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Stiftung Warentest

Digitale „Symptom-Checker” im Praxistest: Welche Apps wirklich helfen

Frau mit Handy auf dem Sofa
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Immer mehr Menschen greifen bei gesundheitlichen Beschwerden zuerst zum Smartphone, bevor sie einen Arzt konsultieren.

Digitale Symptom-Checker versprechen eine schnelle Ersteinschätzung bei gesundheitlichen Beschwerden. Doch wie zuverlässig sind sie? Gesundheitliche Beschwerden vom Algorithmus deuten lassen – funktioniert das? Stiftung Warentest hat zehn dieser Angebote getestet – mit teils überraschenden Ergebnissen.

Immer mehr Menschen greifen bei gesundheitlichen Beschwerden zuerst zum Smartphone, bevor sie einen Arzt konsultieren. Sogenannte „Symptom-Checker-Apps” sollen dabei helfen, erste Einschätzungen zu treffen und Empfehlungen zu geben. Doch wie zuverlässig sind diese digitalen Helfer? Stiftung Warentest hat zehn dieser Anwendungen unter die Lupe genommen.

Wie wurde getestet?

Die Verbraucherschützer prüften zehn digitale Angebote zur gesundheitlichen Selbsteinschätzung. Sie sollen laut Herstellern in der Lage sein, für ein breites Spektrum von Symptomen Verdachtsdiagnosen zu stellen und Verhaltensempfehlungen zu geben. Nutzer können also auf der jeweiligen Webseite oder in der App ihre Beschwerden eingeben, und ein Algorithmus berechnet dann, welche gesundheitlichen Probleme dahinterstecken könnten.

Neun der getesteten Symptom-Checker stammen von kommerziellen Anbietern, während das zehnte Angebot, das sogenannte „Patienten-Navi“, von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung entwickelt wurde.

Fünf typische Krankheitsbilder im Test

„Fünf fiktive, aber typische Fälle sollten die Algorithmen in unserem Test erkennen: Bandscheibenvorfall, Angina pectoris infolge einer Verengung der Herzkranzgefäße, Depression, Blasenentzündung und Restless-Legs-Syndrom“, erklärt Heike Dierbach, Gesundheitsexpertin der Stiftung Warentest. Alle Symptome erforderten einen Arztbesuch. Die ersten drei Erkrankungen können auch zu Notfällen führen, also potenziell lebensbedrohlich sein.

Treffsicherheit der Apps variiert stark

Fast alle getesteten Symptom-Checker lieferten eine Verdachtsdiagnose, oft in Kombination mit einer Handlungsempfehlung. Doch nicht alle Apps konnten überzeugen: Bei der Treffsicherheit der Verdachtsdiagnosen gibt es große Unterschiede. Das Prädikat „sehr gut” verdiente im Test kein Angebot, zwei Kandidaten schnitten aber mit 1,9 „gut” ab. Nur zwei Anwendungen erkannten alle fünf Krankheitsbilder präzise und erhielten auch in weiteren Testkriterien gute Bewertungen.

Andere Angebote konnten die Tester deutlich weniger überzeugen. Punktabzug gab es unter anderem für Angebote, die eine lange Liste von Verdachtsdiagnosen ohne Priorisierung liefern. 

Und eins ist sowieso klar: „Den Arzt ersetzen kann eine App nicht. Aber ein guter Symptom-Checker kann eine erste Orientierung bieten – und Patienten rechtzeitig zum Arzt lotsen. Dann kann der Algorithmus auch mal Leben retten“, sagt Gesundheitsexpertin Dierbach.

Symptom-Checker: die Gewinner

Die Symptom-Checker Ada und Symptomate liefern verlässliche Ergebnisse bei den Verdachtsdiagnosen - und sind beide mit der Note 1,9 („gut”) auch insgesamt die Testsieger.

Das Patienten-Navi der Kassenärztlichen Bundesvereinigung liegt im Test zwar nur im Mittelfeld, weil es der Stiftung Warentest zu zurückhaltend mit Verdachtsdiagnosen ist. Aber es liefert eine besondere Funktion. Es kann Kassenpatienten schneller zu einem Arzttermin verhelfen – und zwar dann, wenn der Symptom-Checker eine Behandlung innerhalb von 24 Stunden empfiehlt. 

Ist das der Fall, leitet das „Patienten-Navi” Nutzer weiter zu einer bevorzugten Terminbuchung bei einem Haus- oder Facharzt. Dort kann man sich einen Akuttermin holen - online, teils aber auch nur telefonisch.

Wie gut dieser Service tatsächlich funktioniert, haben die Warentester zwar nicht systematisch geprüft, aber immerhin stichprobenartig. „Im Test bekamen wir in Städten und teils auch auf dem Land kurzfristig Termine, oft noch am selben Tag“, heißt es.

Symptom-Checker: die Verlierer

Der Symptom-Checker in der App Sanitas Portal fällt mit der Note „mangelhaft” durch. Etwa auf die Schilderung von depressiven Symptomen – inklusive Suizidgedanken – lautete dessen Antwort: „Das habe ich nicht ganz verstanden.” Derselbe Symptom-Checker schürt im Test bei Symptomen einer Blasenentzündung unnötige Panik und rät zum Arztbesuch innerhalb von vier Stunden. Dabei ist das gar nicht notwendig. 

Fazit: Ist es sinnvoll, Symptome mit einer App zu prüfen? 

Ja, lautet das Fazit der Stiftung Warentest. Auch wenn es den Arztbesuch nicht ersetzt, ist ein guter Dienst zur ersten Orientierung besser als eine Google-Recherche – und kann Patienten zeitig zum Arzt bringen.

Und: Positiv fiel auf, dass keiner der getesteten Symptom-Checker in großem Stil unnötig Nutzerdaten sammelte. Datenschutzbedenken, die in der Vergangenheit oft ein Problem bei Gesundheits-Apps waren, spielten in diesem Test also eine untergeordnete Rolle.

Alle ausführlichen Ergebnisse findet Ihr auf der Webseite der Stiftung Warentest unter www.test.de/symptomchecker und in der neuen test (Ausgabe 3/2025) am Kiosk. (as/Stiftung Warentest/dpa)

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