Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Juristische Folgen

Urteil bremst Merz und Dobrindt aus: Asylpolitik der Regierung in der Sackgasse

Ein Berliner Gericht hat Dobrindts Zurückweisungen von Asylsuchenden an den Grenzen für rechtswidrig erklärt. Die Merz-Regierung steht vor einem Dilemma.

Berlin – Das Verwaltungsgericht Berlin hat die von Innenminister Alexander Dobrindt angeordneten Zurückweisungen von Asylsuchenden an den Grenzen für rechtswidrig erklärt: Drei von „Pro Asyl“ unterstützte Menschen aus Somalia klagten dagegen und bekamen recht. Sie müssen ein Asylverfahren in Deutschland bekommen und können nicht an der Grenze nach Polen zurückgeführt werden.

Das Urteil sellt ein zentrales Wahlversprechen der Merz-Regierung infrage. Weitreichende Folgen für die Migrationspolitik und die von Friedrich Merz und Alexander Dobrindt versprochene Asylwende könnten jetzt kommen.

Folgen des für Dobrindt und Merz-Regierung? Somalier bekommen in Urteil recht

Bundeskanzler Merz hatte noch im Wahlkampf ein „faktisches Einreiseverbot für Menschen ohne gültige Einreisepapiere“ versprochen. An Tag 1 seiner Kanzlerschaft wolle er die Asylwende starten und die illegale Migration nach Deutschland eindämmen – unter anderem auch durch eine Art „Domino-Effekt“. Innenminister Dobrindt setzte dieses Versprechen am ersten Tag im Amt um, indem er anordnete, auch Asylbewerber an den Grenzen zurückzuweisen.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Knapp vier Wochen dauern die strengeren Kontrollen an den deutschen Grenzen jetzt. Nun soll ihnen juristisch der Riegel vorgeschoben werden: Das Berliner Verwaltungsgericht gab dem Antrag von drei aus Somalia stammenden Asylsuchenden statt, die von der deutschen Bundespolizei auf einem Bahnsteig in Frankfurt (Oder) aufgegriffen worden und nach Polen zurückgeschickt worden waren. Die Richter kamen zu dem Schluss, dass sich die Zurückweisung „in der Hauptsache mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit als rechtswidrig erweisen“ werde.

Das Gericht argumentierte, dass EU-Recht Vorrang vor nationalem Recht habe. Deutschland sei verpflichtet, ein Dublin-Verfahren durchzuführen, um zu prüfen, welcher EU-Staat für den Asylantrag zuständig ist. Erst danach könne eine Rückführungsentscheidung getroffen werden.

Zurückweisungen von Asylsuchenden an Grenzen: Gericht zerpflückt Merz’ und Dobrdindts Argumente

Das Gericht wies alle rechtlichen Argumente der Bundesregierung zurück. Weder Dobrindts Verweis auf bilaterale Vereinbarungen mit Nachbarstaaten, die Rückführungen seiner Meinung nach möglich machen, noch der Rückgriff auf Artikel 72 des EU-Vertrags, der Ausnahmen zum Schutz der öffentlichen Ordnung erlaubt, fanden Zustimmung bei den Richtern.

Das Gericht betonte, dass die Bundesregierung nicht ausreichend dargelegt habe, dass durch die Zahl der Asylbewerber in Deutschland eine Situation bestehe, „die für die deutschen Behörden nicht zu bewältigen wäre und aufgrund derer die Funktionsfähigkeit staatlicher Systeme und Einrichtungen akut gefährdet wäre“.

Merz-Regierung hält mit Innenminister Dobrindt an Asylkurs an Grenzen fest – Einzelfallentscheidung?

Trotz des Asylurteils zeigt sich die Regierung unnachgiebig in ihrer Migrationspolitik. Innenminister Dobrindt erklärte, er wolle an den Zurückweisungen auch von Asylsuchenden an den Grenzen festhalten und strebe ein Hauptsache-Verfahren vor Gericht an.

„Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Rechtsgrundlage gegeben ist“, sagte Dobrindt. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Berlin zu den drei Asylbewerbern aus Somalia sieht er als Einzelfallentscheidung. Am Wochenende zog die Bundespolizei eine positive Bilanz der neuen Grenzkontrollen und präsentierte Zahlen.

Zahlen zu deutschen Grenzkontrollen in ersten 23 Tagen
Illegale Einreisen3387
Zurückweisungen2613
Zurückweisung von Asylsuchenden125 von 160 Asylsuchenden

Migrationsexperte sieht Dobrindt und Merz nach Asylkurs in schwieriger Position

Der Migrationsrechtsexperte Winfried Kluth, Vorsitzender des Sachverständigenrats für Integration und Migration, sieht die Regierung jedoch juristisch nach dem Asylurteil in einer schwierigen Position. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts stehe im Einklang mit der vorherrschenden Meinung im Migrationsrecht und der bisherigen Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Kluth betont: „Die neue Bundesregierung will die Rechtsprechung dazu bringen, ihren Standpunkt zu ändern.“ Dobrindt wolle wohl letztlich Entscheidungen des EuGH, die der nationalen Asylpolitik mehr Spielräume böten.

Zudem versuche die Merz-Regierung, unter Verweis auf die Überlastung der Kommunen eine neue Interpretation des Artikel 72 über die Arbeitsweise der Europäischen Union zu etablieren – der sogenannten Notlagenklausel. Kluth wendet ein: „Ob man von der Lage in einzelnen Kommunen auf ganz Deutschland schließen kann, ist aber sehr fraglich.“

Im Fokus der Asyldebatte: CSU-Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will an Zurückweisungen von Asylsuchenden bei Grenzkontrollen trotz eines Asylurteils festhalten.

Urteil zu Zurückweisungen stellt Koalition unter Merz vor Zerreißprobe

Innerhalb der Regierungskoalition von Union und SPD zeichnen sich nach dem Asylurteil Spannungen ab. Die Union steht hinter Dobrindt. Alexander Throm, innenpolitischer Sprecher der CDU, forderte etwa: „Die Zurückweisungen müssen fortgesetzt werden.“ Die SPD äußert schon seit längerem Bedenken an den Zurückweisungen von Asylsuchenden.

Sebastian Fiedler, innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, betonte jetzt laut einem Bericht des Stern: „Die Erlasslage des Ministeriums und die Verfügungen des Präsidenten der Bundespolizei müssen zweifelsfrei mit Europarecht, deutschem Recht und unserem Anspruch, Schutzsuchenden zu helfen, vereinbar sein.“ Noch deutlicher wird der SPD-Abgeordnete Ralf Stegner gegenüber dem Spiegel: „Das wird für Herrn Dobrindt möglicherweise nicht ohne ein paar politische Schrammen abgehen.“

Die Debatte über nationale Souveränität und europäisches Recht in der Asylpolitik ist durch das Asylurteil in Berlin jedenfalls neu entfacht. Die CDU-geführte Merz-Regierung wollte mit einem härteren Durchgreifen bei illegaler Migration nicht zuletzt auch den Aufschwung der rechtspopulistischen AfD stoppen – steht aber nun vor juristischen Hürden, vor denen im Wahlkampf vor der Bundestagswahl gewarnt wurde.

Rubriklistenbild: © Daniel Kubirski/Imago

Kommentare