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Anschlag auf Berliner CSD

„Kontrolliert und freundlich“: Experten sahen bei Abdul B. keinerlei Anzeichen einer Bedrohungslage

Der Terroranschlag auf den Berliner CSD soll vom 21-jährigen Abdul B. verübt worden sein. Ein Experte gibt eine Einschätzung ab.

Der Schock hält noch immer an. Beim CSD in Berlin fuhr am Samstagabend gegen 22 Uhr ein weißer Transporter in eine Menschenmenge im Tiergarten – eine Frau kam ums Leben, 29 weitere Personen wurden verletzt, einige davon schwer. Wer am Steuer saß, ist bislang nicht abschließend geklärt; als dringend tatverdächtig gilt der in Berlin geborene 21-jährige Abdul B. Ersten Berichten zufolge erschoss das SEK ihn am Sonntag in einer Kleingartensiedlung in Berlin-Spandau.

Das Auto, mit dem Abdul B. am Samstagabend in die Menschenmenge in Berlin fuhr.

Thomas Mücke, Extremismus-Berater beim Violence Prevention Network (VPN), sagte im ARD-Brennpunkt, die Sozialarbeiter hätten von Abdul B. „einen sehr gefassten, einen sehr vorsichtigen, einen sehr kontrollierten, einen sehr freundlichen Eindruck“ gewonnen. „Und das sind genau die Kriterien, wo wir merken, da kommen wir nicht wirklich an die Person heran.“ Mücke zufolge war der 21-Jährige zum Tatzeitpunkt noch in der sogenannten „Clearing-Phase“ – einem Vorgespräch zur Prüfung einer möglichen Beratungsaufnahme. Am 15. Juni und am 8. Juli hatte es bereits zwei solcher Gespräche gegeben.

Experten wollen mit Abdul B. weitere Gespräche führen

Ein drittes Gespräch war für die laufende Woche angesetzt. Danach hätte das VPN entschieden, ob Abdul B. offiziell in das Beratungsprogramm aufgenommen wird. Gegenüber dem Spiegel betonte Mücke, in den beiden bisherigen Gesprächen habe es „nicht das geringste Anzeichen einer konkreten Bedrohungssituation“ gegeben. Andernfalls hätte die Organisation sofort die Behörden eingeschaltet. Das VPN ist gemeinnützig und auf Extremismusprävention spezialisiert. Die Organisation unterstützt Personen, die sich islamistischen oder rechtsextremistischen Ideologien zugewandt haben, in ihrer Deradikalisierung.

Abdul B. saß monatelang in Untersuchungshaft

Da Abdul B. als Gefährder eingestuft war, stellt sich die Frage, weshalb er sich überhaupt in Freiheit befand. Monatelang saß er in Untersuchungshaft. Am 12. Mai verurteilte ihn ein Jugendschöffengericht am Amtsgericht Tiergarten „wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat in einem Fall sowie der Zuwiderhandlung gegen ein vollziehbares Verbot nach dem Vereinsgesetz in zwei Fällen zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten“. Den bestehenden Haftbefehl hob das Gericht auf – mit der Begründung, „da die Untersuchungshaft vorrangig der Sicherung des Strafverfahrens dient und keine vorweggenommene Strafe darstellt“.

