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Krise um Venezuela

„Trump ist alles zuzutrauen“: Star-Politologe zum Venezuela-Konflikt

Die USA verlegen Kriegsschiffe vor Venezuelas Küste. Offiziell geht es um Drogen. Experten sehen jedoch ganz andere Ziele bei Donald Trump.

Washington, D.C./Caracas – Von Woche zu Woche erhöht US-Präsident Donald Trump den Druck auf das Regime von Nicolás Maduro in Caracas. Schiffe und Flugzeuge der US-Streitkräfte werden in die Karibik verlegt, der militärische Aufmarsch gilt als einer der massivsten in der Region seit Jahrzehnten. Der Einsatz macht deutlich, wie ernst Washington den Machtkampf um das ölreiche Land inzwischen nimmt.

US-Präsident Donald Trump verschärft den Druck auf das Maduro-Regime, während der Flugzeugträger USS Gerald R. Ford mit Begleitschiffen und Kampfjets in der Karibik operiert. Die Einsatzgruppe unterstützt laut US-Militär die Mission „Southern Spear“ zur Unterbindung des Drogenschmuggels – Kritiker sehen darin jedoch einen Vorwand für eine mögliche Eskalation.

Politexperte Ian Bremmer von der Eurasia Group attestiert der US-Flotte laut Handelsblatt eine „Feuerkraft“, um Caracas „an einem Nachmittag dem Erdboden gleichzumachen“. Gleichzeitig hat Washington das Umfeld des venezolanischen Präsidenten auf die US-Liste ausländischer Terrororganisationen gesetzt. Offiziell geht es um den Kampf gegen den Drogenschmuggel, faktisch schafft der Terrorstempel neue Spielräume für Sanktionen und militärische Operationen. In der Karibik wurden im Rahmen der US-Operation „Southern Spear“ nach offiziellen Angaben, so Axios, bereits mindestens 21 mutmaßliche Drogenboote angegriffen, wobei 83 Menschen starben.

Politologe zum Venezuela-Konflikt: „Trump ist alles zuzutrauen“ – aber wohl keine Bodeninvasion

Der US-Politologe Francis Fukuyama von der Stanford University hält Trump grundsätzlich für unberechenbar. „Trump ist alles zuzutrauen. Ich glaube aber nicht, dass er eine Invasion wagen würde. Da haben die USA sehr schlechte Erfahrungen gemacht, siehe Afghanistan und Irak“, sagte Fukuyama dem Handelsblatt. Die Erinnerung an jahrelange, verlustreiche Besatzungen mache ein großes Bodenabenteuer innenpolitisch extrem riskant.

Stattdessen erwartet der Star-Politologe eine Strategie maximalen Drucks unterhalb der Schwelle einer Invasion. Die US-Regierung sei „fest entschlossen, alles unterhalb einer Invasion zu testen, um das Regime in Caracas zu stürzen“, so Fukuyama. Damit rückt ein Szenario ins Zentrum, das von gezielten Luftschlägen, verdeckten Operationen und Unterstützung innerer Gegner Maduros geprägt wäre – bei gleichzeitiger Vermeidung von US-Bodentruppen in größerem Stil.

