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„Sie bringen Qualität in unseren Verein“

Wie Trainer aus dem Berchtesgadener Land den Zweitligisten Austria Salzburg aufblühen lassen

Vor der Festung soll die Salzburger Austria wieder zu einer solchen werden: Jugendleiter Juraj Javorovic (Mitte) baut dabei in der U17 auf die Trainer Markus Huber (rechts) aus Bad Reichenhall und Francesco Parrillo aus Freilassing.
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Vor der Festung soll die Salzburger Austria wieder zu einer solchen werden: Jugendleiter Juraj Javorovic (Mitte) baut dabei in der U17 auf die Trainer Markus Huber (rechts) aus Bad Reichenhall und Francesco Parrillo aus Freilassing.

Mit geballter BGL-Power: Mehrere Trainer aus dem Berchtesgadener Land gestalten bei Austria Salzburg vom Nachwuchs bis zur 1. Mannschaft die Abläufe neu und setzen frische Impulse im ganzen Verein.

Salzburg – Die Salzburger Austria stellt ihre Nachwuchsarbeit auf komplett neue Füße, lag sie in den letzten Jahren doch eher brach und war von einer nachhaltigen Förderung junger Fußballtalente ein ganzes Stück weit entfernt. „Durch nicht besonders gute Trainer gab es ein großes Qualitätsloch“, sagt Jugendleiter Juraj Javorovic. „Viele Kinder liefen weg. Aber wir wissen doch, wie wichtige die Grundlage von unten ist – gerade in einem Profiverein.“ Weil die Kampfmannschaft im Fokus stand, sei fast alles andere vernachlässigt worden: „Wir mussten wieder Konstanz reinbringen, mit einer völlig neuen Herangehensweise.“ Bei diesem neuen Konzept helfen neuerdings zwei Trainer aus dem Berchtesgadener Land: Markus Huber und Francesco Parrillo. Verantwortlich für das U17-Team, also die unmittelbare Basis, ehe es möglicherweise in den Profi-Bereich der Kampfmannschaft, aktuell in der 2. österreichischen Liga am Ball, oder zumindest ins 1b-Team geht.

Herren-Chefcoach Christian Schaider aus Ainring, der Markus Huber bestens kennt, wünschte sich einen gesunden Unterbau. So kam es zur Verpflichtung des 52-jährigen Reichenhallers. Als einstiger Top-Fußballer des Berchtesgadener Landes – für den ESV Freilassing unter anderem in der Landesliga aktiv – und Inhaber der UEFA Jugend-Elite-Lizenz ist Huber für die Arbeit mit Nachwuchskickern prädestiniert. Er selbst spielte in jungen Jahren beim FC Bayern und beim TSV 1860 München, ehe die lange Karriere bei seinem Heimatverein TSV Bad Reichenhall ausklang – dort spielt aktuell sein Sohn Fabian (19) in der Kreisklasse.

Berchtesgadener Land: Trainer aus der Region prägen Austria Salzburg

An Hubers Seite ist einer, der ebenfalls seit vielen Jahren die Fußball-DNA in sich trägt: Francesco Parrillo. Als Spieler unter anderem beim SV Wals-Grünau (Regionalliga West), FC Hammerau (bis zur Bezirksliga) und beim ESV Freilassing aktiv, coachte er jüngst die Zweite der „Eisenbahner“, also die U23 des aktuellen Landesligisten, sowie die A-Junioren in der Bezirksoberliga. Den IT-Servicekraft-Angestellten, Besitzer der Trainer-B-Lizenz, holte Huber selbst mit ins Austria-Boot: „Weil ich total von ihm überzeugt bin.“ Parrillo möchte 2026 die A-Lizenz in Angriff nehmen. Von beiden begeistert ist Austria-Nachwuchschef Javorovic: „Sie bringen Qualität in unseren Verein und leisten tolle Arbeit.“ Er weiß, dass es im Sport immer rauf und runter geht, aber: „Seit die beiden bei uns tätig sind, befindet sich der Jahrgang 2009, den sie betreuen, auf einem richtig guten Weg. Die Arbeit trägt Früchte, so soll es sein.“

