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Ärger um Brosius-Gersdorf

Haben Merz und Spahn „versagt“? Breitseite im Richterwahl-Desaster – Baerbock reagiert empört

Der Bundestag verschiebt die Wahl der neuen Verfassungsrichter. Julia Klöckner wirbt für eine Verständigung und eine Wahl im September.

Update, 20.33 Uhr: Nach der abgesagten Richterwahl hat SPD-Fraktionschef Matthias Miersch eine Lösung über einen Kompromisskandidaten mit der Union praktisch ausgeschlossen. „Für mich ist klar: Wir halten an unseren Kandidatinnen fest. Ich erwarte, dass die Mehrheit steht“, schrieb Miersch in einer persönlichen Erklärung zum Beginn der parlamentarischen Sommerpause. 

Die gelte zumal, da Vorwürfe eines Plagiats von dem eigentlichen Verfasser nicht aufrechterhalten würden. Eine herausragende Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht mit einwandfreiem Werdegang und bester Qualifikation sei „Opfer einer beispiellosen Schmutzkampagne“ geworden, betonte Miersch und stellte sich damit vor die Jura-Professorin Frauke Brosius-Gersdorf. „Der heutige Tag hätte sich nie so abspielen dürfen, gerade weil wir unsere Kandidatinnen mit der Unionsführung abgestimmt haben. Wir haben uns auf den gemeinsamen Vorschlag geeinigt.“

Richterwahl-Desaster: Baerbock kritisiert „diskreditierende Methoden“

Update, 17.04 Uhr: Auch Ex-Außenministerin Annalena Baerbock meldet sich zur verschobenen Wahl der Verfassungsrichter zu Wort. „Kein Zufall, mit welch diskreditierenden Methoden (erneut) eine hochqualifizierte Frau zu Fall gebracht werden soll“, schreibt Baerbock bezogen auf die SPD-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf.

„Kein Zufall, dass es ausgerechnet diejenige trifft, die für das Selbstbestimmungsrecht von Frauen eintritt“, führt Baerbock in ihrem Post auf X weiter aus und erklärt zudem: „Es geht um mehr als um eine Richterin. Es geht um Artikel 3 des Grundgesetzes.“ In Artikel 3 ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie die staatliche Aufgabe zu Förderung ebendieser Gleichberechtigung verankert.

Haben Merz und Spahn „versagt“? Breitseite im Richterwahl-Desaster – Baerbock reagiert empört. (Symbolbild)

Update, 15.24 Uhr: Die Grünen-Fraktion fordert eine Sondersitzung des Bundestages in der kommenden Woche, um die an diesem Freitag abgesagte Wahl von drei Richtern für das Bundesverfassungsgericht nachzuholen. „Wir erwarten, dass CDU/CSU und SPD in der Lage sind, die notwendige demokratische Mehrheit für ihre eigenen Vorschläge im Deutschen Bundestag sicherzustellen“, heißt es in der Erklärung der Fraktionsvorsitzenden Britta Haßelmann und Katharina Dröge. 

Dass die Wahl nicht auf die lange Bank geschoben wird, ist aus Sicht der Grünen-Fraktion auch eine Frage des Respekts gegenüber den drei Kandidaten und dem Gericht. 

Richterwahl-Fiasko: Grünen-Chefin kritisiert Merz und Spahn – „Kollateralschaden ihrer Schwäche“

Update, 14.27 Uhr: Grünen-Chefin Franziska Brantner richtet nach der verschobenen Wahl von Verfassungsrichtern deutliche Kritik an den Bundeskanzler und den Unionsfraktionschef: „Während Spahn seine persönlichen Befindlichkeiten auslebt, versagt Merz als Führungsfigur“, schreibt Brantner auf X. „Das Verfassungsgericht wird zum Kollateralschaden ihrer Schwäche.“

Die Union soll sich unterdessen Berichten zufolge um 13.50 Uhr erneut zu einer Fraktionssitzung getroffen haben. Die ersten Abgeordneten hätten den Reichstag zuvor eigentlich bereits mit Koffern verlassen, berichtet Pioneer-Chefreporterin Politik Karina Mößbauer in einem Beitrag auf X.

