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Gegner schockiert

„Teamgeist, Mentalität, Wahnsinn“ – die Stimmen zum Comeback-Sieg der Bayern in Mainz

Dem FC Bayern ist in dieser Saison alles zuzutrauen, selbst dann, wenn er eine Halbzeit weit unter seinem eigenen Niveau spielt. Die Stimmen zum 4:3-Sieg in Mainz.

FCB-Coach Vincent Kompany hat drei Tage nach dem Pokal-Triumph in Leverkusen und drei Tage vor dem CL-Knaller bei Paris Saint-Germain beim Bundesliga-Spiel in Mainz die totale Rotationsmaschine angeworfen: Joshua Kimmich und Dayot Upamecano haben die Reise zu den Rheinhessen aus Gründen der Belastungssteuerung erst gar nicht angetreten.

Die Bayern feiern den irren Comeback-Sieg vor den mitgereisten Fans.

Während Manuel Neuer, Harry Kane, Michael Olise, Jamal Musiala, Josip Stanišić und Jonathan Tah zu Beginn auf der Bank saßen, feierte der 18-jährige Senegalese Bara Sapoko Ndiaye sein Startelf-Debüt im zentralen Mittelfeld. Der scheidende Leon Goretzka durfte mit der Kapitänsbinde auflaufen.

Die Stimmen zum verrückten 4:3-Sieg

Diese Maßnahmen zur Schonung vor dem PSG-Spiel gingen zunächst mächtig in die Hose. Denn trotz des gewohnt hohen Ballbesitzes war die erste Hälfte überhaupt nicht „Bayern-like“. In der Offensive ineffektiv, im Defensivverhalten fehlerhaft – die Konsequenz: ein unerwartet hoher 0:3-Halbzeitrückstand durch die Tore von Dominik Kohr (15.), Paul Nebel (29.) und Sheraldo Becker (45.+2).

In der Halbzeitpause scheint Kompany dann die richtigen Worte gefunden zu haben. Nicht nur wegen der Einwechslungen von Harry Kane und Michael Olise bekam die Partie eine ganz andere Richtung. Nach Nicolas Jacksons 1:3 (53.) wurden auch noch Musiala, Stanišić und Tah eingewechselt. Danach drehten Olise – erneut à la Robben (73.) -, Musiala (80.) und Kane (83.) mit ihren Treffern das Spiel komplett. Die Mainzer fanden keine Antwort mehr – und die Bayern feierten ihren ersten BL-Comeback-Sieg seit 1976 nach einem 0:3-Pausenrückstand (damals 6:5 in Bochum).

Offensiv-Stars verhindern Debakel vor Paris: Bayern gegen Mainz in der Einzelkritik

