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Gastbeitrag: Wie wehrhaft ist Deutschland?

„Sicherheit zählt zu den Kernaufgaben des Staates – aber Versäumnisse reichen weit zurück“

Prof. Ulrich Schlie zeigt in seinem Gastbeitrag, wie wehrhaft Deutschland ist. Er beschreibt eine gefährlichere Weltlage. Und sieht bei der Bundeswehr Lücken.

Beim Ukraine-Krieg ist keine friedliche Lösung in Sicht, die Iran-Krise weitet sich im Nahen Osten aus: Die Welt, so wirkt es, wird gefährlicher. Doch wie ist Deutschland auf die wachsenden internationalen Bedrohungen vorbereitet? Sind wir als Land wehrhaft? Mit dieser Frage beschäftigt sich unsere fünfteilige Serie. Zum Auftakt wird Ulrich Schlie, Professor für Sicherheits- und Strategieforschung am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie an der Universität Bonn, in seinem Gastbeitrag die Frage beantworten:

Wie wehrhaft ist Deutschland? Diese Frage beantworten Experten und Insider in einer vierteiligen Serie.

„Sicherheit zählt zu den Kernaufgaben des Staates – aber Versäumnisse reichen weit zurück“

Täglich sind wir einer Vielzahl von möglichen Gefährdungen ausgesetzt: Messerangriffe in Regionalzügen, Giftgasanschläge in U-Bahnen, Amokläufe in Schulen, Bombendrohungen in Einkaufszentren. In Berlin setzte der Angriff von linksextremen Zellen auf die Stromversorgung zu Jahresbeginn für etliche Tage gleich mehrere Stadtbezirke schachmatt. Unsere Infrastruktur ist verwundbar, unser Wohlstand gefährdet. Gefährdungen im Kleinen, in unseren täglichen Lebenswelten, und erst recht Gefährdungen im Großen.

Die Welt war noch nie ein sicherer Ort. Dies haben jetzt auch die Urlauber in Dubai erfahren müssen, die in Feriendomizilen von iranischen Bombenangriffen überrascht wurden und ausgeflogen werden müssen. Präsident Donald Trump war angetreten, um Kriege zu beenden und sich von Interventionen fernzuhalten. Jetzt hat er mit den von Israel unterstützten Luftangriffen gegen den Iran dem gefährlichsten Staat der Welt den Krieg erklärt. Der Ausgang ist ungewiss. Wenn es zum Regimewechsel im Iran kommt, wird Trump als Erlöser und Stratege gefeiert. Noch aber ist es nicht so weit.

Der Nahe Osten ist ein Pulverfass, und zu den Grundlehren der Strategie zählt, dass man immer auf das Schlimmste vorbereitet sein muss. Mit Putin sitzt ein Autokrat im Kreml, der seinem Machterhalt alles andere untergeordnet hat und der keine Skrupel kennt. Russland ist heute Juniorpartner von China, aber wenn der Krieg gegen die Ukraine zu Ende geht, den Putin 2022 völkerrechtswidrig angezettelt hat, wird er einen Teil seiner strategischen Ziele, Gebietsgewinne und die Verunmöglichung der Nato-Mitgliedschaft der Ukraine, erreicht haben. Er wird zudem alles tun, um in der unübersichtlichen Lage Europäer und Amerikaner weiter auseinanderzutreiben, Uneinigkeit in Europa zu stiften und den Nahen Osten, so gut er kann, zu kontrollieren.

