Chaos an mehreren Flughäfen
Weltweite IT-Störung: So ist die aktuelle Lage an den Flughäfen – Panne wird „in die Geschichte eingehen“
Computer-Probleme sorgen auf der ganzen Welt am Freitag an Flughäfen für Chaos. Zeitweise wurde der Flugverkehr eingestellt – auch in Deutschland hat die IT-Störung Folgen für Reisende.
Update vom 20. Juli, 13.32 Uhr: Allmählich normalisiert sich die Lage in vielen Ländern wieder. Mehrere Fluggesellschaften in den USA sowie in Asien erklärten, dass sie ihren Betrieb wieder aufgenommen hätten. Auch in Deutschland laufe der Betrieb größtenteils wieder nach Plan.
Dasselbe gilt in vor allem in beliebten Urlaubsländern: Laut Thailands nationalem Flughafendirektor Keerati Kitmanawat gibt es derzeit „keine langen Warteschlangen an den Flughäfen, wie wir sie gestern erlebt haben“, berichtet die AFP. Auch in Australien lief der Betrieb im Großen und Ganzen wieder normal, wenngleich der Flughafen Sydney immer noch Flugverspätungen meldete. Laut einem hochrangigen US-Regierungsvertreter wurde in den USA „der Flugbetrieb im ganzen Land wieder aufgenommen, auch wenn es nach wie vor zu Engpässen kommt“.
Die Firma CrowdStrike teilte derweil mit, sie habe eine Lösung für das Problem gefunden. Firmenchef George Kurtz sagte dem US-Nachrichtensender CNBC, er wolle sich „persönlich bei jeder Organisation, jeder Gruppe und jeder Person entschuldigen, die davon betroffen war“. Es könne einige Tage dauern, bis der Betrieb wieder normal laufe. Laut dem Cybersicherheitsexperten Junade Ali vom britischen Ingenieur- und Technologieverband ist das Ausmaß des Ausfalls „beispiellos“. Die Panne werde „zweifellos in die Geschichte eingehen“.
Weltweite IT-Störung: Weiterhin Probleme in den USA
Update vom 20. Juli, 10.38 Uhr: Nach der großen IT-Störung am Freitag läuft der Betrieb am Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld wieder weitgehend normal. Die startenden Maschinen seien mit Ausnahme einiger geringfügiger Verspätungen im Plan, sagte ein Flughafensprecher der Deutschen Presse-Agentur. Einzig zwei Ankünfte aus New York und Newark seien von Airlines gestrichen worden, weil es in den USA offenbar noch Probleme gebe.
Die Situation an den BER-Terminals sei ruhig und entspannt, schilderte der Sprecher. Insgesamt erwartet der BER am Samstag demnach 70.000 Passagiere. Damit erreicht das Passagieraufkommen nicht das Niveau von Spitzentagen, obwohl es sich um das erste Ferienwochenende in Berlin und Brandenburg handelt.
Update vom 20. Juli, 7 Uhr: Bis in den späten Freitagabend hielten die Beeinträchtigungen wegen der großen IT-Störung an zahlreichen Flughäfen an, in Deutschland vor allem in Köln und Düsseldorf. Am Flughafen in Dortmund seien neben Eurowings auch die Systeme von Ryanair und Wizz Air betroffen, sagte eine Flughafensprecherin. Check-ins wurden zeitweise manuell, das heißt mit Papierlisten, durchgeführt. Eurowings hat für Samstag wieder den Normalbetrieb angekündigt, vereinzelte Einschränkungen seien aber weiter möglich.
Am Flughafen BER liefen die Systeme am Freitagabend zwar wieder, der Flugbetrieb in Schönefeld war aber noch bis in die Nacht hinein beeinträchtigt. Zahlreiche Passagiere mussten deshalb weiter am Flughafen ausharren, sagte ein Sprecher. Viele Gesellschaften versuchten, ihre Fluggäste in umliegenden Hotels unterzubringen.
