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Nach einem Jahr Fußball-Pause

„Schlagi“ ist zurück: Wieso der neue Palling-Trainer aus Teisendorf „nicht zu jedem Verein passt“

Im Sommer zieht Fußball-Coach Michael Schlagintweit wieder – wie schon in seinen fünf Jahren beim TSV Petting – eine blaue Jacke an. Auch beim TSV Palling ist das die zentrale Vereinsfarbe.
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Im Sommer zieht Fußball-Coach Michael Schlagintweit wieder – wie schon in seinen fünf Jahren beim TSV Petting – eine blaue Jacke an. Auch beim TSV Palling ist das die zentrale Vereinsfarbe.

Nach einem Jahr ohne Fußball kehrt Michi „Schlagi“ Schlagintweit voller Vorfreude zurück auf die Trainerbank. Beim TSV Palling will der Teisendorfer seine klare Linie durchsetzen, wie er im Interview mit beinschuss.de verrät.

Teisendorf/Palling – Von seinen Mannschaften erwartet er, dass sie alles auf dem Platz lassen: Schließlich war er selbst ein leidenschaftlicher Kicker, dem es nie am nötigen Einsatzwillen mangelte. Charakter und Herz sind für Michael Schlagintweit existenziell wichtig, wenn es darum geht, ein Fußballspiel zu bestreiten. „Die Zeiten haben sich jedoch gewaltig geändert“, weiß der 50-Jährige, der nach einem Jahr Pause und seinem ersten Sommer ohne Vorbereitung seit dem sechsten Lebensjahr zur neuen Saison den aktuellen Kreisklasse-3-Vertreter TSV Palling übernehmen wird.

„Für die jungen Spieler ist Fußball oft nicht mehr die wichtigste Freizeitbeschäftigung, der sie alles andere unterordnen. Das war zu meiner aktiven Zeit ganz anders“, sagt der gebürtige Freilassinger im Gespräch mit beinschuss.de. Für ihn sind Einsatz- und Laufbereitschaft alles, da ist es egal, ob man Champions League oder C-Klasse spielt: „Laufen muss ich immer können und die Grundkondition für 90 Minuten Fußball mitbringen. Wenn dann noch das fußballerische passt, hat man schon viel erreicht.“

TSV Palling: So tickt Neu-Coach Michi Schlagintweit aus Teisendorf

Bei Michi Schlagintweit gibt’s keine Online-Trainer-Spieler-Gruppe: „Wenn einer nicht trainieren oder spielen kann, muss er mich schon anrufen und mir das persönlich sagen. Es geht ja nicht um die Frage, ob es triftige Gründe gibt – aber dann muss man diese offen ansprechen.“ Hintergrund: Es ist natürlich für all jene, die vielleicht mal nicht laufen wollen, weil es gerade besonders schlechtes oder gutes Wetter hat, schwieriger, quasi von Angesicht zu Angesicht etwas auszusprechen. Einfach nur eine kurze Absage schreiben, ist heutzutage Usus und weit einfacher.

Die Spielphilosophie des früheren Reichenhallers – bei seinem Heimatverein in der Kurstadt spielte er von klein auf, stieg als Kapitän mit der TSV-Ersten in die Bezirksliga auf und coachte die Gelb-Schwarzen später – ist klar: Während er für alle der Schlagi ist und nicht „Coach“ oder „Trainer“ gerufen werden will, müssen die Spieler seine Einstellung zu diesem Sport bedingungslos teilen. Selbst wenn die Jungen von heute ganz anders aufgewachsen sind, als er, der 1981 mit dem Kicken begann, weiß er: „Ich muss mich natürlich schon auch der aktuellen Zeit anpassen.“

Schlagintweit fordert die Bereitschaft, ins Training zu gehen, selbst wenn die Vorbereitung gerade im Winter hart daherkommt. „Ich sage auch nichts, wenn einer zwölf Stunden bei 35 Grad im Schatten draußen gearbeitet hat und abends einfach nicht mehr kann. Oder es familiär oder beruflich gerade nicht geht. Dafür sind wir hier im Amateurbereich, es bleibt ein Hobby. Ehrlichkeit ist jedoch das A und O. Weil es schwierig wird, für uns alle, wenn die Oma zum 18. Mal ihren 70. Geburtstag hat.“ Im Grunde liebt es der Schlagi jedoch, wenn er es mit 25 verschiedenen Charakteren zu tun bekommt: „Diese Herausforderung macht’s doch aus“, sagt er und lächelt: „Ich meine, dass ich das ganz gut kann.“ Und: „Man muss sich auch mal die Meinung sagen können, ohne dass das Tuch gleich zerschnitten ist.“

Nach Abschied vom SV Kay: „Schlagi“ ist zurück

In der Winterpause meldete sich der TSV Palling beim Wahl-Teisendorfer, im Januar setzte er sich mit den Verantwortlichen des KK3-Klubs zusammen. „Das hat von Anfang an gepasst, es war ein angenehmes Gespräch. Mein Bauchgefühl meldete sich und sagte mir, dass ich das machen soll – das war übrigens vor allen meinen Trainerjobs so.“ Wenn schließlich auch der „Familienrat“ grünes Licht gibt, ist die Sache klar: „Da habe ich den Vorteil“, schmunzelt der Ehemann und Zweifach-Papa, dass „mich meine Frau gar nicht anders kennt.“ Der Fußball begleitete die Schlagintweits von Anfang an, und seine Susanne, die selbst gern von der Tribüne aus zuschaut, weiß, dass ihr Michi diesen braucht.