Verschobene Richterwahl: Klöckner wirbt für September-Termin

Update, 13.25 Uhr: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner wirbt dafür, die verschobene Wahl von Verfassungsrichtern in der nächsten regulären Sitzungswoche nachzuholen – also im September. Es bleibe die Verantwortung des Parlaments, zu einer Entscheidung zu kommen, sagte die CDU-Politikerin in Berlin. 

„Die Fraktionen sind jetzt aufgerufen, sich darüber zu verständigen, mit welchem Vorschlag sie dann in die Wahl gehen möchten“, sagte Klöckner. Sollte es einen neuen Personalvorschlag geben, müsse zunächst der Richterwahlausschuss erneut entscheiden. 

Nach geplatzter Richterwahl: Grünen-Abgeordnete spottet über SPD und Union

Update, 12.30 Uhr: Grünen-Politikerin Ricarda Lang reagierte auf X mit Spott auf die Ereignisse um die Richterwahl. „Kurze Frage: ist die SPD noch in der Regierung? Wenn Julian Reichelt mehr Einfluss auf die Position der Unionsfraktion hat als Friedrich Merz, sagt das viel über den Zustand der Union und noch mehr über die Fraktionsführung von Jens Spahn aus.“ Linken-Politikerin Janine Wissler kommentierte: „Was für ein Desaster. Eine rechte Kampagne, die auf Lügen und Unterstellungen beruht, gegen eine hoch angesehene Juristin, sorgt dafür, dass die Wahl der Verfassungsrichter abgesetzt wird. Die Verantwortung dafür tragen CDU/CSU, Spahn und Merz.“

Von Seiten der Unionsparteien gab es zur Stunde noch keine Reaktionen.

Richterwahl wurde nach Abstimmung verschoben - nur AfD dagegen

Update, 12.10 Uhr: Linken-Fraktionsvorsitzende Heidi Reichninnek macht ebenfalls Jens Spahn (CDU) für das „Chaos“ verantwortlich. Es sei ein „Armutszeugnis“, dass es nicht zur Abstimmung gekommen sei. Das Bundesverfassungsgericht sei nachhaltig beschädigt worden. Die Union würde mit der AfD „zusammenarbeiten“, die Menschen würden den „Rechtsextremen zum Fraß vorgeworfen“.

Direkt nach ihrem Redebeitrag wurde abgestimmt und der Antrag auf Verschiebung wurde von allen Fraktionen bis auf die AfD angenommen. Die Richterwahl wurde verschoben.

Grünen legen Jens Spahn (CDU) den Rücktritt nahe

Update, 11.45 Uhr: Bundestagsvize Josephine Ortlep (SPD) hat das Plenum wieder eröffnet. Zur Debatte steht die Verschiebung der Richterwahl für das Bundesverfassungsgericht. Der erste Redner von der SPD spricht von „Hetze“ gegenüber Frauke Brosius-Gersdorf. Für die AfD spricht der parlamentarische Geschäftsführer Bernd Baumann. Der hält sich nicht an den Hinweis, zur Geschäftsordnung zu sprechen, sondern lässt sich über Brosius-Gersdorf aus. Es solle am heutigen Tag abgestimmt werden.

Die Grünen legen Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) den Rückzug von seinem Amt nahe. Spahn habe es nicht geschafft, seine Fraktion hinter den auch von ihm mitgetragenen Vorschlag zur Berufung dreier Richterinnen und Richter zum Bundesverfassungsgericht zu bringen, sagte Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann in Berlin.

Update, 11.35 Uhr: Nun meldet sich „Plagiatsjäger“ Stefan Weber auf X zu Wort. Er schreibt, dass die „Sichtweise der #CDU, dass Plagiatsvorwürfe gegen Frau #FraukeGersdorf erhoben wurden“, falsch sei. „Diese wurden, zumindest von mir, vielmehr zurecht gegen Herrn #Merz und Herrn #Voigt erhoben.“ Eine genaue Analyse sei in Arbeit.

Medienbericht: Richterwahl von Koalition verschoben

Update, 11.30 Uhr: Die schwarz-rote Koalition kann sich vorerst nicht auf die Wahl der drei Richterkandidaten für das Bundesverfassungsgericht verständigen. Nun werden die Abstimmungen von der Tagesordnung genommen. Das berichtet der Spiegel.