Die Ursache für das weltweite Problem sei ein fehlerhaftes Update eines IT-Sicherheitssystems mit dem Namen „Falcon Sensor“ des Herstellers Crowdstrike gewesen.
IT-Panne legt Flughäfen lahm – Sprecher macht Reisenden Hoffnung
Update vom 19. Juli, 21.14 Uhr: Auf Nachfrage von IPPEN.MEDIA gab ein Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft e.V. eine vorsichtige Entwarnung für alle Flugreisende am morgigen Tag. Dort heißt es:
Bislang sieht alles danach aus, dass der Flugbetrieb an den deutschen Flughäfen morgen wieder normal laufen wird. Ausschließen lassen sich einzelne Verspätungen oder auch Annullierungen nach einer solchen erheblichen Störung des Flugbetriebs natürlich nicht, da unter anderem die Einsatzpläne von Crews und Flugzeugen betroffen sein können.
Fluhafen Berlin betroffen, Frankfurt nicht – Verband reagiert mit Bitte an Fluggäste
Update vom 19. Juli, 19.24 Uhr: Wie die dpa berichtet, war während der großen IT-Störung an den Flughäfen Frankfurt nicht betroffen. „Die Fraport-Systeme am Frankfurter Flughafen laufen“, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Dennoch seien die Auswirkungen der globalen Störung bemerkbar. Bis zum Nachmittag seien 30 Flüge gestrichen worden. Einzelne Fluggesellschaften könnten demnach von Problemen betroffen sein.
In Berlin wurde der Flughafen zwischenzeitlich lahmgelegt, hier gab es mehrere Streichungen. Laut dem Sprecher könnte es insbesondere auch bei USA-Flügen Verspätungen geben. „Wir empfehlen, den Flugstatus zu überprüfen und Kontakt zur Airline zu halten.“
Bei der Lufthansa seien IT-Systeme nur in geringem Maße betroffen gewesen, sagte ein Sprecher. Dabei ging es um Buchungen, nicht aber den laufenden Betrieb. Der Ferienflieger Condor berichtete von Einschränkungen bei der Buchung und Abfertigung. Flugausfälle habe es zunächst aber nicht gegeben.
BDL reagiert auf aktuelle Lage an Flughäfen: „Weiterhin teilweise gestört“
Ein Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft e.V., Alexander Klay, erklärte gegenüber IPPEN.MEDIA zur aktuellen Lage an den Flughäfen: „Am Flughafen Berlin-Brandenburg musste der Betrieb zeitweise eingestellt werden, auch an anderen Flughäfen kam es zu Einschränkungen. Inzwischen läuft der Betrieb wieder an. Die Check-In-Systeme einiger Fluggesellschaften sind jedoch weiterhin teilweise gestört, an manchen Airports kommt es aber weiterhin zu Verspätungen und Annullierungen von einzelnen Flügen.“
An Flugreisende richtet er eine ähnliche Bitte wie auch schon der Flughafenverband ADV: „Betroffene Passagiere werden gebeten, ihre Fluggesellschaft oder ihren Reiseveranstalter bezüglich einer alternativen Beförderung zu kontaktieren. Teilweise können Reisende auch Self-Service-Angebote der Airlines nutzen, um sich über Ihren Flugstatus zu informieren bzw. eine Umbuchung vorzunehmen.“
ADV richtet nach IT-Störungen Bitte an Fluggäste
Update vom 19. Juli, 17.14 Uhr: Während die Airline Eurowings weiterhin Flüge streicht, scheint sich die Lage auf Seite der Flughäfen selbst etwas zu entspannen. Eine Sprecherin des Flughafenverbands ADV erklärte gegenüber IPPEN.MEDIA zur aktuellen Lage: „Flughafenseitig wurden die IT-Arbeiten inzwischen erfolgreich beendet und der Betrieb konnte wieder vollumfänglich aufgenommen werden. Da viele Fluggesellschaften betroffen waren, mussten zahlreiche Flüge abgesagt werden. Einschränkungen wie Verspätungen oder Absagen von Flügen sind in Einzelfällen weiterhin möglich. Der Flughafenverband ADV bittet die betroffenen Passagiere, sich bei ihrer Airline nach dem aktuellen Status zu informieren.“
Blaue Bildschirme, Flughafen-Chaos: Bilder zur weltweiten IT-Störung




Eurowings streicht weiter Flüge – Ende der Einschränkungen unklar
Update vom 19. Juli, 16.41 Uhr: Die weltweiten IT-Ausfälle halten die Flughäfen weiter in Atem. Die Fluggesellschaft Eurowings streicht aufgrund anhaltender IT-Störungen auch nach 15 Uhr weitere Flüge. „Wir streichen immer noch schwerpunktmäßig innerdeutschen Flüge auch über 15 Uhr hinaus“, sagte eine Unternehmenssprecherin der Deutsche Presse-Agentur.