VfB Stuttgart - FC Bayern München
Jonas Urbig: Ist inzwischen so etwas wie der Bundesliga-Keeper des FC Bayern – und hatte dabei noch nie so viel zu tun wie in Mainz. Vor dem 1:0 schaffte er es zwar nicht, den Ball entscheidend aus der Gefahrenzone zu bringen. Verhinderte aber in den Minuten danach mit gleich drei Paraden, dass Mainz noch schneller noch höher führte. Dass es auch so schnell 0:2 und 0:3 stand, konnte er nicht verhindern. Nach dem 0:3, vor dem er noch gegen die Latte pariert hatte, schaute Urbig ungläubig aufs Feld und sagte: „Wow!“ In jedem Fall bis dahin: Der unschuldigste Bayer. Und es ging ja nochmal gut aus. Note: 3 © IMAGO/Revierfoto
Konrad Laimer: Hatte auf der linken Seite viel Offensivdrang. Defensiv zudem tadellos. Note: 2
Konrad Laimer: Startete als Aktivposten, ließ dann aber auch schnell den einen oder anderen Mainzer entkommen. Den Frust darüber sah man ihm an – der Österreicher sah früh Gelb. Immerhin war er pfeilschnell zur Stelle, als Mainz auf dem Weg zum noch früheren 0:3 war. Nach der Pause hatte auch Laimer mehr Drang nach vorn, mit Olise funktionierte er besser. Eine Flanke erreichte den freistehenden Jackson, der zum 1:3 traf. Ein wichtiger Anfang. In der Endphase im defensiven Mittelfeld und mittendrin statt nur dabei. Note: 3 © IMAGO/Ulrik Pedersen/DeFodi Images
02.08.2025, Fussball Testspiel,  FC Bayern - Olympique Lyon
Minjae Kim: Hatte sich den Start in diesen Nachmittag anders vorgestellt. Aber Mainz bleibt Mainz, ein Angstgegner des FC Bayern. Er konnte die diversen Konter nicht unterbinden und hinten im Verbund mit Ito schwer die Ordnung halten. Beim 0:2 wurde Kim getunnelt, beim 0:3 kam er zu spät. Ein Tag zum Vergessen. Sein einziges Glück: dass der Nebenmann noch schlechter war – und es die zweite Halbzeit gab. Note: 4 © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Hiroki Ito: Ohne Einsatz im Kader.
Hiroki Ito: Wollte den Abwehrchef mimen, verlor dabei viel zu oft die eigene Position. Verhinderte immerhin gemeinsam mit Laimer mit einer beherzten Abwehraktion das noch frühere 0:3 (37.). Es fiel später, als Ito auch nicht zur Stelle war. Kompany war mächtig sauer auf Ito, aus gutem Grund. Auch wenn es in der zweiten Halbzeit und später als Linksverteidiger besser wurde: Insgesamt war er zu lange nicht auf der Höhe. Note: 4 © DeFodi/Imago
Alphonso Davies: Ohne Einsatz im Kader.
Alphonso Davie: Musste viel zu oft schnell nach hinten rennen – weil bei den Bayern nach vorn wenig ging. Momente wie schöne Pässe auf Goretzka (35.) oder Abschlüsse (40.) gab es leider zu selten von der linken Außenbahn – weil Davies oft gedoppelt wurde, aber auch keinen guten Tag hatte. Note: 5 © IMAGO/JOERAN STEINSIEK
Aleksandar Pavlovic: Schaltete sich häufig nach vorn ein und überzeugte mit Offensivläufen in den gegnerischen Strafraum. Note: 3
Aleksandar Pavlovic: Übernahm in Abwesenheit von Joshua Kimmich (Belastungssteuerung) den defensiveren Part auf der Sechs und versuchte, aus der Innenverteidigung heraus das Spiel aufzubauen. Zudem war er für die Ecken verantwortlich. Beides gelang in den 45 Minuten, in denen er auf dem Platz stand, nur mäßig. Bei einigen Kontern trabte er außerdem zu langsam hinterher. Immerhin: Seine Körpersprache stimmte – das hob ihn in der ersten Halbzeit schon ab. Note: 4 © IMAGO/Allstar Picture Library Ltd
VfB Stuttgart - FC Bayern München
Leon Goretzka: Musste acht Jahre im Verein sein, um erstmals in der Bundesliga als Kapitän aufs Feld zu gehen. Schaffte es aber – anders als Joshua Kimmich oft – nicht, das Spiel zu beruhigen. Auch nach vorn ging zu wenig, bis Bayern groß wechselte. Dann immerhin: einige feine Pässe. Note: 4 © IMAGO/Noah Wedel
CALCIO
Raphaël Guerreiro: Muss für seine Abschiedstournee die Bundesliga nutzen – in den großen Spielen hat er keinen Platz mehr. Hatte die erste kleine Chance (4.), dann aber auch eine tragende Rolle bei den Gegentoren, als er Sano flanken ließ und vor dem 0:2 den Ball verlor. Machte nach 56 Minuten Platz. Note: 5 © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
Bara Sapoko Ndiaye kommt gegen Mainz 05 zu seinem Debüt für den FC Bayern.
Bara Sapoko Ndiaye: Der junge Mann, dessen Namen noch nicht mal alle aussprechen konnten, legt einen steilen Aufstieg hin. Nach zwei Kurzeinsätzen gegen Stuttgart und St. Pauli stand er diesmal in der Startelf. Auffällig: seine knallorangenen Schuhe. Nicht so auffällig: seine Leistung. Er verlor diverse Bälle leichtfertig und wirkte oft noch wie ein Fremdkörper. Vor dem 0:3 rutschte er aus und machte den Weg frei. Man freute sich richtig, als er in der zweiten Halbzeit plötzlich einmal gegen gleich drei Mainzer durch war. Das macht Hoffnung, dass noch Luft nach oben ist. Note: 5 © IMAGO/Mladen Lackovic
Luis Diaz: War zwar offiziell nicht am Führungstor beteiligt und hatte mit einem genialen Moment doch großen Anteil: Diaz ließ die Flanke gedankenschnell durch seine Beine und bewies damit seine Extraklasse. Ansonsten einer der Aktivposten im Angriff, ihm gelang das erlösende 2:0 in der Nachspielzeit. Note: 1
