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„Gezielte Manipulation“

Wagenknecht hat Schuldigen für BSW-Pleite – und will „rechtlichen Bestand“ der Bundestagswahl prüfen

Das BSW hat es bei der Bundestagswahl ganz knapp nicht auf die fünf Prozent geschafft. Sahra Wagenknecht behält sich nun rechtliche Schritte vor.

Berlin – Knapper hätte es wohl kaum für eine Partei bei der Bundestagswahl 2025 werden können: Nur gut 13.400 Stimmen fehlten dem BSW laut dem vorläufigen Endergebnis zur Wahl, um den Einzug in den Bundestag perfekt zu machen. Statt dem Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde standen so plötzlich eben ganz knappe 4,9 Prozent auf dem Ergebnis. Anders als bei der FDP, wo sich frühzeitig in den Hochrechnungen zur Bundestagswahl das Aus abzeichnete, zitterte die Partei von Namensgeberin Sahra Wagenknecht bis zur letzten Sekunde. Nun, wo klar scheint, dass es nicht gereicht hat, hält die Gründerin sich nicht mit polarisierenden Aussagen zurück.

Ganz im Gegenteil: Während ganz Deutschland auf die Auswirkungen der Wahl wartet, wittert Wagenknecht eine gezielte Schmutzkampagne gegen ihre Partei. Das BSW sei „systematisch niedergeschrieben“ worden, sagte die Partei-Vorsitzende am Montagmorgen in einer Pressekonferenz. Ein BSW-Parteikollege äußerte bereits einen konkreten Verdacht. Einen Schuldigen hatte auch Wagenknecht schnell ausgemacht.

„Gezielte Manipulation“: Wagenknecht macht Schuldigen für BSW-Pleite bei Bundestagswahl aus

Eine Kampagne, wie sie gegen das BSW gefahren worden sei, sei eben „nicht möglich gewesen ohne die Unterstützung einiger Umfrage-Institute“. Als viele Institute das BSW in Umfragen zur Bundestagswahl noch bei 7 Prozent gesehen hätten, „setzte uns Forsa unvermittelt auf vier Prozent, verbunden mit einer Welle von Artikeln in nahezu allen großen Medien, dass das BSW immer weiter an Zustimmung verliert und es wahrscheinlich nicht in den Bundestag schafft“, führte die 55-Jährige weiter aus. Dies habe sich danach auch weiter fortgesetzt: „Im Januar, als wir im Schnitt bei 6 Prozent standen, schrieben Forsa und das ZDF uns 3 Prozent zu, wiederum verbunden mit vielen Artikeln über den Niedergang des BSW“.

BSW-Chefin Wagenkecht erlebte mit ihrer Partei einen bitteren Bundestagswahl-Abend.

Dann wird Wagenknecht richtig deutlich, macht dem renommierten Meinungsforschungsinstitut den direkten wie knallharten Vorwurf der Wahl-Manipulation! „Dass uns Forsa dann noch einmal weniger als 48 Stunden vor der Wahl auf 3 Prozent heruntergesetzt hat, war keine Wahlprognose, sondern eine gezielte Aktion zur Manipulation von Wahlverhalten“, teilte die BSW-Chefin bei ihrem Statement in der Bundespressekonferenz am Montag weiter aus.

„So etwas noch nie erlebt“: Wagenknecht wittert Kampagne gegen BSW vor Bundestagswahl

Die besagte Umfrage sei „66 Prozent weg von dem Wahlergebnis, was wir erzielt haben. Eine solche Fehlertoleranz kann einem Umfrage-Institut, das seriös arbeitet, nicht passieren“. Es sei durchaus wahrscheinlich, dass sich aufgrund dieser Umfrage die fehlenden 13.400 Personen entschieden hätten, das BSW nicht zu wählen, „weil natürlich Menschen kalkulieren, ob ihre Stimme verloren ist“. Damit aber noch nicht genug.

Dass bereits ab mittags Fake-Prognosen über angebliche ARD-Zahlen zur Wahl etwa auf X kursierten, in denen das BSW nicht gut wegkam, habe die Situation nicht besser gemacht, sagte Wagenknecht weiter. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, giftete Wagenknecht weiter. Auch bei den Fake-Prognosen sei ihre Partei bei 3 Prozent gewesen. Jeder, der diese Zahlen mittags gesehen habe, „konnte nur davon abgehalten werden, uns zu wählen“.

