„Mir geht es absolut nicht gut…“
Paukenschlag: SC Anger zieht die Reißleine – Andi Brandl nicht mehr Coach des Kreisliga-Teams
Drei Jahre gute Arbeit, doch am Ende zählt nur das Jetzt: Nach einer kurzen Kreisliga-Negativserie endet das Kapitel Andi Brandl beim SC Anger – ein Abschied mit Wehmut, aber ohne Streit.
Anger – Das kommt überraschend: Andi Brandl ist nicht mehr Trainer des SC Anger. Nach vier Niederlagen in Folge trennte sich der heimische Kreisligist (Gruppe 2) von seinem Teamchef. Der Freilassinger übernahm das Sportclub-Ruder im Oktober 2022 als Nachfolger von Christian Berger und hatte damals für einen spürbaren Ruck gesorgt – gleich in seinem ersten Spiel gegen den TuS Bad Aibling, einem 3:1-Heimsieg.
Brandl führte das abstiegsgefährdete Team souverän zum Klassenerhalt (8.) und in der Saison drauf sogar zur Kreisliga-Vizemeisterschaft inklusive Bezirksliga-Relegation – in der die Hürde SV Aschau/Inn letztlich nicht übersprungen werden konnte. In der jüngsten Spielzeit 2024/25 war Anger ebenfalls top dabei, doch eine Fünf-Niederlagen-Serie im Frühjahr beförderte das Team in latente Abstiegsgefahr – der Klassenerhalt wurde letztlich sicher eingefahren. Damals stand die Abteilungsleitung zum einstigen Landesliga- und Bezirksliga-Kicker (ESV Freilassing), jetzt schien zwischen Trainer und Mannschaft keine funktionierende Verbindung mehr.
SC Anger zieht Reißleine: Andi Brandl nicht mehr Kreisliga-Coach
„Irgendwann spürt man gewisse Strömungen, die nicht förderlich sind und eine weitere Zusammenarbeit erschweren“, sagt nicht nur Spartenchef Andi Sprinzing, sondern auch Andi Brandl selbst. Freilich kommt die Entscheidung – die nach einem ganz Fußball-like 90-minütigen Gespräch am Sonntag (2. November) nach der 0:1-Niederlage in Oberteisendorf ohne Streit, jedoch unterschiedlichen Auffassungen, gefällt wurde – gerade für den Coach enttäuschend. Sprinzing tue der Schritt persönlich weh: „Mir geht es absolut nicht gut, dass wir diesen Schritt gehen mussten.“ Denn er weiß ganz genau: „Der Andi ist fachlich ein Topmann, menschlich sowieso. Ob die Entscheidung richtig oder falsch ist, werden wir sehen. Diese Frage bleibt immer.“
Gleich nach dem Schlusspfiff in Oberteisendorf, nach „einem erneut wirklich schlechten Spiel von uns“, unterhielt sich Sprinzing lange mit seinem Stellvertreter Tom Pöschl: „Es war uns rasch klar, dass wir handeln mussten. Gleichwohl wollte ich noch mal eine Nacht drüber schlafen. Zur Ruhe bin ich dann tatsächlich nicht gekommen. Wir haben uns das alles wirklich nicht einfach gemacht. Aber wir gerieten einfach in einen gewissen Negativ-Strudel, es hat aus unserer Sicht nicht mehr gepasst. Nach drei Jahren kommt man ja oft an diesen Punkt.“
Vierte Pleite in Folge: Anger unterliegt im Derby gegen den SV Oberteisendorf




Mit einer kleinen Portion Galgenhumor sieht Andi Brandl den Schritt der Abteilungsleitung: „In Teisendorf bin ich als Tabellendritter gegangen worden – damals sogar nach einem 4:0-Sieg in Surheim –, jetzt in Anger im Grunde ebenfalls“ (Anger ist Vierter, jedoch punktgleich mit dem Dritten und sogar mit dem besseren Torverhältnis/Anm. d. Red.). Freilich ist ihm nach den Ereignissen des vergangenen Wochenendes nicht zum Lachen zumute, gern wäre er noch beim SCA geblieben: „Ich hätte die Flinte nicht ins Korn geworfen. Weil ich keiner bin, der so schnell aufgibt. Aber so ist der Fußball nun mal, selbst im unteren Amateurbereich.“
SC Anger: Ex-Surheim-Trainer Hubert Berger übernimmt für eine Woche
Der Kader ist top, freilich gab es immer wieder Verletzten-Ausfälle, was auch schon vor Saisonbeginn thematisiert wurde, die schmerzen: „Aber ich denke, mit dieser Mannschaft muss mehr möglich sein“, so Sprinzing, der mit diesen Worten klar anklingen lässt, dass zumindest Platz 2 das Ziel ist – um die Aufstiegschance zu wahren. „Mit den Erfolgen der letzten Jahre stieg der Anspruch halt ganz einfach“, entschuldigt er sich fast ein wenig. „Der Kader gibt das ganz klar her.“ Vor den Niederlagen wurden Weildorf (4:0 daheim) und Fridolfing (3:0 auswärts) phasenweise an die Wand gespielt, plötzlich dann – unerklärlicherweise – der Ergebnisbruch. „In guten Zeiten denken viele, dass uns niemand aufhalten kann. Aber gerade das sorgt bei einigen vielleicht für einen gewissen Schlendrian“, weiß Brandl, der nun möglicherweise der Grund für sein Aus beim SCA ist. „Wir haben zum Abschied ein Pils zusammen getrunken. Damit begann es vor drei Jahren auch. Wir können uns in die Augen schauen“, worüber der nun Ex-Coach froh ist.
Wie geht es nun zeitnah beim SC Anger weiter, ein Spiel vor der Winterpause? Die beiden Trainingseinheiten diese Woche leitet Hubert Berger, dessen jüngstes Engagement beim BSC Surheim lag. Der Angerer wird am Freitag (7. November) beim Jahresabschluss-Derby gegen Teisendorf an der Seitenlinie stehen, eine längerfristige Verpflichtung ist jedoch laut Andi Sprinzing ausgeschlossen. „Wir werden uns in der Winterpause in aller Ruhe nach einem neuen Trainer umsehen.“ Andi Brandl einen großen Dank auszusprechen, vergisst er nicht: „Er war trotz der jüngsten Negativ-Serie der Trainer mit dem besten Punkteschnitt hier.“ Brandl selbst, der das Team mit der zweitbesten Abwehr (nur elf Gegentore in zwölf Spielen), verlässt, will nun eine lange Pause einlegen, weiß aber nur allzu gut: „Es geht oft schnell, im Fußball. Wir werden sehen, was passiert.“ (bit)