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Klare Worte nach dem Spitzenspiel in der Kreisliga 1: Während der TSV Reischach mit einem 2:0-Erfolg an der SG Tüßling-Teising vorbeizieht, wächst bei den Gästen nicht nur der sportliche Druck. Auch die Kritik am BFV wird immer lauter.
von Rudi Mayer
Reischach – Am Sonntagnachmittag (29. März) um 15 Uhr stand auf der Schulsportanlage zu Reischach der 21. Spieltag der Fußball-Kreisliga 1 an mit der Begegnung TSV Reischach gegen den SV Tüßling. Eine mit Hochspannung erwartete Partie zweier mit Aufstiegsambitionen behafteter Ligakonkurrenten, genauer gesagt: der Drittplazierte gegen den Fünftplazierten. Eine mit mächtiger Brisanz ausgelegte Begegnung, die vor allem vom SV Tüßling nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge keinesfalls ohne Punkte enden durfte, wenn man den Anschluss an das Führungsduo TuS Raubling und FC Grünthal nicht verlieren wollte.
Wir von beinschuss.de wollten es aber noch genauer wissen, waren vor Ort, durften nach Schlusspfiff mit zahlreichen Interviews hinter die Kulissen schauen und dabei feststellen, dass vor allem organisatorisch in dieser Liga wieder einmal ein großer Schatten vom BFV die Interessen einzelner Vereine gänzlich außer Acht lässt! Und siehe da, als hätten wir es geahnt, handelt es sich ein weiteres Mal um einen Spielklassenleiter, der schon ein Jahr zuvor mit seinen Einstellungen zu Spielgemeinschaften bei der SG Chieming/Grabenstätt in der damaligen A-Klasse 6 von sich Reden machte, die jeglicher Grundlage entbehrten!
Reischach und Tüßling kritisieren Bayerischen Fußball-Verband (BFV)
Pünktlich um 15 Uhr pfiff Schiedsrichter Jakob Heiß die Begegnung vor über 250 angereisten Zuschauern an. Schon in den Anfangsminuten konnte ein jeder die gewisse Spannung, die über dem Rasen lag, mit den Händen förmlich greifen, als sich die ganz in Blau gekleidete Heimmannschaft des TSV Reischach in ihren Angriffsbemühungen immer mehr in der Hälfte des SV Tüßling festsetzte. Gästetrainer Max Hausruckinger hatte in dieser Phase des Spiels alle Hände voll zu tun, seine Jungs an die Positionsdisziplin zu erinnern, um nicht frühzeitig in Rückstand zu geraten.
Dennoch machte Noah Durchner bereits in der 13. Spielminute mit dem Führungstreffer zum 1:0 alle Planungen der in Schwarz-Weiß gekleideten Gäste zunichte, indem er einen kapitalen Abwehrfehler um Torhüter Lukas Schanzer und seiner Abwehrreihe eiskalt ausnutzte. In der Folgezeit bis zum Pausenpfiff wogte das Spiel hin und her, ohne jedoch weitere zwingende Torchancen auf beiden Seiten freizugeben. Halbzeitstand 1:0 für den TSV Reischach! Zu Beginn der zweiten Hälfte sah das Bild der Gäste schon ganz anders aus! Tüßling war sich ab diesem Moment mehr als nur bewusst darüber:
Aufstiegsträume rücken näher: Reischach schlägt den direkten Konkurrenten Tüßling
Wenn das heute wieder in die Hose geht, haben wir erst einmal den Anschluss an das Führungsduo verloren. Entsprechend aggressiver agierte fortan die „Hausruckinger-Truppe“ wesentlich frischer und konzentrierter in ihren Angriffsbemühungen gegen das Tor von Reischachs „Goali“ Tobias Kriwet, wurde aber erneut in der 60. Spielminute nach einem Eckball und viel zu uneffektiver Abwehr durch Christian Bauer mit dem 2:0 entsetzlich und spielentscheidend bestraft. Damit waren die Vorzeichen für einen verdienten „Dreier“ der Gastgeber erfüllt, der TSV Reischach gab von nun an das Match nicht mehr aus der Hand. Auch Heimtrainer Thomas Lange, über fast die gesamte Spieldauer mit finsterer Mine dreinschauend, konnte sich allmählich lösen und uns gegenüber ein zartes Lächeln entgegenbringen. Endstand TSV Reischach – SV Tüßling 2:0!
