakrise mehr Aufmerksamkeit widmen. Abwarten im Verlauf der Katastrophe macht keinen Sinn.“ Jährlich sorgten die Folgen der Verbrennung fossiler Brennstoffe in Europa für 600.000 Todesfälle, dazu kämen 60.000 Hitzetote. „Es wird Zeit, dass wir erkennen, dass wir es mit einem medizinischen Notfall zu tun haben.“
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Südeuropa besonders betroffen: Hitze, Dürre und Waldbrandrisiko steigen massiv
Zu den besonders betroffenen Regionen zählt Südeuropa, insbesondere der Mittelmeerraum, wo trockene Sommer, hohe Sonneneinstrahlung und zunehmend häufige Hitzeperioden zusammentreffen. Der gemeinsame Bericht „European State of the Climate“ (ESOTC) von Copernicus und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) dokumentiert europaweit eine Zunahme von Extremereignissen – darunter anhaltende Hitze und Dürre, die das Waldbrandrisiko im Süden erhöhen, ebenso wie schwere Überschwemmungen in anderen Teilen Europas.
Auch die Europäische Umweltagentur (EEA) bestätigt diese Entwicklung. In ihren Auswertungen zu wetter- und klimabedingten Extremereignissen weist sie auf erhebliche wirtschaftliche Schäden sowie zahlreiche Todesfälle hin. Während Überschwemmungen zu den größten Schadensverursachern zählen, wird Hitze zunehmend als zentrales Gesundheitsrisiko sichtbar, da sie einen großen Anteil der durch Extremwetter verursachten Todesfälle ausmacht.
WHO-Kommission warnt: Politische Reaktion auf Klimakrise reicht nicht aus
Hinter dem Bericht steht die Pan-European Commission on Climate and Health (PECCH), die vom WHO-Regionaldirektor für Europa, Dr. Hans Henri P. Kluge, ins Leben gerufen wurde. Den Vorsitz hat die ehemalige isländische Premierministerin Katrín Jakobsdóttir übernommen. Nach Angaben von WHO/Europe vereint die Kommission 13 frühere Regierungschefinnen und -chefs sowie weitere Akteure – darunter Minister und Vertreter der Zivilgesellschaft – aus dem 53-Länder-Raum der WHO-Region Europa.
Das zentrale Fazit der Kommission fällt deutlich aus: Die politische Reaktion auf die Klimakrise bleibe bislang hinter ihrer Tragweite zurück. Der Klimawandel sei keine zukünftige Bedrohung, sondern bereits eine akute und zunehmende Herausforderung, die zentrale Lebensbereiche wie Gesundheit, Ernährung, Wasserversorgung, Energie und Sicherheit gleichzeitig betrifft. Die bisherigen Maßnahmen stehen demnach nicht im Verhältnis zur Dimension des Problems. (Quellen: WHO, dpa, ESOTC, WMO) (jal)