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Der Iran-Krieg beginnt am 28. Februar 2026 mit Angriffen aus Israel und den USA auf Teheran. Noch am ersten Tag wird auch Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Seit dem Angriff hat sich der Konflikt auf die gesamte Golfregion ausgeweitet. © AFP
Iran-Krieg - Iran
Immer wieder schlagen Raketen in der iranischen Hauptstadt Teheran und der Umgebung ein. Die Menschen vor Ort berichten von zitternden Fenstern, in sozialen Medien kursieren Bilder von Rauchschwaden. In Teheran leben rund 15 Millionen Menschen.  © Vahid Salemi/dpa
Angriff auf den Iran - Iran
Präzisionsschläge auf relevante militärische Ziele – erstmals auch mit Drohnen, die von den Shaheds kopiert worden sind: „LUCAS kostet etwa 35.000 US-Dollar pro Plattform und ist ein kostengünstiges, skalierbares System, das modernste Fähigkeiten zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher US-Langstreckensysteme mit vergleichbarer Wirkung bietet“, sagt der Marineoffizier Tim Hawkins gegenüber dem Magazin The War Zone (TWZ). US-Präsident Trump hat sich für den Angriff gegen den Iran vermutlich von den Waffen seines Gegners inspirieren lassen: Erstmals haben die USA Kamikaze-Drohnen eingesetzt, veröffentlicht das „US Central Command“ (CENTCOM).  © dpa
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Die Angriffe gehen ohne Unterlass weiter. Dieses Standbild aus einem vom U.S. Central Command zur Verfügung gestellten Video zeigt den Start einer Rakete von einem Schiff der U.S. Navy zur Unterstützung der Operation „Epic Fury“. © dpa
Raketenabwehrsystem Iron Dome
Der Iran antwortet mit Gegenangriffen auf Israel. Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt zahlreiche Geschosse ab. Über Tel Aviv kommt es zu entsprechenden Explosionen. © Jack Guez/AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Auch am Tag feuert das israelische Luftabwehrsystem, um Raketen während eines iranischen Angriffs abzufangen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
Dennoch kommt Israel nicht ungeschoren davon. Hier verbinden Rettungskräfte einen verwundeten Mann und leisten erste Hilfe am Ort eines direkten Einschlags einer iranischen Rakete in Tel Aviv. © Tomer Neuberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
An einer anderen Stelle in Tel Aviv ist ein Feuerwehrmann dabei, ein brennendes Auto zu löschen. © Tomer Neuberg/dpa
USA Iran
Dieses offizielle Foto des Weißen Hauses, veröffentlicht am 28. Februar 2026 auf dem Account „White House X“, zeigt US-Vizepräsident JD Vance (Mitte), die Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, Tulsi Gabbard (zweite von links), und US-Finanzminister Scott Bessent (rechts) im Lagezentrum in Washington, D.C. © AFP
Trump Iran
Ein weiteres offizielles Foto des Weißen Hauses zeigt Donald Trump im Gespräch mit Stabschefin Susie Wiles (rechts), während US-Außenminister Marco Rubio (Mitte) die Aktivitäten der „Operation Epic Fury“ gegen den Iran von einem nicht genannten Ort aus überwacht. „Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot“, schrieb Trump später auf „Truth Social“. © AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Was ist das Ziel der Operation Epic Fury (Einsatz Gewaltiger Zorn)? US-Präsident Trump begründet die Luftangriffe mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm und mit der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen, wie etwa die Hisbollah im Libanon. Durch beides sieht Israel seine Existenz bedroht. Daneben will Trump aber auch die USA vor „direkten Bedrohungen“ durch den Iran schützen. © Leo Correa/dpa
Un-Sicherheitsrat
Der US-Angriff ruft die Vereinten Nationen auf den Plan: Der Sicherheitsrat ist zu einer Notfall-Sitzung zusammengekommen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte die Botschafter, die Aktion berge die Gefahr, „eine Kette von Ereignissen auszulösen, die in der instabilsten Region der Welt niemand mehr kontrollieren kann“, wie die UN berichten. Israels Botschafter Danny Danon hatte die Angriffe als gerechtfertigt dargestellt und als einen notwendigen Akt, um eine existenzielle Bedrohung abzuwehren. © Spencer Platt/AFP
Minab-Mädchenschule