Pompös und protzig: Trump lässt Weißes Haus komplett umgestalten

Washington D.C. - Weißes Haus
1600 Pennsylvania Avenue – die erste Adresse der USA. Seit mehr als 200 Jahren ist das Weiße Haus Amtssitz und Residenz des amerikanischen Präsidenten. Im übertragenen Sinn steht das White House auch als Bezeichnung für die Exekutive der USA. © Soeren Stache/dpa
Weißes Haus
Die Bauarbeiten für den Präsidentensitz begannen 1792. James Hoban entwarf ihn nach dem Vorbild eines Herrenhauses im neoklassizistischen Stil. Acht Jahre später zog John Adams als erstes Staatsoberhaupt ein. Außer George Washington wohnten hier alle Präsidenten. © Jacquelyn Martin/dpa
Das weiße Haus in Washington
Der seit 1901 auch offiziell verwendete Name „Weißes Haus“ geht auf den weißen Farbanstrich zurück. Das Gebäude überstand nicht weniger als vier Brände. Mehrfach wurde der in einem parkähnlichen Garten gelegene Bau erweitert. Von den beiden Seiten der Straße und der Mall ist vor allem das historische Hauptgebäude sichtbar. Die beiden später angefügten Seitentrakte sind kaum zu erkennen.  © Tim Brakemeier/dpa
Magnolie am Weißen Haus
Lange war auf der Südseite Geschichte zu sehen: Im Jahr 2017 stand noch eine gut 180 Jahre alte Magnolie auf der Südseite des Weißen Hauses. Die Magnolie wurde 1835 vom damaligen US-Präsidenten Andrew Jackson bei dessen Einzug gepflanzt. Es soll dem Vernehmen nach der Lieblingsbaum seiner Frau Rachel gewesen sein, die nur wenige Tage nach seinem Wahlsieg starb. Im Frühjahr 2025 wurde die Magnolie auf Anordnung von Donald Trump aus Sicherheitsgründen gefällt. Fachleute hatten zuvor jahrelang versucht, um die kränkelnde Magnolie zu retten, die zahlreiche US-Präsidenten überdauert hatte. © Andrew Harnik/dpa
Ballsaal Weißes Haus
In seiner zweiten Amtsszeit lässt US-Präsident Donald Trump das Weiße Haus nach seinen Wünschen umgestalten. So treibt er auch die Pläne für einen opulenten Ballsaal voran. „Das wird ein großartiges Vermächtnisprojekt“, sagte der Republikaner Ende Juli bei einem offiziellen Termin im Weißen Haus. Die Arbeiten sollen vor dem Ende der Amtszeit Trumps abgeschlossen sein, die bis Januar 2029 läuft. © whitehouse.gov
Karoline Leavitt
Pressesprecherin Karoline Leavitt erläuterte die Pläne genauer: Der Ballsaal werde weitgehend vom Hauptgebäude getrennt sein und im Ostflügel des Gebäudekomplexes entstehen. Auf Grafiken für das Projekt waren goldene Kronleuchter über einem Saal im hell gehaltenen Look zu sehen. © Andrew Leyden/Imago
Weißes Haus
Das Projekt ruft große Kritik hervor, Man wirft Trump Pomp und Geltungssucht vor. Die Zeitschrift New York Magazine betitelte einen Artikel mit den Worten: „Trump verwandelt das Weiße Haus in Mar-a-Lago.“ Trumps Privatanwesen Mar-a-Lago ist ein Hotelkomplex in Florida, der auch für üppiges Design mit Gold-Elementen bekannt ist. © Andrew Leyden/Imago
White House Ballroom Construction.
Die Vorbereitungsarbeiten für das Bauprojekt begannen im September 2025, als Bäume auf dem südlichen Gelände gerodet und andere Arbeiten zur Standortvorbereitung durchgeführt wurden. Das Weiße Haus betonte, dass für den Abriss keine Genehmigung der National Capital Planning Commission erforderlich sei, sondern lediglich für den geplanten Neubau. © Andrew Leyden/Imago
Bauarbeiter rissen am 20 Oktober Teile des überdachten Eingangsbereichs im Ostflügel des Weißen Hauses ab.
Der nächste Schritt folgte am 20. Oktober 2025: Bauarbeiter rissen massive Teile des überdachten Eingangsbereichs und Fenster im Ostflügel ab, den Trump „vollständig modernisieren“ lassen will. Der Präsident kündigte auf seiner Plattform Truth Social an, dass der „Spatenstich“ für den „dringend benötigten“ Ballsaal erfolgt sei. © Celal Gunes/Imago
Donald Trump
Die Bauarbeiten fanden direkt während einer Veranstaltung im Weißen Haus statt, bei der Trump die Baseball-Meister der Louisiana State University empfing. „Wir bauen direkt hinter uns einen Ballsaal. Sie wollten seit 150 Jahren einen Ballsaal, und ich gebe diesem wunderbaren Ort diese Ehre“, sagte Trump im East Room. Er warnte seine Gäste vor möglichen Baugeräuschen, da die Arbeiten „gerade heute begonnen“ hätten. © Saul Loeb /AFP
Donald Trump
Trump charakterisierte den Ostflügel bei Baubeginn als „völlig getrennt vom Weißen Haus selbst“, obwohl er baulich mit der Hauptstruktur verbunden ist. „Der Ostflügel wird als Teil dieses Prozesses vollständig modernisiert und wird schöner denn je sein, wenn er fertiggestellt ist!“, schrieb der Präsident auf Truth Social. Diese Darstellung steht im Widerspruch zur architektonischen Realität des zusammenhängenden Gebäudekomplexes. © Yuri Gripas/Imago
