Hybrid-SUV im März-Test
Asphalt-Analyse: Knurriger Sound aber ein Wow-Moment – meine Woche mit dem Flagschiff von Renault
Der Rafale ist Renaults Flaggschiff – und trotzdem kennen ihn wenige. Zu Recht? Was im Alltag nervt und was begeistert. Meine Asphalt-Analyse.
Renault Rafale? Die meisten dürften bei diesem Modellnamen erst einmal stutzen. Dabei ist er hierzulande schon seit knapp zwei Jahren auf dem Markt – das SUV-Coupé ist das Flaggschiff des französischen Autobauers. Im Vergleich mit dem Wettbewerb trifft er unter anderem auf den Cupra Formentor und den Peugeot 408 – beide SUV-Coupés, beide hybrid, beide in ähnlicher Preisregion. Preislich eine Liga höher gäbe es den Audi Q5 Sportback, das Mercedes GLC Coupé – und bis vor Kurzem gab es noch den BMW X4, doch der wird inzwischen nicht mehr gebaut.
Mein Testwagen für eine Woche ist der Rafale E-Tech Full Hybrid 200 in der Ausstattungslinie Esprit Alpine. Unter der Haube arbeitet in dieser Version ein 131 PS starker 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner zusammen mit einem Elektromotor und einem Startergenerator (zusammen 69 PS) – Systemleistung: 200 PS. Die Fahrstufen (theoretisch sind es 15) sortiert eine Multi-Mode-Automatik, das Ganze ist technisch relativ komplex. Das frontgetriebene Fahrzeug ist ein Hybrid – kein Plug-in-Hybrid. Das bedeutet, er hat nur eine kleine Batterie an Bord, die nicht an der Steckdose geladen werden kann. Sie füllt sich entweder durch Rekuperation beim Bremsen oder sie wird über den Startergenerator vom Verbrenner aufgeladen. Bei höherem Leistungsbedarf kann das System in einen Parallelbetrieb schalten, dann arbeiten E-Motor und Verbrenner gemeinsam. Ergebnis soll ein Verbrauch von 4,8 Litern auf 100 Kilometern sein. Ob er in der Realität wirklich so gering ist, wird sich in diesem Test zeigen.
Die ersten 5 Minuten mit dem Renault Rafale: Finde ich mich gleich zurecht?
Klar: Man benötigt immer ein wenig Zeit, bis man sich an die Bedienung eines Autos gewöhnt. Dennoch gibt es Unterschiede – und so manche Design-Entscheidung von Autoherstellern ist schlicht fragwürdig. Wer bei Renault auf die Idee kam, die Lautstärke-Regelung auf zwei Tasten an einem gut versteckten Lenkrad-Hebel zu legen? Vermutlich kein Musik-Liebhaber. Ich weiß mittlerweile, wo sich die Bedienung befindet, weil ich vor nicht allzulanger Zeit schon einmal den Renault 5 E-Tech gefahren bin – mit exakt derselben Lösung. Aber wer zum ersten Mal in dem Wagen sitzt, dürfte schon eine Weile suchen. Hoffentlich ist die Anlage dann nicht gerade bis zum Anschlag aufgedreht. Tipp: Es gibt noch Touch-Lautstärke-Knöpfe neben dem Bildschirm. Die sind aber während der Fahrt schwer zu erreichen.
Autobahnen der Extreme: In Deutschland ist keine Strecke länger als die A7 – eine andere hört einfach auf




Auf der rechten Flanke des Lenkrads ragen gleich drei (!) Hebel aus der Lenksäule – für Gangwahl, Scheibenwischer und Lautstärke/Songwahl. Das ist aus meiner Sicht einfach zu viel – und führt im Alltag immer wieder mal zu Fehlgriffen. Ein Plus ist auf jeden Fall das große digitale Kombiinstrument für den Fahrer, das sich gut ablesen lässt und auch erfreulich viele schicke Darstellungsoptionen bietet. Nicht selbstverständlich: In manchen Modellen gibt es für den Fahrer gar kein Display mehr (Tesla Model Y) oder es ist winzig und mit Informationen überfrachtet. Und nicht nur die Lautstärke-Regelung ist gut versteckt: auch die Funktion, um den Verbrauch zurückzusetzen. Denn das geht nicht über den zentralen Touchscreen, sondern über ein Menü im Fahrer-Display per Lenkrad-Knopf. Ansonsten aber findet man sich schnell zurecht.
