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Irritierter Blick folgt
„Herr Merkel, ...“: Unangenehm-skurriler Moment für Merz – und eine klare Reaktion
Friedrich Merz besucht die weltgrößte Industriemesse in Europa. Zum Auftakt erlebt er einen Versprecher der peinlicheren Art. Inhaltlich konterte er.
Mit kaum einem Namen hätte Dirk Görlitzer mehr danebenliegen können. „Herr Merkel“, setzte der CEO des Automationsunternehmens Phoenix Contact an – kurzer Moment der Stille und ein irritierter Blick des Kanzlers, bis der Unternehmenschef sich dann doch noch mit einem beherzten „Herr Merz!“ fing. Friedrich Merz schien nur bedingt amused, ausgerechnet mit Altkanzlerin Angela Merkel verwechselt zu werden. Die beiden teilen eine bewegte politische Geschichte.
Immerhin: Der (freudsche?) Versprecher wurde schnell Randnotiz beim obligatorischen Kanzlerrundgang auf der Hannover Messe. Bei der größten Industriemesse der Welt besuchte der Bundeskanzler die Stände großer deutscher Unternehmen, samt riesigem Pressetross. Und Görlitzer konnte noch seine Botschaft loswerden und die Bundesregierung auffordern, „aktiv zu werden“, um die Wirtschaft im Land zu stärken. „Aktiv bleiben“, konterte Merz.
Merz-Regierung unter Druck: Skurriler Moment bei der Hannover Messe – und ein Signal
Erst vor wenigen Tagen hatte die schwarz-rote Koalition „im Lichte aktueller Krisen in der Welt vier wichtige Entscheidungen für Reformen unseres Landes“ getroffen, wie es nach dem Koalitionsausschuss vor gut einer Woche hieß. Die Bürgerinnen und Bürger sollen entlastet, die Industrie nachhaltig gestärkt werden. Seitdem allerdings geißeln viele Experten und Wirtschaftsvertreter den geplanten großen Wurf eher als Stückwerk und Reförmchen. Auch an den Ständen auf der Hannover Messe war Skepsis zu spüren: Man hofft, aber glaubt noch nicht so recht.
Derweil setzen viele auf das Mercosur-Abkommen mit Lateinamerika, das am 1. Mai vorläufig in Kraft treten soll. Umso passender, dass Brasilien in diesem Jahr Partnerland der Hannover Messe ist, die Merz am frühen Montagmorgen gemeinsam mit Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva offiziell eröffnet hat. Angesichts der unsicheren Weltlage sei es eine Notwendigkeit, neue Partnerschaften zu finden, betonte Merz: „25 Jahre hat es bis zu Mercosur gedauert, das darf nie wieder so lange dauern.“ In der Tat: Die Bundesregierung ist schon länger dabei, immer engere Bande in Richtung Brasilien zu knüpfen.
Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“
Beim Kanzlerrundgang auf der Messe waren diesmal – das ist eher ungewöhnlich und vielleicht ein Signal – weitere Kabinettsmitglieder dabei: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sowie Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU). Noch ungewöhnlicher: Zu den offiziellen Handshake-Terminen mit Siemens, Fraunhofer, Beckhoff und weiteren Unternehmen kam auch Charlotte Merz, die Frau des Kanzlers, mit.
Bis zum 24. April dauert die Messe in Hannover noch. Der Termin gilt auch als Indikator für die Stimmung bei Industrie und Wirtschaft im Land. 3.000 Aussteller sind vor Ort – damit ist die Messe geschrumpft: Im vergangenen Jahr waren es noch 4000. (Quellen: Besuch der Hannover Messe, eigene Recherchen)