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Kreisliga, Knie-OPs und ein rosa Plüschkostüm

Wie ein „Zuagroaster“ aus Heiligkreuz in Bad Reichenhall seine Fußballheimat fand

„Niemals aufgeben“ ist nicht nur ein sportliches Motto von Fabian Gabriel (links und rechts), Co.-Kapitän des TSV Bad Reichenhall und nicht müder werdender Motivator der Kurstadt-Fußballer. Im Café von Vereinskollege Matteo Bernard (mittig) in der Reichenhaller Fußgängerzone gönnt sich Fabian Gabriel gern eine Auszeit.
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„Niemals aufgeben“ ist nicht nur ein sportliches Motto von Fabian Gabriel (links und rechts), Co.-Kapitän des TSV Bad Reichenhall und nicht müder werdender Motivator der Kurstadt-Fußballer. Im Café von Vereinskollege Matteo Bernard (mittig) in der Reichenhaller Fußgängerzone gönnt sich Fabian Gabriel gern eine Auszeit.

Einst lief er im rosa Plüschkostüm durch den Dorfball – heute führt er den TSV Bad Reichenhall als Co-Kapitän in der Fußball-Kreisklasse 4 aufs Feld. Fabian Gabriel hat nicht nur die Liebe, sondern auch sein sportliches Zuhause in der Kurstadt gefunden.

Bad Reichenhall – Er war Teil der „Weißen Weste“, einer höchst seltenen sportlichen Serie: Fabian Gabriel half entscheidend mit, dass die Reichenhaller Fußballer zwischen 14. Oktober 2023 und 5. April 2024 in der Kreisliga achtmal in Folge ohne Gegentor blieben, insgesamt sogar 13 Mal. Erst Buchbachs Berkay Akyildiz brach am 21. Spieltag den Bann und sorgte dafür, dass Kurstadt-Keeper Robert Töpel nach sagenhaften 780 Minuten, also acht Spielen und eine Stunde lang, mal wieder hinter sich greifen musste. Die einmalige Serie an Siegen in Folge stand bei neun. Beim Start all dieser Rekorde – einem 4:0-Heimdreier gegen Mehring – schoss Gabriel sein bislang einziges Tor für den TSV, ein Elfmeter zum Endstand. Eine Top-Saison für den Verteidiger mit nur 25 Team-Gegentoren – Liga-Bestwert.

Die insgesamt 14 Mal unüberwindbare TSV-Abwehrreihe bildete Gabriel im Wechsel unter anderem zusammen mit Marcus Mayr, Dani Haas, Fabio Lehmann, Michi Birawsky oder den Heydt-Brüdern Jonas und Florian. Im Sommer 2022 dockte er bei den Reichenhallern an und wurde kurzerhand zum Saisonabschluss nach Prag mitgenommen – „obwohl ich nichts mit dem kurz zuvor eingefahrenen Kreisliga-Aufstieg zu tun hatte“. Gabriel ist einer von ganz wenigen nicht geborenen oder grundsätzlich an der Saalach aufgewachsenen TSV-Spielern. Mittlerweile 27 Jahre am Ball war er Heiligkreuz-Kapitän und trat mit „Santa Cruz“ in der Chaos-Corona-Saison im September 2020 gegen sein heutiges Team im Nonner Stadion an: Beim 3:3 erzielte der frühere Stürmer, auch mal kurz beim TSV Siegsdorf, den 2:2-Ausgleich. In der Abstiegssaison seines Heimatvereins in die A-Klasse, unmittelbar vor seinem Wechsel nach Reichenhall, gab’s ein 1:1 daheim und ein 0:3 auswärts. – Wir von beinschuss.de haben mit Fabian Gabriel (heute 33) über die aktuelle Saison gesprochen.

