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Deutsche zweifeln an Schwarz-Rot

Merz-Regierung in der Krise: Umfragewerte rauschen ab – Kanzler muss umdenken

Das Vertrauen in die Regierung Merz schwindet. Eine Umfrage zeigt, dass viele Deutsche an ein vorzeitiges Ende der Koalition glauben. Interne Konflikte belasten zusätzlich.

Berlin – Die schwarz-rote Koalition unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) steckt tief in der Krise. Das zeigt auch eine neue Umfrage. Die Insa-Erhebung vom 25. Oktober für die Bild offenbart, dass das Vertrauen der Deutschen in die Stabilität der Regierung dramatisch gesunken ist. Der Umfrage zufolge erwarten nur noch 32 Prozent der Befragten, dass die aktuelle Bundesregierung die volle Legislaturperiode bis 2029 durchhalten wird. Fast die Hälfte der Deutschen (49 Prozent) rechnet dagegen damit, dass die Koalition vorzeitig scheitern wird – ein deutliches Zeichen für die wachsende Skepsis in der Bevölkerung.

Neue Umfrage: 66 Prozent der Befragten sind mit der Regierungsarbeit unzufrieden, 62 Prozent mit der Arbeit von Kanzler Friedrich Merz.

Zunehmend unzufrieden äußerten sich die Befragten auch ganz allgemein gegenüber der Arbeit der Bundesregierung: 66 Prozent sahen diese kritisch – ein Anstieg um drei Prozentpunkte seit dem 10. Oktober. Nur noch 25 Prozent äußern sich demnach zufrieden mit der Koalition. Auch Merz selbst steht in der Kritik. Nur 26 Prozent der Befragten gaben an, mit seiner Arbeit als Kanzler zufrieden zu sein, während 62 Prozent ihre Unzufriedenheit äußern.

Neue Umfrage zeigt: Merz-Regierung in Deutschland zusehends unpopulärer

Die Gründe für die sinkende Popularität der Regierungskoalition sind vielfältig. Interne Konflikte zwischen Union und SPD prägen das Bild der Regierung in der Öffentlichkeit. In der Debatte über den Wehrdienst etwa platzte eine mühsam ausgehandelte Einigung zwischen den Koalitionspartnern. „So etwas darf sich nicht wiederholen“, stellte Merz laut Reuters hinterher lapidar fest. Auch seine Äußerungen zur Migrationspolitik, vor allem seine Bemerkungen zu „Problemen im Stadtbild“, sorgen für Misstöne.

Jüngstes Beispiel: Auf einer Kundgebung in Bielefeld setzte SPD-Fraktionsvize Wiebke Esdar mit einem Banner „Zusammenhalt statt Spaltung“ ein klares Zeichen gegen den Kurs des Kanzlers. Die Insa-Umfrage zeigt überdies, dass die Aussagen von Merz der Union politisch eher geschadet als genutzt haben. Nur 21 Prozent der Befragten sehen demnach einen möglichen Vorteil für die Union, während 33 Prozent meinen, die Aussagen schadeten CDU und CSU eher. Selbst unter den Unions-Anhängern ist der Rückhalt für Merz begrenzt.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Werden die Äußerungen von Friedrich Merz zu „Problemen im Stadtbild“ der Union nutzen oder schaden?

nutzen21 %
weder noch34 %
weiß nicht / k. A.13 %
schaden33 %

(INSA-Umfrage vom 23./24. Oktober mit 1003 Befragten.)

Probleme auch für „Außenkanzler“ Merz: Deutsche glaube laut Umfrage nicht mehr an Schwarz-Rot

Neben den innenpolitischen Herausforderungen sieht sich die Regierung Merz auch mit außenpolitischen Schwierigkeiten konfrontiert. Und das, obwohl Merz in den ersten Monaten der schwarz-roten Koalition mit seinen zahlreichen Auslandsreisen vor allem als „Außenkanzler“ wahrgenommen wurde. Zuletzt aber hat eine kurzfristig verschobene Chinareise von Außenminister Johann Wadephul die angespannten Beziehungen zwischen Deutschland und der Volksrepublik weiter belastet.

Die SPD reagierte daraufhin etwas verstimmt. „Es ist bedauerlich, dass die Chinareise kurzfristig abgesagt worden ist, auch wenn nur ein eher mageres Gesprächsprogramm vereinbart werden konnte“, sagte Außenpolitiker Ralf Stegner dem Spiegel. Es sei deshalb umso wichtiger, dass der Besuch bald nachgeholt werde. Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies äußerte sich ähnlich und betonte in der ARD, dass man jetzt eine „Beziehungspflege-Diplomatie“ benötige.

Umfrage macht deutlich: Mehrheit der Deutschen ist mit Merz-Regierung unzufrieden

Angesichts dieser Entwicklungen steht die Regierung Merz vor enormen Herausforderungen. Kann der Kanzler aber noch einen Kurswechsel einleiten? INSA-Chef Hermann Binkert fasst die Situation der schwarz-roten Koalition jedenfalls treffend zusammen: „Die Mehrheit der Deutschen ist mit Schwarz-Rot unzufrieden, rechnet mit dem vorzeitigen Ende der Regierung und findet auch nicht, dass die ‚Stadtbild-Aussage‘ der Union helfen wird.“ Sein Fazit ist alarmierend: „Union und SPD entfernen sich von der Bevölkerung, auch von denen, die derzeit noch für sie stimmen würden.“ (Quellen: INSA, Spiegel, ARD, Reuters) (cs)

Rubriklistenbild: © Christoph Reichwein/dpa

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