Trauerbeflaggung am Reichstag: Eindrücke aus Berlin nach dem Anschlag beim CSD

Menschen demonstrieren unter dem Motto „Haltung ist hot“ beim Christopher Street Day. Erstmals findet der Berliner CSD an zwei Tagen statt.
Menschen demonstrieren unter dem Motto „Haltung ist hot“ beim Christopher Street Day. Erstmals findet der Berliner CSD an zwei Tagen statt. Es ist eine der größten Veranstaltung ihrer Art in Europa.  © Fabian Sommer/dpa
Menschen feiern nach der Parade zum Christopher Street Day (CSD) unter dem Motto „Haltung ist hot“ auf der Straße des 17. Juni.
Menschen feiern nach der Parade zum Christopher Street Day (CSD) unter dem Motto „Haltung ist hot“ auf der Straße des 17. Juni. Am Abend des 25. Juli musste die Veranstaltung abgebrochen werden, weil ein Mann einen Pkw im Tiergarten in eine Gruppe von Menschen steuerte. Eine Frau starb, 29 Menschen wurden teils schwer verletzt.  © Fabian Sommer/dpa
CSD Berlin
Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD am 25. Juli ist die Polizei im Einsatz. © Fabian Sommer / dpa
CSD Berlin
Polizeibeamte sind nach dem Anschlag rund um den Einsatzort unterwegs. © Fabian Sommer / dpa
CSD Berlin
Berlin Pride forderte die Gäste auf, das Gelände ruhig und geordnet zu verlassen und den Tiergarten sowie die Siegessäule zu meiden. © Fabian Sommer / dpa
CSD Berlin
Rettungskräfte behandeln nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin Verletzte. © Andreas Rabenstein / dpa
Beim Christopher Street Day (CSD) ist es am Samstag (25.7.) zu einer Polizei-Lage gekommen. Hier sehen Sie die ersten Bilder vom Einsatzort.
Nach ersten Angaben der Polizei wurden 16 Menschen verletzt. Laut Feuerwehr wurden von den 16 Verletzten drei lebensbedrohlich und acht schwer verletzt. Zudem gebe es fünf leicht verletzte Menschen. Die lebensbedrohlich und schwer verletzten Menschen seien alle in Krankenhäuser gebracht worden.  © Andreas Rabenstein / dpa
Beim Christopher Street Day (CSD) ist es am Samstag (25.7.) zu einer Polizei-Lage gekommen. Hier sehen Sie die ersten Bilder vom Einsatzort.
Später wurde die Zahl der Verletzten auf 29 korrigiert. Eine Frau starb noch vor Ort an ihren Verletzungen.  © RALF HIRSCHBERGER / AFP
Beim Christopher Street Day (CSD) ist es am Samstag (25.7.) zu einer Polizei-Lage gekommen. Hier sehen Sie die ersten Bilder vom Einsatzort.
Die Polizei und Rettungskräfte sind nach dem Anschlag auf den Berliner CSD im Einsatz. © RALF HIRSCHBERGER / AFP
Beim Christopher Street Day (CSD) ist es am Samstag (25.7.) zu einer Polizei-Lage gekommen. Hier sehen Sie die ersten Bilder vom Einsatzort.
Die Polizei hatte zunächst von einer „Polizeilage“ gesprochen, jedoch schnell öffentlich gemacht, dass ein Auto im Tiergarten Menschen erfasst hat.  © ANTOINE LAMBROSCHINI / AFP
Beim Christopher Street Day (CSD) ist es am Samstag (25.7.) zu einer Polizei-Lage gekommen. Hier sehen Sie die ersten Bilder vom Einsatzort.
Der Bereich wurde weiträumig abgesperrt. Der mutmaßliche Täter konnte laut Polizei aus einem weißen Fahrzeug flüchten.  © ANTOINE LAMBROSCHINI / AFP
Beim Christopher Street Day (CSD) ist es am Samstag (25.7.) zu einer Polizei-Lage gekommen. Hier sehen Sie die ersten Bilder vom Einsatzort.
Da Augenzeugen von Stichverletzungen berichteten, prüfte die Polizei auch eine „mögliche zweite Tatphase“, die der mutmaßliche Täter mit einer Stichwaffe begangen haben könnte.  © UTA TOCHTERMANN / AFP
Beim Christopher Street Day (CSD) ist es am Samstag (25.7.) zu einer Polizei-Lage gekommen. Hier sehen Sie die ersten Bilder vom Einsatzort.
Am Sonntagmorgen nach dem Anschlag veröffentlichte die Polizei ein Fahndungsfoto, das den mutmaßlichen Täter zeigen soll, und bittet die Bevölkerung um Hilfe. © RALF HIRSCHBERGER / AFP
Beim Christopher Street Day (CSD) ist es am Samstag (25.7.) zu einer Polizei-Lage gekommen. Hier sehen Sie die ersten Bilder vom Einsatzort.
Eine Teilnehmerin steht eingehüllt in eine Decke bei Einsatzkräften. © RALF HIRSCHBERGER / AFP