Bad Reichenhall: Wie Fabian Gabriel aus Trostberg seine Fußballheimat fand

Sie fühlen sich bei den TSV-Fußballern sichtlich wohl, als „Zuagroaster“ schließlich Kapitän zu werden, sagt viel aus.
Fabian Gabriel: Es ist wirklich erstaunlich, wie toll ich hier aufgenommen wurde. Ich hätte nie gedacht, mich hier derart wohlzufühlen. Es fühlt sich tatsächlich so an, von klein auf hier gewesen zu sein. Beim TSV konnte ich von Anfang an zudem meine Leidenschaft, Dinge zu organisieren, voll ausleben.
Als Sie nach Reichenhall kamen waren Sie schon 30, hatten drei Knie-Operationen hinter sich, einige Bänder- und Faserrisse sowie Muskelverletzungen – und dann Kreisliga…
Fabian Gabriel: Das war schon nochmal eine Herausforderung, aber eine sehr schöne. Anfangs dachte ich jedoch wirklich „Pfiati Fabi, ab in die Zweite“. Aber es hat dann gut mit der Kreisliga geklappt und ich durfte mit der Mannschaft zwei Jahre oben mitspielen.
Im Sommer der Abstieg aus der Kreisliga, und nach einem mauen Saisonstart läuft’s mittlerweile auch in der Kreisklasse, mit vier Siegen und einem Remis aus den letzten fünf Spielen. War vor allem das 3:0 in Inzell der Knackpunkt?
Gabriel: Das war sicher ein Wendepunkt. Wir haben irgendwann halt einfach mal das Glück erzwungen. Es wurde Zeit. Denn selbst bei einigen Niederlagen waren wir nicht so schlecht, wie es vom Ergebnis vielleicht aussah. Ich denke da vor allem an das Kammer-Match, in dem wir 75 Minuten das klar bessere Team sind, 2:0 führen und in der Nachspielzeit komplett unnötig und unglücklich noch verlieren. Beim 0:3 gegen Kirchanschöring II spielen wir unter anderem gegen drei vier Bayernligaerfahrene und dann schaust du halt rasch mal sehr unglücklich aus. Wichtig ist, in solchen Phasen positiv zu bleiben und an sich zu glauben. Das ist bei uns der Fall.

Von Kapitän bei Heiligkreuz zum Co-Kapitän in Bad Reichenhall

Wie schafft man es, sich in schlechten Phasen nicht hängenzulassen und immer wieder neu zu motivieren, anderseits in guten Phasen – wie aktuell – nicht abzuheben?
Gabriel: Die Balance ist natürlich wichtig. Es besteht immer die Gefahr, dass die Stimmung rasch im Keller ist, wenn’s schlecht läuft. Dann geht’s auf einmal wieder aufwärts und alle meinen, man ist oben dabei. Aber unser Coach Mario Majer schaut da schon drauf, dass alles im Rahmen bleibt und die Stimmung angemessen und gut ist.
Sie verletzten sich im Vachendorf-Spiel am 4. Oktober an der Leiste, fehlten nun ein paar Spiele. Wie schwer ist Zuschauen für Sie?
Gabriel: Sehr schwer, es ist wirklich schlimm. Als Zuschauer meint man ja immer, alles besser zu wissen und es besser zu können. Als Spieler auf dem Feld ist alles ganz anders, wenn Entscheidungen in Zehntelsekunden getroffen werden müssen. Ich bin übrigens richtig grantig, wenn ich mich fit fühle, aber nicht spiele. Zweimal ordentlich zu trainieren und dann 90 Minuten auf der Bank sitzen – damit werde ich nie einverstanden sein. Aber welcher Fußballer ist das schon. Das „schlecht gelaunt sein“, muss sich in einem gesunden Rahmen bewegen. Ich bin der Letzte, der dann die, die spielen, nicht motivieren würde.
Wie fühlen sich für Sie die Derbys an, da Sie ja nicht in Reichenhall aufwuchsen und die Rivalität – beispielsweise gegenüber dem ASV Piding – quasi nicht schon mit der Muttermilch aufsogen?
Gabriel: Für mich ist das genauso prickelnd. Die große Rivalität ist spürbar. Es hat aber abgenommen, Derbys waren früher grundsätzlich intensiver. Fußball steht bei den jungen Spielern oft nicht mehr so im Fokus wie zu jener Zeit, als ich jung war. Wir haben einer Saison fast alles untergeordnet.

