Rund 1400 bayerische Kunden bei Salzburger Raiffeisenbanken
Bayern legen 625 Millionen Euro in Salzburg an – doch warum wandert das Geld über die Grenze?
Immer mehr Bayern investieren ihr Vermögen bei Salzburger Banken. Besonders die Salzburger Raiffeisenbanken profitieren von diesem Trend. Doch was macht Salzburg eigentlich so attraktiv für die heimischen Anleger?
Salzburg – Immer mehr Kunden aus Bayern legen ihr Vermögen bei Salzburger Banken an. Darüber freuen sich auch die Salzburger Raiffeisenbanken, die derzeit rund 5500 Kunden im Bereich Private Banking betreuen, darunter rund ein Viertel aus Deutschland, insbesondere aus den benachbarten, bayerischen Landkreisen. In diesem sogenannten ‚Private Banking‘ legt ein Kunde im Durchschnitt rund 500.000 Euro an, das derzeit verwaltete Vermögen beträgt insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro, darunter rund 625 Millionen Euro aus Deutschland. Große Werbeaktionen braucht es scheinbar nicht, „wir haben einen sehr guten Ruf in Bayern und eine sehr hohe Weiterempfehlungsrate von deutschen Kunden“, so Manfred Quehenberger, Geschäftsleiter beim Raiffeisenverband Salzburg.
Dazu komme eine große Kontinuität im Betreuerteam, „ganz im Gegenteil zur hohen Mitarbeiterfluktuation in deutschen Privatbanken“. Neue Kunden kämen aber auch durch Top-Bewertungen in einschlägigen Fachmagazinen, „wie dem Elite-Report, eine Kooperation mit dem renommierten Handelsblatt“. Am Donnerstag (8. August) präsentierte der Verband, der auch die 33 selbstständigen Raiffeisenbanken im Land Salzburg vertritt, neue Erkenntnisse der Marktforschung, diese sehen ein Wachstum von rund zehn Prozent durch den Standort Salzburg, „Das wichtigste Ziel für die Kunden ist der Vermögenserhalt durch eine persönliche, professionelle Beratung“. Für die Bank ist Salzburg ein „High-End-Standort“, der durch seine starke Ausstrahlung einheimische wie ausländische Gäste anziehe. „Sie und die ansässigen Unternehmer sind die primäre Zielgruppe für ein innovatives Angebot im Private Banking“, so Quehenberger, immerhin sei Salzburg als Wirtschaftsstandort die Nummer 2 in Österreich hinter Wien.
Salzburg Top-Standort nach Wien
Salzburg führt mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf von mittlerweile 58.900 Euro (2022) die österreichischen Bundesländer an und liegt sogar vor Wien mit 56.600 Euro. Die Region Stadt Salzburg und umliegender Flachgau ist mit einem BIP pro Kopf von 59.500 Euro überhaupt Österreichs leistungsfähigste Region.
„Salzburg zählt als einziges heimisches Bundesland zu den 20 besten Regionen der EU, es spielt auch in der Top-Liga der großen und wohlhabenden Metropolregionen wie Hamburg, Brüssel, Paris oder Luxemburg“, Salzburg glänzte 2023 mit Vollbeschäftigung, geringster Arbeitslosigkeit und einem Beschäftigungsrekord sowie mit der erfolgreichsten Sommersaison im Tourismus. Zahlreiche internationale Konzerne wie Aldi Süd – derzeit Neubau in Flughafennähe – sowie der Flughafen selbst würden zu der „hervorragenden“ Stellung Salzburgs beitragen.
„Salzburg macht also einiges richtig“, Quehenberger
Nicht nur Salzburg als Land mache „also einiges richtig, sondern auch das Private Banking von Raiffeisen“, das mit dem Standort gewachsen sei. Man sei für ausländische Kunden oft die erste Wahl. So habe der deutsche Elite-Report den Raiffeisenverband Salzburg erst kürzlich wieder unter die besten Private Banker im deutschen Sprachraum eingereiht, zuletzt 2023 mit der Höchstnote „summa cum laude“ unter 367 Anbietern, davon überhaupt nur sieben aus Österreich.
Um ein weiteres Wachstum zu ermöglichen hat der Verband nun die Marktforschung beauftragt, die Wünsche der privaten Kunden noch mehr zu ergründen, die Ergebnisse sind bereits in ein neues Modell für das ‚Integrierte Vermögensmanagement‘ eingeflossen. Rund 200 Kunden wurden telefonisch befragt, Markus Bräckle vom Beratungsunternehmen „zeb“ im deutschen Münster erläuterte jetzt die ersten Ergebnisse, die zeigten, dass das Private Banking für alle Banken sehr attraktiv sei, weil es auch am stärksten wachse. Entsprechend dicht besetzt präsentiere sich der Markt in Österreich. Vor allem regional agierende Banken wie die Raiffeisenbanken hätten gute Chancen beim Private Banking, weil sie Kunden-Nähe und regionale Verankerung glaubwürdig vermitteln würden. „Man kennt sich persönlich und hat Vertrauen zueinander“, brachte es Bräckle auf den Punkt.
Bayerische Landkreise mit hoher Wirtschaftskraft
Salzburg sei im Vermögensmanagement der Banken einer von fünf österreichischen Hotspots. Er zeichne sich, so Bräckle, durch ein stark erweitertes Einzugsgebiet aus. Die Zielgruppe erstrecke sich nicht nur auf Einheimische und Gäste, sondern auch auf die angrenzenden bayerischen Landkreise mit hoher Wirtschaftskraft und vermögenden Menschen, die zu Salzburg einen direkten Bezug haben. Auch diese Kunden würden „einen Kümmerer für alle Angelegenheiten des Vermögens“ suchen, der Faktor Mensch sei in diesem Geschäft zwar immer schon wichtig gewesen, werde jetzt aber zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. „Die Anbieter müssen sich darauf einstellen und qualifiziertes Personal aufbauen. Die hohen Erwartungen an den persönlichen Einsatz begrenzt die Zahl der zu betreuenden Kunden“, so der Bankenberater.
Vermögenserhalt wichtiger als Wachstum
Stark spürbar ist laut dem Unternehmensberater die Zielvorstellung der Kunden für ihr Vermögen, die sich vor allem durch die krisenhaften, letzten Jahre geändert hätte: „Nicht dessen Vermehrung stehe im Mittelpunkt, sondern der Erhalt. Es ist ein realistisches Verständnis für den Ertrag eingekehrt. Man erwartet, dass der Wohlstand erhalten wird, nicht die maximale Vermehrung über Anlagestrategien“. Diese Wünsche werden die Anbieter und deren Berater ernst nehmen müssen. „Die Anbieter kennen diese Einstellung durchaus. Sie ist jetzt aber viel stärker ausgeprägt, die Berater werden das ernst nehmen müssen“, rät Bräckle.
Der Raiffeisenverband bietet die Vermögensberatung in der Stadt in vier Kompetenzzentren an, sowie in Zell am See, die 33 selbstständigen Raiffeisenbanken sind an acht Standorten auf Private Banking spezialisiert, insgesamt stehen 34 Berater zur Verfügung. Lange Treue zum Unternehmen kennzeichnet nach Meinung von Quehenberger auch die Mitarbeiter, die im Durchschnitt über 20 Jahren bei Raiffeisen sind. „Ein deutlicher Unterschied zum deutschen Mitbewerber, dort ist die persönliche Betreuung im Rückzug, die Betreuer wechseln durchschnittlich alle drei Jahre ihren Job“. (hud)