Update, 11.15 Uhr: In der Unionsfraktion ist nach Angaben aus Kreisen der Unionsfraktion die Zahl der Abgeordneten gewachsen, die wegen der Personalie Brosius-Gersdorf Gesprächsbedarf, schwere Bedenken oder ein klares Nein zur Wahl signalisiert hätten. In den vergangenen Tagen seien es mehr als 50 geworden. Parallel sei auch der Druck aus den Wahlkreisen auf die Abgeordneten gestiegen.

Update, 11.00 Uhr: Die Grünen fordern die Absetzung sämtlicher Wahlen am heutigen Tag. „Wir sind der Überzeugung, heute sollen insgesamt keine Wahlen stattfinden“, sagte Grünen-Fraktionsvorsitzende Dröge. Es wäre „respektlos“, zwei Wahlen durchzuziehen, und nur die von Frauke Brosius-Gersdorf nicht. Sie plädieren für eine Wahlverschiebung. Es wäre „eine Peinlichkeit für dieses Parlament“, wenn der Bundestag es nicht schaffe, zeitnah Verfassungsrichter zu wählen.

Grüne wollen Richterwahl komplett verschieben

Update, 10.45 Uhr: Die Co-Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen Britta Haßelmann spricht auf der Pressekonferenz von Versagen der Koalition. Schwere Vorwürfe macht sie dem Unionsfraktionsvorsitzenden Jens Spahn und spricht von Versagen: „Mit dem Bundesverfassungsgericht spielt man kein Roulette.“ Dies sei ein Vorgang, „den wir im Bundestag zur Wahl von Richtern zum Bundesverfassungsgericht noch nie erlebt haben. Dafür trägt allen voran Jens Spahn die Verantwortung.“ Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge sieht im Zeitpunkt der Veröffentlichung „keinen Zufall“. Wenn man es nicht schaffe, Verfassungsrichter zu wählen, sei die „Koalition an dieser Stelle gescheitert“.

„Plagiatsjäger“ Stefan Weber erhebt Verdachtsvorwürfe gegen Brosius-Gersdorf

Update, 10.38 Uhr: Hinter den Plagiatsvorwürfen steht der umstrittene „Plagiatsjäger“ Stefan Weber. Auf seiner Website spricht er von „Textparallelen zwischen der Dissertation von Frauke Brosius-Gersdorf und der Habilitationsschrift von Hubertus Gersdorf“. 23 „Verdachtsstellen“ will er herausgearbeitet haben. Der Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje weißt auf X darauf hin, dass sich die Plagiatsvorwürfe gegen Brosius-Gersdorf „auf einen Vergleich von Brosiuis-Gersdorfs Dissertation, die sie 1997 fertigstellte, mit der Dissertation ihres Mannes, die er 1998 (!) fertigstellte“ beziehen. Weber wurde im Februar 2025 in zweiter Instanz vom Oberlandesgericht Linz wegen übler Nachrede verurteilt.

Derweil hat der Bundestag seine Plenarsitzung unterbrochen. Dies geschehe auf Wunsch der SPD-Fraktion, teilte Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) als Sitzungsleiterin mit. Es gebe den Wunsch nach einer Fraktionssitzung. Kurz nach 11 Uhr solle es weitergehen.

Update, 10.07 Uhr: Auch die Grünen treffen sich zu einer Sonderfraktionssitzung, um das weitere Vorgehen bei der Wahl von Richtern für das Bundesverfassungsgericht zu besprechen. Man gehe von einer Unterbrechung der Bundestagssitzung vor der für 10.10 Uhr geplanten Wahl des von der Union nominierten Kandidaten Günter Spinner aus, sagte eine Sprecherin der Fraktion der dpa in Berlin. Für diesen Fall solle die Fraktion zusammenkommen.

