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Kanzler unter Druck
Gaza-Appell an Israel: Merz verteidigt Haltung – SPD warnt vor „point of no return“
Zahlreiche Staaten fordern ein Ende des Gaza-Kriegs. Deutschland hat sich nicht angeschlossen. Zwischen der Union und der SPD kommt es zu hitzigen Diskussionen.
Berlin/Gaza – Streit spaltet weiter Israel und die Hamas, eine Waffenruhe ist nicht in Sicht. Währenddessen breiten sich im Gazastreifen Hungersnöte aus und eine humanitäre Katastrophe droht. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Situation in der Region erneut als „nicht länger hinnehmbar“ bezeichnet. Die Times of Israel zitierte indes einen ranghohen israelischen Sicherheitsbeamten, wonach das Militär keine Hungersnot in Gaza festgestellt habe.
„Ich will auch die israelische Regierung jetzt wirklich mit großem Nachdruck auffordern, die massiven militärischen Interventionen zu stoppen, einen Waffenstillstand zu ermöglichen und vor allem die humanitäre Hilfe für die Bevölkerung dort zu ermöglichen“, sagte der CDU-Vorsitzende in einer Pressekonferenz mit dem tschechischen Ministerpräsidenten Petr Fiala in Berlin. Doch seine Koalitionspartnerin fordert ein entschiedeneres Vorgehen.
Deutschland schließt sich Gaza-Erklärung nicht an – SPD kritisiert Merz-CDU
Wie die Deutsche Presse-Agentur schreibt, scheinen sich die Differenzen in der Bundesregierung bei Deutschlands Haltung gegenüber Israels Kriegsführung in Gaza zu vergrößern. Die SPD im Bundestag dringt darauf, dass Deutschland sich einer Forderung von mehr als zwei Dutzend Staaten nach einem sofortigen Ende des Kriegs im Gazastreifen anschließt. Die CDU verteidigte die Haltung ihres Außenministers Johann Wadephul, die Erklärung nicht zu unterzeichnen, und warnte vor einer weiteren Isolation Israels.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch schrieb auf der Plattform X: „Wenn internationales Recht systematisch verletzt wird, muss das Konsequenzen haben.“ Miersch: „Deutschland sollte sich der Initiative Großbritanniens anschließen und hier nicht ausscheren.“ Es sei „richtig, dass 28 Staaten – darunter unsere engsten Partner wie Frankreich, Kanada und Österreich – ein klares Signal gesetzt haben“. Das humanitäre Leid in Gaza sei erschütternd. „Verhungernde Kinder, zerstörte Infrastruktur, Angriffe auf Hilfesuchende – das widerspricht allem, was das humanitäre Völkerrecht schützt“, so Miersch. „Doppelte Standards untergraben unsere internationale Glaubwürdigkeit.“
„Point of no return“ erreicht: SPD warnen vor Hungersnot in Gaza – und drängen Merz zum Handeln
Bundeskanzler Merz sieht angesichts der deutschen Haltung zu Israels Vorgehen indes keine Differenzen mit der SPD. „Es gibt in der Sache keine Meinungsverschiedenheiten darüber in der Koalition. Wir sind uns in diesen Fragen vollkommen einig“, sagte er. Die Frage, warum sich Deutschland der Initiative von Großbritannien zur Kriegsführung Israels in Gaza nicht anschließe, beantwortete Merz mit einem Hinweis auf eine bereits zuvor beschlossene Erklärung des Europäischen Rates. Diese sei „praktisch inhaltsgleich (...) mit dem, was in dem Brief jetzt zum Ausdruck kommt“.
Doch der SPD scheint dies nicht auszureichen. „Die Berichte über verhungerte Kinder und eine rapide eskalierende Hungersnot zeigen: Wir haben den viel beschworenen ‚point of no return‘ erreicht“, schrieben SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetović und der frühere Fraktionschef und Außenpolitiker Rolf Mützenich in einer Erklärung, die zuerst der Süddeutschen Zeitung vorlag. Beide Politiker drängen zur Unterzeichnung des internationalen Appells, den 28 Länder und die EU-Kommissarin für Gleichstellung und Krisenmanagement unterschrieben haben.
Trotz Gaza-Streit: Frei pocht auf Zusammenhalt der Koalition – „Wir sprechen über alles“
Auch Merz’ rechte Hand, Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU), sieht die Koalition durch den Gaza-Streit nicht beschädigt. „Da geht kein Löschblatt zwischen die Partner“, sagte Frei am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“. „Über die Form und die Wege zum gemeinsamen Ziel darf man auch mal unterschiedlicher Meinung sein“, fügte Frei gleichwohl hinzu. „Wir sprechen über alles in der Koalition, das ist bei guten Partnern der Fall.“
Frei zufolge war der Bundesregierung die „Abfolge (…) in diesem Schreiben nicht klar genug gewesen“. So müsse klargestellt werden, dass der Ausgangspunkt für den Krieg „der Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023“ gewesen seien und dass die Hamas immer noch Geiseln gefangen hält, sagte er im ZDF. Jenseits des Briefes gebe es „natürlich vielfältige Kontakte“ der Bundesregierung zur israelischen Regierung.
Lage im Gazastreifen: Union rechtfertigt Merz‘ Ablehnung zu Israel-Erklärung
In der internationalen Erklärung wird auch eine sofortige Freilassung der noch immer im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln gefordert. Dort werden nach offiziellen israelischen Angaben noch 50 Geiseln festgehalten, von denen weniger als die Hälfte noch am Leben sein soll. Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) bedauert, dass sich Deutschland der Erklärung nicht angeschlossen hat. Die Forderung des Briefes bezeichnete die SPD-Politikerin in der Rheinischen Post als „nachvollziehbar“. „Ich hätte mir gewünscht, dass Deutschland sich dem Signal der Partner anschließt.“
Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, entgegnete der SPD mit Blick auf Israel und Gaza hingegen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Der Bundesaußenminister hat die Erklärung nicht unterschrieben, da sie die gefühlte Isolation der israelischen Regierung nur verstärkt.“ Es müsse „der israelischen Regierung ein Zeichen sein, wenn so viele Freunde, und dazu zähle ich die SPD, ihre Frustration über das Sterben in Gaza in Sanktionen ausdrücken wollen, weil sie in Jerusalem kein Gehör mehr finden“.
Waffenruhe in Gaza: Verhandlungen stocken – Einigung nicht in Sicht
Während in Deutschland sich zwischen Union und SPD ein weiterer Koalitionsstreit anbahnen könnte, scheint eine Waffenruhe in Gaza weiter nicht in Sicht. Die Hamas bestehe darauf, dass wieder die UN und der Palästinensische Halbmond die Verteilung humanitärer Hilfe in Gaza kontrollieren, zitierte das Wall Street Journal arabische Vermittler. Die umstrittene Gaza Humanitarian Foundation (GHF), die sich im Auftrag Israels derzeit um die Verteilung von Hilfe kümmert, müsse ausgeschlossen werden.
Der derzeit in der katarischen Hauptstadt Doha verhandelte Vorschlag für eine 60-tägige Waffenruhe sieht dem Bericht zufolge vor, dass sich die UN-Hilfsorganisationen zwar an der Verteilung von Lebensmittelhilfen beteiligen, aber nicht die Kontrolle ausüben. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff reist nach Angaben der Sprecherin des US-Außenministeriums, Tammy Bruce, diese Woche in den Nahen Osten, um die Bemühungen für eine Waffenruhe wiederzubeleben und einen Hilfskorridor in den Gazastreifen einzurichten. (fbu/dpa)