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„Mutti-Nostalgie“
Stiehlt Merkel Merz die Show? Experte glaubt: Das Signal an den Kanzler ist eindeutig
Angela Merkel überrascht mit ihrer Parteitag-Teilnahme. Derweil wächst bemerkenswerte Sehnsucht nach der Ex-Kanzlerin. Ein Politikberater sieht Chancen für die CDU. Eine Analyse.
Man geht ja niemals so ganz, das wusste die Kölner Schlagersängerin Trude Herr schon Ende der 80er. Ihre tieftraurige Ballade spielt man in Köln gern auch mal am Aschermittwoch, wenn alles vorbei ist. Nun ist Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel nie als großer Karnevalsfan bekannt gewesen, der Songtitel passt aber trotzdem irgendwie. Denn Merkel ist nach ihrem Abschied aus der Politik auch nie ganz weg gewesen – und ist jetzt plötzlich und ziemlich überraschend besonders präsent im Rampenlicht. Ein Umstand, der manchem in der CDU wohl nur bedingt schmecken dürfte.
Konkret: Merkel wird am kommenden CDU-Parteitag teilnehmen. Der findet – nach Aschermittwoch – am übernächsten Wochenende in Stuttgart statt. Das ist insofern nahezu sensationell, als die Kanzlerin a.D. seit fünf Jahren nicht mehr bei einem Parteitag dabei war. Und in der Tat hat sie sich – anders als manche ihrer Amtsvorgänger – weitestgehend aus dem Politischen zurückgezogen.
Angela Merkel beim CDU-Parteitag: „Mutti-Nostalgie“ und Signal an Merz
Ab und an konnte man Merkel dann aber doch erleben: Etwa, als sie durch Deutschland tourte und ihr Buch vorstellte. Oder als sie als Zeugin in der Afghanistan-Enquete auftrat. Was wahrlich kein Wohlfühltermin war – und doch passiert was, wenn Angela Merkel heutzutage den Raum betritt. So ein Gefühl schleicht sich dann ein, eine vermeintliche Erinnerung an eine vermeintlich bessere Zeit. Tatsächlich liest man jetzt oft von einer gewissen „Mutti-Nostalgie“ im Land, und das ist nicht despektierlich gemeint, sondern vielmehr sehnsuchtsvoll.
Nach Ampelstreit, schwarz-rotem Koalitionszoff und angesichts eines Kanzlers, der die Bürger gern mit immer neuen Vorwürfen überzieht (die Deutschen sollen mehr arbeiten und weniger krank sein), verklären manche Merkels Kanzlerschaft zum Zeitalter der Vernunft und Menschlichkeit. Was will Merkel nun aber beim Parteitag? Immerhin dürfte klar sein: Das Rampenlicht wird sich auf sie richten. Stiehlt sie der Parteispitze die Show? Und damit gar Friedrich Merz – zu dem die Altkanzlerin bekanntermaßen ohnehin nicht das beste Verhältnis hat? In den letzten Monaten hatte Merkel Merz immer wieder mal öffentlich implizit kritisiert, etwa wegen seiner umstrittenen „Stadtbild“-Aussagen.
Der Berliner Politikberater Johannes Hillje glaubt, dass die Partei von Merkels Auftritt kurz vor der Landtagswahl durchaus profitieren dürfte: „Merkels Anwesenheit beim Parteitag kann einen zweifachen symbolischen Wert für die CDU haben. Im Kampf um die Wähler, die in Baden-Württemberg zwischen CDU und Grünen stehen, kann Merkel der eigenen Partei nützlich sein“, sagt Hillje im Gespräch mit unserer Redaktion. „In diesem Wählersegment, das sowohl von CDU als auch Grünen erreicht werden kann, genießt Merkel ein hohes Ansehen.“
Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“
Aber auch der Kanzler könnte dank des Ehrengasts gut dastehen, glaubt Hillje: „Auch Merz kann vom Besuch Merkels profitieren. Merkel wird nicht reden, sondern nur Bilder produzieren. Merz und Merkel sind Kontrahenten. Wenn die Altkanzlerin nun bei der Rede des Kanzlers klatscht, nutzt das in erster Linie Merz.“ Das Symbol sei: „Merkel geht auf Merz zu, nicht andersherum.“
In CDU-Kreisen sorgte die Ankündigung Merkels bei manchen für eine gewisse Irritation. Hillje rät aber zu Gelassenheit: „Die CDU wäre unklug, wenn sie sich im Vorfeld über Merkels Besuch zerstreiten würde. Damit würde man die Aufmerksamkeit für ihren Besuch nur noch steigern und die Chancen, die in ihrer Annäherung an die Partei liegen, vergeben.“ Aktuelle Gerüchte über eine über eine mögliche Kandidatur bei der Bundespräsidentenwahl 2027 hat Angela Merkel inzwischen übrigens dementiert.