Der U17/U18-Bereich war eine große Baustelle in Maxglan: „Wir hatten da erhebliche Probleme“, so Javorovic. Mit dem Duo Huber/Parrillo, welches seit Juli 2024 beziehungsweise Februar dieses Jahres an dieser Basis arbeitet, konnten die Schwierigkeiten vorerst behoben werden. Anfangs hatte Huber mit Torwarttrainer Christian „Schlö“ Schlosser einen weiteren Coach aus dem Berchtesgadener Land an seiner Seite. Er avancierte jedoch zum immer festeren Bestandteil der Kampfmannschaft, sodass Parrillo ins Spiel kam. Der 36-Jährige coachte noch bis zur letzten Winterpause den Lieferinger Klub ATSV Salzburg in der 1. Landesliga. Das Trio hatte bereits 2022/23 beim USK Anif ein Trainer-Team gebildet, kennt sich bestens. Und selbst wenn Huber als Chefcoach auf dem Papier steht, möchte er diesen nicht raushängen lassen: „Ich bin für das Organisatorische zuständig, das Training leiten wir zusammen. Und genauso gemeinsam treffen wir alle Entscheidungen.“ Ein Problem: Neben dem Austria-Stadion steht lediglich ein Kunstrasen-Feld für sieben Teams ab der U11 zum Training bereit. Je nach Altersklasse wird drei- bis viermal pro Woche trainiert, das erfordert ein gewaltiges, bis ins kleinste Detail geplante Management.

Der große Wunsch von Jugendleiter Javorovic, der jüngst selbst die U13 übernommen hat: „Den U17-Akteuren Spielpraxis in der U18-Liga verschaffen und den Sprung in die U19, also die 1b-Mannschaft, ermöglichen.“ Die Schwierigkeit: „Das Land Salzburg bekommt aktuell nicht mal eine vernünftige U17-Liga zusammen. Wir haben nur acht Mannschaften, das ist schon recht dürftig“, so Huber. Bedenklich, ja ein Armutszeugnis: Regionalliga-Vereine wie der SAK, Grödig, der FC Pinzgau Saalfelden oder Bischofshofen haben momentan keine U17. Daher gibt es Überlegungen bei der Austria, nach Oberösterreich „rüber zu wechseln“, um mehr Spiele, vor allem gegen stärkere Mannschaften, zu generieren. „Damit würde unser Team ein ganzes Stück mehr gefordert – und das wollen wir ja“, sagt Javorovic. Derzeit ist das im Grunde nur gegen Seekirchen der Fall, der Verein vom Wallersee denkt ebenfalls über einen Bundesland-Wechsel nach. Bei der violetten U17 sind momentan ohnehin drei Oberösterreicher integriert, die in Salzburg ins Internat gehen. Zahlreiche Spieler aus dem Berchtesgadener und Traunsteiner Raum befinden sich ebenfalls im Team.

So bringen Trainer aus dem Berchtesgadener Land frischen Wind zu Austria Salzburg

Die Austria-U17 agiert mit 21 Feldspielern und drei Torhütern ausschließlich mit dem Jahrgang 2009. Dabei dürften drei ältere, Jahrgang 2008-Akteure eingesetzt werden. „Uns geht es aber nicht um Ergebnisse, selbst wenn gewinnen eine schöne Sache ist. Uns geht es um die Ausbildung. Andere Vereine machen das, um vorne mitzuspielen, wir haben da eine andere Ansetzung“, berichtet Markus Huber. „Ergebnisse ergeben sich bei guter Ausbildung von selbst, die Resultate werden stimmen, wenn ordentliche Arbeit abgeliefert wird. Dafür wird man immer belohnt und in der Liga automatisch vorn mitspielen“, weiß er aus eigener Erfahrung. Es ist festgeschrieben, in welchem Alter man was können sollte: „Wenn die Spieler die Dinge wirklich beherrschen, macht es ihnen gleich viel mehr Spaß. Weil das Verhältnis stimmt. Wenn wir bei den 16- oder 17-Jährigen nicht erst schauen müssen, ob sie die Ballannahme beherrschen, sparen wir uns viel Zeit und können die Jungs gleich richtig auf den Herrenbereich vorbereiten“, sagt Huber.

