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Angriff auf Verteidigung

Wadephul stellt sich gegen Wehrdienst-Gesetz: Pistorius’ Plan vor dem Aus?

Wehrpflicht-Reform: CDU-Minister Wadephul opponiert gegen Pistorius-Gesetz – Kabinettssitzung im Verteidigungsministerium droht zu scheitern.

Update, 18.26 Uhr: Die Bundesregierung hat sich endgültig auf den Entwurf für das geplante Wehrdienstgesetz von Verteidigungsminister Boris Pistorius geeinigt. Das erklärte Regierungssprecher Stefan Kornelius laut Bericht der Nachrichtenagentur Reuters am Montagabend. „Der Vorbehalt des Auswärtigem Amtes ist zurückgenommen, der Gesetzentwurf ist am Mittwoch im Bundeskabinett“, sagte Kornelius demzufolge auf Anfrage der Nachrichtenagentur.

Der Sprecher sprach von einem normalen Vorgang, dass ein Koalitionspartner mit einem Vorbehalt noch einmal Gesprächsbedarf anmelde. Auf Wunsch der Unions-Bundestagsfraktion habe es über den Entwurf noch einmal eine Diskussion mit den Ministern und Bundeskanzler Friedrich Merz gegeben. Danach sei entschieden worden, den Entwurf am Mittwoch ohne Änderungen ins Bundeskabinett einzubringen.

Wadephul stemmt sich gegen Wehrdienst-Gesetz: Pistorius‘ Pläne auf der Kippe

Erstmeldung: Berlin – Ein symbolträchtiger Ort für ein umstrittenes Vorhaben: Das Verteidigungsministerium soll am Mittwoch erstmals seit drei Jahrzehnten wieder Schauplatz einer Kabinettssitzung werden. Dort wollen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) das neue Gesetz zur Wehrpflicht verabschieden und anschließend gemeinsam der Öffentlichkeit präsentieren.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Wie die Welt berichtet, droht das Vorhaben an einem internen Machtkampf zu scheitern. Ausgerechnet ein Parteikollege des Kanzlers, Außenminister Johann Wadephul (CDU), hat Ende vergangener Woche ein Veto eingelegt – in der Fachsprache „Ministervorbehalt“ oder „Leitungsvorbehalt“ genannt.

Wadephul begründet seinen Wehrpflicht-Widerstand gegen Pistorius mit Praktikabilität

Dieses politische Instrument hat weitreichende Folgen: Da im Kabinett alle Minister zustimmen müssen, kann ein solcher Einspruch verhindern, dass ein Gesetz überhaupt zur Abstimmung kommt. Wadephul begründet seinen Widerstand laut Welt damit, dass Pistorius‘ Gesetzentwurf in der Praxis nicht umsetzbar sei. Die symbolisch aufgeladene Sitzung im Verteidigungsministerium könnte damit ins Leere laufen – und die Regierung steht vor einer heiklen innenpolitischen Bewährungsprobe. Wenn bis zum Staatssekretärsausschuss heute (25. August) um 18 Uhr keine Einigung erreicht wird, könnte laut Welt eine Blamage der GroKo-Verteidigungspolitik drohen.

Auch der Wehrbeauftragte des Bundestags, Henning Otte (CDU), warf Pistorius am Montag vor, unpopuläre Entscheidungen zu scheuen und so die nötige personelle Stärkung der Bundeswehr aufs Spiel zu setzen. Aus der Unionsfraktion kam die Forderung nach einer Nachschärfung des Gesetzes. Otte und Militärhistoriker Sönke Neitzel warfen dem Minister in der FAZ vor, mit seinem Entwurf werde „verpasst, ein zielorientiertes Wehrdienstgesetz vorzulegen – Unbequemes, aber Erforderliches wird ‚zunächst‘ vertagt“.

Wehrpflicht: ab 2028 soll verpflichtende Musterung für alle 18-jährigen Männer kommen

Die Warnung der Experten ist deutlich: „Wenn unsere Streitkräfte nicht von einer Verwaltungsbehörde in eine kriegstüchtige Armee umgebaut werden, könnte im Ernstfall das Schlimmste drohen, weil die Politik im Frieden zauderte und zögerte.“ Sie kritisieren, dass Pistorius bei Ankündigungen bleibe, anstatt „die dringend erforderlichen Strukturreformen anzustoßen“.

Boris Pistorius (l,SPD), Bundesminister der Verteidigung, und Johann Wadephul (CDU), Außenminister, sitzen im Bundestag zu Beginn der Sitzung.

Derzeit umfasst die Bundeswehr knapp 183.000 Soldatinnen und Soldaten. Pistorius strebt einen Aufwuchs auf mindestens 260.000 an – ohne die Wehrpflicht wieder einzuführen. Sein Modell setzt auf Freiwilligkeit: Ab 2025 sollen alle jungen Männer und Frauen einen Fragebogen erhalten, wobei nur Männer ihn ausfüllen müssen. Ab 2028 folgt dann eine verpflichtende Musterung für alle 18-jährigen Männer.

CSU-Chef Söder sieht Wehrpflicht als einzigen Weg

Die Union bezweifelt den Erfolg dieses Ansatzes. CSU-Chef Markus Söder fordert die Rückkehr zur Wehrpflicht: Deutschland sei das wirtschaftlich stärkste Land Europas und müsse „auf Dauer auch die stärkste Armee“ haben, sagte Söder am Sonntagabend in der ARD. „Deswegen, glaube ich, wird an der Wehrpflicht kein Weg vorbeiführen.“ Er glaube „nicht, dass wir mit diesen Appellen zurechtkommen werden, die Bundeswehr noch ein bisschen attraktiver zu machen“. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Thomas Röwekamp (CDU), verlangt verbindliche jährliche Aufwuchsziele und einen „Automatismus hin zu einer verpflichtenden Heranziehung“, falls diese verfehlt werden. (lm/afp)

Rubriklistenbild: © Niklas Treppner/dpa

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