Wann der Flugverkehr wieder ohne Einschränkungen laufen kann, war am Nachmittag offen. „Wir setzen alles dran, dass sich die Lage bis morgen normalisiert hat, aber bestätigen kann ich das noch nicht“, so die Sprecherin.
Eurowings annulliert über 80 Flüge – Check-in und Boarding-Prozesse beeinträchtigt
Laut der Unternehmenswebsite sind über 80 Flüge von den Annullierungen betroffen. Von einer innerdeutschen Flugstreichung betroffene Fluggäste seien gebeten, eigenständig ein Bahnticket zu buchen und dieses zur Erstattung einzureichen, teilte Eurowings mit. Sobald die Störung behoben sei, würden Passagiere umgehend auf alternative Flüge umgebucht.
Die Fluggesellschaft ist nach eigenen Angaben von einer großflächigen globalen Störung eines IT-Unternehmens betroffen. Dadurch seien die Check-In- und Boarding-Prozesse beeinträchtigt. Ein Online-Check-in sei derzeit nicht möglich. „Alle von der IT-Störung betroffenen Prozesse liegen außerhalb unserer Kontrolle“, hieß es.
Trotz der globalen IT-Störung plane Eurowings rund 80 Prozent seines Flugprogramms zu erfüllen, sagte eine Sprecherin der Fluggesellschaft. Das sei auch weiterhin das Ziel. Im weiteren Tagesverlauf sei aber mit Verspätungen und Flugstreichungen zu rechnen, hieß es auf der Webseite von Eurowings. „Wir tun alles in unserer Macht stehende, die Beeinträchtigungen für alle Gäste so gering wie möglich zu halten.“ Aufgrund der Probleme entfalle die Vorabend-Gepäckaufgabe an den Flughäfen Berlin, Dortmund, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Köln/Bonn, und Stuttgart für Flüge am Samstag.
Eurowings streicht Flüge nach IT-Störung
Update vom 19. Juli, 13.14 Uhr: Die Airline Eurowings hat weiterhin mit IT-Problemen zu kämpfen. Aus diesem Grund werden alle innerdeutschen Flüge und Flüge nach und von Großbritannien bis mindestens 15 Uhr gestrichen. Mit der Streichung Dutzender Flüge solle das betroffene IT-System entlastet werden, sagte eine Unternehmenssprecherin.
Erstmeldung vom 19. Juli: Berlin – Eine globale IT-Panne betraf am Freitag (19. Juli) unter anderem Flughäfen in Australien, Spanien, Schweiz, Großbritannien, Indien, Frankreich, Hongkong, den USA, Südafrika und den Niederlanden. In Deutschland kam es am Flughafen in Hamburg und am BER in Berlin zu Verzögerungen bei der Abfertigung.
Zeitweise wurde der Betrieb ganz eingestellt. Die deutsche Fluglinie Lufthansa und die Tochtergesellschaft Eurowings sind ebenfalls betroffen – ausgerechnet in der Ferienzeit. Weltweit seien mehr als 1000 Flüge gestrichen worden, berichtet etwa BBC.
