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Ende des Ukraine-Kriegs

„Treffen ist ein großer Sieg für Putin“: Experte Masala warnt vor Trump-Putin-Gipfel

Trump lädt Putin in die USA ein. Ob die Ukraine dabei ist – unklar. Wieso Putin profitiert und Europa trotzdem indirekt am Verhandlungstisch sitzt.

Dreieinhalb Jahre nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine reist der Aggressor Wladimir Putin zu US-Präsident Donald Trump. Gemeinsam wollen sie über den Ukraine-Krieg sprechen. Ukrainer und Europäer? Sie sind bisher nicht eingeladen. Das Treffen könnte eine Wende im anhaltenden Krieg bedeuten, von dem sich Trump zunehmend genervt zeigt. Was also ist zu erwarten vom Zusammenkommen in Alaska? Militär- und Sicherheitsexperte Carlo Masala befürchtet, dass besonders Putin profitieren könnte. Aber er sieht auch Hoffnung, wie die Ukraine und Europa ihre wichtige Rolle deutlich machen könnten.

Putin wickelt Trump im Ukraine-Krieg um den Finger

„Putin schafft es, ohne etwas anzubieten oder russisches Einlenken zu signalisieren, vom US-Präsidenten in die USA eingeladen zu werden. Das Treffen ist zunächst einmal ein großer Sieg für Putin“, sagte Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München, im Gespräch mit dem Münchner Merkur von IPPEN.MEDIA. Schon in der Vergangenheit gelang es Putin immer wieder, Narrative zu setzen und scheinbar großen Einfluss auf Trumps Blick auf den Krieg zu haben; die beiden Präsidenten telefonierten immer wieder über mehrere Stunden miteinander.

Sicherheits- und Militärexperte Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr München sieht im geplanten Treffen zwischen US-Präsident Trump und Russlands Putin große Gefahren und einen klaren Sieger.

„Putin erreicht Trump auf zwei Ebenen“, sagt Masala über das Verhältnis der beiden. „Einerseits bedient er Trumps Interesse an der Normalisierung der Beziehungen zu Russland. Er stellt Trump jede Menge gemeinsame Geschäfte in Aussicht, das gefällt Trump“, so der Sicherheitsexperte. „Auf der anderen Seite weicht Putin im Krieg keinen Millimeter zurück. Wenn er aber merkt, dass Trump ungeduldig wird und schärfere Sanktionen androht, wirft er ihm kleine Brotkrumen hin und signalisiert die Bereitschaft für Gespräche.“ Zu einem solchen Gespräch kommt es nun. Putin fordert für einen Waffenstillstand weitreichende Gebietsverzichte der Ukraine – auch Trump steht der Idee grundsätzlich offen gegenüber. Die Ukraine lehnt die Abgabe der Ostukraine an den russischen Aggressor hingegen kategorisch ab.

Ukraine und Europa bei Trump-Putin-Gipfel nicht am Verhandlungstisch

Die eigenen Interessen im persönlichen Gespräch vermitteln kann der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj aber wohl nicht, bisher ist er zum Gipfel nicht eingeladen. Masala hält das für einen Fehler, sieht Parallelen zum Ende des Zweiten Weltkriegs, als die alliierten Großmächte sich zur Jalta-Konferenz trafen und über die Zukunft Deutschlands entschieden. „Wenn die Ukraine beim Treffen nicht dabei ist, haben wir eine Jalta-Situation.“

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Definitiv nicht mit am Tisch sitzen werden am Freitag die Europäer. Dennoch versuchen sie, ihre Interessen bei den Amerikanern klarzumachen, weiß Masala. „Europa versucht gerade, Einfluss auf Trump zu nehmen. Die US-Administration ist keineswegs geeint“, so der Professor der Bundeswehr-Uni. „Trumps Sonderbeauftragter Steve Witkoff ist Hardliner und will die Ukraine verkaufen. Auf der anderen Seite gibt es Personen wie Außenminister Marco Rubio oder den Ukraine-Sondergesandten Keith Kellogg, die Trumps Ziel eines Kriegsendes und territorialer Konzessionen der Ukraine teilen – aber nicht um jeden Preis.“ Bei diesen Menschen wolle sich Europa Gehör verschaffen.

In Donald Trumps erster Amtszeit kam es zu einigen Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Nun soll es eine Neuauflage in Alaska geben.

Sicherheitsexperte: „Ohne Europas Okay gibt es keine tragfähige Einigung“

Ob die EU und die europäischen Staaten die USA von einem nachhaltigen Frieden statt eines kurz gedachten Waffenstillstands zu Putins Konditionen überzeugen können, ist völlig offen. Trotzdem ist auch den Amerikanern klar, dass eine bilaterale Lösung zwischen Trump und Putin ohne Zustimmung Europas kaum umsetzbar ist. „Selbst wenn Europa in Alaska nicht am Tisch sitzt: Die Trump-Administration weiß, dass sie für jede Form der Lösung die Zustimmung der Europäer braucht“, sagt Masala. „Wir Europäer haben indirekt Gewicht in den Ukraine-Verhandlungen. Denn für die Sicherung eines wie auch immer gearteten Waffenstillstands und Friedens sind die Europäer zuständig, die Amerikaner wollen sich da raushalten. Ohne Europas Okay gibt es also keine tragfähige Einigung.“

Doch auch die europäische Position hat sich jüngst geändert. Zwar besteht man weiterhin auf der Unabhängigkeit der Ukraine und ist klar gegen die russischen Annexionen. Doch in einer am Montag erschienenen Erklärung der EU sowie der wichtigsten Mitgliedsstaaten wurde die Wortwahl bezüglich Russlands angepasst. „Europa spricht nun nicht mehr von einer bedingungslosen Waffenruhe als Ausgangslage für Friedensverhandlungen, sondern von einer ‚Reduktion der Feindseligkeiten‘“, so Masala. Der Sicherheitsexperte warnt die Verantwortlichen der EU und der USA: „Man darf sich nicht täuschen lassen: Jede Form des Waffenstillstands zu Putins Konditionen gibt ihm Zeit, sich zu erholen, aufzurüsten und sich für den nächsten Schlag vorzubereiten.“

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press Wire

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