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Kabinett

Reformen bei Krankenhaus und Rente: Was die Regierung plant und was jetzt droht

Im Bundestag drängen sich Streitthemen rund um Heizungsgesetz, Rente, Bürgergeld und die Wirtschaft auf. Was die kommenden Wochen wichtig wird.

Berlin – Wogen glätten, herunterkommen und sich mal ein paar Wochen nicht gegenseitig ankläffen. Eigentlich war das Ziel der schwarz-roten Bundesregierung für die Sommerpause nicht sehr komplex. Geklappt hat es trotzdem nicht. CDU, CSU und SPD befinden sich im Dauerzoff, der sich mittlerweile durch einen bunten Strauß an Themen zieht. Nun geht der parlamentarische Betrieb wieder los. Die Aufgaben sind groß. Kann Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) endlich den ersehnten Stimmungswechsel einleiten?

Kanzler Merz will Bürgergeld reformieren und Aktivrente bringen

Auch die Vorgabe für die erste Woche nach der parlamentarischen Sommerpause ist schon klar: Union und SPD wollen zeigen, dass sie sich voll reinhängen. Nach einem Krisentreffen der Fraktionsspitzen in Würzburg soll gemeinsames Anpacken Einigkeit demonstrieren. Erstmals seit Jahrzehnten stehen im Bundestag drei Sitzungswochen nacheinander an.

Kanzler Merz begründete die von ihm anberaumte Extrawoche mit den vielen anstehenden Herausforderungen. Auch etliche Gesetzesvorschläge der schwarz-roten Bundesregierung sollen kommen und Fleiß beweisen. „Wir haben allein diese Woche 20 Vorlagen aus der Bundesregierung für die erste Lesung“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Steffen Bilger, am Dienstag bei einem Pressegespräch in Berlin.

Demonstrative Einigkeit in Würzburg: Die Fraktionschefs Jens Spahn (CDU) (Links), Matthias Miersch (SPD) (Mitte) und CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann (Rechts).

Großes Thema wird der vom Kanzler angekündigte „Herbst der Reformen“. Der Sozialstaat und seine durch die älter werdende deutsche Gesellschaft steigenden Kosten sind gerade das innenpolitische Problem. Renten-, Pflege- und Krankenkassen stehen vor riesigen finanziellen Herausforderungen. Geht es nach Merz und der Union, soll deshalb erstmal die Bürgergeld-Kosten um fünf Milliarden Euro gekürzt werden. Mit der Aktivrente (2000 Euro steuerfreie Arbeit für Menschen im Rentenalter) und einem härteren Durchgreifen beim Bürgergeld wäre laut Bilger für den Herbst „schon etwas Gutes erreicht“.

Große Aufgaben für Merz: Es braucht Reformen bei Rente, Pflege und Krankenkasse

Die eigentlich nötigen Reformen bei Rente (mit den Babyboomern geht die wichtigste Einzahlergeneration bald in Rente) und Gesundheit sowie Pflege (das deutsche Gesundheitssystem ist im europäischen Vergleich sehr teuer, die Qualität aber nur durchschnittlich) sind vorerst in Kommissionen abgeschoben. Wann von dort konkrete Vorschläge kommen, ist noch nicht festgelegt. Am Mittwoch (10. September) sollen im Kabinett unter anderem die Nullrunde zum Bürgergeld und das Steueränderungsgesetz beschlossen werden.

Dunkle Wolken über dem Bundestag: Schafft es Kanzler Friedrich Merz, mit seiner schwarz-roten Koalition nach der Sommerpause den Stimmungswechsel einzuleiten?

Für einen handfesten Koalitionszoff hat die verkorkste Wahl der Verfassungsrichterkandidatin Frauke Brosius-Gersdorf gesorgt, die nach großem Wirbel um ihre Person letztlich den Rückzug antrat. Nun ist es an der SPD, eine neue Kandidatin oder einen neuen Kandidaten zu präsentieren. Die Richterwahl, früher Formsache, birgt mittlerweile erheblichen politischen Sprengstoff. Ob die Union sich mit dem nächsten Namen, der in den nächsten Wochen präsentiert werden soll, zufriedengibt? Offen.

Haushaltsdebatte als Zerreißprobe für CDU, CSU und SPD

Neue Impulse will die Bundesregierung schleunigst in Sachen kriselnder Wirtschaft setzen. Am Dienstag sprach Kanzler Merz auf der IAA in München, derzeit wird wieder laut über eine Rücknahme des Verbrenner-Aus ab 2035 nachgedacht und gehofft, dass die deutsche Schlüsselindustrie so neuen Mut fasst. Auch das „Abschaffen des Heizungsgesetzes“, wie es der Koalitionsvertrag ankündigt wird (obwohl es das „Heizungsgesetz“ gar nicht gibt und lediglich das bereits bestehende Gebäudeenergiegesetz verändert werden soll), soll diesen Herbst konkret werden, wie Bilger ankündigte. Angestrebt sind Rücknahmen von Klimaschutz-Vorgaben.

Ob der Herbst wirklich für die groß angekündigten Reformen in Erinnerung bleiben wird, gilt es abzuwarten. Immerhin scheinen Union und SPD sich nun vorerst einiger geben zu wollen. Die nächste Zerreißprobe und gleichzeitige Richtungsweisung über politische Schwerpunkte werden die anstehenden Haushaltswochen sein. Kommende Woche wird der Bundestag den Haushalt für 2025 formal beschließen. Die Woche darauf steht dann ganz im Zeichen des Haushalts 2026: Wo Union und SPD das Geld verteilen und wie still oder laut die Prioritätensetzung erfolgt, könnte entscheidend für den (Miss-)Erfolg der Koalition sein.

Rubriklistenbild: © IMAGO/ Ardan Fuessmann/ Revierfoto (Montage)

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