Melania Trump
Der Ostflügel des Weißen Hauses wurde 1902 erbaut und zuletzt 1942 modifiziert. Traditionell beherbergt er die Büros der First Lady. Mehrere Angestellte von Melania Trump mussten bereits im Vorfeld der Abrissarbeiten ihre Arbeitsplätze verlegen, um Platz für die Bauarbeiten zu schaffen. © Evan Vucci/dpa
Weißes Haus
Das Weiße Haus und seine angrenzenden Parks werden vom National Park Service (NPS) verwaltet, aber der Präsident hat grundsätzlich weitreichende Befugnisse für Renovierungen. Der frühere NPS-Chefhistoriker Robert K. Sutton wies in einem BCC-Interview darauf hin, dass beide Flügel des Weißen Hauses sehr symmetrisch seien und wichtige Funktionen hätten. Die aktuelle Renovierung stelle einen der größten Eingriffe in das Weiße Haus seit Jahrzehnten dar. © Andrej Sokolow/dpa
Rosengarten
Das Ballsaal-Projekt ist aber nur ein kleiner Teil einer umfassenden Serie von Umbauten, mit denen Trump die Regierungszentrale nach seinem Geschmack umgestaltet. So wich im Sommer im Rosengarten eine Rasenfläche einer Sitzecke aus Steinplatten. © Roberto Schmidt/AFP
Donald Trump
Derweil hat das Oval Office unter Trump eine andere Farbe angenommen. Das Büro des US-Präsidenten erstrahlt nun im Goldglanz. Vielleicht deshalb erklärte Trump das Weiße Haus zu seinem „Lieblingsplatz“ und betonte seine Wertschätzung für das historische Gebäude. © Alex Brandon/dpa
Spenengala
Im Oktober richtete Trump ein prunkvolles Abendessen aus, um denjenigen zu danken, die den Bau des Ballsaals mit ihren Spenden ermöglichen. Der Ballsaal werde Wände aus kugelsicherem Glas und Platz für tausend Menschen haben und sich für die Amtseinführung eines Präsidenten eigenen. © Jim Lo Scalzo/Imago
Donald Trump
Trump betonte, dass der Ballsaal ausschließlich aus privaten Geldern gebaut werde. 22 Millionen Dollar stammen von einer Einigung mit der Videoplattform YouTube: Die Google-Tochter hatte im September der Zahlung im September zugestimmt, um einen Rechtsstreit mit Trump um die Sperrung seines Kontos nach der Kapitol-Erstürmung radikaler Fans des Republikaners am 6. Januar 2021 beizulegen. © Jim Lo Scalzo /Imago
Donald Trump
Bei der Veranstaltung waren unter anderem Vertreter von Tech-Firmen wie Amazon, Apple, Meta, Google und Microsoft anwesend. Trump präsentierte seinen Gästen bei der Gelegenheit auch die Pläne für weitere Projekte. © Jim Lo Scalzo/Imago
Donald Trump
Klar ist nun: Trump will in der Hauptstadt ein Monument erreichten lassen, das dem Arc de Triomphe in Paris nachempfunden ist. Seinen Gästen zeigte er verschieden große Modelle eines weißen Bogens mit einem goldenen Engel darauf. Am besten gefalle ihm das größte davon, zitierten ihn US-Medien.  © Jim Lo Scalzo/Imago
Donald Trump
Trump hielt dabei ein Modell des Bogens hoch, der nach Bekanntwerden vergangene Woche den Namen „Arc de Trump“ erhalten hatte. „Er wird wirklich wunderschön werden“, betonte Trump. Auf die Frage eines Journalisten, für wen das Bauwerk sei, zeigte er auf sich und antwortete: „Für mich.“ © Jim Lo Scalzo/Imago
Galadinner
Das Bauwerk soll den Berichten zufolge auf einer Verkehrsinsel in einer Achse mit dem historischen Lincoln Memorial auf der gegenüberliegenden Seite der Arlington Memorial Bridge entstehen.  © Andrew Caballero-Reynolds/AFP
Donald Trump
Anlass für den Bau sei der 250. Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten am 4. Juli 2026. Offizielle Pläne des Weißen Hauses gibt es noch nicht. Wann genau mit dem Bau begonnen werden soll und wer diesen finanziert, war zunächst unklar.  © Jim Lo Scalzo/Imago
Donald Trump
Trump hat noch viele weitere Pläne, um das Weiße Haus nach seinen Wünschen umgestalten. Wer das alles bezahlen soll, lässt der US-Präsident bisher offen. © Kevin Dietsch/AFP
Donald Trump
Die Bauarbeiten markieren einen beispiellosen Eingriff in die Architektur des Weißen Hauses, da die geplante Erweiterung fast doppelt so groß werden soll wie die bestehenden Wohnräume. Lange nach Trumps Ausscheiden aus der Präsidentschaft wird sein Einfluss auf das Regierungsgebäude in einem noch nie dagewesenen Umfang und Ausmaß sichtbar bleiben – selbst wenn ein Nachfolger die goldenen Verzierungen im Oval Office entfernt. © Andrew Harnik/AFP
Weißes Haus
Der frühere Republikaner Joe Walsh hat die Renovierung jedenfalls als „völlige Entweihung“ bezeichnet. „Wenn ich 2028 für das Präsidentenamt kandidieren würde, würde ich mit einem Bulldozer auf Trumps Ballsaal losgehen, eine völlige Schändung des Hauses des Volkes“, schrieb Walsh auf X und reagierte damit auf ein Bild, das den Abriss eines Teils des Weißen Hauses zeigt. © Andrew Leyden/Imago

