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„Da muss man schon mit den Tränen kämpfen“

52 Jahre Fußball: Wacker Burghausen-Legende Fenk über Aufstiege, Schmerz und seinen Abschied

Emotionaler Abschied im Grünwalder Stadion der Fans beim letzten Spiel unter seiner Regie: Karl-Heinz Fenk.
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Emotionaler Abschied im Grünwalder Stadion der Fans beim letzten Spiel unter seiner Regie: Karl-Heinz Fenk.

Karl-Heinz Fenk hat beim SV Wacker Burghausen alles erlebt: Aufstiege, Tränen, Pokal-Drama und eine Fußballfamilie, die ihn geprägt hat. Zum Ende seiner 52-jährigen Fußball-Laufbahn öffnet die Vereins-Legende so offen wie nie sein Kapitel Wacker Burghausen.

Burghausen – Seit dem Nikolaus-Tag letzte Woche ist Karl-Heinz Fenk Fußball-Rentner (beinschuss.de berichtete). Ein Erfolg war dem 58-Jährigen zum Abschied von der Fußball-Bühne nicht beschieden, der SV Wacker Burghausen kassierte im letzten Spiel unter der Regie des Sportlichen Leiters eine 0:3-Niederlage beim FC Bayern München II, in der Rückschau auf fast 52 Jahre Fußball allerdings eine Marginalie: „Fußball hat mein Leben geprägt, ich habe sehr viel gegeben, aber auch viel zurückbekommen. Wie sagt man so schön, Fußball ist halt die schönste Nebensache der Welt.“

Mit sieben Jahren ist der junge Fenk beim FC Perach ins Fußballer-Leben eingestiegen und hatte danach verschiedene Stationen, aber der SV Wacker Burghausen hat ihn am meisten geprägt. Bei seiner sportlichen Liebe war er Torhüter, Torwart-Trainer, Co-Trainer, Teammanager und Sportlicher Leiter – mehr geht fast nicht und deswegen sagt er jetzt auch: „Wenn ich bei meinem Herzensverein aufhöre, gibt es auch kein Zurück mehr. Da werde ich mit Sicherheit bei keinem anderen Verein mehr etwas machen.“ Vielmehr will der Fußball-Ruheständler seine neue, gewonnene Freizeit genießen. „Ich freue mich darauf, mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können und auch mehr Zeit für mich selber zu haben“, verrät Fenk im Interview mit Journalist Michael Buchholz, einem langjährigen Weggefährten

SV Wacker Burghausen: Sportlicher Leiter Karl-Heinz Fenk verabschiedet sich nach 52 Jahren