Die Asphalt-Analyse – mein monatlicher Autotest
Jeden Monat teste ich ein Fahrzeug eine Woche lang im Alltag und beantworte dabei fünf grundlegende Fragen, die sich wohl jeder Autofahrer stellen würde. Statt technischer Details im Überfluss gibt es ehrliche Eindrücke: Was funktioniert gut, was nervt wirklich? Meine Asphalt-Analyse zeigt Ihnen, wie sich das Auto anfühlt – nicht nur, wie es auf dem Papier aussieht.
Folge 1 (Januar 2026): Tesla Model X Plaid
Folge 2 (Februar 2026): Ford Capri
Folge 3 (März 2026): Renault Rafale
Das würde mein Nachbar fragen
„Und wie heißt der nochmal? Rafael?“ Nein. Und auch nicht Raffaello. Der Name ist Rafale – und wer sich ein wenig mit Frankreich auskennt oder viel Zeit mit Militär-Dokumentationen verbracht hat, weiß: So heißt auch Frankreichs berühmtester Kampfjet. Renault hat den Namen bewusst gewählt – als Verweis auf ein legendäres Rennflugzeug aus den 1930ern, die Caudron-Renault Rafale, die damals Weltrekorde jagte. Zu sehen ist sie im Testwagen als kleine 2D-Grafik am hinteren Ende des Panorama-Glasdachs. Rafale bedeutet übersetzt schlicht Böe – ein plötzlicher, unwiderstehlicher Windstoß. Und so soll wohl auch der Rafale sein: Also – unwiderstehlich, nicht windig. Der neue Renault Rafale wird übrigens wie auch die Schwestermodelle Austral und Espace im Werk Palencia in Spanien produziert.
„Wozu sind denn die Wippen da am Lenkrad?“ Tatsächlich habe ich mich das zunächst auch gefragt. Also habe ich es einfach ausprobiert. Zuerst war ich der Meinung, es passiert – gar nichts. Was natürlich verwunderlich wäre. Doch bei genauerem Hinsehen ändern sich kleine Pfeile auf einem blauen Batterie-Symbol. Ergebnis: die Wippen ändern die Stärke der Rekuperation, also die Energierückgewinnung, wenn man vom Gas geht – aber eben bei weitem nicht in dem Ausmaß wie bei vielen reinen E-Autos.
Die Beifahrer-Jury: Was sagen die Mitfahrer zum Renault Rafale?
„Schick.“ Es gefällt sowohl das scharf gezeichnete Außendesign als auch die Farbe „Gipfel-Blau“, die gerade bei Sonneneinstrahlung ihre volle Wirkung entfaltet. Auch der Innenraum kann überzeugen. In der Top-Ausstattung für diese Motorisierung (Esprit Alpine) macht der Franzose einiges her. Es beginnt mit der Einstiegsanimation auf den Displays mit begleitendem Raumschiff-Sound. Zusätzlich wird man von der Ambientenbeleuchtung empfangen. Die Sitze für Fahrer und Beifahrer sind bequem und bieten genügend Seitenhalt. Zusätzlich sind sie mit ihrer Alcantara-, Stoff-, Kunstleder-Kombinationen und den beleuchteten Alpine-Logos ein echter Hingucker. Dazu kommen die Kontrastnähte in den französischen Nationalfarben. An den Türrahmen sieht man teils dagegen das lackierte Blech. Das fällt aber den meisten auf den ersten Blick nicht auf.