Das UN-Menschenrechtsbüro hat nach den Berichten über einen Angriff auf eine Mädchenschule im Iran mit fast 200 Toten eine umfassende Untersuchung verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Bei dem Angriff in Minab im Süden des Landes waren nach iranischen Angaben mindestens 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern ums Leben gekommen. Vertreter des israelischen Militärs hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der Region bekannt.  © Ali Najafi/AFP
Proteste in London
Weltweit gehen noch am ersten Abend des Iran-Kriegs Exil-Iranerinnen und -Iraner auf die Straßen und feiern den Tod von Ajatollah Chamenei. Dieses Bild zeigt eine Demonstration vor der iranischen botschaft in London. © Vuk Valcic/Imago
Angriff auf den Iran - Berlin
Auch auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin gehen die Menschen spontan auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demo in der Türkei
Anders sieht es in der Türkei aus: Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul machen Demonstranten Donald Trump und Israel für die Eskalation verantwortlich. Sie protestierten gegen den Angriff auf den Iran und die Tötung von Ajatollah Chamenei, indem sie eine US-Flagge verbrennen. © Ozan Kose/AFP
Angriff auf den Iran - Indien
578889050.jpg © Mukhtar Khan/dpa
Angriff auf den Iran - Dubai
Der Iran-Krieg zieht auch die arabischen Länder mit in den Konflikt hinein. Mit Hunderten Raketen und Drohnen greift der Iran seit Ende Februar unter anderem Kuwait, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate an. Hier steigt Rauch nach einem iranischen Drohnenangriff im Hafengebiet von Dubai auf. © Fatima Shbair/dpa
Angriff auf den Iran – Katar
Folgen der Rache des Iran: Die USA betreiben in al-Udeid eine Militärbasis. Die liegt im Fokus des Iran – allerdings befindet sich rund 30 Kilometer entfernt die Stadt Doha; und die wird kaum durch die Luftabwehr der US-Basis abgedeckt.  © dpa
Iran-Krieg - reaktionen
US-amerikanisch-israelische Luftschläge – Schockwellen in der gesamten Welt: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hätten Demonstranten im pakistanischen Karatschi vor dem Konsulat „Tod Amerika! Tod Israel!“ skandiert; Reuters-Reporter hätten Schüsse gehört und in den umliegenden Straßen Tränengas wahrgenommen. Die Nachrichtenagentur spricht von mindestens 23 getöteten Demonstranten; davon zehn im Hafen von Karatschi, wo Sicherheitskräfte des US-Konsulats gefeuert hätten auf Demonstrierende nach deren Durchbruch durch die äußere Mauer. Elf Menschen seien demnach in der nördlichen Stadt Skardu ums Leben gekommen – die Menge soll ein UN-Büro in Brand gesetzt haben; zwei Tote verzeichnet Reuters in Pakistans Hauptstadt Islamabad. © Imago
Weitere Bilder der Straßenschlachten, die sich in Teilen Pakistans nach dem US-Angriff auf den Iran ereigneten.
Explosionen im Iran, Beben in Pakistan: „Pakistans Westgrenzen befinden sich im Kriegszustand“, sagt Muzzammil Aslam gegenüber Arab News. Der Finanzminister der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa an der Grenze zu Afghanistan fürchtet wirtschaftliche Verwerfungen, sollte der Iran seine Rachegelüste gegenüber dem Westen ausleben und damit den gesamten Nahen Osten in den Abgrund reißen. Die Wirtschaftskraft des Landes hängt an den Arbeitern in den Golfstaaten, die im Visier des Iran liegen und Anschläge auf ihre Energieindustrie befürchten müssen.  © dpa
Angriff auf den Iran - Irak
578899115.jpg © Hadi Mizban/dpa
Beirut
Der Iran-Krieg führt auch zu einer neuen Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah. Die Schiiten-Miliz feuert als Reaktion auf die Tötung von Ajatollah Ali Chamenei Raketen in Richtung Israel ab. Daraufhin greift das israelische Militär zahlreiche Ziele im Libanon an, vor allem im Süden des Landes und in den Vororten der Hauptstadt Beirut (im Bild). Diese Gebiete gehören zum Einflussgebiet der Hisbollah. © AFP
Angriff gegen den Iran - Luftverkehr
Der Iran-Krieg legt zu Beginn auch den Flugverkehr teilweise lahm. Hier prüft ein Reisender die Abflugzeiten am internationalen Flughafen Beirut Rafik Hariri, da viele Fluggesellschaften nach den Angriffen auf den Iran ihre Flüge gestrichen haben.  © Hassan Ammar/dpa
Stra0ße von Hormus
Dieses Satellitenbild, aufgenommen von 2026 Planet Labs PBC am 2. März 2026, zeigt Rauchwolken, die nach einer Explosion im Hafen von Bandar Abbas an der Straße von Hormus von einem Schiff aufsteigen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft, ist weitgehend zum Erliegen gekommen.  © 2026 Planet Labs PBC/AFP

