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Sechste WM für Dauerrivalen
Nach Katar ist vor der WM – Messi und Ronaldo wollen noch einen letzten Tanz
Lionel Messi und Cristiano Ronaldo treten bei der WM 2026 an. Beide spielen ihr sechstes Turnier. Beide können historische Rekorde aufstellen.
Als Lionel Messi im März im Weißen Haus zu Gast war, stand einer der weltgrößten Fußballer mal nicht im Mittelpunkt. Sondern der Hausherr. Donald Trump hatte eigentlich die Mannschaft von Inter Miami eingeladen, um zur Meisterschaft in der Major League Soccer (MLS) zu gratulieren, aber dem Präsidenten kam damals etwas anderes in den Sinn: eine Eloge auf das US-Militär zu halten, das angeblich gerade erfolgreich den Iran bombardiert hatte. Der US-Präsident holte weit aus, und es gibt Bilder, da schaut der argentinische Superstar kurz betreten zu Boden.
Absolut hautnah. Absolut fundiert: Absolut Fussball berichtet für euch von der WM 2026. Unsere Reporter sind in Amerika vor Ort und versorgen euch mit News, Videos und exklusiven Einblicken.
Anders als Cristiano Ronaldo, der Trump freudig anschaute, als die portugiesische Stilikone mit Mohammed bin Salman im November 2025 zur Stippvisite erschien. Es ging vor allem um Geschäfte, die der saudische Kronprinz einfädeln wollte, der zuvor schon die WM 2034 eingesackt hatte, ohne dass die westliche Welt, inklusive der USA, groß Widerspruch erhoben hätte. Alles ist käuflich.
Projektionsflächen der Vermarktung
Beteiligt waren daran auch zwei der prominentesten Fußballer des Planeten, die bei dieser WM erneut mitspielen. Der 38-jährige Messi hat sich 2024 vor die Werbekampagne „Saudi Welcome To Arabia“ spannen lassen – und wird dafür fürstlich bezahlt. Der 40 Jahre alte Ronaldo ist seit 2023 bei FC Al-Nassr die Galionsfigur der saudischen Pro League – und wird dafür noch fürstlicher entlohnt.
Die WM 2022 in Katar war allen Unkenrufen zum Trotz nicht ihr letzter Tanz. Die alten Helden sind noch nicht müde. Zwei Projektionsflächen der globalen Fußball-Vermarktung spielen jetzt ihre sechste Endrunde, beide haben 2006 in Deutschland ihr Debüt auf dieser Bühne gegeben, beide haben Unfassbares nicht nur auf dem Bankkonto vorzuweisen. Der aus Rosario stammende Dribbler Messi: achtfacher Weltfußballer, 198 Länderspiele, 116 Tore. Der auf Madeira aufgewachsene Torjäger Ronaldo: fünffacher Weltfußballer, 227 Länderspiele, 143 Tore.
Überstrahlen Mbappé und Yamal Ronaldo und Messi? Die Superstars der WM 2026
Der argentinische Kapitän ist vor vier Jahren endlich Weltmeister geworden, und dass ihm der Emir des Emirats im Goldtempel des Lusail-Stadions noch einen Bischt am katarischen Nationalfeiertag übergestülpt hat, schien der Mann gar nicht so richtig mitzubekommen. Der portugiesische Anführer war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Doha, weil der Außenseiter Marokko im Viertelfinale die größere Leidenschaft aufbrachte.
Bei diesem XXL-Turnier kann Ronaldo etwas Einmaliges vollbringen: bei allen sechs Endrunden zu treffen. Das müsste in der Gruppe K mit Usbekistan, DR Kongo und Kolumbien doch möglich sein. Und Messi? Der kann mit seinen 13 WM-Treffern noch Miroslav Klose (16) als Rekordtorschützen überholen. Da könnte schon in der Vorrunde gegen Algerien, Österreich und Jordanien was gehen. WM-Rekordspieler ist er mit 26 Einsätzen schon. Sein Stammplatz ist unumstrittener als der von Ronaldo.
Dessen Nationaltrainer Roberto Martinez hält noch beharrlich zu „CR7“. Begründung: „Er hat in den letzten 30 Spielen der Nationalmannschaft 25 Tore erzielt. Er hat einen unbändigen Ehrgeiz.“ Dass der Veteran sich gleichwohl schon bei der EM in Deutschland so gut wie gar nicht mehr an der Defensivarbeit beteiligt, wird hingenommen. Kleine Rückblende: Bei der letzten WM war Vorgänger Fernando Santos so frei, Ronaldo fast nur noch einzuwechseln. In den Wüsten-Arenen wurde es dann jedes Mal laut, wenn sich der Modellathlet von der Bank erhob und eingewechselt wurde.
Messi und Ronaldo kassieren Millionen aus Saudi-Arabien
Da hatte Messi schon mehr zu bieten. Nach dem vermasselten Auftakt gegen Saudi-Arabien musste er vorangehen, um nicht nur sein Lebenswerk zu krönen, sondern auch seine Landsleute zu besänftigen, von denen viele fanden, die Nummer zehn tue im Gegensatz zum verehrten Diego Armando Maradona nicht genug fürs Nationaltrikot. Was Messi dann in jenen Wochen anpackte, davor verneigte sich am Ende die ganze Fußballwelt. Er spielte und kämpfte, als stünde irgendwo in dieser Glitzerwelt ein Jungbrunnen. Er war der Fixpunkt für den Griff nach dem Goldpokal.
Nervenstark auch vom Elfmeterpunkt, als sein damaliger Mannschaftskamerad bei Paris St. Germain, Kylian Mbappé, im flirrenden Finale als dreifacher Torschütze brillierte. Doch Messis Gemeinschaft war stärker als Mbappés Soli. In der Folgezeit sollte es zur Standardfrage für Nationaltrainer Lionel Scaloni werden, wie lange Messi weiterspielt. Antwort: „Das hängt von seinem Gemütszustand und seiner Verfassung ab.“ Der Kapitän der Albiceleste hat zuletzt wieder verlässlich getroffen, bei der Generalprobe gegen Island (3:0) vergingen nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung, bis Messi lässig einen Elfmeter verwandelte.
Irgendwie war es keine Frage, dass diese alles überstrahlenden Figuren wieder mitmachen. Ihnen hilft vor allem die Spielintelligenz, um sich der Attacken zu erwehren. Die Verschleißerscheinungen mehren sich, die Muskeln streiken öfter. Aber wenn die K.-o.-Runde der WM erst mal anfängt, sind die Wehwehchen sicher ausgeheilt. Messi wird dann auch seinen 39. Geburtstag im Kreis der Kameraden gefeiert haben. Könnte Kraft geben. Wie wäre es denn, wenn sich Argentinien und Portugal direkt begegnen? Abwegig ist das als Köpfe der Gruppen J und K ja nicht.
Rauschen beide als Sieger durchs Tableau, könnte man sich zum Viertelfinale in Kansas treffen. Dass sich die beiden Multimillionäre (oder schon Milliardäre?) dann mit so grimmigen Grimassen begegnen wie einst in den Hochzeiten der Feindschaft zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid, wäre ausgeschlossen. Über die Distanz und im Alter ist der Respekt gewachsen. Vermutlich würden sich die beiden Herrschaften herzlich in die Arme fallen – und schmunzeln über das kitschige Rührstück, das prima nach Hollywood passen würde. Vielleicht denken die Organisatoren sogar über eine Verlegung nach Los Angeles nach. Aber Donald Trump wäre bestimmt nicht dafür. Noch regieren in der nächsten Olympiastadt die Demokraten, die er so gar nicht mag.