Warum Bad Reichenhall?

Im Fasching 2020, kurz vor der Pandemie, lernte Fabian Gabriel seine heutige Frau Verena – geheiratet wurde Anfang Juni – kennen. Sie ist der Grund, warum er seit mittlerweile gut fünf Jahren in Bad Reichenhall lebt. Das Kennenlernen lief kurios ab: „Ein Spezl aus Piding wohnte direkt gegenüber des Altwirts. Er lud mich zu einer ,Top-Party‘ ein. Als ich dort ankam, stellte sich heraus, dass diese Feier nur alle zwei Jahre stattfindet und an diesem Tag ,nur‘ der Dorfball ist – auch mit älterem Publikum. Da ich schon mal da war, ging ich hin und lernte in meinem rosa Plüsch-Glücksbärli-Kostüm Verena kennen, die als Marienkäfer ging – sie behauptet bis heute, sie war Mickey Mouse.“ Als es darum ging zusammenzuziehen, entschloss sich Gabriel, seine Heimatgemeinde Heiligkreuz bei Trostberg zu verlassen. Nach dutzenden Wohnort-Stationen mit vielen harten Umzügen und Neustarts bis rauf nach Köln baute er sich in der Salzstadt eine neue Existenz auf. Sportlich fand der gebürtige Traunsteiner diese beim TSV, avancierte zum Stammspieler im kurz zuvor in die Kreisliga aufgestiegenen Team von Coach Michi Kantsperger – letzte Saison sogar als Kapitän unter Coach Michi Wegscheider. Aktuell ist er Co.-Spielführer hinter Kapitän Sascha Schimag.

Ist es überhaupt so, dass ein zwei Derbys pro Saison aufregender sind als acht, wie in dieser Kreisklassen-Saison? Die Lokalhits werden somit ja schon fast zur Gewohnheit.
Gabriel: Für mich ist so oder so jedes Spiel gleich wichtig, meine Motivation vor einem Derby nicht größer als bei anderen Partien. Während eines Spiels geht es ohnehin nie darum, Freundschaften zu schließen – freilich sitzt man danach mit jedem Gegner bei einem oder zwei Bier zusammen, das schließt die Auseinandersetzung auf dem Platz ja nicht aus. Man will jeden schlagen, Kammer genauso wie Piding. Wir sind oft nur „die Stoderer“, kommen zu einem Dorfverein – das fixt mich aber total an, ich sauge das auf.
Welche Ziele haben Sie aktuell mit dem TSV?
Gabriel: Wir haben uns in den letzten fünf Spielen endlich mal belohnt. Jetzt müssen wir schauen, wohin der Weg führt. Bischofswiesen ist schon weit voraus, wir werden weiter alles geben und das Bestmögliche versuchen. Wir haben einen großen Kader und eine gute, intakte Mannschaft.
Wie lange soll’s bei Ihnen noch aktiv gehen? Und was könnte nach der Karriere folgen?
Gabriel: Nach dieser Saison möchte ich kürzertreten. Aber man weiß nie, was passiert. Mir geht es körperlich gut, ein Jahr ohne Muskelfaserriss wäre schön (er lacht). Wenn ich gebraucht werde, werde ich immer bereitstehen, andererseits aber sicher keinem jungen Spieler einen Platz wegnehmen. Als Trainer sehe ich mich nicht, vermutlich werde ich mich nach der aktiven Phase erstmal eine Zeit vom Fußball verabschieden. (bit)

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