Michi Schlagintweit: Ende der 1990er-Jahre im Trikot des TSV Bad Reichenhall.

Nach einem Jahr des „Nichtstuns“ wurde es dem ehemaligen Mittelfeldspieler zwar nicht langweilig – „es gab Wochenenden, da fuhr ich mit dem Rad vier Spiele ab“ –, aber der direkte Fußball-Kontakt fehlte ihm dann doch erheblich. Nach einigen Angeboten auch von „näheren Vereinen“ unterschrieb Schlagintweit nun in Palling, die Liga kennt er durch sein jüngstes Kay-Engagement (2023 bis ‘25) bestens. Schlagintweits Trainerstationen bislang hießen SC Anger (2012 bis ‘15), TSV Bad Reichenhall (2015 bis ‘17), TSV Petting (2018 bis ‘23) und eben Kay. Am längsten weilte er also am Waginger See: Inklusive höchst emotionalem Abschied nach einer dramatisch verpassten Kreisklassen-Aufstiegsrelegation am 3. Juni 2023 gegen Bergen – zweimal geführt, spät den Ausgleich kassiert, in der Verlängerung 2:3 verloren. Vor dem Antritt einer Aufgabe bei einem für ihn neuen Verein sagt er:

„Ich passe sicher nicht zu jedem Verein und nicht jeder Verein zu mir“

„Mir geht es überhaupt nicht darum, wo eine Mannschaft spielt – ob Kreisliga, Kreisklasse oder A-Klasse ist für mich nicht erheblich. Weil ich nicht der Typ bin, der sich hinstellt und sagt, schaut her, ich trainiere ein Kreisliga-Team.“ Denn schließlich möchte er eine Mannschaft auch nach seinen Vorstellungen formen und aufbauen. Der Schlagi könnte es „einfacher“ haben, mit einem Klub in oder der Umgebung seines Wohnortes Teisendorf. Davon gibt es hier genug, drei aktuelle Kreisligisten allein in der Marktgemeinde. Doch ihn stören die weiteren Fahrten nicht: Nach Palling sind es jetzt einfach 25 Kilometer, zu den Auswärtsspielen immer mindestens 60, nach Pleiskirchen sogar über 70.

Wenn die Benzinpreise weiter derart exponiert bleiben, muss ich halt mit dem Rad fahren“, lacht er. „Nach Kay war der Weg zuvor sogar noch weiter.“ Ein Fernziel ist es durchaus, irgendwann mal wieder eine Mannschaft in der Nähe zu coachen. In einem reich gefüllten Pool liegen genügend Angebote, einen bestimmten Wunsch-Klub hat Schlagintweit diesbezüglich jedoch nicht. Schließlich besitzt der ehemalige Mittelfeldspieler durchaus Ecken und Kanten und weiß: „Ich passe sicher nicht zu jedem Verein und nicht jeder Verein zu mir. Es muss einfach Klick machen.“ Er würde nie etwas machen, nur damit er was macht, und dabei ständig Bauchschmerzen haben. Sein neues Team sah er in der Vorbereitung und in den ersten drei Pflichtspielen: „Da ist Potenzial vorhanden“, weiß der bei der Reichenhaller Polizei angestellte Kripo-Beamte.

Beim TSV Palling kann er seine Ideen entwickeln. Im Übrigen könnte der im Inn-Salzach-Kreis relativ zentral gelegene Verein künftig auch wieder der Kreisklasse 4 zugeordnet werden, womit Schlagintweit ebenfalls auf ehemalige Teams treffen könnte: Bad Reichenhall oder Petting beispielsweise. Trainer wurde er übrigens aufgrund seines ersten Kreuzbandrisses (von am Ende dreien) zu gelb-schwarzen Kurstadt-Zeiten. Zlatko Zvonc war nicht mehr Coach der hochklassig in der BOL spielenden C-Jugend, Schlagi übernahm und fand Gefallen an diesem Tun. Danach coachte er noch die TSV-B- und A-Junioren. In diesem Sommer übernimmt er also das Zepter des aus privaten Gründen ausscheidenden Palling-Trainers Michael Lissek. (bit)

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