Unterhalb des Navi-Bildschirms gibt es „echte“ Tasten für die wichtigsten Klimafunktionen. Außerdem verfügt der Renault über vier „echte“ Fensterheber für den Fahrer – heutzutage erwähnenswert, denn andere Autobauer lösen das auch in dieser Preisklasse teils mit einem Umschalter, um zwei Tasten zu sparen. Beim Nachwuchs kommen vor allem die Handy- bzw. Tablethalter in der Armlehne auf der Rückbank gut an, die sich dort ausfahren lassen. Ein echter Wow-Moment: Das Solar-Bay-Panoramadach wechselt per Knopfdruck von glasklar auf milchig – und das nicht auf einen Schlag, sondern in einer sehenswerten Segment-für-Segment-Animation. Insgesamt macht der Rafale einen wertigen Eindruck. Und vor deutschen Premium-Modellen muss man sich nicht verstecken.
Der Realitätscheck: Was ist gut – und was nervt am Hybrid-Renault?
Antrieb/Fahrwerk: Grundsätzlich ist der Rafale mit dem Dreizylinder-Hybrid-System und seinen 200 PS im Alltag ausreichend motorisiert. Bergauf oder bei Überholmanövern kommt der Antrieb aber schnell an seine Grenzen: Dann müht sich der kleine Dreizylinder am Gewicht von gut 1,7 Tonnen merklich ab – und erzeugt mehr Lärm als Vortrieb. Der knurrig-dröhnige Sound passt nicht ganz so zum Premium-Anspruch des Fahrzeugs. Den Spurt von 0 auf 100 km/h gibt der Hersteller mit 8,9 Sekunden an. Bei Tempo 180 ist der Renault abgeregelt. Wann genau welche Technik gerade den Vorrang hat, spürt man im Stadtbetrieb selten – es sei denn, man wirft einen Blick auf die entsprechende Animation. Manchmal springt dann aber doch der Verbrennungsmotor auch bei gemächlichem Tempo oder im Stand überraschend und deutlich wahrnehmbar an. Das Fahrwerk ist einwandfrei abgestimmt, wie auch die Lenkung – die aber eher leichtgängig und etwas synthetisch ausgelegt ist. Diesen Fahrkomfort trüben gelegentlich etwas hektische und ruppige Schaltvorgänge.
Allradlenkung: Unser Testwagen verfügte über die Allradlenkung namens 4Control Advanced, wodurch sich der Wendekreis von regulär 11,6 auf 10,4 Meter verkleinert. Beim Rangieren auf Parkplätzen oder bei Wendemanövern ein echter Pluspunkt und durchaus ein empfehlenswertes Extra.
Der Verbrauch: Die WLTP-Angabe für meine Rafale-Version liegt bei 4,8 Litern – in meinem Testzeitraum waren es allerdings rund zwei Liter mehr, bei recht moderater Fahrweise. Für ein SUV in dieser Gewichtsklasse sind 6,7 Liter auf 100 Kilometer kein Rekordwert, aber akzeptabel.
Der Fast-Alles-Ausschalt-Knopf: Viele Sicherheits- und Assistenzsysteme im Auto sind ein Gewinn – ein gutes Beispiel ist der Querverkehrswarner beim Rückwärtsfahren. Leider gibt es aber inzwischen einige von der EU vorgeschriebene Techniken, die eher nerven als helfen. Den meisten bekannt dürfte der Geschwindigkeitspiepser sein, der einen in manchen Modellen zur Weißglut treiben kann, weil er sich schon bei minimalen Überschreitungen akustisch meldet. Seit 2024 sind zudem auch Spurhalteassistenten Pflicht. Und die können nicht nur nerven, sondern auch gefährlich sein. In manchen Modellen – auch im Renault Rafale – greift der Helfer massiv ins Lenkrad ein, wenn man ohne Blinken eine gestrichelte Linie überfährt. Das kann – beispielsweise beim Überholen – zu kritischen Situationen führen. Etwa wenn man das Blinken mal vergisst oder einfach schnell auf die rechte Spur zurückwill. Das Problem: Zwar kann man beide Systeme deaktivieren, doch mit jedem neuen Motorstart sind sie wieder aktiv. Renault hat dafür eine clevere Lösung (nach etwas Suche im System): Eine Taste links der Lenksäule nach Helfer-Vorlieben programmieren. Hat man das einmal erledigt, kann man die Zwangsassistenten dann einfach nach jedem Start per Tastendruck lahmlegen. Auch wenn es traurig ist, dass eine Ausschalt-Funktion erwähnenswert ist.