Linke wollen für CDU-Kandidat bei Richterwahl stimmen

Update, 09.53 Uhr: Einige Linken-Abgeordnete wollen bei der Wahl von Richtern für das Bundesverfassungsgericht im Bundestag für den von der Union nominierten Kandidaten Günter Spinner stimmen, um ihm eine Mehrheit ohne die AfD zu sichern. Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Fraktionskreisen. Zuvor hatte die Linke in einer Sondersitzung ihrer Fraktion ihre Linie abgestimmt. 

Update, 09.45 Uhr: Die SPD-Bundestagsfraktion will im Ringen um die Neubesetzung dreier Richterstellen am Bundesverfassungsgericht eine Unterbrechung der Bundestagssitzung. Für 10.30 Uhr wurde bereits eine Sondersitzung der Fraktion einberufen, wie es in einer Einladung an die Abgeordneten heißt, die der Deutschen Presse-Agentur vorlag.

Zuvor hatte die Union vom Koalitionspartner SPD die Absetzung der heute geplanten Wahl von deren Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf von der Tagesordnung des Bundestages verlangt.

Update, 9.03 Uhr: Im Ringen um die Neubesetzung dreier Richterstellen am Bundesverfassungsgericht droht die Union dem Koalitionspartner SPD mit Enthaltung – sollte die Abstimmung über die in der Union besonders umstrittenen Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf nicht abgesetzt werden. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur von Teilnehmern einer Sondersitzung der Unionsfraktion vor den für Freitag geplanten Wahlen. Die genauen Hintergründe sind noch unklar. Im Raum stehen plötzlich Plagiatsvorwürfe gegen die Kandidatin.

Erstmeldung: Berlin – Wegen ihrer liberalen Haltung zur Abtreibung und ihrer Befürwortung einer Corona-Impfpflicht gilt die SPD-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf für manche Unionspolitiker als „nicht wählbar“ für das Bundesverfassungsgericht. Diese Kontroverse überschattet die Richterwahl am heutigen Freitag (11. Juli), bei der der Bundestag drei neue Verfassungsrichter bestimmen soll. Was normalerweise eine Routineangelegenheit darstellt, entwickelt sich zu einem politischen Streitfall mit mehreren brisanten Aspekten.

Die 54-jährige Brosius-Gersdorf, die als Jura-Professorin tätig ist, bringt umfangreiche juristische Erfahrungen mit. Sie arbeitete mehrere Jahre als Rechtsanwältin, gab juristische Fachzeitschriften heraus und war zwei Jahre Mitglied der Zentralen Ethikkommission der Bundesärztekammer. Doch gerade ihre Positionen zu gesellschaftspolitischen Themen sorgen für Widerstand in der Union.

Zusätzlich zu der umstrittenen Brosius-Gersdorf hat die SPD Ann-Katrin Kaufhold als zweite Kandidatin aufgestellt. Kaufhold gilt als deutlich weniger kontrovers. Sie arbeitet im Arbeitskreis Finanzmarktgesetzgebung beim Bundesfinanzministerium, forscht schwerpunktmäßig zum Klimarecht und engagiert sich in der „Initiative für einen handlungsfähigen Staat“ unter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiers Schirmherrschaft.

Richterwahl im Bundestag sorgt für Diskussionen und ruft Julia Klöckner auf den Plan

Doch nicht nur die SPD-Kandidatinnen sorgen für Diskussionen. Auch der Unionskandidat Günter Spinner steht im Fokus der Kritik – allerdings aus anderen Gründen. Der 52-jährige Vorsitzende des Bundesarbeitsgerichts, der über langjährige Erfahrung an verschiedenen Arbeitsgerichten verfügt, könnte bei seiner Wahl auf Stimmen der AfD angewiesen sein.

Die Kontroversen im Vorfeld rief nun Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) auf den Plan. Sie forderte die Bundestagsfraktionen auf, die Richterwahlen ohne Komplikationen über die Bühne zu bringen. „Diese Erwartung habe ich, dass […] der Ablauf ohne Beanstandung ist“, sagte die CDU-Politikerin im „Playbook Podcast“ von Politico.

