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„Gefährliche Strategielosigkeit“

Paris-Gipfel zur Hormus-Krise: Merz bietet Verbündeten Minenräumer an – Grüne stellen Bedingungen

Vor dem Paris-Gipfel zum Iran-Krieg: Merz sagt Minenräumer für die Straße von Hormus zu – Grüne stellen Bedingungen. Was ist konkret geplant?

Ja zum Nachkriegseinsatz, Nein zum laufenden Iran-Krieg: Kurz vor Beginn der europäischen Beratungen zu einer möglichen Militärmission im Persischen Golf haben die Grünen einen deutschen Einsatz zur Befreiung der Straße von Hormus nicht grundsätzlich ausgeschlossen. „Die Bundesregierung hat zu Recht deutlich gemacht, dass sie an diesem Krieg nicht teilnehmen wird“, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Agnieszka Brugger (Grüne), auf Anfrage der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Prinzipiell habe die Bundeswehr aber wichtige Fähigkeiten bei der Minenräumung, die bei einer abgestimmten Mission hilfreich sein könnten, fügte sie hinzu. Dennoch forderte sie mit Blick auf die angespannte Lage ein deutsches Vorgehen mit Augenmaß.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) beim Antrittsbesuch auf der Fregatte „Bayern“. In Paris verhandelt der Kanzler über einen Marineeinsatz nach der Hormus-Blockade.

Die Grüne reagierte damit auf eine Debatte im Vorfeld einer geplanten Iran-Konferenz in Paris. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der britische Regierungschef Keir Starmer und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wollen am Freitag (17. April) in der französischen Hauptstadt über einen internationalen Einsatz zur Absicherung der Straße von Hormus beraten. Etwa 30 überwiegend europäische Staats- und Regierungschefs sollen an den Gesprächen teilnehmen, die meisten von ihnen per Video. Welche Konturen der nach dem Ende des Krieges geplante Einsatz haben soll, ist noch offen.

Deutsche Minenräumer in Straße von Hormus? Merz reist mit Angebot nach Paris

Offenbar will Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei den Beratungen über eine Militärmission zur Sicherung der Straße von Hormus aber den Verbündeten in Paris ein konkretes Angebot für eine deutsche Beteiligung machen. So soll die Bundeswehr Minenjagdboote, ein Begleitschiff und Aufklärungsflugzeuge bereitstellen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Regierungskreise berichtete.

Im Zuge des Iran-Krieges, den die USA zusammen mit Israel vor sechs Wochen begonnen hatten, ist die Lage in der Straße von Hormus weiterhin angespannt. Trotz einer derzeit geltenden zweiwöchigen Waffenruhe wird die Meerenge von dem US-Militär blockiert. Zuvor hatte das Mullah-Regime die Schiffspassage umfangreich vermint. Durch die Straße von Hormus wird mehr als fünf Prozent der weltweiten Ölversorgung transportiert.

