Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies.
Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen
Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.
Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für
. Danach können Sie gratis weiterlesen.
Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.
Erneute Militärmanöver
Im Konflikt zwischen China und Taiwan bereitet sich Japan auf den Ernstfall vor
China erhöht mit Militärmanövern den Druck auf Taiwan. Japan liegt in unmittelbarer Nähe zum Konfliktherd und nimmt zunehmend eine Schlüsselrolle ein.
Ein chinesisches Militärmanöver rund um Taiwan – schon wieder? Bitte nächstes Thema! Im Westen sind Pekings ständige Drohungen in Richtung des demokratisch regierten Inselstaats den meisten Nachrichtensendungen kaum mehr eine Meldung wert. Die immer aggressiveren Muskelspiele des chinesischen Regimes werden zur Randnotiz. Dass China seinen kleinen Nachbarn bedroht, einkreist, überfallen will – all das ist in den vergangenen Jahren so etwas wie Normalität geworden. Peking kommt diese Gleichgültigkeit gerade recht. Denn wo die Welt wegsieht, hat es freie Hand.
In unmittelbarer Nähe zum Krisenherd blickt man indes mit zunehmender Sorge in Richtung Taiwan. Knapp 110 Kilometer liegen zwischen der Insel Yonaguni, Japans südwestlichstem Außenposten, und der taiwanischen Ostküste. Bei besonders gutem Wetter kann man von der nur 29 Quadratkilometer großen Insel das Nachbarland angeblich sogar mit bloßem Auge erkennen. Die Gefahr eines Krieges, sie ist hier nicht abstrakt. Sondern ganz nah. Die Regierung im fernen Tokio rüstet das 1500-Einwohner-Inselchen Yonaguni deswegen seit Jahren immer weiter auf, Radaranlagen wurden errichtet, der Hafen soll vergrößert werden, der Flughafen auch. Auch die Stationierung von Langstreckenraketen wird diskutiert.
Wegen China-Taiwan-Konflikt: Japan rüstet massiv auf
Nicht jeder in Japan findet die zunehmende Militarisierung der Insel gut. Die Befürchtung: Yonaguni könnte im Kriegsfall selbst zum Ziel chinesischer Angriffe werden. Andere sagen: Sollte der Konflikt eskalieren, wäre Japan ohnehin betroffen. Wegen seiner geografischen Nähe, aber auch, weil in Japan so viele US-Soldaten stationiert sind wie sonst nirgendwo außerhalb der USA. Und Washington dürfte kaum tatenlos zusehen, wenn Peking Ernst macht. Denn bei einem Angriff auf Taiwan, den weltweit führenden Hersteller von Mikrochips, stünden weltweit die Bänder still, auch in den USA.
Wie entschlossen China wirklich ist, kann man seit Dienstag einmal mehr beobachten. Da startete die chinesische Volksbefreiungsarmee großangelegte Militärmanöver rund um Taiwan, auch am Mittwoch waren noch Dutzende Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge in der Region im Einsatz. Die japanische Regierung verfolge die Entwicklungen genau und habe Peking ihre Bedenken mitgeteilt, erklärte am Dienstag Japans Kabinettschef Hayashi Yoshimasa. Das klang höflicher, als es gemeint war.
Denn Tokio rüstet sich zunehmend für den Ernstfall. Ende März veröffentlichte die Regierung erstmals einen Plan, um im Falle eines chinesischen Angriffs auf Taiwan 120.000 Menschen – Inselbewohner und Touristen – von Yonaguni und vier weiteren Inseln zu evakuieren. Ab 2025 sollen dazu regelmäßige Übungen stattfinden. Überhaupt rüstet Japan seit Jahren massiv auf. Ende 2022 verkündete die Regierung, den Wehretat verdoppeln zu wollen; Japans nationale Sicherheitsstrategie nennt China „die größte strategische Herausforderung“, der sich das Land je gegenübergesehen habe.
Konflikt zwischen China und Taiwan würde Japans Wirtschaft empfindlich treffen
Dahinter stecken auch wirtschaftliche Überlegungen. Durch die Taiwanstraße – die Meerenge, die China und Taiwan trennt – fährt ein großer Teil der Schiffe, die das ressourcenarme Japan mit Waren, Rohstoffen und Energie versorgen. Eine Blockade der Taiwanstraße hätte dramatische Folgen für die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt.
Hinzu kommt seit Kurzem der Unsicherheitsfaktor Donald Trump. Zwar erklärte Trumps Verteidigungsminister Pete Hegseth bei einem Japan-Besuch am vergangenen Wochenende, der Inselstaat sei angesichts der chinesischen Aggressionen ein „unersetzlicher Partner“ für die USA. Was solche Beteuerungen im Ernstfall wert sind, weiß man allerdings auch in Tokio nicht. Noch vor ein paar Wochen hatte Trump den jahrzehntealten Verteidigungsvertrag zwischen Japan und den USA öffentlich infrage gestellt. „Wir müssen sie beschützen, sie aber nicht uns“, klagte Trump. „Wer macht solche Deals?“
Taiwan und Japan verbindet eine schwierige Geschichte
Wie die allermeisten Länder weltweit unterhält auch Japan keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zur Regierung in Taipeh. Trotzdem verbindet beide Länder nicht nur die Geografie. In taiwanischen Städten findet sich an fast jeder Straßenecke ein japanisches Restaurant, der große Nachbar ist eines der beliebtesten Urlaubsziele der Taiwaner. Diese Japan-Begeisterung lässt beinahe vergessen, dass Tokio einst als Kolonialmacht über den kleinen Inselstaat geherrscht hat, von 1895 bis zum Kriegsende 1945.
China, das im Zweiten Weltkrieg unter der japanischen Aggression ganz besonders zu leiden hatte, reagiert entsprechend allergisch auf alle Anzeichen einer Annäherung zwischen Tokio und Taipeh. Von einer Einmischung in „innere Angelegenheiten“ sprach zuletzt etwa das Pekinger Außenministerium, nachdem die japanische Regierung es erlaubt hatte, dass Menschen aus Taiwan in Japan künftig nicht mehr zwingend China als Geburtsort angeben müssen. Und zuletzt legte China dem japanischen Premierminister Shigeru Ishiba gar die Äußerung in den Mund, dieser „respektiere“ die chinesische Haltung zu Taiwan. Aus Tokio kam prompt Protest, Ishiba habe das so nie gesagt. Seine Taiwan-Politik will Japan eben selbst bestimmen.