Richterwahl: Ab 10 Uhr soll über den CDU-Kandidaten abgestimmt werden

Außerdem solle man die Entscheidung über die neuen Verfassungsrichter nicht dem Bundesrat überlassen. „Ein Parlament muss wissen, was seine Bedeutung ist. Und wenn man ureigenste Zuständigkeiten abgibt, dann ist das keine Stärkung eines Parlamentes“, sagte Klöckner. Sollte der Bundestag an diesem Freitag keine Entscheidung fällen, geht das Wahlrecht an die Länder über. Der Bundesrat darf sowieso über die Hälfte der Richter in jedem Senat des Bundesverfassungsgerichts entscheiden; es kämen dann in diesem Fall noch weitere hinzu.

Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die Komplette Liste in Bildern

Friedrich Merz
Das Kabinett Merz ist die seit dem 6. Mai 2025 amtierende Bundesregierung unter der Führung von Kanzler Friedrich Merz. Es handelt sich um die fünfte schwarz-rote Koalitionsregierung und die 17. Regierung unter Führung der Unionsparteien auf Bundesebene. © Michael Kappeler/dpa
Nina Warken
Nina Warken hat bereits Geschichte geschrieben: Als erste Frau wurde sie im Juli 2026 Chefin des Bundeskanzleramtes. Die bisherige Bundesgesundheitsministerin übernahm das Amt von Thorsten Frei – und damit die zentrale Koordinationsstelle der Regierungsarbeit.  © Christoph Soeder/dpa
Linnemann
Im Zuge des Personalumbaus hat der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Juli 2026 das Gesundheitsressort übernommen. Allerdings hat er vorab selbst Zweifel gesät, dass er wirklich der richtige Mann für den Job ist. Er wäre nach der Regierungsübernahme durch Merz gerne Arbeitsminister geworden, musste das Ressort aber der SPD überlassen. Dem Sender Phoenix hatte er im Mai 2025 zum Interesse an anderen Kabinettsposten gesagt, es sei nicht „sein Ding“, nur Minister zu sein, damit das irgendwo in Wikipedia stehe. „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen.“  © Christoph Soeder/dpa
Steffen Bilger
Ebenfalls neu im Kabinett ist der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Er gilt als fachlich geeignet, ist sehr gut vernetzt, arbeitete in der schwarz-roten Koalition bislang aber vor allem im Hintergrund. Der gelernte Rechtsanwalt stammt aus Baden-Württemberg und ist ausgewiesener Verkehrsexperte: Er saß schon als frisch gebackener Bundestagsabgeordneter von 2009 bis 2013 im Verkehrsausschuss. Bei den Koalitionsverhandlungen nach der Wiederwahl von Angela Merkel (CDU) 2017 war er als Vertreter der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur beteiligt. 2018 wurde er dann Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. © Marijan Murat/dpa
Sommerfest der SPD im Landkreis Verden
Und sonst? Lars Klingbeil ist als Vizekanzler weiter der zweite starke Mann in der Regierung Merz. Eigentlich brennt er für die Außenpolitik und geprägt durch den familiären Hintergrund als Soldatensohn am Heeresstandort Munster für Verteidigung. Jetzt steht er dem Finanzressort vor. Für Klingbeil, der im konservativen SPD-Flügel zuhause ist, könnte es das Sprungbrett für eine Kanzlerkandidatur 2029 sein - auch wenn manchen in der Partei aufstößt, mit welcher Skrupellosigkeit er sich zuletzt seine Macht sicherte. © Focke Strangmann/dpa
Alexander Dobrindt
Innenminister ist Alexander Dobrindt. Der bisherige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag galt schon seit Wochen als gesetzt für den Posten, auf dem er die von der Union verlangte „Migrationswende“ umsetzen soll. Dobrindt war von 2009 bis 2013 CSU-Generalsekretär, danach vier Jahre Bundesverkehrsminister. Als CSU-Landesgruppenchef galt er als wesentlicher Faktor für die relativ geräuschlose Zusammenarbeit von CSU-Chef Markus Söder und Merz. © Sebastian Gollnow/dpa
Außenminister Wadephul bei der UN
Auswärtiges Amt: Johann Wadephul. Erstmals seit fast 60 Jahren führt die CDU wieder das Außenamt. Den Posten hat Merz, der im Kanzleramt maßgeblich auch die Außenpolitik mitgestalten will, nun an einen Fachpolitiker aus dem Bundestag vergeben. Wadephul kommt aus Schleswig-Holstein und ist bisher als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. Er gilt als international gut vernetzt und war in den vergangenen Wochen bereits in Paris, London und Warschau, um sich mit den dortigen Außenministern zu treffen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsminister Pistorius besucht Objektschutzregiment
