Folgt der große Umbruch?
Warum der DFB beim Neuaufbau an Per Mertesacker denken sollte
Der DFB nimmt offenbar auf allen Ebenen Veränderungen vor. Rücken die Weltmeister von 2014 in den Fokus? Per Mertesacker konnte Erfahrung sammeln.
Am Freitagnachmittag um 11.54 Uhr kam die Pressemitteilung des DFB. „Julian Nagelsmann verlässt den DFB“, lautete die Überschrift. Weitere Weichenstellungen wurden mitgeteilt. Mit Jürgen Klopp werde man nun die Gespräche suchen. Und Geschäftsführer Andreas Rettig lasse seinen bis Ende des Jahres 2026 laufenden Vertrag auslaufen.
Rettig erklärte exklusiv bei Absolut Fussball: „Ich habe Präsident Bernd Neuendorf diese Entscheidung schon vor dem Turnier mitgeteilt. Wir haben vereinbart, es nicht zu kommunizieren, damit keine Personaldiskussionen entstehen. Nachdem die Dinge aber so gelaufen sind, halte ich es für richtig, diesen Entschluss öffentlich zu machen.“
Bosse-Beben beim DFB – wer kommt nach?
Absolut Fussball hatte bereits am Donnerstag (2. Juli) von einem möglichen Bosse-Beben berichtet. Ob nach Rettig noch Sportdirektor Rudi Völler und Neuendorf abtreten, ist noch offen. Sollte Klopp kommen, wird es weitere Entscheidungen geben müssen. Brancheninsider halten einen Umbruch auf allen Ebenen für ein realistisches Szenario. Der DFB soll und muss ein neues Gesicht erhalten nach der Blamage bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko.
Ein logischer Kandidat für den Neuaufbau wäre Per Mertesacker. Der Weltmeister von 2014 hat nach dem Ende der Karriere noch acht Jahre in der Jugendakademie von Arsenal gearbeitet. Der Meistertitel der Londoner ist auch auf dessen Arbeit zurückzuführen. Er hat nach seiner Übernahme vieles umstrukturiert und beim Scouting im näheren Umkreis nach den Juwelen gesucht.
Bukayo Saka, Max Dowman, Ethan Nwaneri und Myles Lewis-Skelly wurden von ihm gefördert. Zusammen hat dieses Quartett einen Marktwert von 220 Millionen Euro – Tendenz stark steigend. „Per ist ungemein beliebt und ein ehemaliger Top-Spieler. Ihm kann man nichts vormachen und er weiß, was ein Spieler braucht, um den Übergang aus der Jugend in den Spitzenfußball zu schaffen“, zitierte Goal.com in einem Bericht 2019 einen anonym gebliebenen Kollegen.
Ex-Profi Jack Wilshere hatte eine ähnlich hohe Meinung von Mertesacker: „Aber er hat gute Trainer geholt und kümmert sich um alles. Er hat keine Angst, große Entscheidungen zu treffen, und er liegt dabei richtig.“ Der aktuell bei der WM als Experte auftretende Per Mertesacker sagte zu seinem Abschied aus London: „Jetzt ist es an der Zeit, mich neuen Herausforderungen zu stellen und mich weiterzuentwickeln.“
Der frühere Innenverteidiger könnte neben Klopp eine Identifikationsfigur werden. Zudem wäre Mertesacker frei. Er hat über 100 Länderspiele bestritten und ging stets voran. Sein „Eistonnen“-Interview bei der Weltmeisterschaft in Brasilien war legendär. Mertesacker hatte aber stets den Teamerfolg im Blick. Als Joachim Löw damals entschied, ihn nach dem Achtelfinale auf die Bank zu setzen, nahm er dies klaglos hin und nahm die Reservisten-Rolle an.
Mertesacker würde hohe Fachkompetenz mitbringen
Wenn Begriffe wie DNA, Teamgeist oder Professionalität fallen, dann ist Mertesacker ganz nah. „Weltmeister ohne Talent“, nannte er seine Biografie. Das ist ein hartes und nicht ganz faires Selbsturteil. Doch es passt zu ihm, sich realistisch einschätzen zu können. Bei Mertesacker sah vieles nicht elegant aus. Doch der robuste Verteidiger hat in Hannover, Bremen, London und im DFB-Team Spuren hinterlassen.
Mit 41 Jahren ist der perfekte Zeitpunkt gekommen für den nächsten großen Schritt in der Karriere nach der Karriere. Mertesacker hat gezeigt, dass er unangenehme und zielführende Entscheidungen treffen kann. Seine Erfahrung ist hilfreich, sein Wort hat Gewicht. Der DFB benötigt Menschen wie Mertesacker – die unbequeme Wahrheiten kennen und trotzdem nach vorn schauen.
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