BSW-Pleite bei Bundestagswahl: Wagenknecht will rechtlichen Bestand des Wahlergebnisses prüfen

Nach den Ergebnissen der Bundestagswahl behalte man sich nun sogar rechtliche Schritte vor. „Es haben mehrere Verfassungsrechtler darauf hingewiesen, dass die Bundestagswahl auch rechtlich anfechtbar sein könnte“, was man prüfen wolle, berichtete Wagenknecht weiter. Sie bezog sich hier besonders auf die vielen Auslands-Deutschen, von denen etliche an der Wahl nicht tatsächlich teilnehmen konnten. „Wenn eine Partei aus dem Bundestag fliegt, weil ihr 13.400 Stimmen fehlen und in relevanter Zahl Menschen von ihrem Wahlrecht nicht Gebrauch machen konnten, stellt sich schon die Frage nach dem rechtlichen Bestand des Wahlergebnisses“.

Bundestagswahl 2025: Von „Tünkram“ bis zum „Tor zur Hölle“ – denkwürdige Zitate aus dem Wahlkampf

Bundestag - Vertrauensfrage
„Fritze Merz erzählt gern Tünkram“ – SPD-Kanzler Scholz am 16. Dezember zu Vorwürfen von Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU), der Amtsinhaber sei bei Debatten auf EU-Ebene passiv und melde sich nicht zu Wort. „Tünkram“ ist Plattdeutsch und bedeutet dummes Zeug oder Unsinn. © Michael Kappeler/dpa
Olaf Scholz, Wahlparteitag SPD
„Manch einer hat uns schon abgeschrieben. Das kann unsere sozialdemokratische Partei mit über 160 Jahren Kampferfahrung aber überhaupt nicht beeindrucken.“ – SPD-Ko-Chefin Saskia Esken (rechts) beim Parteitag am 11. Januar in Berlin zu den schwachen Umfragewerten für die Sozialdemokraten und der Hoffnung auf eine Aufholjagd bis zur Wahl. © Imago
Nach Todesfahrt auf Weihnachtsmarkt in Magdeburg-Rechte Proteste
„Wenn es dann Remigration heißen soll, dann heißt es eben Remigration.“ – AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel beim Parteitag am 11. Januar in Riesa zur Aufnahme des umstrittenen Begriffs in das Wahlprogramm, der im rechten Spektrum für die massenhafte Ausweisung von Menschen mit Migrationshintergrund steht. © dpa
AfD-Bundesparteitag in Riesa
„Wenn wir am Ruder sind, wir reißen alle Windkraftwerke nieder. Nieder mit diesen Windmühlen der Schande!“ – AfD-Kanzlerkandidatin Weidel beim Parteitag am 11. Januar in Riesa. © Sebastian Kahnert/dpa
Habeck liest aus seinem neuen Buch
„Ich war nicht gut in Rechtschreibung früher und hatte einen leichten Schlag in Richtung Legasthenie.“ – Der Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck räumt am 12. Januar ein, als Schüler eine Rechtschreibschwäche gehabt zu haben. Habeck thematisierte bei der „Wahlarena“ des „Mannheimer Morgen“ in Mannheim seine Schulzeit und persönliche Schwächen. © Kay Nietfeld/dpa
Wahlplakate in Wiesbaden - SPD
„Es gibt, glaube ich, keinen Kanzler in der Bundesrepublik, der sich so im Detail in Gesetze eingemischt hat, damit sie pragmatisch werden.“ – Olaf Scholz zieht am 13. Januar eine positive Bilanz seines Wirkens als Regierungschef. „Es sind unglaublich viele Entscheidungen getroffen worden, die ohne meine Intervention gar nicht zustande gekommen wären“, sagte er den NRW-Lokalradios. © Arne Dedert/dpa
Nach tödlichem Angriff in einem Park in Aschaffenburg
„Das Maß ist endgültig voll.“ – Unions-Kanzlerkandidat Merz am 23. Januar nach dem Messerangriff von Aschaffenburg auf eine Kindergartengruppe mit zwei Toten, den ein Geflüchteter aus Afghanistan begangen haben soll. © Daniel Vogl/dpa
Demo gegen Rechts - Berlin
