Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Ich schaue nur ganz selten Fußball“

Als der Erlbacher Vogl zusammenbricht, läuft sie aufs Feld – jetzt spricht seine Lebensretterin

David Vogl geht es nach seinem Zusammenbruch auf dem Platz inzwischen wieder besser.
+
David Vogl ist nach seinem Zusammenbruch auf dem Platz auf dem Wege der Besserung.

Beim Testspiel zwischen Dingolfing und Erlbach am Donnerstagabend (18. Juni) erlitt David Vogl einen Herzstillstand. Zuschauerin Elisabeth Dobmeier wurde zur Lebensretterin und spricht im Interview mit beinschuss.de über die tragische Situation.

Dingolfing/Erlbach – Zum ersten Testspiel der Vorbereitung auf die neue Saison sind sich der Fußball-Bayernligist SV Erlbach und Landesligist FC Dingolfing in Dornwang gegenübergestanden. Der Ausgang der Partie rückte aber schnell in den Hintergrund: In der 53. Minute blieb ein Erlbacher Spieler ohne Gegnereinwirkung regungslos liegen und musste wiederbelebt werden. David Vogl erlitt ähnlich wie Dänemarks Kapitän Christian Eriksen bei der Europameisterschaft 2021 einen Herzstillstand. Eine Zuschauerin, die als Krankenschwester arbeitete, lief aufs Feld und rettete dem 29-Jährigen das Leben. Im exklusiven Gespräch mit beinschuss.de erklärt die Retterin Elisabeth Dobmeier, wann ihr der Ernst der Lage bewusst wurde, was ihr während der Reanimation durch den Kopf ging, und appelliert, wie man in solch einem Ernstfall vorgehen sollte.

Die Rentnerin Elisabeth Dobmeier war beim Vorbereitungsspiel anwesend, weil sie ihre beiden Neffen Jannik Bauer und Luca Müller, die für den FC Dingolfing auflaufen, mal wieder sehen wollte. „Ich schaue nur ganz selten Fußball. Aber es war ein schöner Tag, also haben wir gesagt, wir radeln hin und schauen uns das an“, berichtet die 66-Jährige. 44 Jahre lang arbeitete Dobmeier als Krankenschwester. „Also eigentlich von der Lehre bis zur Rente“, ergänzt sie. Beim Stand von 1:0 für die Dingolfinger brach der zur Halbzeit eingewechselte SV-Akteur David Vogl in der 53. Minute ohne Gegnereinwirkung zusammen und lag regungslos am Boden. „Den Zusammenbruch selbst habe ich nicht mitbekommen, dann hat neben uns jemand gesagt: ‚Da ist grad einer umgeflogen‘“, erinnert sich Dobmeier.

Erlbach: Lebensretterin spricht nach Herzstillstand von David Vogl

Zuerst realisierte niemand den Ernst der Lage. „Bei solchen Temperaturen sind Kreislaufzusammenbrüche auch nicht selten. Außerdem wussten wir ja nicht, ob er nicht einfach umgeknickt war“, ergänzt die ehemalige Krankenschwester. Dann ging alles recht schnell: Die Partie wurde umgehend unterbrochen, Spieler versammelten sich rund um Vogl und die Zuschauer waren sehr aufgeregt. „Dann hat jemand Richtung Publikum gerufen, ob ein Arzt oder eine Krankenschwester vor Ort ist. Also bin ich reingelaufen“, schildert Dobmeier. Vogl wurde bereits in die stabile Seitenlage gebracht, war aber weiterhin bewusstlos. „Ich habe den Jungen angeschaut und er war zyanotisch (blau angelaufen; Anm. d. Red.). Dann haben wir ihn hingelegt und Kontrolle gemacht – Atmung, Herz – und festgestellt, dass da nichts da ist. Also haben wir ihn klassisch wiederbelebt. Ich habe gesagt, wir müssen anfangen und dann hat mir sofort der Herr Peiß von Erlbach geholfen“, erinnert sich Dobmeier.