Verteidigungsminister Boris Pistorius war für die SPD gesetzt – schließlich ist er Deutschlands beliebtester Politiker. Als er im November 2023 „Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime“ für die Bundeswehr ausrief, legte der Niedersachse die Latte hoch. Seit der Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse kann er sich über mangelnde Finanzierung nicht mehr beschweren. Der Jurist wurde in Osnabrück geboren, er arbeitete in mehreren niedersächsischen Regierungsstellen und war von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt („das schönste Amt der Welt“). In den zehn folgenden Jahren war er Innenminister von Niedersachsen. 2023 übernahm er das Verteidigungsministerium von Christine Lambrecht und gewann in kurzer Zeit die Anerkennung der Truppe und der Verbündeten. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Bundeswirtschaftsministerin Reiche zu Energiekosten
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie ist Katherina Reiche. Lange galt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann als wahrscheinlicher Minister – doch der sagte ab und blieb auf seinem Posten an der Spitze der Parteizentrale. Merz entschied sich dann für die frühere Umwelt- und Verkehrsstaatssekretärin Reiche aus Brandenburg. Sie ist seit vielen Jahren in der Wirtschaft und war von 2015 bis 2019 zunächst Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär. Die stellvertretende CSU-Vorsitzende war schon von 2018 bis 2021 als Staatsministerin für Digitales im Kabinett von CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Bär kam 2002 zusammen mit vielen anderen jungen Christsozialen während der Kanzlerkandidatur von Edmund Stoiber erstmals in den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte sie in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen das deutschlandweit höchste Ergebnis. © Heiko Becker/Imago
Aktionsplan Steuer- und Finanzkriminalität
Justiz: Stefanie Hubig. Die SPD-Politikerin begann 2000 im Bundesjustizministerium und stieg zur Referatsleiterin auf. 2008 ging sie nach Mainz: Erst in die Staatskanzlei, 2009 übernahm sie die Leitung der Abteilung Strafrecht im Justizministerium. Hubig wurde 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Justizminister war damals ihr Parteikollege Heiko Maas. Beide gerieten mit dem damaligen Generalbundesanwalt Harald Range aneinander: Dabei ging es um später eingestellte Ermittlungen gegen zwei Blogger von Netzpolitik.org wegen Landesverrats. © Michael Kappeler/dpa
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Karin Prien – Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die in Amsterdam geborene Prien arbeitete zu Beginn ihrer Karriere als Rechtsanwältin im Bereich Wirtschafts- und Insolvenzrecht, engagierte sich aber auch früh in der Hamburger Lokalpolitik. 2011 wurde sie in die Bürgerschaft gewählt, bevor sie nach Schleswig-Holstein wechselte. Im „Zukunftsteam“ des gescheiterten Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet war sie 2021 gleichfalls für den Bereich Bildung zuständig. © Jens Schicke/Imago
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bodenständig, geradlinig, klar: Als Bundestagspräsidentin hat sich Bärbel Bas einen guten Ruf erworben. Zuvor war die Duisburgerin einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie sitzt seit 2009 im Bundestag und kümmerte sich unter anderem um Gesundheitspolitik. Ihre unkomplizierte Art mag mit der Herkunft zu tun haben: Die neue Bundesministerin für Arbeit und Soziales wuchs als zweitälteste von sechs Geschwistern in materiell einfachen Verhältnissen auf. Spielen, so erzählte Bas später, musste sie als Kind draußen, weil im Kinderzimmer zu wenig Platz war. © Imago
Pressekonferenz Wildberger und Warken
Digitalisierung und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger. Merz hat ganz früh angekündigt, dass er einen Experten aus der Wirtschaft mit dem neu geschaffenen Ressort betrauen will. Nun soll der Chef der Holding der Elektronikmärkte MediaMarkt und Saturn den Posten übernehmen. Der promovierte Physiker Wildberger war von 2016 bis 2021 Vorstand der Holding des Energiekonzerns Eon und davor unter anderem in Managementpositionen bei den Telekom-Konzernen Vodafone und Deutsche Telekom. © Soeren Stache/dpa
Fortsetzung der Sommerreise von Bundesumweltminister
Umwelt und Klimaschutz: Carsten Schneider war in der Ampel-Regierung von Olaf Scholz Staatsminister und Beauftragter für Ostdeutschland. Damit war er eine der profiliertesten Stimmen dieser Region und sollte vor allem für gleichwertige Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern sorgen. Schneider stammt aus Erfurt und sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Dort war er unter anderem Haushaltspolitiker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Der 49 Jahre alte Bankkaufmann gilt als pragmatisch, erfahren und vielseitig einsetzbar.  © Stefan Sauer/dpa