Sicherheit zählt zu den Kernaufgaben des Staates: der Schutz der Bürger, die Unversehrtheit der territorialen Grenzen, die Garantie eines Lebens in Freiheit und Sicherheit. Können wir aber unseren Regierungen ein gutes Zeugnis in diesen Bereichen ausstellen? Zunächst gilt: Versäumnisse reichen weit zurück. Das ist als erstes die Bundeswehr, der man eine Sparrunde nach der anderen verordnet hatte und die am Ende zu einer Bundeswehr à la carte zusammengeschrumpft war, mit Konsequenzen für Masse und Klasse. Bei Ausrüstung und Munition, beim Beschaffungswesen, bei Endlosschleifen in der Transformation der Streitkräfte, mit Achterbahnfahrten des „Umbaus“ von Ministerium und Streitkräften, aber auch bei der Vernachlässigung kritischer Fähigkeiten wie Flugabwehr oder Cyberverteidigung.

Es hat Jahre gedauert, in Afghanistan und anderen Einsatzorten im Gefecht Getötete als „Gefallene“ bezeichnet werden durften, bis der Begriff und das damit verbundene Konzept der Gesamtverteidigung akzeptiert waren, bis ein eigenes Cyberkommando aufgestellt war. Politik und Gesellschaft haben sich kaum bis wenig für diese Fragen interessiert, konnten aber mit Leidenschaft über den Einsatz der Bundeswehr im Inneren, über Mandatsobergrenzen bei Auslandseinsätzen, den Zugang zu geheimen Einsatzregeln der Nato und zur Bewaffnung von Drohnen streiten.

Der Innenminister hat dafür gesorgt, dass innere Sicherheit in dieser Bundesregierung wieder großgeschrieben wird. Friedrich Merz nimmt als Bundeskanzler schon in seinem ersten Jahr Führungsaufgaben auf Augenhöhe mit den Großen wahr. Er wird weiter in die Rolle des Spielmachers in Europa hineinwachsen. Der gegenwärtige Zustand der Europäischen Union ist vor allem das Resultat von politischen Entwicklungen in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Führungsstärke ist vor allem aber nach Innen in der Sicherheitspolitik gefragt.

„Wie wehrhaft ist Deutschland?“

Teil 2: „Die Leute sind nicht naiv“: Putin und Trump zeigen Wirkung – so blickt Deutschland auf seine Verteidigung

Teil 3: Die „Manufaktur“ und die Sache mit „Pfeil“ und „Bogen“: Wo Deutschlands künftige Wehrhaftigkeit wackelt

Teil 4: Putin droht – und Europas „Nerven und Skelett“ könnten schwinden: Experten sehen bedenkliche Leerstellen

Teil 5: „Keine Einzelfälle“ – Soldaten erzählen: Was bei der Bundeswehr trotz Zeitenwende noch schiefläuft

Viele haben sich zu lange – und zum Teil noch immer – in weltfremden Glaubenssätzen in einer schönen neuen Welt eingerichtet, die schon lange nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun hat. Der Bundesnachrichtendienst geriet über Jahrzehnte aus dem Blickwinkel der politisch Handelnden, er wurde mit wirklichkeitsfremden Gesetzesauflagen politisch gegängelt. Vom Deutschen Bundestag sind in der Sicherheitspolitik bislang keine Impulse ausgegangen. Das Instrument der Anhörungen ist in Deutschland kein scharfes Schwert. Misstrauen gegen eigene Instrumente ist in Deutschland besonders groß. Nicht von ungefähr hat der Bundesrechnungshof von allen Institutionen das größte Selbstbewusstsein.

Der Schutz kritischer Infrastruktur, das hat jetzt sogar der arg gescholtene Regierende Bürgermeister von Berlin erkannt, hat Vorrang. Wer müssen zudem besser vorbereitet sein. Das Gefecht von Erding im letzten Jahr hat gezeigt, dass Bundeswehr und Polizei bei gemeinsamen Übungen noch Nachholbedarf haben. Der Nationale Sicherheitsrat, der im Koalitionsvertrag angekündigt wurde, ist ein knappes Jahr danach noch immer im Aufbau.

Professor Ulrich Schlie ist ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Nordrhein-Westfälischen Akademie für Internationale Politik, Henry-Kissinger-Professor für Sicherheits- und Strategieforschung am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie an der Universität Bonn sowie Direktor des Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS).

Diese Bundesregierung steht in langer Tradition, wenn sie ihr gegenwärtiges außen- und sicherheitspolitisches Handeln weiterhin ohne strategische Grundlagendokumente vollzieht. Das Ziel von Strategie ist es, für Bedingungen zu sorgen, in denen das staatliche System überleben und gedeihen kann. Dies setzt die Bereitschaft, zu kämpfen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, voraus. Bedingung für Strategisches Handeln ist eine Auffassung von Zielbestimmung. Die Vorgabe des Grundgesetzes ist dabei so aktuell wie eh und je. „Dem Frieden der Welt in einem vereinten Europa zu dienen.“ Dies erfordert konsequentes Handeln nach innen und nach außen. Die Nato in ihrer alten Form hat ausgedient. Sie kann nicht mehr, wie bisher, das Fundament unserer Sicherheit bilden. Vor dem Hintergrund der abnehmenden transatlantischen Bindungen in den Bündnissen, der Schwäche der Vereinten Nationen und der Uneinigkeit in der Europäischen Union muss Deutschland eine Antwort auf die strategische Herausforderung Europas durch die Machtverschiebungen, die Entwicklungen im Nahen Osten und vor allem die anhaltende russische Bedrohung finden. Es wäre jetzt an der Zeit, eine Anpassung der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik an die veränderte strategische Lage vorzunehmen und bei der Gesamtverteidigung voranzukommen. Außenpolitik beginnt immer zu Hause.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Carsten Rehder/dpa | Carsten Rehder

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