Talentsichtung im November

Damit keine Talente verloren gehen, finden am 18. (Kleinfeld / Jahrgänge 2017/18 und jünger) und 20. November (Großfeld / 2009 bis 2012) direkt neben dem Austria-Stadion Maxglan zwei große Sichtungen inklusive Torhüter statt. Dazu können Buben und Mädchen der angegebenen Altersklassen unverbindlich jeweils ab 17 Uhr vorbeischauen und auf dem Kunstrasenplatz vorspielen. Erfahrene Trainer werden genau hinschauen und versuchen, besonderes Können zu entdecken. Die unverbindliche Anmeldung läuft über die E-Mail-Adresse nachwuchs@austria-salzburg.at, die Teilnahme ist aber auch kurzfristig möglich. Auf den diversen Austria-Kanälen – Vereinsseite online, Facebook, Insta – gibt’s in Kürze alle weiteren Infos zu den beiden Sichtungstagen im November.

„Entwicklung und Spielminuten sind das A und O“, ergänzt Javorovic, der es in seiner aktiven Zeit mit dem HASK Zagreb bis in Kroatiens 2. Liga und zum Ende der Laufbahn ins Regionalliga West-Team des SK Bischofshofen schaffte. Bei den Pongauern und der Salzburger Austria, der Javorovic seit Juli 2020 angehört, hatte er bereits diverse Trainerjobs in den verschiedensten Altersklassen. Jetzt ist er 32 und kümmert sich seit drei Jahren hauptverantwortlich um den gesamten Nachwuchsbereich der Violetten: Der „großen Aufgabe“ ist er sich bewusst, vor allem, da er ganz normal als Standortleiter bei der Post arbeitet. Gestartet wird in Salzburg mit der neuerdings zweimal pro Woche trainierenden Bambini-Gruppe, Schritt für Schritt wird von unten darauf aufgebaut. Dabei soll vom Start weg eine enge Verbindung zum Verein geschaffen werden. Das wird dadurch erreicht, dass der Nachwuchs bei den Spielen des Zweitliga-Teams – unter anderem als Balljungen – dabei ist, die außergewöhnliche Atmosphäre von Anfang an kennenlernt und aufsaugt: „Sie lernen von klein auf, wie dieser Verein tickt, wie er funktioniert, wie das Umfeld arbeitet“, sagt der Jugendchef.

Ab der U7/U8 wird schließlich mit „richtigem Fußball“, also der Arbeit am Leder begonnen: „Viele Jahre später schauen wir dann, wer es bestenfalls in den Profi-Bereich schafft. Gelingt das nicht, gibt es immer noch die Möglichkeit, hochklassig in der 1b in der Regionalliga oder in der Umgebung in der Salzburger Liga zu spielen.“ Welche Chancen es gibt, zeigt aktuell Kristofers Jamonts (20), der 2024 vom 1b-Team in die 2. slowakische Liga wechselte, in den lettischen U19-Nationalkader berufen wurde und mittlerweile für Ogre United in der 2. Liga seines Heimatlandes kickt. Übrigens: Coach des 1b-Teams ist ebenfalls ein heimischer Fußball-Fachmann – Alexander Vater, lange Jahre Co-Trainer der Reichenhaller Ersten in der Kreisklasse und der Kreisliga. Jede Menge BGL-Power also, arbeitet doch neben Kampfteam-Chefcoach Schaider und Torwarttrainer Schlosser auch Co.-Trainer und Videoanalyst Ilker Ugur aus Bad Reichenhall bei der Austria. (bit)

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