Drogenkrieg als Begründung für Trumps Drohungen – Zweifel an der offiziellen Story

Offiziell begründet Washington den Aufmarsch mit dem Kampf gegen den Kokainschmuggel. Die US-Marine hat nach Regierungsangaben seit September mutmaßliche Schmugglerboote in der Karibik und im Ostpazifik versenkt. Die Einsätze werden von der Regierung als Teil eines nicht-internationalen bewaffneten Konflikts gegen Drogenkartelle dargestellt, konstatiert der Thinktank Center for Strategic and International Studies (CSIS) in einer aktuellen Analyse, um sie völkerrechtlich zu rechtfertigen.

Doch Fachleute zweifeln an dieser Erzählung. Laut US-Experten gelangt nur ein kleiner Teil des in den USA konsumierten Kokains über Venezuela ins Land. Die Einstufung des sogenannten „Cartel de los Soles“ als terroristische Organisation wirkt auf viele Beobachter wie eine politisch motivierte Konstruktion: „Es gibt so etwas wie dieses Kartell gar nicht“, sagt der Venezuela-Experte Phil Gunson von der Organisation International Crisis Group. Der Begriff sei ursprünglich ein „jokey label“, also ein scherzhaft gedachtes Etikett, für korrupte Militärs gewesen, schreibt Kolumnistin Michelle Goldberg in der New York Times.