90. Grüne Woche Berlin - Eröffnungstag
Ernährung, Landwirtschaft und Heimat: Alois Rainer. Nach dem Rückzug des zunächst vorgesehenen bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner ist der Niederbayer zum Zug kommen. Der 60 Jahre alte Metzgermeister sitzt seit 2013 im Bundestag. Schon sein gleichnamiger Vater saß 18 Jahre im Bundestag, seine Schwester ist die ehemalige Bundesbau- und Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt. © Sebastian Gollnow/dpa
Reem Alabali-Radovan
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Reem Alabali-Radovan hat eine steile politische Laufbahn hingelegt. Zuletzt war sie Integrationsbeauftragte der Ampel-Regierung. Nun folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter der Schwerinerin. Geboren wurde Alabali-Radovan 1990 in Moskau. Im Alter von sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie, die vor den politischen Verhältnissen im Irak floh, nach Mecklenburg-Vorpommern. Als Integrationsbeauftragte setzte sie sich unter anderem gegen Racial Profiling ein, also die verdachtsunabhängige polizeiliche Kontrolle von Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe und anderen ethnischen oder religiösen Merkmalen. Alabali-Radovan ist verheiratet mit dem Profiboxer Denis Radovan und bekam 2023 eine Tochter.  © Katharina Kausche/dpa
Verena Hubertz
Die neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist eine politische Senkrechtstarterin: Verena Hubertz ist seit 2021 Bundestagsabgeordnete und wurde direkt stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, zuständig unter anderem für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie, Bauen und Wohnen. Oft führte sie in der Ampel-Koalition Verhandlungen mit Politikern von Grünen und FDP, wenn es um strittige Fragen ging. Laute Töne sind nicht ihr Fall. Die Triererin und Betriebswirtin hat eine für Politiker eher ungewöhnliche Biografie. 2013 gründete sie mit einer Studienkollegin das Küchen-Start-up Kitchen Stories. Die Idee: in Videos und Schritt für Schritt zu zeigen, wie einfach Kochen sein kann.  © Kay Nietfeld/dpa
Patrick Schnieder
Bis Juli 2026 war Patrick Schnieder Bundesminister für Verkehr. Verkehr. Merz hat ihn entlassen, weil er mit seiner Amtsführung unzufrieden war – besonders bei den Dauerkrisenherden Schienennetz und Infrastruktur. Die Entlassung Schnieders nach nur gut einem Jahr im Amt stieß in der CDU teilweise auf heftige Kritik. © Sven Kaeuler/dpa
Jens Spahn
Auslöser für den Kabinettsumbau im Juli 2026 war der Rücktritt von Jens Spahn als Unions-Fraktionschef. Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz nahm den Wechsel an der Fraktionsspitze zum Anlass, die CDU in Regierung und Partei neu aufzustellen. © Michael Kappeler/dpa
Thorsten Frei
Umbau auch in der Union: Thorsten Frei übernahm den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag. Er war bisher Kanzleramtsminister. Frei steht für eine unverwüstlich wirkende Freundlichkeit, gepaart mit geduldiger Erklärlust. Trotz seiner nach außen getragenen Sanftmütigkeit steht wr inhaltlich für Härte. Die innere Sicherheit und die Begrenzung der Migration zählen zu den Kernthemen des Innenexperten, der als Sohn eines Polizisten in Südbaden aufgewachsen ist. © Michael Kappeler/dpa
Franziska Hoppermann
Für Linnemann wurde Franziska Hoppermann als CDU-Generalsekretärin ins Amt gewählt. Die bisherige Bundesschatzmeisterin gilt als arbeitnehmernah und hat ein starkes Profil in der Frauen Union.  © Christoph Soeder/dpa
Philipp Amthor
Philipp Amthor bekam eine Schlüsselrolle bei der föderalen Zusammenarbeit. Er wurde von Merz zum neuen Staatsminister im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen ernannt, der bisherige Amtsinhaber Michael Meister musste gehen. Amthor war bisher parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium. © Christoph Soeder/dpa
Christiane Schenderlein
Christiane Schenderlein wird Nachfolgerin von Tino Sorge als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Sie war bisher Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt.  © Kay Nietfeld/dpa
Wolfram Weimer
Er bleibt Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer. Er will aber nur für eine Legislaturperiode im Amt bleiben. 2003 war er Gründer des Berliner Magazins „Cicero“, das er bis 2010 leitete. Zuvor arbeitete er als Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Nach „Cicero“ war er bis 2012 Chefredakteur des Magazins „Focus“. Anschließend gründete Weimer gemeinsam mit seiner Frau, der früheren „FAZ“-Journalistin Christiane Götz-Weimer, die Weimer Media Group. © Georg Wendt/dpa