IT-Probleme bei Airlines und Flughäfen weltweit: „Alle Flüge, egal mit welchem Ziel zu stoppen“
Am Berliner Hauptstadtflughafen war der Flugbetrieb zeitweise komplett unterbrochen, lief am späten Vormittag teilweise wieder an. Vier der in Hamburg operierenden Fluglinien mussten laut einer Sprecherin des Flughafens „bestimmte Prozesse im Check-in, die normalerweise digital laufen, von Hand“ erledigen. Die Lufthansa erklärte, sie selbst sei nur gering von den technischen Störungen betroffen. In den USA rief die Flugsicherheitsbehörde FAA alle Airlines auf „alle Flüge, egal mit welchem Ziel zu stoppen“. Flugzeuge der Airlines Delta, United oder American Airlines blieben zunächst komplett am Boden.
Die Folgen an den betroffenen Flughäfen weltweit waren längere Wartezeiten, verschobene, gestrichene oder umgeleitete Flüge. Wie Bilder vom Flughafen Berlin und Hamburg zeigen, bildeten sich lange Warteschlangen. „Nach aktuellem Erkenntnisstand aus den Äußerungen der betroffenen Unternehmen gibt es keine Hinweise auf einen Cyberangriff“, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) mit Blick auf die Computer-Probleme. In Deutschland seien auch Betreiber der kritischen Infrastruktur betroffen, so der Sprecher weiter. Dazu zählen etwa Energieversorger, Transport und Verkehr, öffentliche Verwaltung, Trinkwasser, Abwasser, Telekommunikation, Krankenhäuser. Auch sind Supermärkte von der Störung betroffen, sie haben teils komplett geschlossen.
Diese Flughäfen sind in Deutschland von der Panne betroffen:
- Hamburg
- Berlin BER
- Düsseldorf
- Köln/Bonn
- Nürnberg
- Stuttgart
- Karlsruhe/Baden-Baden
- Memmingen (Allgäu)
Auch Kliniken, Rohstoffmärkte und Supermärkte betroffen: Fehlerhaftes Software-Update als Ursache?
Auch in anderen Ländern sind neben Flughäfen und Airlines weitere Bereiche von den technischen Störungen betroffen. So gab es etwa bei der Bahn in Großbritannien IT-Probleme, ebenso in australischen Supermärkten und bei Rohstoffbörsen in London und Singapur, die zeitweise den Handel aussetzen mussten, wie Spiegel berichtete. In Lübeck und Kiel wurden bestimmte Operationen verschoben. In Großbritannien konnte der Fernsehsender Sky News vorübergehend kein Programm senden. „Die Probleme stören den IT-Betrieb von Paris 2024“, teilten auch die Organisatoren der Olympischen Spiele in Paris am Freitag mit.
Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Experten berichtete, soll ein Update von CrowdStrike Windows-Computer zum Absturz bringen. Dieses Programm werde von zahlreichen weiteren IT-Diensten genutzt, die in der Folge ausfallen, erklärte der Sprecher des deutschen Innenministeriums. Die Software des Cybersicherheitsanbieters Crowdstrike dient untere anderem dazu, Cyberangriffe zu blockieren.
Gleichzeitig hatte auch der US-Softwarekonzern Microsoft Störungen in seinem Cloudangebot bestätigt. Zahlreiche Microsoft 365-Dienste seien „nicht erreichbar“, wie das Unternehmen auf der Plattform X mitteilte. BBC berichtete, die Computer würden das Symptom „Blue Screen of Death“, kurz BSOD (zu Deutsch etwa: Blauer Bildschirm des Todes) zeigen. Das ließe darauf schließen, dass es keine schnelle Lösung für das Problem gebe, so der britische Sender weiter. Laut dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik habe der Hersteller Crowdstrike bereits ein „Workaround“ kommuniziert, mit dem sich das Problem umgehen lasse. (bme/jh/rku/dpa/AFP)
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