US-Mehrheit lehnt Krieg gegen Venezuela ab – Trump treibt Kurs trotzdem voran

Auch in der US-Bevölkerung findet ein Krieg gegen Venezuela wenig Rückhalt. Laut einer Umfrage des Senders CBS lehnen 70 Prozent der Befragten „militärische Maßnahmen“ in Venezuela ab, nur 13 Prozent sehen das Land als „große Bedrohung“. Diese Zahlen untergraben das Bild eines Präsidenten, der im Namen der nationalen Sicherheit handelt – und nähren den Verdacht, dass andere Motive eine Rolle spielen.

Dennoch beharrt das Weiße Haus auf seinem harten Kurs. Regierungsvertreter betonen laut Axios, es gebe „keinen Plan“, Maduro „anzugreifen oder zu entführen – jedenfalls im Moment“. Stattdessen solle man „Boote hochjagen, die Drogen transportieren“, so ein namentlich nicht genannter Beamter. Parallel dazu bereitet Trump nach Informationen von Axios ein direktes Gespräch mit Maduro vor – ein Signal, dass Diplomatie und Drohgebärden bewusst kombiniert werden.

Venezuela rüstet zur Abwehr – Betonigel und Luftabwehr

In Caracas bereitet sich das Maduro-Regime intensiv auf ein mögliches US-Manöver vor. Die venezolanische Armee veröffentlicht in den sozialen Medien Bilder von Manövern, Tiefflügen und Schießübungen. Die Hauptstadt und der Küstenkorridor nach La Guaira werden mit neuen Sperranlagen und Betonbarrieren, sogenannten „Hedgehogs“, befestigt, wie verifizierte Videos und Satellitenbilder zeigen, berichtet CNN.

Besonders die Autobahn von der Küste nach Caracas gilt als potenzieller Angriffsweg. Entlang dieser lebenswichtigen Verbindung wurden laut CNN Hindernisse an Engstellen platziert, um Panzerkolonnen zu verlangsamen. Parallel demonstriert das venezolanische Militär seine Luftverteidigung: Russische Frühwarnradare des Typs P-18-2M wurden auf der Insel Margarita gesichtet, dazu Buk-M2E-Flugabwehrsysteme und ältere S-125-Raketenstellungen, die demonstrativ in Schuss gehalten werden.

Trump und Venezuela: Die Lage auf einen Blick (Stand: 27. November 2025)

US-Aufmarsch in der Karibik
• Größter Einsatz in der Region seit Jahrzehnten
• Flugzeugträger USS Gerald R. Ford vor Venezuelas Küste

Hintergrund der Eskalation
• Washington stufte Maduros Umfeld als Terrororganisation ein
• Kritik: Angebliches „Drogenkartell“ laut Experten nicht real

Militärische Signale
• 21 US-Angriffe auf mutmaßliche Drogenboote, 83 Tote
• Venezuela zeigt Tiefflüge, Luftabwehr und Betonbarrieren

Stimmung in den USA
• 70 % lehnen Militäreinsatz ab, nur 13 % sehen große Bedrohung

Venezuelas Luftwaffe am Limit – symbolische Stärke, reale Schwächen

Auch die eigene Luftwaffe zeigt Venezuela demonstrativ. Über der Großstadt Maracay und der Urlaubsinsel Isla Margarita donnerten zuletzt F-16- und Su-30-Kampfjets in niedriger Höhe über Wohnviertel, Einkaufszentren und Strände. Die Botschaft nach innen wie außen: Wir sind verteidigungsbereit.

In Wahrheit ist die Flotte allerdings klein und technisch verwundbar. Experten verweisen darauf, dass Venezuela nur wenige einsatzfähige Jets besitzt und unter Ersatzteilmangel leidet. Laut Zahlen, auf die sich der Thinktank CSIS stützt, machen die jüngst gezeigten Maschinen rund 20 Prozent der verfügbaren Kampfflugzeuge aus – jede Flugstunde ist also kostbar. „Man sollte Venezuela nicht unterschätzen, aber die Asymmetrie zur US-Luftmacht ist offensichtlich“, zitiert CNN den Analysten Ryan Berg.

