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Groß angelegte Übung

Sapad: Putin zielt jetzt wohl auf die Nato – als Ziel gilt 2030

Wird die Oreschnik abgefeuert? Balten bleiben unbeeindruckt, die Nato spürt drohende Gefahr. Russland führt Kriegsübungen durch – gezwungen im Kleinformat.

Moskau – „Der Nato-Geheimdienst hat bisher keine Hinweise darauf, dass es sich bei Sapad um eine groß angelegte Übung handeln wird, die eine Bedrohung darstellen könnte“, sagte Deividas Matulionis dem in Vilnius sitzenden Radiosender Žinių Radijas. Den Berater des litauischen Präsidenten zitiert der litauische öffentlich-rechtliche Sender LRT. Die für September geplanten Sapad-Übungen (zu Deutsch: „Westen“) finden in den Grenzregionen zu den baltischen Staaten und Polen statt.

Vadym Skibitsky allerdings schlägt Alarm. Der stellvertretende Leiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes äußert gegenüber dem Sender ntv die Warnung über die hohe Produktivität der Rüstung Wladimir Putins. Laut Skibitsky baue Russland trotz des Ukraine-Krieges nicht nur emsig, sondern schieße sich mit einer so großen Militärübung auch langsam aber sicher auf die Nato ein.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago

Balten anscheinend gelassen, Nato besorgt: „Dies ist kein weiteres Routineereignis“

Die anstehenden Übungen zwischen dem 12. und 16. September scheinen insofern beachtenswert zu sein, weil sich auch Russland in der Transformation des Krieges befindet. In der Ukraine setzt Wladimir Putins Invasionsarmee zunehmend und gezwungenermaßen auf den Einsatz kleiner Infanterieeinheiten bis hinunter zu Trupps von einer Handvoll Männer, weil sich massierte Panzerangriffe schlichtweg verbieten. Raumgreifende Angriffe größerer Panzerverbände, wie beispielsweise im Kalten Krieg geplant, werden im kommenden Krieg unmöglich sein. „Dies ist kein weiteres Routineereignis – alle derartigen Bemühungen werden ernst genommen“, sagte im April Kęstutis Budrys. Laut LRT versicherte der litauische Außenminister, die Allianz werde reagieren, je nach Verlauf der Übungen und Umfang und Art der von Russland und Weißrussland eingesetzten Streitkräfte.

Russlands Sapad-Manöver würden als Beweis der Fähigkeiten des Landes, in großem Maßstab zu kämpfen betrachtet werden; aber ihren Nimbus habe Putins Armee in der Ukraine verloren, schrieben Giangiuseppe Pili und Fabrizio Minniti Mitte 2022: „Die jüngsten Entwicklungen in der Ukraine, wo die russischen Streitkräfte mit erheblichen logistischen und operativen Problemen konfrontiert sind, werfen ernsthafte Fragen über Moskaus Vorbereitungen auf einen größeren Konflikt auf.“ Bereits Mitte Februar hatte Belarus mittels der russischen Nachrichtenagentur Tass um Zurückhaltung nachgesucht. Die gemeinsame Übung Sapad-2025 von Belarus und Russland sei eine geplante Veranstaltung, die keine Bedrohung für andere Staaten darstelle, sagte zu der Zeit Alexander Wolfowitsch, Staatssekretär des belarussischen Sicherheitsrats.

„Trotz erheblicher Verluste auf dem Schlachtfeld in der Ukraine erholt und wächst das russische Militär schneller, als die meisten Analysten erwartet hatten.“

Christopher Cavoli, US-Kongress

Über diese Aussage streiten sich die Geister – vor allem, weil die vormalige Übung Sapad-2021 als Tarnung für die Massierung von Truppen für den Ukraine-Krieg angesehen wird. Allerdings wird Russland in diesem Jahr zwar mit einer großen Zahl von Kräften antreten, aber wohl grundsätzlich abgespeckt aufmarschieren. Zu viele Kräfte seien im Ukraine-Krieg gebunden oder dort gefallen. Margus Parts geht davon aus, dass an diesem Manöver mindestens etwa 13.000 Kräfte teilnehmen würden; 2021 hatte Putin rund 200.000 Soldaten ins Manöver ziehen lassen, erinnert der Autor des Mediums The Baltic Sentinel. Seinen Schätzungen zufolge würden ungefähr 8.000 Soldaten auf belarussischem Boden und 4.000 in der russischen Exklave Kaliningrad teilnehmen, wie er schreibt.

Russlands Theaterdonner als Generalprobe? „Charakter eines zukünftigen Krieges“

„Dem litauischen Geheimdienst zufolge sind Übungen der russischen Luftwaffe in Dobrowolsk im Nordosten Kaliningrads geplant, während Bodentruppen in Gozha im Westen Weißrusslands, nur zehn Kilometer von der litauischen und polnischen Grenze entfernt, operieren werden“, so Parts. Trotz aller Einschränkungen Russlands aufgrund ihrer laufenden Kampfhandlungen und der Aufmerksamkeit des Westens, trage Sapad-2025 den „Charakter eines zukünftigen Krieges“, schreiben Aylin Matlé und András Rácz. Die beiden Analysten der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) sehen dennoch eine deutliche Gefahr für die Nato in Russlands Probe-Krieg: Für sie ist „sehr wahrscheinlich, dass die Übung Sapad-2025 eine Form von Training mit der neuen ballistischen Rakete ‚Oreschnik‘ beinhalten wird – entweder simuliert oder mit scharfem Schuss“, wie sie schreiben.

