Fairness-Geste sorgt für großen Applaus
Schiri Lorch zeigt Größe und gesteht Fehler ein bei Bayerisch Gmain gegen Reit im Winkl
Erst Rot, dann Reue: Im Spiel zwischen WSC Bayerisch Gmain und FC Reit im Winkl sorgt Schiri Philipp Lorch für eine Szene, die man im Amateurfußball kaum glauben mag. Er holt einen bereits vom Platz gestellten Spieler zurück – und schreibt damit ein kleines Stück Fußballgeschichte.
Bayerisch Gmain – Eine einzigartige Aktion ereignete sich am Samstagnachmittag (1. November) in der GmoaArena: Gerade war eine halbe Stunde der A-Klassen-Partie WSC Bayerisch Gmain gegen FC Reit im Winkl absolviert, als Gäste-Akteur Lukas Wolfenstätter einen langen Ball in die Spitze erlief. Auf seiner Verfolgung: WSC-Youngster Maxi Schindler. Der als Innenverteidiger aufgebotene 18-Jährige wusste sich nur mit einem leichten Rempler von hinten zu helfen, der Gäste-Spieler fiel. Schiedsrichter Philipp Lorch vom SC Anger sah die Aktion aus 15 Metern Entfernung und gab seinem ersten Eindruck nach: Rot für den Bayerisch Gmainer – wegen einer „Notbremse“ als vermeintlich letzter Mann. Frustriert trottete Schindler zur Bank, schleuderte sein Trikot enttäuscht neben diese.
Doch was passierte nun: Die Bayerisch Gmainer protestierten naturgemäß. Das harte Urteil sorgte ganz allgemein auch Drumherum für Aufregung. Vor allem, da der Laufweg des FC-Stürmers erstens eher nach außen, also weg vom Strafraum erfolgte, zweitens links der beiden Protagonisten einige WSCler auf gleicher Höhe mitgelaufen waren, die noch hätten eingreifen können.
Bayerisch Gmain: Fair-Play bei Reit im Winkl-Spiel von Referee Lorch
Nach Gesprächen mit den Gastgebern, vor allem aber mit den Reit im Winklern, die ebenfalls fair meinten, dass das kein Rot gewesen sei, passierte Folgendes: „Er holte mich zurück auf den Platz, entschuldigte sich für seine Fehlentscheidung und nahm den Ausschluss zurück“, berichtet Schindler. „Das freute mich natürlich sehr, weil ich natürlich schon mit der Situation abgeschlossen hatte. Denn wann nimmt ein Schiedsrichter schon eine Entscheidung zurück?“ Statt Rot bekam der WSC-Akteur Gelb. Sein Teamkollege Adrian Schläfke fand darüber hinaus lobende Worte für die Gäste: „Es war natürlich auch von den Reit im Winklern eine große Geste, zuzugeben, dass es keine rote Karte war.“
Kantersieg gegen das Schlusslicht: Bayerisch Gmain überrollt den FC Reit im Winkl




Die Ereignisse in der GmoaArena dürfen sich ihres Eintrags ins Fairnessbuch des Jahres sicher sein, wie auch schon eine weitere Fair-Play-Szene vor wenigen Wochen in der Region. Das Kompliment galt allen Akteuren, vor allem natürlich dem Schiedsrichter, der nicht stur auf seiner ersten Spontan-Entscheidung beharrte, sich (s)einen Fehler eingestand und auf die Eingabe beider Seiten eingelassen hatte. Letztlich verdienten sich auch die fairen Gäste aus dem Landkreis Traunstein ein Lob. Als Liga-Schlusslicht hätte ihnen eine Überzahlsituation sicher gutgetan – doch sie stellten die Fairness über einen vermeintlichen Feldvorteil. (bit)