Luis Diaz: War aus dem gefürchteten Bayern-Sturm der Einzige, der ran durfte – oder musste? Viel ausrichten konnte er ohne die anderen jedenfalls nicht. Eine Halbzeit ohne Bayern-Torschuss sprach Bände, dann war für ihn Schluss. Note: 5 © IMAGO/Noah Wedel
Nicolas Jackson: Ohne Einsatz im Kader.
Nicolas Jackson: Hat für einen, der eigentlich keine Rolle spielt, eine starke Bilanz – und wollte auch in Mainz Betrieb machen. Das gelang in der ersten Halbzeit nicht. Viel zu selten waren die Bayern vor dem Tor, viel zu selten war Jackson in Position. Dass er sich für die zweite Halbzeit mehr vorgenommen hatte, sah man in der 49. Minute, als er noch vergab. Vier Minuten später war die Kugel nach Laimers Flanke drin. Er machte den Weg zur Aufholjagd frei. Note: 2 © IMAGO/Ulrich Wagner
Michael Olise: Zog immer wieder in die Mitte und suchte den Abschluss, war dabei aber oft zu eigensinnig. Blieb dadurch ineffektiver als zuletzt. Note: 4
Michael Olise (ab 45. für Luis Diaz): Tat dem Bayern-Spiel sichtlich gut und machte deutlich mehr Betrieb, als es die Kollegen in den 45 Minuten ohne ihn geschafft hatten. Sein Treffer zum 2:3 – einer aus dem Bilderbuch. Von der linken Strafraumkante nahm er Maß und schloss mit links unhaltbar und mit magischer Flugkurve ab. Vor dem Ausgleich legte er den Ball auf Musiala ab. Note: 1 © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
Harry Kane: Scheiterte in der Anfangsphase noch per Lupfer, markierte dann aber nach 22 Minuten das wichtige 1:0 und schloss trocken ab. Hatte vor und nach der Pause sogar noch Chancen aufs 2:0, die er jedoch ausließ. Darüber hinaus fungierte Kane aber als wichtiger Taktgeber in der Offensive, weil er seine Stürmerrolle gewohnt mitspielend interpretierte. Note: 2
Harry Kane (ab 45. für Pavlovic): Zeigte seinen Willen zur Aufholjagd auch in der Körpersprache. War dann relativ lange nicht in führender Rolle an der Aufholjagd beteiligt – und trotzdem: dass das 4:3 ausgerechnet ihm gelang, war sinnbildlich. Musialas Schuss wurde pariert, Kane staubte ab. Note: 2 © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank
Jamal Musiala: Glänzte mit viel Spielfreude im Offensivzentrum, ließ sich immer wieder fallen und dribbelte von dort Löcher in Leverkusens Abwehr. Legte den Ball beim 1:0 präzise zurück, sodass Kane freistehend einschieben konnte. Bester Münchner Angreifer. Note: 1
Jamal Musiala (ab 56. für Raphael Gueirreiro): Kam und forderte direkt einen Elfmeter. Den bekam er nicht, also musste er weiter ackern. Gute Gelegenheit aus dem Spiel heraus (67.), noch bessere, nachdem er mit Olise Doppelpass gespielt hatte – und zum 3:3 traf. War das der magische Musiala-Moment, den Kompany angekündigt hatte? Zumindest jubelte er so. Note: 2 © IMAGO/David Klein
Josip Stanisic: Hinterlief immer wieder Olise und schaffte so zusätzliche Anspielstationen. Blieb defensiv konzentriert. Note: 3
Josip Stanisic (ab 56. für Alphonso Davies): War von seinen Aktionen oft selbst überrascht, fand sich aber dann besser zurecht. An der Aufholjagd mit einigen klugen Pässen beteiligt. Note: 2 © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
Jonathan Tah: Entschied die wichtigen Duelle für sich und hielt Leverkusens Stürmer souverän in Schach. Note: 3
Jonathan Tah (ab 76. für Ndiaye): Ohne Bewertung. © IMAGO/Michael Weber IMAGEPOWER
Deniz Ofli
Deniz Ofli: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Sven Leifer
Filip Pavic durfte für den FC Bayern gegen Atalanta Bergamo sein Debüt geben.
Filip Pavic: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Nicolo Campo
Bastian Assomo brachte die U17 des FCB nach einer Viertelstunde in Front.
Bastian Assomo: Erstmals im Kader - aber ohne Einsatz. © IMAGO
Manuel Neuer: Wurde lange nicht gefordert und lenkte dann einen strammen Schuss von Leverkusens Tella stark am Tor vorbei (52.). War da, wenn man ihn brauchte. Note: 2
Manuel Neuer: Leistete sich einen riesigen Bock vor dem 0:1 und spielte den Ball Arda Güler in die Füße, der nur noch ins leere Tor einschieben musste. Fiel danach zudem mit Unkonzentriertheiten im Passspiel auf. Und auch den zweiten Treffer per Freistoß hätte ein Neuer in Topform gehalten. Immerhin fing sich der Keeper noch und parierte im zweiten Durchgang mehrere Bälle stark. ⇥Note: 4 © IMAGO/Jerry Andre
Joshua Kimmich: Verteilte die Bälle im Mittelfeld und hielt außerdem das Zentrum vor der Abwehr dicht. Note: 2
Joshua Kimmich: NIcht im Kader. © IMAGO/Noah Wedel
Fussball Supercup Saison 2025/2026 VfB Stuttgart - FC Bayern Muenchen
Serge Gnabry: NIcht im Kader. © IMAGO/Markus Ulmer
Dayot Upamecano: Ließ zu Beginn die Chance aufs 1:0 liegen, verteidigte dafür fehlerfrei und gewann mit seinen aggressiven Tacklings zahlreiche Bälle. Note: 2
Dayot Upamecano: NIcht im Kader. © IMAGO/Markus Fischer
Franz-Beckenbauer-Supercup 2025, VfB Stuttgart - FC Bayern München; 16.08.2025
Sven Ulreich: NIcht im Kader. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Goldberg
Wisdom Mike: Ohne Einsatz im Kader.
Wisdom Mike: NIcht im Kader. © IMAGO/Markus Ulmer
Leon Klanac: Ohne Einsatz im Kader.
Leon Klanac: NIcht im Kader. © IMAGO/Mladen Lackovic