Einsatzkräfte der Polizei und Rettungskräfte stehen im Großen Tiergarten nach dem Abbruch des Christopher Street Day (CSD). Nachdem ein Auto mehrere Menschen am Rande des Christopher Street Day in Berlin angefahren und verletzt hat, sucht die Polizei nach Verdächtigen Personen.
Einsatzkräfte der Polizei und Rettungskräfte stehen im Großen Tiergarten nach dem Abbruch des Christopher Street Day (CSD).  © Sebastian Gollnow/dpa
Marlon, in eine Pride-Fahne gehüllt, hockt neben einem Polizeifahrzeug nach dem Abbruch des Christopher Street Day (CSD). Nachdem ein Auto mehrere Menschen am Rande des Christopher Street Day in Berlin angefahren und verletzt hat, sucht die Polizei nach Verdächtigen Personen. Bei dem Vorfall am Rande ist nach Polizeiangaben mindestens ein Mensch getötet worden. 16 weitere Menschen würden wegen Verletzungen derzeit behandelt, sagte Polizeisprecher Nath.
Marlon, in eine Pride-Fahne gehüllt, hockt neben einem Polizeifahrzeug nach dem Abbruch des Christopher Street Day (CSD).  © Sebastian Gollnow/dpa
In Rettungsdecken gehüllte Personen stehen neben einem Zelt der Feuerwehr nach dem Abbruch des Christopher Street Day (CSD).
In Rettungsdecken gehüllte Personen stehen neben einem Zelt der Feuerwehr nach dem Abbruch des Christopher Street Day (CSD).  © Fabian Sommer/dpa
Polizeisprecher Florian Nath (l) und Kai Wegner (M, CDU), Regierender Bürgermeister, sprechen nach dem Abbruch des Christopher Street Day (CSD) mit Journalisten.
Polizeisprecher Florian Nath (l) und Kai Wegner (M, CDU), Regierender Bürgermeister, sprechen nach dem Abbruch des Christopher Street Day (CSD) mit Journalisten.  © Fabian Sommer/dpa
Polizeisprecher Florian Nath (M) spricht nach dem Abbruch des Christopher Street Day (CSD)mit Journalisten.
Polizeisprecher Florian Nath (M) spricht nach dem Abbruch des Christopher Street Day (CSD)mit Journalisten.  © Fabian Sommer/dpa
Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr sind nach dem Abbruch des Christopher Street Day (CSD) im Tiergarten im Einsatz.
Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr sind nach dem Abbruch des Christopher Street Day (CSD) im Tiergarten im Einsatz.  © Fabian Sommer/dpa
Ein zerstörtes weißes Fahrzeug steht im Bereich des Tiergartens, wo es einen Baum gerammt hatte. Am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin war das Fahrzeug in eine Menschenmenge gefahren. Dabei wurde eine Frau getötet, 16 weitere Menschen verletzt., zum Teil schwer.
Ein zerstörtes weißes Fahrzeug steht im Bereich des Tiergartens, wo es einen Baum gerammt hatte. Am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin war das Fahrzeug in eine Menschenmenge gefahren. Dabei wurde eine Frau getötet, 29 weitere Menschen verletzt., zum Teil schwer. © Jason Tschepljakow/dpa
Schwer bewaffnete Spezialkräfte der Polizei sperren sämtliche Zugänge zum S-Bahnhof Anhalter Bahnhof in Berlin ab. Unter Hochdruck fahndet die Polizei nach dem mutmaßlichen Fahrer, der einen weißen Wagen in eine Menschenmenge unweit des Christopher Street Days (CSD) gefahren hat.
Schwer bewaffnete Spezialkräfte der Polizei sperren sämtliche Zugänge zum S-Bahnhof Anhalter Bahnhof in Berlin ab.  © Michael Ukas/dpa
Schwer bewaffnete Spezialkräfte der Polizei sperren sämtliche Zugänge zum S-Bahnhof Anhalter Bahnhof in Berlin ab. Unter Hochdruck fahndet die Polizei nach dem mutmaßlichen Fahrer, der einen weißen Wagen in eine Menschenmenge unweit des Christopher Street Days (CSD) gefahren hat.
Unter Hochdruck fahndet die Polizei nach dem mutmaßlichen Fahrer, der einen weißen Wagen in eine Menschenmenge unweit des Christopher Street Days (CSD) gefahren hat. © Michael Ukas/dpa
Ein Polizeibeamter steht vor dem Hauseingang des Wohnblocks, in dem in der Nacht eine Wohnung durchsucht wurde.
Ein Polizeibeamter steht vor dem Hauseingang des Wohnblocks, in dem in der Nacht eine Wohnung durchsucht wurde.  © Sebastian Gollnow/dpa
Menschen stehen Arm in Arm im Bereich des Tiergartens, wo ein Fahrzeug einen Baum gerammt hatte.