Erlbachs sportlicher Leiter Ralf Peiß fand gegenüber unserem Partner-Portal „Fußball Vorort/FuPa Oberbayern“ bewegende Worte. „Der SV Erlbach möchte sich ausdrücklich bei Frau Dobmeier bedanken. Es ist gar nicht mit Worten auszudrücken, wie froh wir sind, dass sie vor Ort war und so beherzt eingegriffen hat.“ Die 66-Jährige erwiderte ganz bescheiden: „Ich habe einfach nur das Nötige gemacht. Vielleicht habe ich den Vorteil gehabt, durch meine berufliche Erfahrung, dass der Schock schneller vorbei ging.“ Auf die Frage, was ihr während der Reanimation durch den Kopf ging, antwortete Elisabeth Dobmeier: „Durch den Kopf geht dir da nur eins: Hoffentlich kriegen wir‘s hin. Mehr denkt man da nicht. Man funktioniert einfach nur. Ich bin das von früher von der Arbeit gewohnt. Der erste Moment ist ein Schock und dann schaltet man ab und funktioniert einfach nur. Das ist dann auch das Adrenalin.“ Und glücklicherweise haben es Dobmeier und ihre Helfer hinbekommen: David Vogls Herz fing wieder an zu schlagen und er wurde vom Rettungswagen abtransportiert.

Das Spiel wurde in der Folge abgebrochen und auch auf Dingolfinger Seite drehte sich alles nur noch um Erlbachs Vogl: „Wir wünschen dem Erlbacher Spieler alles erdenklich Gute und vor allem eine vollständige Genesung“, erklärte Dingolfings Sportlicher Leiter Manuel Wimmer. Am Freitagmittag veröffentlichte der SV Erlbach eine erleichternde Pressemitteilung: „David Vogl ist stabil und in stationärer Behandlung. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Der SV Erlbach möchte DANKE sagen: DANKE für das schnelle und beherzte Eingreifen der zufällig anwesenden Krankenschwester Elisabeth Dobmaier und des sportlichen Leiters Ralf Peiß für die Reanimation am Platz. DANKE an die weiteren anwesenden Helfer bei der Erstrettung. DANKE an das Rettungsteam und den Notarzt. DANKE an den FC Dingolfing, den austragenden Verein DJK Dornwang, das Schiedsrichtergespann um Ilirjan Morina sowie allen Spielern und Zuschauern.“

Lebensretterin Dobmaier mit Appell: „Man soll keine Angst haben“

Der erste Test, der nicht zu Ende gespielt werden konnte, interessiert längst niemanden mehr. Der SVE traf es in der Pressemitteilung genau auf den Punkt: „Fußball ist und bleibt die schönste Nebensache der Welt – das wurde gestern allen wieder deutlich vor Augen geführt. In diesem Sinne baldige und vollständige Genesung an David Vogl. Viel Kraft an David und die ganze Familie Vogl.“ Trotz der langen Erfahrung als Krankenschwester war der eigentliche Fußballabend eine ganz spezielle Erfahrung, die Elisabeth Dobmeier so schnell nicht vergessen wird. „Du gehst ja nicht auf den Fußballplatz und rechnest mit sowas. In der Arbeit bist du gleich mal eine kompatible Mannschaft, privat musst du Anweisungen geben und alles koordinieren. Zudem hast du nichts zur Hand“, betont die 66-Jährige.

Abschließend appelliert die ehemalige Krankenschwester, die am Donnerstagabend beim Testspiel in Dornwang zur Lebensretterin wurde, an alle Menschen, die vielleicht mal so eine Situation miterleben müssen. Da viele Laien in solch einem Moment erst einmal unter Schock stehen und Angst haben, etwas zu machen, sagt Dobmeier ganz klar: „Bei so etwas kann man nichts verkehrt machen. Man kann keine Fehler machen. Wenn man Mund zu Mund bearbeitet, geht vielleicht Luft in den Bauch und bei der Herzdruckmassage bricht man vielleicht eine Rippe. Aber wenn man einen Menschen gerettet hat, dann ist eine gebrochene Rippe eigentlich gar nichts. Man soll keine Angst haben, hinzufassen und etwas zu machen.“ (les)

Kommentare