Ihnen zufolge sei das vor allem deshalb zu erwarten, wenn Putin ernst genommen werden wolle – gerade mit einer Drohung, die er selbst wiederholt als Premium-Pfeil in Russlands Köcher beschrieben hat: „Unter diesen Umständen könnte ein demonstrativer Einsatz einer Oreschnik während der Übung durchaus als Element der informativen Abschreckung dienen, während Russland die Rakete zur Vorbereitung auf einen zukünftigen Krieg weiterentwickeln könnte.“ Auf genau diese Gefahr weist auch Vadym Skibitsky hin, wie ntv berichtet. Der ukrainische Geheimdienstler rechnet damit, dass Russland während des Manövers „auf die Verbesserung der Genauigkeit und Erhöhung der Effektivität der Sprengköpfe sowie auf die Reichweiten-Verlängerung“ abziele, wie ihn ntv wiedergibt. Laut Wladimir Putin soll die Waffe auch in Belarus stationiert werden.

Putin aktiviert seine Verbündeten: „Entsendung einer regionalen Truppengruppe“

„Ziele in der Ukraine zu treffen, erfordert einen bestimmten Einsatzradius, aber die Vorbereitung auf einen Krieg mit der Nato bis 2030 erfordert eine viel größere Reichweite“, so Skibitsky. „Vielleicht ist dieser Sommer der letzte Sommer, den wir noch im Frieden erleben“, äußerte beispielsweise Deutschlands profiliertester Militärhistoriker Sönke Neitzel von der Uni Potsdam. Ihm zufolge würden litauische Beobachter befürchten, für die Russen bedeutete das anstehende Manöver die Blaupause für eine Offensive auf das Baltikum. Und auch Sabine Adler warnte kürzlich in der Talkshow von Caren Miosga vor einer „echten Kriegsgefahr“ für die Europäische Union und die Nato – nach Einschätzung des Deutschlandfunks sei Adler eine der renommiertesten journalistischen Kenner Osteuropas.

Schnelligkeit von „hochbereiten Truppen“ ist eines der Übungsziele von Sapad-2025. Dass Russland vor den Augen der Welt seine Leistungsfähigkeit demonstriert, gilt in der Nato als alarmierend und beobachtungswürdig. Zuletzt hatte ein Sapad-Manöver 2021 stattgefunden (Archivfoto).

Von einer ähnlichen Intention Russlands geht auch der Wissenschaftliche Dienst des US-Kongresses aus. Trotz der Miniatur-Ausgabe der Übung von 2021 „könnte die Wiederaufnahme strategischer Übungen darauf hindeuten, dass der Fokus wieder auf mögliche Konfliktszenarien zwischen Russland und der Nato gerichtet ist“, schreiben Andrew S. Bowen und Anya L. Fink – die Analysten heben damit hervor, dass vielleicht weniger interessant sein wird, was die russischen und belarussischen Truppen üben, sondern dass sie neben einem laufenden Krieg auch noch auf einem Nebenkriegsschauplatz „Theaterdonner“ abfeuern. Der Grat zwischen reiner Demonstration und bewusster Provokation scheint schmal zu sein – vor allem, weil Russland neben Belarus noch andere Verbündete einbinden werde, so Bowen und Fink.

Putin probt den Ernstfall – Russlands Militär bleibt trotz hoher Verluste eine Gefahr für die Nato

„Entsendung einer regionalen Truppengruppe“ lautet die Aufgabe für die Manöver-Kontingente der Mitgliedstaaten der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS): Neben Russland und Belarus gehören dazu noch Armenien, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan – Schnelligkeit von „hochbereiten Truppen“ gilt als Ausweis eines möglichen Überfalls auf die baltischen Staaten im Rahmen eines Angriffs Russlands auf die Nato. Insofern notieren Bowen und Fink Besorgnis unter Politikern und hohen Militärs der Regierung unter Donald Trump. „Trotz erheblicher Verluste auf dem Schlachtfeld in der Ukraine erholt und wächst das russische Militär schneller, als die meisten Analysten erwartet hatten“, habe Christopher Cavoli im April dieses Jahres vor dem Kongress ausgesagt, wie Bowen und Fink den damaligen Kommandeur des US European Command zitieren.

Insofern ist die Oreschnik eine konkrete Bedrohung für die westliche Freiheit und ihre Verteidigungsallianz, obwohl die baltischen Staaten vor Sapad 2025 Gelassenheit demonstrieren. Ian Williams hält einen Angriff mit einer Waffe wie der Oreschnik für langfristig folgerichtig, wie der Analyst des US-Thinktanks Center for International and Strategic Studies (CSIS) festgehalten hat: „Es ist unrealistisch zu erwarten, dass Russland jemals die Raketen ‚ausgehen‘ werden.“

Rubriklistenbild: © Russisches Verteidigungsministerium/AFP; Maxim Shemetov/dpa

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