Menschen stehen Arm in Arm im Bereich des Tiergartens, wo ein Fahrzeug einen Baum gerammt hatte.  © Sebastian Gollnow/dpa
Pressevertreter stehen vor einer Absperrung im Bereich des Tiergartens, wo ein Auto einen Baum gerammt hatte.
Pressevertreter stehen vor einer Absperrung im Bereich des Tiergartens, wo ein Auto einen Baum gerammt hatte.  © Sebastian Gollnow/dpa
Polizisten stehen an einem zerstörten weißen Fahrzeug im Bereich des Tiergartens, wo es einen Baum gerammt hatte.
Polizisten stehen an einem zerstörten weißen Fahrzeug im Bereich des Tiergartens, wo es einen Baum gerammt hatte. © Sebastian Gollnow/dpa
Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR) säubern die Straße des 17. Juni nach dem Christopher Street Day (CSD) - im Hintergrund ist die Siegessäule zu sehen. Der CSD war am Samstagabend abgebrochen worden, nachdem ein Auto am Rande der Großveranstaltung in eine Menschenmenge gefahren ist.
609535937.jpg © Kathrin Deckart/dpa
Ein Polizeifahrzeug steht am Morgen vor einer Bühne am Brandenburger Tor.
609536252.jpg © Kathrin Deckart/dpa
An einem Zaun, an dem Blumen liegen, hängt ein Zettel mit der Aufschrift „Wir müssen Zusammenhalten Gemeinsam sind wir stärker als der Hass und die Gewalt!“
An einem Zaun, an dem Blumen liegen, hängt ein Zettel mit der Aufschrift „Wir müssen Zusammenhalten Gemeinsam sind wir stärker als der Hass und die Gewalt!“ © Monika Wendel/dpa
Ein Schild mit der Aufschrift „Liebe siegt!“ liegt vor Blumen an einem Baum, nahe einem abgesperrten Bereich des Tiergartens, wo ein Fahrzeug einen Baum gerammt hatte.
Ein Schild mit der Aufschrift „Liebe siegt!“ liegt vor Blumen an einem Baum, nahe einem abgesperrten Bereich des Tiergartens, wo ein Fahrzeug einen Baum gerammt hatte. © Sebastian Gollnow/dpa
Eine Regenbogenflagge, Blumen und Kerzen stehen vor einem Baum nahe dem Bereich, wo ein Fahrzeug einen Baum gerammt hatte.
Eine Regenbogenflagge, Blumen und Kerzen stehen vor einem Baum nahe dem Bereich, wo ein Fahrzeug einen Baum gerammt hatte.  © Sebastian Gollnow/dpa
Einsatzkräfte der Polizei durchsuchen den Forst in der Nähe des Bereichs des Tiergartens, wo ein Fahrzeug einen Baum gerammt hatte.
Einsatzkräfte der Polizei durchsuchen den Forst in der Nähe des Bereichs des Tiergartens, wo ein Fahrzeug einen Baum gerammt hatte.  © Sebastian Gollnow/dpa
Ein Mann schreibt eine Trauerbekundung auf ein Papier nahe dem Bereich, wo ein Fahrzeug einen Baum gerammt hatte.
Ein Mann schreibt eine Trauerbekundung auf ein Papier nahe dem Bereich, wo ein Fahrzeug einen Baum gerammt hatte. © Sebastian Gollnow/dpa
Die Flaggen am Reichstagsgebäude des Deutschen Bundestags hängen nach dem Anschlag beim Berliner CSD auf Halbmast.
Die Flaggen am Reichstagsgebäude des Deutschen Bundestags hängen nach dem Anschlag beim Berliner CSD auf Halbmast.  © Fabian Sommer/dpa

Das Urteil wurde jedoch nicht rechtskräftig: Die Generalstaatsanwaltschaft legte Berufung ein. Sie forderte eine höhere Strafe, die eine Bewährung ausschließen würde, sowie die Wiederherstellung des Haftbefehls. In der Verhandlung hatte sich Abdul B. nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft „überwiegend geständig“ gezeigt und sich vom IS distanziert. Anfang Juli hatten Ermittler laut Generalstaatsanwaltschaft seine Wohnung wegen eines Anfangsverdachts auf einen Verstoß gegen das Waffengesetz durchsucht. Dabei stießen sie jedoch lediglich auf eine Spielzeugwaffe.

Die Bundesanwaltschaft hat nun die Ermittlungen übernommen. Hintergrund sei die „mutmaßliche islamistische Tatbegehung“, sagte eine Sprecherin am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP; ermittelt werde auch bezüglich möglicher „Hintermänner“ oder „Mitwisser“. Die Sprecherin bestätigte zugleich, dass es sich bei einem am frühen Abend in Berlin erschossenen Mann um den mutmaßlichen Angreifer handeln dürfte. Eine Identifizierung per DNA-Abgleich stehe aber noch aus. (Quellen: dpa, AFP, ntv) (ktho)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow / dpa

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