Interview mit Tüßling-Cheftrainer Max Hausruckinger
Max, wie bewertest du die Niederlage?
Max Hausruckinger, (Cheftrainer SG Tüßling-Teising): „So kannst du halt kein Spiel gewinnen! Wie schon zuvor in Ostermünchen und in Grünthal bekommen wir zu billige Tore und nutzen viel zu wenig unsere eigenen Chancen. Mit der Schiedsrichterleistung heute bin ich absolut nicht zufrieden, er konnte über die gesamte Spielzeit keine klare Linie zeigen.“
Hausruckinger: „Tendenziell sieht es ja bei uns nach einem Umbruch aus. Nachdem vier wichtige Spieler mit Giglsberger, Schmidbauer, Eschler und Kastenhuber uns momentan nicht mehr zur Verfügung stehen, muss ich ganz einfach sagen, dass ich noch immer sehr zufrieden bin. Wir haben bis jetzt 29 Punkte einfahren können, die uns keiner mehr nehmen kann, und damit wollen wir uns im oberen Tabellendrittel etablieren.“
Ihr seid aus der letztjährigen Kreisliga 2 in die jetzige Kreisliga 1 gewechselt – hatte das einen besonderen Grund?
Hausruckinger: „Ein ganz klares NEIN, diese Einteilung kommt einzig und allein vom BFV! Auch wir haben darunter zu leiden, denn unsere Nachbarvereine wie Fridolfing, Engelsberg oder auch Tacherting spielen alle in der Kreisliga 2, und wir dürfen bis hinter Rosenheim nach Westerndorf, Ostermünchen und Raubling fahren. Ich hoffe sehr, dass das mit der Einteilung für die neue Saison wieder vom BFV bereinigt wird.“
Interview mit Tüßling-Abteilungsleiter Benjamin Kastenhuber
Benjamin, wie bewertest du die Niederlage?
Benjamin Kastenhuber, Abteilungsleiter SV Tüßling: „Eine bittere Niederlage für uns! Wir sind eigentlich ganz gut ins Spiel gekommen, waren dann aber für einen Moment unachtsam, haben das frühe 0:1 kassieren müssen und dann läufst du wieder einmal einem Rückstand hinterher, das ist einfach nur bitter, bitter, bitter…“
Was habt ihr euch für die laufende Saison 2025/26 vorgenommen?
Kastenhuber: „Wir wollten eigentlich auf dem Niveau vom Vorjahr fortfahren, vor allem guten Fußball spielen und da anknüpfen, wo wir letztes Jahr aufgehört haben. Ich mag es ungern aussprechen, aber ich denke, dass bei manchem noch das verlorene Aufstiegsfinale von Ohlstadt im Hinterkopf ist.“
Nach zuletzt zwei Niederlagen: Rechnet ihr euch noch Chancen aus, wenn es um die Vergabe des Aufstiegsrelegationsplatzes geht?
Kastenhuber: „Wir haben heute mit der dritten Niederlage in Folge nicht mehr unbedingt die Chancen dazu. Wir möchten jetzt einfach nur noch so viele Punkte sammeln als möglich und uns im oberen Tabellenviertel festbeißen – und dann schauen wir mal am Schluss, was dabei herauskommt.“
Vereine wechseln gerne einmal die Spielklassen, wenn sie sich damit bessere Aufstiegschancen versprechen! War das der Grund für euren Kreisliga-Wechsel? Denn die Nähe der Vereine der Kreisliga 2 ist ja nun mit den Entfernungen in der Kreisliga 1 mit Vereinen wie Ostermünchen, Raubling oder Westerdorf mit doppelt so langen Anfahrten nicht mehr zu vergleichen?
Kastenhuber: „Nein, das war ganz und gar nicht in unserem Sinne, wir wären aufgrund der Entfernungen gerne in der Kreisliga 2 geblieben. Natürlich ist es auch mal interessant, gegen andere Vereine zu spielen, die wir bis dahin nicht kannten. Aber das alles wurde vom BFV bestimmt und wir hoffen sehr, dass das für die neue Saison wieder revidiert wird.“
Interview mit Reischach-Cheftrainer Thomas Lange
Wie bewertest du den Sieg?