So viele Jahre im Fußball, was waren denn die Highlights, das ist sicher nicht ganz einfach einzuordnen?
Fenk: „Der Aufstieg von der Bayern- in die Regionalliga in der Saison 1994/95 unter Trainer Kurt Niedermayer war schon der Höhepunkt. Wir waren damals eine richtig coole Truppe. Da haben sich Freundschaften fürs Leben entwickelt. Das war schon die schönste Zeit. Aber erinnere mich auch gerne an die Zusammenarbeit später mit Trainern wie Rudi Bommer oder Markus Schupp, mit denen ich auch noch heute immer wieder telefoniere.“
Mit dabei waren ja 1995 Jungs wie Bernhard Brüderl, Christian Fleißner, Günter Wimmer, Franz Berger, Manfred Greilinger, Bernhard Moosleitner, Wolfgang Riedl, Armin Sandner, Sven Harlander, Günter Heberle, Thomas Lange, „Capitano“ und der ewige Libero Manfred Stutz, Josef Unterhuber und „Katze“ Anton Zeidler, die heute noch in der Region einen klangvollen Namen haben?
Fenk: „Stimmt. Wir haben uns anlässlich des 30-jährigen Jubiläums auch in diesem Jahr Ende Mai getroffen. Sven Harlander hat das federführend organisiert, mit Mittagessen in Burghausen, Plättenfahrt auf der Salzach ab Tittmoning und anschließender Feierrunde. Das hat richtig Spaß gemacht. Fast so wie damals, als wir nach der Meisterfeier zwei Tage um die Häuser gezogen sind.“
Mit dem Zweitliga-Aufstieg 2002 unter Trainer Rudi Bommer und Sportchef Kurt Gaugler hat Wacker eine Begeisterungswelle in der Region losgetreten, da waren Leute dabei wie Thomas Broich, Roland Bonimeier, Manfred Burghartswieser, Ronald Schmidt oder Björn Hertl, die das Gesicht des SV Wacker über viele Jahre geprägt haben und dann auch noch teilweise bei anderen Vereinen Karriere gemacht haben?
Fenk: „In den fünf Zweitliga-Jahren war ich ja Torwart-Trainer, das war schon sehr spannend. Ich hatte da Keeper wie Uwe Gospodarek, Kai Wehner, Jens Kern oder Manuel Riemann unter meinen Fittichen.“
Riemann, der viele Jahre in Bochum Bundesliga gefangen hat und derzeit ohne Verein ist, war ja aus dem eigenen Stall?
Fenk: „Manu hat mich in den ganzen Jahren tatsächlich als Fußballer am meisten beeindruckt. Ich habe wirklich viele Verrückte in all den Jahren erlebt und ebenso viele positiv Verrückte. Ich habe Manu damals von der U19 hochgezogen und dann durfte er gleich ins Trainingslager mit nach Spanien. Da hat er sofort einen brutal guten Eindruck hinterlassen. Der Rest ist ja bekannt. Einschließlich des Pokal-Krimis 2007 gegen Bayern München mit Oliver Kahn, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Franck Ribery und Miro Klose.“
Apropos Pokal, 2017 sind Sie nach einer Pause zunächst als Teammanager und später als Sportlicher Leiter zu Wacker zurückgehkehr und haben wenige Monate später eine bittere Enttäuschung erlebt?
Fenk: „Richtig, das Toto-Pokalfinale dahoam haben wir im Mai 2017 mit 0:1 gegen Schweinfurt verloren. An das Spiel selber erinnere ich mich noch gut, aber von all dem, was danach war, weiß ich so gut wie nichts mehr. Nur noch, dass ich tief traurig war, dass ich mich geschämt habe und einige Tage das Haus nicht mehr verlassen habe. Wir hatten damals mit Leuten wie Benji Kindsvater, Christoph Burkhard, Marius Duhnke, Stefan Wächter, Philipp Knochner, Muhamed Subasic, Daniel Hofstetter oder Christoph Rech eine richtig gute Mannschaft. Wir waren auch überlegen und haben dann ein billiges Tor von Steffen Krautschneider kassiert. Trainer Patrick Mölzl hat damals Miha Tetickovic ins Tor gestellt, weil Stammkeeper Alex Eiban für die nächste Saison ausgerechnet bei Schweinfurt unterschrieben hatte. Und dann ist Miha dieser Fehler unterlaufen – war das bitter! Das war die große Chance auf den DFB-Pokal.“
Siege prägen genauso wie Niederlagen?
Fenk: „Oft haben wir nach Niederlagen am meisten gefeiert. Da war es eine Stunde fad, aber dann hat einer gesagt, dass wir das abhacken müssen und nach vorne schauen sollen. Und dann ist es richtig losgegangen. Zusammen gewinnen, zusammen verlieren, da lernt man etwas fürs Leben.“
Die letzten Jahre als Sportlicher Leiter waren wahrscheinlich schon sehr intensiv, wenn man auch in der Verantwortung steht, um den Kader zu planen, die passenden Spieler und Trainer zu bekommen?
Fenk: „Oh ja. Und da will ich mich ganz ausdrücklich bei unserem Geschäftsführer Andreas Huber bedanken. Von ihm habe ich in den letzten knapp zehn Jahren noch viel gelernt. Jeder Verein kann sich glücklich schätzen, wenn man so einen Mann im Verein hat. In den Transferperioden habe ich mehr Zeit mit ihm verbracht als mit meiner eigenen Frau. Wir haben viele Dinge kontrovers diskutiert, uns aber immer am Ende zum Wohle des Vereins geeinigt.“  
Die vielen und langen Busfahrten, die ganze Zeit auf dem Platz, im Büro oder in der Kabine sind jetzt vorbei, was kommt jetzt?
Fenk: „Ich will die Freizeit genießen. Ich habe ja immer gerne und viel gearbeitet. Da war der Fußball ein toller Ausgleich, bei dem auch meine ganze Familie integriert war. Jetzt arbeite ich noch 18 Monate bei Wacker und dann lass’ ich auch dieses Kapitel ausklingen. Was ich wirklich noch erwähnen möchte, ist der Abschied, der mir bereitet wurde. Auf der Weihnachtsfeier und die Woche darauf in der Kabine mit dem ganzen Trainerteam, das war überragend. Und natürlich dann am Freitag im Grünwalder, als die Fans in der 20. Minute das Transparent ausgerollt und sich bei mir bedankt haben. Das ist fast wie ein Ritterschlag, ein traumhafter Abschied, da muss man schon mit den Tränen kämpfen.“ (MB)

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