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Perfide Strategie?

Putin unterbreitet Trump vor Alaska-Gipfel Vorschlag – nur Russland profitiert

Vor dem Alaska-Gipfel mit Trump signalisiert Putin Entgegenkommen im Ukraine-Krieg. Der kalkulierte Vorschlag dient jedoch nur russischen Interessen.

Moskau – Vor dem Alaska-Gipfel am kommenden Freitag (15. August) laufen die Spekulationen, was US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin dort besprechen werden: Zu welchem Konzessionen sind die USA bereit? Wird Putin bei seinen Kriegszielen in der Ukraine auch nur einen Deut nachgeben? Und welche Rolle spielt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei dem Gipfeltreffen überhaupt noch – wird sein Land zwischen den Ukraine-Verhandlungen der beiden Alpha-Männer zerrieben?

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Putin-Angebot an Trump kursiert vor Alaska-Treffen – Ukraine muss es mit Vorsicht genießen

Ein Angebot Russlands für den weiteren Verlauf des Ukraine-Kriegs kursiert nach einem Bericht von Bloomberg bereits seit mehreren Tagen. Putin soll sich beim Alaska-Gipfel mit Trump zu einem Waffenstillstand in der Luft bereit erklären wollen. Das würde ein Ende seines andauernden Bombardements ukrainischer Städte und Dörfer mit Raketen und Drohnen bedeuten.

Die Feuerpause im Luftkrieg klingt zunächst wie ein erster Schritt zu einem Ende des Ukraine-Kriegs. Jedoch: Russland würde sie wohl viel mehr nützen als der Ukraine. Putin dürfte mit seinem Angebot ein perfides Kalkül verfolgen, das keinen Frieden in der Ukraine bringen wird.

Gipfel-Treffen in Alaska zum Ukraine-Krieg
Wann?Freitag, 15. August
Wo?US-Bundesstaat Alaska (genau Stadt noch nicht bekannt)
Wer?Donald Trump trifft Wladimir Putin
Anlass? Erstes direktes Treffen seit Trumps Amtsantritt zur Diskussion über ein Ende des Ukraine-Kriegs
Themen?möglicher Waffenstillstand, Gebietsabtretungen, Bedingungen für Frieden

Putin-Angebot vor Alaska-Gipfel könnte Ukraine wichtige Verteidigungs-Taktik verwehren

Ein Stopp der Drohnen- und Raketenattacken auf die Ukraine würde zwar weniger zivile Opfer in der Ukrane zur Folge haben. Denn regelmäßig greift die russische Armee Ziele an, an denen sich Zivilisten aufhalten, wie Wohngebäude, öffentliche Plätze und Firmen. Sogar Kindergärten, Spielplätze und Krankenhäuser wurden von Russland schon bombardiert.

Auf der anderen Seite würde ein Waffenstillstand in der Luft, den Trump und Putin bei ihrem Alaska-Treffen vereinbaren könnten, auf Gegenseitigkeit beruhen. Der Ukraine bliebe dann eine ihrer wichtigsten Waffen in der Verteidigung gegen das übermächtige Russland verwehrt: Attacken auf die militärische Infrastruktur in Russland. Immer wieder sind der Ukraine während des Kriegs Gegenschläge hinter der russischen Grenze gelungen, sei es auf Putins strategische Bomber, auf Ölraffinerien oder auch Panzerschmieden. Sinn und Zweck dieser Angriffe sind meist, Russlands Nachschub an der Front zu behindern.

Bei einem Waffenstillstand in der Luft bliebe der Ukraine dieser wichtige Hebel im Kriegsgeschehen verwehrt – die ukrainische Armee sähe sich Putins Treiben noch machtloser gegenüber.

Putin könnte sich mit Angebot an Trump in Alaska als bereit für Ende des Ukraine-Kriegs inszenieren

Hinzu kommen andere Vorteile, die Putin aus einer Feuerpause am Himmel ziehen könnte. Zum einen würde es wohl dem Image des russischen Präsidenten nutzen: Er könnte sich als verhandlungsbereit und offen für ein schrittweises Ende des Ukraine-Kriegs darstellen, ohne seinen Feldzug in der Ukraine stoppen zu müssen. Denn an der Frontlinie fährt Russland derzeit einige Erfolge ein, eine laufende Offensive zur Eroberung weiterer ukrainischer Gebiete soll wohl noch an Fahrt aufnehmen.

Eine perfide Strategie statt ein Ende des Ukraine-Kriegs könnte Wladimir Putin mit einem Angebot an Donald Trump beim Alaska-Gipfel verfolgen.

Zum anderen würde ohne die gegenseitigen Angriffe aus der Luft der Ukraine-Krieg wohl noch mehr unter dem Radar vieler Menschen laufen als ohnehin schon. Über Luftschläge, Drohnenattacken und Raketeneinschläge wird in den Medien weitaus mehr berichtet, als über die zähen und komplexen Geschehnisse an der Front, wo teils wochenlang um eine strategisch wichtige Kleinstadt gekämpft wird. Dass die Ukraine nicht vergessen wird nach dreieinhalb Jahren zähen, blutigen Kämpfen, ist für die Ukraine allerdings elementar, denn ohne internationale Hilfe geht es für sie nicht.

Waffenruhe in der Luft würde Ukraine-Krieg nach Alaska-Gipfel unsichtbarer für die Welt machen

Auch der russischen Bevölkerung werde die Tatsache, dass im Nachbarland ein von Putin angezettelter Krieg tobt, vor allem durch Medienberichte über Drohnen- und Raketenattacken aus der Luft bewusst. Das schreibt der Journalist Maxim Trudolyubow in einem Essay für das russische Exilmedium Medusa. „Die Berichterstattung über Angriffe auf ukrainische Städte ist weitaus intensiver als die Berichterstattung von der Front, und Raffinerieexplosionen oder Internetausfälle im Zusammenhang mit Drohnenabwehrmaßnahmen sind zu ständigen Gesprächsthemen geworden“, heißt es dort.

Putin könnte Trump mit Angebot in Alaska täuschen

Auch wenn das Angebot Putins, auf Angriffe aus der Luft im Ukraine-Krieg zu verzichten, auf den ersten Blick verlockend klingt – der Endruck trügt. Die Ukraine hat mehr als einen Grund, um skeptisch zu sein, dass es ein Ende des Ukraine.-Kriegs näher bringt. Lehnt Wolodymyr Selenskyj allerdings die Feuerpause am Himmel ab, steht er öffentlich als jemand da, der dem Frieden und erfolgreichen Verhandlungen entgegensteht.

Putin dagegen könnte sich als jemand inszenieren, der guten Willen zeigt – und dann seine brutalen Luftattacken unbeirrt fortsetzen. (smu)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Mikhail Sinitsyn

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