FCB-Sportdirektor Christoph Freund

„In der ersten Halbzeit haben wir kein gutes Spiel gemacht. Dann so zu reagieren, das ist Wahnsinn. Diese Mannschaft ist ganz besonders, dieser Teamgeist, diese Mentalität, dieser Charakter – das ist wirklich einmalig. Das gibt uns ganz viel Energie auch für Dienstag.“

Chefcoach Vincent Kompany

„In den ersten zwanzig Minuten waren wir von der Spielfreude und Aktivität nicht so schlecht. Wir sind aber nicht in den Strafraum gekommen. Das kann mal passieren, aber dann darf man keine Gegentore kriegen. Vom Gefühl können das vier oder fünf werden bis zur Pause. Da geht es dann um Qualität und Mentalität. Wie die Mannschaft dann in Hälfte zwei den Kampf akzeptiert hat – wir haben gejubelt wie in einem Relegationsspiel, als hätten wir uns gerettet. Ich liebe diese Mentalität. Wenn du am Ende der Saison ein Wunder brauchst, kannst du nicht von null anfangen. Das Gefühl und den Glauben musst du dir holen, das war heute immer da. Das ist für mich die Basis!“

Kapitän Leon Goretzka

„In der Halbzeit haben wir ordentlich den Kopf gewaschen bekommen und uns dann wieder auf das berufen, was uns stark macht. Ich glaube, im Leben kann man mal Rückschläge bekommen und in einem Fußballspiel kann man mal zurückliegen. Aber es kommt immer darauf an, wie man darauf reagiert. Heute konnten wir wieder zum Glück beweisen, dass wir eine sehr besondere Mannschaft haben.“

Harry Kane

„Die erste Halbzeit war schwierig. Wir sind unter unseren normalen Standard gefallen, was unsere Herangehensweise an jedes Spiel betrifft. Wir haben die Konter nicht gut genug kontrolliert, unsere Restverteidigung war nicht gut genug. Mit dem Ball waren wir etwas schlampig. Und man muss Mainz Anerkennung zollen: Sie haben uns in vielen Aktionen bestraft.“

Aber: „Wir haben in der Halbzeit gesagt, dass wir mehr Energie und mehr Intensität hineinbringen müssen. Und ich denke, das hat man ab der ersten Minute der zweiten Halbzeit gesehen. Natürlich muss man auch Qualität zeigen. Und ich denke, das haben wir mit den Toren, die wir erzielt haben, getan. Aber Kompliment an alle. Nach einem 0:3 zur Halbzeit zurückzukommen, zeigt die Mentalität, die wir haben.“

Mainz-Mittelfeldspieler Nadiem Amiri

„Mir fehlen die Worte gerade. Wir haben eine unfassbare erste Halbzeit gespielt. Die Qualität, die dann kommt, kann man nicht verteidigen. Das ist das beste Beispiel, warum Bayern gerade die beste Mannschaft der Welt ist. Wir wussten, wir müssen gut verteidigen, gegen den Ball leiden, die Momente mit Ball nutzen. Natürlich war die zweite Halbzeit umso schockierender.“ 

Rubriklistenbild: © IMAGO/DeFodi.de

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