„Ich gucke nicht rechts und nicht links. Ich gucke in diesen Fragen nur geradeaus.“ – Merz am 24. Januar bei der Ankündigung, für Anträge zur Verschärfung der Migrationspolitik im Bundestag auch eine Mehrheit mit AfD-Unterstützung zu tolerieren. Die Menschen sehen das kritisch und gehen auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demonstration zur Migrationspolitik - Berlin
„Die Brandmauer bröckelt.“ – Die AfD-Fraktion am 29. Januar im Online-Dienst X zur bisher geltenden Abgrenzung der CDU von der in Teilen als rechtsextremistisch eingestuften Partei, nachdem erstmals mit ihrer Hilfe ein Unionsantrag eine Mehrheit im Bundestag erhalten hat. © Sebastian Gollnow/dpa
209. Bundestagssitzung: Heidi Reichinnek, Linke
„Allen politischen Differenzen zum Trotz hätte ich mir niemals vorstellen können, dass eine christlich-demokratische Partei diesen Dammbruch vollzieht und mit Rechtsextremen paktiert.“ – Die Vorsitzende der Linken im Bundestag, Heidi Reichinnek, am 29. Januar im Bundestag in ihrer viral gegangenen Rede zum mit AfD-Stimmen verabschiedeten Unionsantrag. © Imago
Bundestag - Regierungserklärung
„Und deshalb, finde ich, kann ich ihm nicht mehr trauen.“ – Kanzler Olaf Scholz über das Verhalten von Friedrich Merz am 29. Januar 2025. Das sei „wahrscheinlich ein ganz bedeutender Tag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ gewesen, sagte Scholz in der ARD-Sendung „Maischberger“. Die Union habe einen Konsens aufgekündigt, den es die ganze Nachkriegsgeschichte über unter den Demokraten in Deutschland gegeben habe.  © Kay Nietfeld/dpa
Demonstration fuer die Brandmauer und gegen die CDU
„Für falsch halte ich es, (…) sehenden Auges erstmalig bei einer Abstimmung im Deutschen Bundestag eine Mehrheit mit den Stimmen der AfD zu ermöglichen.“ – Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisiert am 30. Januar das Vorgehen von Merz. © Matthias Gränzdörfer/Imago
Wahlkampf Grüne - Berlin
„Tun Sie es nicht, Herr Merz.“ – Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck appelliert am 28. Januar eindringlich an Unionsfraktionschef Friedrich Merz, keine gemeinsame Sache mit der AfD zu machen.  © Christoph Soeder/dpa
Sitzung, Bundestag, Plenum
„Das Tor zur Hölle können wir noch gemeinsam schließen.“ – SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich am 31. Januar in der Bundestagsdebatte über eine angekündigte Zustimmung der AfD auch zu einem Migrationsgesetz der Union. Dieses scheiterte aber letztlich auch an fehlender Unterstützung aus der Union. © Bernd Elmenthaler/Imago
Bundestag
„Ich bin mit mir persönlich sehr im Reinen, dass wir es wenigstens versucht haben.“ – Merz am 31. Januar nach dem Scheitern seines Gesetzentwurfs zur Verschärfung der Migrationspolitik im Bundestag, obwohl auch dieser von den AfD-Abgeordneten geschlossen unterstützt wurde. © Kay Nietfeld/dpa
Nach tödlichem Angriff in Aschaffenburg - Trauerfeier
„Diese Woche hat die Union klargemacht, dass es ihr ernst ist. Und damit ist die Glaubwürdigkeit auch eines neuen Bundeskanzlers Friedrich Merz enorm gestiegen.“ – CSU-Chef Markus Söder sieht am 2. Februar die Position der Union nach den umstrittenen Abstimmungen zur Migrationspolitik im Bundestag deutlich gestärkt.  © Daniel Vogl/dpa
Bundesparteitag der CDU - Friedrich Merz + Markus Söder
„Mit den Grünen ist kein Richtungswechsel und keine Koalition möglich.“ – CSU-Chef Markus Söder anlässlich des CDU-Parteitags am 3. Februar auf X. © Imago