Thomas Lange (Cheftrainer TSV Reischach): „Also ich möchte heute meiner Mannschaft mal ein fettes Lob aussprechen, die dieses schwierige und hart umkämpfte Spiel mit unserem großen Verletztenkader zu ihren Gunsten entscheiden konnte. Mein Dank richtet sich auch an unsere angebundene JFG Holzland, die uns mit jungen A-Jugendlichen aus dieser Verletztenmisere geholfen hat.“
Letzte Saison in der Kreisliga 2 mit nur vier Punkten weniger auf der Habenseite ganz knapp den Aufstiegsrelegationsplatz verpasst, soll es dieses Jahr in der Kreisliga 1 mit dem Aufstieg in die Bezirksliga klappen?
Lange: „Letztes Jahr ist uns am Schluss ein wenig die Luft ausgegangen! Heuer wollen wir zuerst einmal so viele Punkte sammeln als möglich, wir sind derzeit oben mit dabei und wollen auch weiterhin auf unserer mentalen Schiene fahren. Kameradschaft, Zusammenhalt und Stimmung in der Mannschaft sind hervorragend, wenn wir das bis zum Schluss durchhalten. Schauen wir mal, was dabei rauskommt.“
Seid ihr auf eigenen Wunsch von der Kreisliga 2 in die Kreisliga 1 gewechselt, und wenn JA, welche der beiden Klassen schätzt du stärker ein?
Lange: „Nein, das war keinesfalls unser Wunsch, im Gegenteil, hier fahren wir an unseren Nachbarvereinen in der Kreisliga 2, wie z. B. dem TuS Engelsberg, vorbei und müssen dafür bis nach Großholzhausen! Wer da von den beiden Klassen die Stärkere ist, ist sehr schwer zu beantworten. Wir hatten letzte Saison mit Aschau/Inn eine sehr starke Mannschaft in der Kreisliga 2, heuer haben wir es mit TuS Raubling in der Kreisliga 1 zu tun, die mit 30 Punkten (!) aus der Bezirksliga absteigen mussten – das alles sind schon schwere Kaliber.“
Ihr seid sehr stark integriert in die JFG Holzland Jugendfördergruppe zusammen mit dem Bayernliga-Klub SV Erlbach! Fällt euch da in naher Zukunft bezüglich Verstärkungen was in den Schoß?
Lange: „Da muss ich schon einmal sagen, dass da eine ganz hervorragende und zielgerichtete Jugendförderung betrieben wird, von der auch wir in naher Zukunft profitieren werden. Einer dieser A-Jugendspieler, der Benedikt Huber, der sonst in der Bezirksoberliga mit der JFG Holzland spielt, hat heute über ganze 90 Minuten seine Aufgabe prächtig erfüllt – von der Warte her gesehen, gehen wir damit einer guten Zukunft entgegen.“
Interview mit Reischach-Kapitän Christof Vilsmaier
Wie bewertest du den Sieg?
Christof Vilsmaier (Mannschaftskapitän TSV Reischach): „Für mich war das heute, unter den Umständen, dass uns fast die Hälfte der Mannschaft wegen Verletzungen gefehlt hat, ein richtig gutes und hochklassiges Spiel. Darauf kann man aufbauen und auch an die Zukunft denken, vorallem hinsichtlich des erbrachten Willens und der Kampfkraft.“
Als Kapitän bist du das Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainer! Wie siehst du momentan die Leistungsstärke deines Teams auf dem Weg in die Bezirksklasse?
Vilsmaier: „Mit der momentan gelebten Kameradschaft auf und neben dem Platz sind wir durchaus guter Dinge, wenn es in die nächst höhere Spielklasse gehen sollte. Über die Qualität des Kaders mach ich mir keine Sorgen – das passt!“
Christof, ich möchte dich im Interesse unserer Leser nochmal fragen: Zehrst du als Torschütze des Bayern-Treffer des Monats in 2023 immer noch, wirst du auch heute noch darauf angesprochen?
Vilsmaier: „Ja, ja, da gibt es hin und wieder Erinnerungen daran, vor allem aber, wenn man zu Hause ist und das Handy durchschaut, das ist auch heute noch eine sehr große Ehre für mich, dass ich das damals gewonnen habe. Ich hatte damals vorher zwei große Chancen versemmelt, aber der letzte Schuss hat gepasst!“ (rm)