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Der Iran-Krieg beginnt am 28. Februar 2026 mit Angriffen aus Israel und den USA auf Teheran. Noch am ersten Tag wird auch Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Seit dem Angriff hat sich der Konflikt auf die gesamte Golfregion ausgeweitet. © AFP
Iran-Krieg - Iran
Immer wieder schlagen Raketen in der iranischen Hauptstadt Teheran und der Umgebung ein. Die Menschen vor Ort berichten von zitternden Fenstern, in sozialen Medien kursieren Bilder von Rauchschwaden. In Teheran leben rund 15 Millionen Menschen.  © Vahid Salemi/dpa
Angriff auf den Iran - Iran
Präzisionsschläge auf relevante militärische Ziele – erstmals auch mit Drohnen, die von den Shaheds kopiert worden sind: „LUCAS kostet etwa 35.000 US-Dollar pro Plattform und ist ein kostengünstiges, skalierbares System, das modernste Fähigkeiten zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher US-Langstreckensysteme mit vergleichbarer Wirkung bietet“, sagt der Marineoffizier Tim Hawkins gegenüber dem Magazin The War Zone (TWZ). US-Präsident Trump hat sich für den Angriff gegen den Iran vermutlich von den Waffen seines Gegners inspirieren lassen: Erstmals haben die USA Kamikaze-Drohnen eingesetzt, veröffentlicht das „US Central Command“ (CENTCOM).  © dpa
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Die Angriffe gehen ohne Unterlass weiter. Dieses Standbild aus einem vom U.S. Central Command zur Verfügung gestellten Video zeigt den Start einer Rakete von einem Schiff der U.S. Navy zur Unterstützung der Operation „Epic Fury“. © dpa
Raketenabwehrsystem Iron Dome
Der Iran antwortet mit Gegenangriffen auf Israel. Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt zahlreiche Geschosse ab. Über Tel Aviv kommt es zu entsprechenden Explosionen. © Jack Guez/AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Auch am Tag feuert das israelische Luftabwehrsystem, um Raketen während eines iranischen Angriffs abzufangen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
Dennoch kommt Israel nicht ungeschoren davon. Hier verbinden Rettungskräfte einen verwundeten Mann und leisten erste Hilfe am Ort eines direkten Einschlags einer iranischen Rakete in Tel Aviv. © Tomer Neuberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
An einer anderen Stelle in Tel Aviv ist ein Feuerwehrmann dabei, ein brennendes Auto zu löschen. © Tomer Neuberg/dpa
USA Iran
Dieses offizielle Foto des Weißen Hauses, veröffentlicht am 28. Februar 2026 auf dem Account „White House X“, zeigt US-Vizepräsident JD Vance (Mitte), die Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, Tulsi Gabbard (zweite von links), und US-Finanzminister Scott Bessent (rechts) im Lagezentrum in Washington, D.C. © AFP
Trump Iran
Ein weiteres offizielles Foto des Weißen Hauses zeigt Donald Trump im Gespräch mit Stabschefin Susie Wiles (rechts), während US-Außenminister Marco Rubio (Mitte) die Aktivitäten der „Operation Epic Fury“ gegen den Iran von einem nicht genannten Ort aus überwacht. „Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot“, schrieb Trump später auf „Truth Social“. © AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Was ist das Ziel der Operation Epic Fury (Einsatz Gewaltiger Zorn)? US-Präsident Trump begründet die Luftangriffe mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm und mit der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen, wie etwa die Hisbollah im Libanon. Durch beides sieht Israel seine Existenz bedroht. Daneben will Trump aber auch die USA vor „direkten Bedrohungen“ durch den Iran schützen. © Leo Correa/dpa
Un-Sicherheitsrat
Der US-Angriff ruft die Vereinten Nationen auf den Plan: Der Sicherheitsrat ist zu einer Notfall-Sitzung zusammengekommen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte die Botschafter, die Aktion berge die Gefahr, „eine Kette von Ereignissen auszulösen, die in der instabilsten Region der Welt niemand mehr kontrollieren kann“, wie die UN berichten. Israels Botschafter Danny Danon hatte die Angriffe als gerechtfertigt dargestellt und als einen notwendigen Akt, um eine existenzielle Bedrohung abzuwehren. © Spencer Platt/AFP
Minab-Mädchenschule