Wahlkampf – ZDF-Livesendung "Schlagabtausch"
„Wie dumm kann man sein zu sagen, man macht Sanktionen, um Russland zu schaden. Am Ende schaden wir vor allem unserer Wirtschaft.“ – BSW-Chefin Sahra Wagenknecht am 6. Februar in einer ZDF-Wahlrunde zu ihrer Forderung nach einer Wiederaufnahme der Gaslieferungen aus Russland. © Christoph Soeder/dpa
Scholz und Merz im TV-Duell
„Wir können auf die FDP keine Rücksicht nehmen.“ – Merz am 7. Februar, nachdem er mögliche Wähler der in Umfragen weiterhin schwächelnden FDP aufgerufen hat, ihre Stimme der Union zu geben. © Kay Nietfeld/dpa
FDP Bundesparteitag
„33 oder 31 Prozent für die CDU machen keinen Unterschied, aber vier oder sechs Prozent für die FDP ändern maßgeblich das Gefüge in der Bundesrepublik.“ – FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner reagiert beim Sonderparteitag in Potsdam am 9. Februar auf die Aussage von Merz. © Michael Kappeler/dpa
Scholz und Merz im TV-Duell
„Was ist Bubatz?“ – Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz kann am 9. Februar mit dem Begriff „Bubatz“ nichts anfangen. Auf dem Live-Streaming-Portal Twitch antwortete Merz nach dem TV-Duell bei ARD und ZDF mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) auf die Frage, ob „Bubatz“ legal bleibe: „Bleibt was legal?“ Daraufhin entgegnete die Moderatorin: „Bubatz“. Merz’ Replik: „Was ist Bubatz?“ Die Moderatorin: „Gras.“ Merz sagte dann: „Also wenn Sie meinen, Cannabis, dann sage ich: Nein, wir wollen das wieder korrigieren.“ © Kay Nietfeld/dpa
Kundgebung "Brandmauer statt Brandstiftung"
„Friedrich Merz tritt an, Europa zu Grabe zu tragen“ – Kanzler Scholz am 11. Februar in der letzten Plenardebatte des Bundestags vor der Wahl mit Blick auf Merz’ Pläne, Geflüchtete an den Grenzen zu den EU-Nachbarn zurückzuweisen. © Fabian Sommer/dpa
TV-Runde im Bundestagswahlkampf
„Weil ich dieses animalische Grunzen der AfD-Fraktion voraussehen konnte, möchte ich einordnen, worüber wir reden, wenn wir Klimaschutz sagen.“ – Grünen-Spitzenkandidat Robert Habeck reagiert in einer Rede im Bundestag am 11. Februar auf Zwischenrufe der AfD, nachdem er den Klimaschutz als drängendste Aufgabe der Zukunft bezeichnet hat. © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag
„Wir werden möglicherweise miteinander reden müssen.“ – Unions-Kanzlerkandidat Merz wendet sich in seiner Plenarrede am 11. Februar im Bundestag an die SPD – und nimmt dabei eine mögliche Koalitionsoption für die Zeit nach der Wahl in den Blick. © Kay Nietfeld/dpa
ZDF-Sendung "Klartext"
„Wenn sich die Menschen zurückziehen, dann ist es vorbei mit Deutschland. (…) Demokratie ist kein Zuschauersport, es geht nur, wenn Menschen sich bei den Wahlen engagieren.“ – Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck am 13. Februar in der ZDF-Sendung „Klartext“ auf den Kommentar eines Zuschauers hin, der erklärt hatte, er wisse nicht mehr, was er wählen solle. © Michael Kappeler/dpa

Nach der Wahl bleibt die drängendste Frage: Wer regiert nun bald mit wem? Durch das Aus des BSW hat sich in der Findung einer möglichen Koalition für Wahlsieger Friedrich Merz einiges getan. Neugierig, wie bei Ihnen gewählt wurde? In unserer Live-Karte gibt es alle Ergebnisse der Bundestagswahl aus den Städten und Kommunen. (han)

Rubriklistenbild: © Carsten Koall / dpa

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