Der Zeitplan für die Abstimmungen steht bereits fest: Gegen 10 Uhr soll zunächst über den Kandidaten der Union Günter Spinner entschieden werden. Die Abstimmungen über die beiden SPD-Kandidatinnen sind für mittags geplant. Über sie soll getrennt voneinander abgestimmt werden.

Das Wahlverfahren selbst gestaltet sich komplex: Die Wahlen sind geheim. Die Abgeordneten treten einzeln in Wahlkabinen und werfen ihre Stimmkarten in Urnen. Währenddessen beginnt die nächste Debatte. Das Ergebnis wird im Verlauf der weiteren Tagesordnungspunkte verkündet, wofür diese kurz unterbrochen werden. Mitgeteilt werden Ja-Stimmen, Nein-Stimmen und Enthaltungen. Welche Fraktion wie abgestimmt hat, lässt sich also nur aus öffentlichen Äußerungen am Rande ableiten.

Besonders brisant sind die erforderlichen Mehrheitsverhältnisse: Für jeden Kandidaten ist eine Zweidrittelmehrheit der abgegebenen Stimmen nötig. Wenn alle 630 Abgeordneten anwesend wären, entspräche dies 420 Stimmen. Um gewählt zu werden, braucht es zudem die Mehrheit der Stimmen der Bundestagsmitglieder, also mindestens 316. Wenn alle Fraktionen gemäß ihrer relativen Stärke vertreten sind, reichen die Stimmen der drei Regierungsparteien CDU, CSU und SPD sowie der Grünen nicht aus für eine Zweidrittelmehrheit. Es bräuchte dann noch Stimmen der AfD oder der Linken.

AfD will bei Richterwahl CDU-Kandidat wählen

Die AfD-Fraktionsspitze hat ihre Mitglieder aufgefordert, dem Unionskandidaten Spinner die Stimme zu geben. Die beiden SPD-Kandidatinnen lehnt AfD-Fraktionschefin Alice Weidel ab. Die Linke hingegen wollte bereits im Vorfeld einbezogen werden und hat von der Union Gespräche noch vor der Wahl verlangt. Dauerhaft will die Fraktion ebenfalls Vorschläge für die künftige Besetzung von Richterstellen machen können. „Wir wollen, dass der Nominierungsschlüssel verändert wird und uns auch eine Nominierung zusteht“, hatte Linken-Chef Jan van Aken geäußert.

Nach bisheriger Übereinkunft im Bundestag können Union, SPD und Grüne Richterkandidaten vorschlagen. Diese müssen zunächst im Wahlausschuss bestätigt werden. Die CDU/CSU-Fraktion lehnt eine Zusammenarbeit sowohl mit der Linken als auch der AfD ab. (mit dpa)

Rubriklistenbild: © imago/Montage

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