Das UN-Menschenrechtsbüro hat nach den Berichten über einen Angriff auf eine Mädchenschule im Iran mit fast 200 Toten eine umfassende Untersuchung verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Bei dem Angriff in Minab im Süden des Landes waren nach iranischen Angaben mindestens 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern ums Leben gekommen. Vertreter des israelischen Militärs hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der Region bekannt.  © Ali Najafi/AFP
Proteste in London
Weltweit gehen noch am ersten Abend des Iran-Kriegs Exil-Iranerinnen und -Iraner auf die Straßen und feiern den Tod von Ajatollah Chamenei. Dieses Bild zeigt eine Demonstration vor der iranischen botschaft in London. © Vuk Valcic/Imago
Angriff auf den Iran - Berlin
Auch auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin gehen die Menschen spontan auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demo in der Türkei
Anders sieht es in der Türkei aus: Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul machen Demonstranten Donald Trump und Israel für die Eskalation verantwortlich. Sie protestierten gegen den Angriff auf den Iran und die Tötung von Ajatollah Chamenei, indem sie eine US-Flagge verbrennen. © Ozan Kose/AFP
Angriff auf den Iran - Indien
578889050.jpg © Mukhtar Khan/dpa
Angriff auf den Iran - Dubai
Der Iran-Krieg zieht auch die arabischen Länder mit in den Konflikt hinein. Mit Hunderten Raketen und Drohnen greift der Iran seit Ende Februar unter anderem Kuwait, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate an. Hier steigt Rauch nach einem iranischen Drohnenangriff im Hafengebiet von Dubai auf. © Fatima Shbair/dpa
Angriff auf den Iran – Katar
Folgen der Rache des Iran: Die USA betreiben in al-Udeid eine Militärbasis. Die liegt im Fokus des Iran – allerdings befindet sich rund 30 Kilometer entfernt die Stadt Doha; und die wird kaum durch die Luftabwehr der US-Basis abgedeckt.  © dpa
Iran-Krieg - reaktionen
US-amerikanisch-israelische Luftschläge – Schockwellen in der gesamten Welt: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hätten Demonstranten im pakistanischen Karatschi vor dem Konsulat „Tod Amerika! Tod Israel!“ skandiert; Reuters-Reporter hätten Schüsse gehört und in den umliegenden Straßen Tränengas wahrgenommen. Die Nachrichtenagentur spricht von mindestens 23 getöteten Demonstranten; davon zehn im Hafen von Karatschi, wo Sicherheitskräfte des US-Konsulats gefeuert hätten auf Demonstrierende nach deren Durchbruch durch die äußere Mauer. Elf Menschen seien demnach in der nördlichen Stadt Skardu ums Leben gekommen – die Menge soll ein UN-Büro in Brand gesetzt haben; zwei Tote verzeichnet Reuters in Pakistans Hauptstadt Islamabad. © Imago
Weitere Bilder der Straßenschlachten, die sich in Teilen Pakistans nach dem US-Angriff auf den Iran ereigneten.
Explosionen im Iran, Beben in Pakistan: „Pakistans Westgrenzen befinden sich im Kriegszustand“, sagt Muzzammil Aslam gegenüber Arab News. Der Finanzminister der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa an der Grenze zu Afghanistan fürchtet wirtschaftliche Verwerfungen, sollte der Iran seine Rachegelüste gegenüber dem Westen ausleben und damit den gesamten Nahen Osten in den Abgrund reißen. Die Wirtschaftskraft des Landes hängt an den Arbeitern in den Golfstaaten, die im Visier des Iran liegen und Anschläge auf ihre Energieindustrie befürchten müssen.  © dpa
Angriff auf den Iran - Irak
578899115.jpg © Hadi Mizban/dpa
Beirut
Der Iran-Krieg führt auch zu einer neuen Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah. Die Schiiten-Miliz feuert als Reaktion auf die Tötung von Ajatollah Ali Chamenei Raketen in Richtung Israel ab. Daraufhin greift das israelische Militär zahlreiche Ziele im Libanon an, vor allem im Süden des Landes und in den Vororten der Hauptstadt Beirut (im Bild). Diese Gebiete gehören zum Einflussgebiet der Hisbollah. © AFP
Angriff gegen den Iran - Luftverkehr
Der Iran-Krieg legt zu Beginn auch den Flugverkehr teilweise lahm. Hier prüft ein Reisender die Abflugzeiten am internationalen Flughafen Beirut Rafik Hariri, da viele Fluggesellschaften nach den Angriffen auf den Iran ihre Flüge gestrichen haben.  © Hassan Ammar/dpa
Stra0ße von Hormus
Dieses Satellitenbild, aufgenommen von 2026 Planet Labs PBC am 2. März 2026, zeigt Rauchwolken, die nach einer Explosion im Hafen von Bandar Abbas an der Straße von Hormus von einem Schiff aufsteigen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft, ist weitgehend zum Erliegen gekommen.  © 2026 Planet Labs PBC/AFP