Öl, geopolitische Interessen und Trumps Machtpolitik

Dass Washington für den Kampf gegen mutmaßliche Drogenboote einen der größten Flugzeugträger der US-Marine in die Karibik verlegt, halten viele Beobachter für wenig plausibel. Fachleute verweisen darauf, dass Venezuela über die weltweit größten bekannten Ölreserven verfügt und US-Konzerne wie Chevron und ExxonMobil dort seit Jahren durch die Politik von Hugo Chávez und Nicolás Maduro stark eingeschränkt wurden.

Analysten sehen daher in der harten Linie Trumps eine Mischung aus geopolitischem Kalkül und machtpolitischen Interessen: Zum einen will die US-Regierung verhindern, dass Rivalen wie Russland, China oder Iran ihren Einfluss in Lateinamerika weiter ausbauen. Zum anderen sendet der Aufmarsch ein klares Signal an linke Regierungen in der Region, dass die USA bereit sind, Druck bis an die Schwelle militärischer Gewalt zu erhöhen.

Beobachter interpretieren Trumps Vorgehen als Versuch, bewertet auch das CSIS, den traditionellen Führungsanspruch der USA in der westlichen Hemisphäre wieder stärker durchzusetzen – eine Art Neuauflage der alten Monroe-Doktrin, jedoch in einer deutlich aggressiveren, militärisch geprägten Form.

Operation „Southern Spear“: Druck bis an die Grenze des Krieges

Das CSIS-Analysezentrum in Washington beschreibt die US-Operation „Southern Spear“ als Übergang von einem Anti-Drogen-Einsatz zu einer klar gegen Maduro gerichteten Strategie. Mit der Verlegung des Flugzeugträgers „USS Gerald R. Ford“ in die Region sei „der Schuss vorbereitet“, heißt es sinngemäß: Eine derart teure und begrenzte Ressource könne nicht dauerhaft im Karibikraum geparkt werden, ohne sie früher oder später einzusetzen oder abzuziehen.

Demnach würde eine militärische Eskalation wahrscheinlich mit Raketen- und Luftangriffen beginnen, zunächst auf Luftabwehr, Kommandozentralen und Sicherheitsorgane des Regimes. Die meisten regulären Streitkräfte könnten bewusst ausgespart werden, um sie zu einem Machtwechsel zu ermutigen. Politisch wäre ein solcher Schlag jedoch nur dann „erfolgreich“, wenn das Maduro-System rasch kollabiert oder eine anerkannte Opposition die Macht übernehmen kann – andernfalls droht ein langwieriges Engagement nach dem Vorbild des Irak.

Offener US-Krieg gegen Venezuela? Viele Faktoren – und ein unberechenbarer Präsident Trump

Mehrere Faktoren bremsen jedoch einen offenen Krieg. Venezuela ist deutlich größer und wehrhafter als frühere US-Interventionsziele wie Grenada oder Panama, zudem verfügt das Land über mehr als 100.000 reguläre Soldaten und eine Millionenmiliz. Regionale Schwergewichte wie Brasilien und Kolumbien lehnen einen US-Angriff offen ab, Kuba würde Maduro im Ernstfall wohl massiv militärisch unterstützen. Hinzu kommt, dass Russland trotz anderer Kriege sein politisches und wirtschaftliches Standbein in Venezuela kaum kampflos aufgeben würde, konstatiert auch das CSIS.

Im Inneren wiederum steht Trump unter erheblichem Druck: Die Mehrheit der Amerikaner lehnt einen neuen Krieg ab, die Opposition mahnt vor einem völkerrechtswidrigen Alleingang. Doch am Ende läuft vieles auf die Frage hinaus, die Fukuyama im Handelsblatt auf den Punkt bringt: Ist Trump alles zuzutrauen? Ob der Präsident die Grenze zum Krieg überschreitet oder knapp davor stehen bleibt, entscheidet er am Ende allein – mit unkalkulierbaren Folgen für Venezuela und die Region. (Quellen: Handelsblatt, CNN, Axios, New York Times, CSIS) (chnnn)

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