Sicht nach hinten: Hier zahlt man für das schicke Design seinen Preis. Die schmale und flache Heckscheibe und die dicke C-Säule führen dazu, dass man stark auf die Kameras und Sensoren angewiesen ist. Von denen hat der Rafale aber zum Glück reichlich – und die Sicht aus der Vogelperspektive führt sicher in jede Parklücke.
Beladen: Das Kofferraumvolumen mit 627 Litern ist üppig, allerdings gibt es beim Entladen eine etwa 15 Zentimeter hohe Kante zu überwinden. Die Rücklehnen der Rücksitzbank lassen sich dreigeteilt umklappen, dann passen sogar 1910 Liter rein. Das Problem: Es ergibt sich keine ebene Ladefläche: zwischen Rücksitzlehnen und Kofferraumboden bleibt eine etwa handbreit hohe Stufe. Je nach Transportgut, kann sie stören. Die Heckklappe lässt sich per Fernbedienung öffnen oder angeblich auch per Fußtritt. Bei mir klappte das nicht. Der „echte“ Knopf zum Öffnen sitzt viel zu tief und ist nur schwer zu ertasten, zudem nervt das Warn-Gepiepse beim Öffnen.
Spar-Schlüssel: Definitiv Nachbesserungsbedarf gibt es beim Schlüssel im Scheckkartenformat. Das Plastikteil fühlt sich leicht und billig an, die Tasten sind viel zu klein. Bei einem Teil, das man ständig in der Hand hat, würde sich ein Re-Design definitiv lohnen.
Der Geldbeutel-Check: Wie schlägt sich der Renault Rafale bei den Kosten?
Die Preise für den Renault Rafale Full Hybrid E-Tech 200 starten bei 44.000 Euro. Unser nahezu voll ausgestatteter Testwagen in der Esprit-Alpine-Ausstattung lag bei 55.930 Euro Liste. Dazu trugen unter anderem die Farbe (Gipfel-Blau für 1.290 Euro), das sich verdunkelnde Panorama-Glasdach (1.600 Euro) und das Driving- & Winter-Paket (unter anderem mit Matrix-Licht, Autobahn- und Stauassistent für 2.090 Euro) bei.
Die 300 PS starke Plug-in-Hybrid-Version des Rafale namens Hyper Hybrid E-Tech 300 4x4 Plug-in (heißt wirklich so) mit Allradantrieb startet bei 53.500 Euro – und lässt sich mit Optionen dann auch auf knapp über 60.000 Euro konfigurieren.
Mein Fazit in drei Emojis:
- 🥂 (Champagner-Gläser – weil der Rafale weiß, wie man einen guten ersten Eindruck macht: edler Auftritt, schickes Design, hochwertiger Innenraum)
- 🕵️ (Detektiv – weil: Wer die Lautstärkeregelung und die Verbrauch-Rücksetzung auf Anhieb findet, einen Orden verdient)
- 🐹 (Hamster – weil der kleine Dreizylinder tapfer strampelt – aber bergauf hörbar ins Schwitzen kommt)
Nach einer guten Woche mit dem Rafale steht für mich fest: Renaults Flaggschiff hat definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient. Wer keine Rennstrecken-Ambitionen hat, bekommt für sein Geld einen Franzosen, der weiß, wie man Eindruck macht – und das ziemlich zuverlässig.
Rubriklistenbild: © Oppenheimer