Eine Beteiligung an dem Iran-Krieg haben die meisten europäischen Staaten bislang kategorisch ausgeschlossen – sehr zum Missfallen von US-Präsident Donald Trump, der deswegen bereits mit Austritt aus der NATO drohte. Doch weder Frankreich noch Deutschland oder Großbritannien wollen sich in den Konflikt hineinziehen lassen. Eine Absicherung der internationalen Schifffahrt gilt aber mittlerweile nicht mehr als ausgeschlossen. Voraussetzung: Die kriegerische Auseinandersetzung muss beendet sein. Und: Die europäische Militäraktion kann sich auf ein internationales Mandat stützen.

Die Iran-Konferenz in Paris soll nun einen ersten Rahmen abstecken. Deutschland plant laut Informationen der Süddeutschen Zeitung eine Beteiligung an einer internationalen Marineoperation in der Straße von Hormus – ohne Kommandofunktion, aber eingebunden in das europäische Bündnis. Die militärische Hauptlast sollen Frankreich und Großbritannien tragen; Paris hält es laut Wall Street Journal jedoch für sinnvoller, die Mission ohne die USA als Kriegspartei im Iran-Krieg zu führen.

Die Bundeswehr soll sich vorwiegend mit ihren zehn spezialisierten Minenjagdbooten vom Typ MJ332 einbringen, da der Iran die Seeenge offenbar teilweise vermint hat. Zusätzlich ist ein Beitrag zur Seeaufklärung von der deutschen Marine-Logistikbasis in Dschibuti geplant, die seit 2002 in strategisch günstiger Lage betrieben wird. Die Entsendung einer Fregatte ist derzeit nicht vorgesehen.

Verhandlung über Hormus-Mission: Merz hat Rückendeckung der Grünen und der CDU

Im Bundestag hat die Bundesregierung offenbar eine breite Rückendeckung für einen möglichen Marineeinsatz. „Deutschland hat ein klares Interesse an sicheren Seewegen in der Straße von Hormus“, teilte CDU-Verteidigungsexperte Thomas Röwekamp auf Anfrage der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media mit. „Eine europäische Mission kann deshalb richtig sein – vorausgesetzt, es gibt einen klaren völkerrechtlichen Rahmen, ein internationales Mandat und eine strikt defensive Ausrichtung“, fügte er hinzu und pochte auf eine Abstimmung im Bundestag.

Ähnlich sieht man es auch in der Opposition. Zwar könne sich Deutschland „angesichts der gefährlichen Strategielosigkeit, der konkreten Kriegsführung durch die USA und Israels“ nicht an einem völkerrechtswidrigen Iran-Krieg beteiligen, sagte Grünen-Politikerin Brugger. Doch natürlich seien durch die Lage im Nahen und Mittleren Osten auch deutsche Interessen betroffen und „wichtige Partner in Not, die auch von den iranischen Attacken bewusst und skrupellos in diesen Krieg hineingezogen“ worden seien. Deswegen gelte es, jeden Einzelfall für eine Mission, die nach Beendigung des Iran-Krieges erwogen werden würde, zu prüfen, fügte die Grüne hinzu.

Doch ob es überhaupt zu einer Entscheidung im Bundestag kommt, bleibt abzuwarten. Ein internationaler Einsatz ist nur möglich, wenn es ein entsprechendes Abkommen mit dem Iran gibt. Solange der Iran und die USA an ihrer Blockade und an ihrem Krieg festhalten, ist dies undenkbar. Konkrete Ergebnisse zu einem möglichen Einsatz sind deswegen von dem Pariser Gipfel erst einmal nicht zu erwarten. Da die Spannungen anhalten, dürfte es zum Ende der Konferenz lediglich einen Aufruf zu einem Ende der Blockade und Absichtserklärungen für den Fall einer echten Waffenruhe geben. (Quellen: Eigene Recherche, dpa, AFP, Süddeutsche Zeitung, Wall Street Journal) (jenko)

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