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Union hält sich mit Kritik zurück

Offensive in Gaza: SPD-Politiker wollen Waffenexporte nach Israel stoppen

In Deutschland wird die Kritik an Israels Krieg im Gazastreifen laut. SPD-Politiker wollen Waffenlieferungen stoppen. Auch aus der Union kommt Kritik.

Berlin/Tel Aviv – Mit Blick auf die neue Offensive im Gazastreifen und die verheerende humanitäre Lage der Menschen vor Ort steigt der Druck der internationalen Gemeinschaft auf Israel von Tag zu Tag. Auch in Deutschland, wo die Beziehungen zu Israel historisch bedingt eine Sonderstellung einnehmen, wird die Kritik lauter – zumindest aus einem Teil der schwarz-roten Bundesregierung. Während sich die Union mit direkter Kritik an Israel eher bedeckt hält, haben mehrere namhafte SPD-Politiker als Reaktion auf das Vorgehen ein Stopp von deutschen Waffenlieferungen gefordert.

Kritik an Israels Vorgehen in Gaza wird lauter – SPD-Politiker wollen Waffenexporte stoppen

„Deutsche Waffen dürfen nicht zur Verbreitung humanitärer Katastrophen und zum Bruch des Völkerrechts genutzt werden“, sagte der neue außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Adis Ahmetovic im Gespräch mit dem Stern. „Deshalb fordern wir (Benjamin) Netanjahus Regierung zur Bereitschaft zur Waffenruhe und Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.“ Mit seiner Position im steht Ahmetovic bei den Sozialdemokraten nicht alleine.

Auch Parteikollege Ralph Stegner forderte ein Umdenken aufgrund der aktuellen Lage in Gaza. „Die humanitäre Katastrophe für die palästinensische Zivilbevölkerung und der Bruch des Völkerrechts durch die Regierung Netanjahu müssen sofort beendet und dürfen nicht auch noch mit deutschen Waffen verlängert werden.“ Die Waffen hätte der Sicherheit Israels und der Verteidigung gedient. „Davon kann gegenwärtig im Gazastreifen und im Westjordanland keine Rede sein.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Internationale Kritik an Israel und Netanjahu – Spanien fordert Waffenembargo

Mit den Forderungen stimmen die SPD-Politiker in eine neu aufgeflammte Welle der Kritik gegen Israels Vorgehen ein. Bereits am Sonntag hatte Spanien wegen der neuen israelischen Offensive im Gazastreifen ein internationales Waffenembargo gefordert. „Das Letzte, was der Nahe Osten derzeit braucht, sind Waffen“, sagte Außenminister José Manuel Albares in Madrid.

Seit dem 7. Oktober 2023 und dem Terrorangriff der islamistischen Hamas auf den Süden des Landes befindet sich Israel im Krieg. Vor knapp einer Woche hatten die israelischen Streitkräfte eine neue großangelegte Offensive im Gazastreifen gestartet. Bislang hatte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu die Zerschlagung der Hamas als oberstes Kriegsziel propagiert. Bei dem erneuten Vorstoß in den palästinensischen Küstenstreifen soll es jedoch um mehr gehen.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge plant Israel die Einnahme eines Großteils des Gazastreifens. Innerhalb von zwei Monaten wollen die IDF-Truppen 75 Prozent des Gebiets eingenommen haben. Das berichtet The Times of Israel mit Verweis auf das Militär. Die palästinensische Zivilbevölkerung solle auf ein Viertel des abgeriegelten Küstengebiets zusammengedrängt werden, um Gaza von der Hamas zu befreien, berichtete auch das Wall Street Journal.

Aus den Reihen der SPD-Fraktion im Bundestag wird die Kritik an Israels Vorgehen im Gazastreifen immer lauter.

„Grausamste Phase“ des Kriegs: UN-General warnt vor Hungersnot im Gazastreifen

Im Zentrum der Kritik steht die humanitäre Lage der Zivilbevölkerung im Gazastreifen. Israel hatte in der vergangenen Woche eine dreimonatige Blockade gelockert und wieder Hilfslieferungen in das Küstengebiet ermöglicht. Helfer vor Ort kritisieren jedoch, dass diese viel zu gering ausfallen würden. UN-Generalsekretär António Guterres sprach am Wochenende von der „grausamsten Phase“ des Kriegs. „Die gesamte Bevölkerung Gazas ist von einer Hungersnot bedroht. Familien müssen hungern und ihnen wird das Nötigste vorenthalten – und das alles vor den Augen der Weltöffentlichkeit“,

Waffenlieferungen an Israel: SPD-Politikerin warnt vor Beteiligung an Kriegsverbrechen

Zuletzt waren die Exportgenehmigungen für Rüstungsgüter in Deutschland zurückgegangen. Im ersten Quartal des Jahres lag der Wert der von der Bundesregierung erlaubten Ausfuhren nach Angaben des Wirtschaftsministeriums bei 1,18 Milliarden Euro. Dabei lag Israel mit Exportgenehmigungen für 28 Millionen Euro auf Platz zehn. Die SPD-Abgeordnete Isabel Cademartori forderte im Gespräch mit dem Stern vor allem, keine Panzermunition oder Ersatzteile mehr nach Israel zu liefern, um sich nicht indirekt an möglichen Kriegsverbrechen in Gaza zu beteiligen. „Dies könnte dazu führen, dass Deutschland selbst juristisch von internationalen Gerichten belangt wird“, sagte Cademartori.

Israels Gaza-Offensive belastet die Koalition – auch in der Union wird die Kritik lauter

Deutlich vorsichtiger fällt die Kritik derweil noch bei der Union aus, doch auch immer mehr Politiker von CDU und CSU äußern sich besorgt mit Blick auf das Vorgehen Israels. Außenminister Johann Wadephul (CDU) nannte die Lage im Gazastreifen bei der ARD „unerträglich“. Fraktionschef Jens Spahn (CDU) sagte bereits in der vergangenen Woche: „Jeden, der ein Herz hat, muss es schmerzen, diese Bilder zu sehen.“ Mit direkter Kritik an Netanjahu und dem Vorgehen der IDF-Truppen halten sich die Unionspolitiker jedoch bislang zurück. Die Forderungen aus den Reihen der SPD könnte das Thema in der Koalition erneut in den Mittelpunkt rücken.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat nach seiner Wahl stets die Sonderstellung der Beziehungen zwischen Deutschland und Israel hervorgehoben. Nach seiner Amtseinführung hatte Merz umgehend mit Netanjahu telefoniert. Dabei soll es auch um die Lage im Krieg Israels gegen die Hamas gegangen sein. Die Frage nach einer Fortsetzung der Waffenlieferung an Israel und dem generellen Umgang der Bundesregierung mit Netanjahus Regierung dürfte die Koalition auch in dieser Woche beschäftigen. (fd mit Material von dpa und afp)

Rubriklistenbild: © Montage: Florian Gärtner/Saeed Qa/imago-images

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