Die meisten Versicherungen überzeugen
Rechtsschutz im Test: Große Preisunterschiede bei guten Tarifen
Wer sich vor hohen Anwalts- und Gerichtskosten schützen will, braucht eine Rechtsschutzversicherung. Doch die Unterschiede bei Preis und Leistung sind enorm, wie der aktuelle Test der Stiftung Warentest zeigt.
Vorneweg: Schlecht ist keine, doch die besten Rechtsschutzversicherungen leisten viel mehr als andere. „Ihr gutes Recht in guten Händen“, „Mit unserer Rechtsschutzversicherung kommen Sie zu Ihrem Recht“, „Damit Sie Ihr gutes Recht bekommen“ – vollmundig klingen die Versprechen der Rechtsschutzversicherer. Doch werden sie auch eingehalten?
Test zeigt große Unterschiede im Preis-Leistungsverhältnis
Die Stiftung Warentest hat 90 Rechtsschutzpakete für die Lebensbereiche Privat, Beruf und Verkehr unter die Lupe genommen. Halten sie ihre Versprechen ein? Der Testsieger überzeugt mit dem einzigen Sehr gut im Test in fast allen Bereichen. 49 weitere Tarife sind gut, 17 befriedigend. Schlecht schneidet keine Rechtsschutzversicherung ab.
Und doch: Die besten Tarife im Test leisten viel mehr als andere. Rechtsexperte Michael Sittig gibt allerdings zu bedenken: „Es gibt keine Versicherung, die alle Streitigkeiten versichert. Im Kleingedruckten der Versicherungsbedingungen stecken immer Ausschlüsse.“ Die Stiftung Warentest zeigt daher, welchen Mindestschutz jede Rechtsschutzversicherung bietet.
Nicht nur die Leistungen, auch die Preisunterschiede sind teilweise enorm: Während der günstigste gute Tarif bereits für 239 Euro pro Jahr zu haben ist, kostet die teuerste empfehlenswerte Police satte 965 Euro.
Was eine gute Police bieten muss
Eine empfehlenswerte Rechtsschutzversicherung sollte möglichst viele Lebensbereiche abdecken und wenige Ausschlussklauseln haben. Zu den wichtigsten Leistungen gehören laut Stiftung Warentest der Rechtsschutz im Vertrags- und Sachenrecht, der Arbeitsrechtsschutz sowie der Verkehrsrechtsschutz. Auch der Schutz bei Streitigkeiten im Sozial-, Verwaltungs- und Steuerrecht sowie ein Beratungsrechtsschutz im Familien- und Erbrecht sollten enthalten sein.
Die genannten Preise beziehen sich dabei auf Familientarife mit einer Selbstbeteiligung von 150 Euro. Partner und Kinder sind mitversichert, wobei nicht-eheliche Partner im Versicherungsschein eingetragen werden sollten. Singles und Rentner können oft von günstigeren Konditionen profitieren.
Extras kosten extra
Wer als Mieter, Vermieter oder Immobilieneigentümer zusätzlichen Rechtsschutz benötigt, muss dafür einen Aufpreis zahlen. Die Kosten für den Mieter-Rechtsschutz sind im Test ebenfalls aufgeführt. Ein Tipp der Experten: Wer Mitglied in einem Mieterverein ist, braucht meist keinen zusätzlichen Mietrechtsschutz, da dieser bereits in der Mitgliedschaft enthalten ist.
Auch der Verkehrsrechtsschutz kann als Einzelpolice abgeschlossen werden. Hier gibt es leistungsstarke Tarife bereits ab rund 100 Euro pro Jahr bei einer Selbstbeteiligung von 150 Euro. Den Arbeitsrechtsschutz gibt es dagegen nicht einzeln - hier muss mindestens der Baustein „Privat“ dazu gebucht werden. Gewerkschaftsmitglieder genießen über ihre Mitgliedschaft meist bereits Arbeitsrechtsschutz.
Die Stiftung Warentest rät übrigens von einem Wechsel ab, wenn man noch einen älteren Vertrag hat. Denn viele neue Policen schließen teure Streitigkeiten aus, die in Altverträgen noch unbeschränkt versichert sind. Das gilt besonders für Kapitalanlagen oder Kreditwiderrufe.
Stiftung Warentest: Testsieger und Verlierer
Das beste Rechtsschutzpaket für die Lebensbereiche Privat, Beruf und Verkehr bietet mit der Note Sehr gut (1,5) der Versicherer WGV mit seinem Tarif PBV Optimal (372 bis 441 Euro pro Jahr). Die folgenden drei Plätze belegen mit der Note Gut (1,7) die Angebote Premium der ADAC-Versicherung (383 Euro), PBV Plus von VRK (306 Euro bis 345 Euro) und Huk-Coburg (285 Euro bis 321 Euro).
Der Huk-Coburg-Tarif PBV Plus (285 bis 321 Euro pro Jahr) gehört außerdem zu den Tarifen mit einem besonders günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis.
Verlierer im Test ist der Tarif Securo Plus von DMBRS (318 bis 419 Euro pro Jahr) mit der Note Befriedigend (3,5).
Mehrheitlich zufriedene Kunden
Doch zahlen die Versicherungen tatsächlich, wenn Kunden sie benötigen? In einer repräsentativen Umfrage hat die Stiftung Warentest mehr als 1500 Personen befragt, die in den vergangenen fünf Jahren einen Fall bei ihrer Rechtsschutzversicherung eingereicht haben.
Die Ergebnisse sind laut Rechtsexperte Sittig erfreulich: „Fast immer haben die Versicherer die Kosten der Rechtsstreitigkeiten vollständig oder zumindest teilweise übernommen. Lediglich in 5 Prozent der Fälle deckte der Versicherer die Kosten nicht. Rund 86 Prozent der Befragten sind zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrem Anbieter.“
Welche Anbieter die besten Umfragewerte haben und welche zwei Versicherer negativ auffallen, steht in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest und unter www.test.de/rechtsschutz.
Kann man eine Rechtsschutzversicherung rückwirkend abschließen?
Nein, für einen Streit, der beim Abschluss der Versicherung schon in der Welt war, bieten die Policen keinen Schutz. Ausnahme: Als einziger Versicherer hat die Arag Spezialpolicen mit Rückwirkung: „Mietrechtsschutz Sofort“ und Verkehrsrechtsschutz Sofort. Da diese Versicherungen aber keinen allgemeinen Rechtsschutz für mietrechtliche und verkehrsrechtliche Streitigkeiten bieten, sondern nur einzelne ausgewählte Problemfälle versichern, sind sie nicht Teil dieses Tests. (as/Stiftung Warentest)