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„Das sind Mörder“

„Nicht die Armee“: Experte enthüllt auffälliges Muster bei Iran-Angriffen

Mit dem Tod von Chamenei beginnt im Iran eine neue Phase – aber kein Neuanfang. Was Israel und die USA mit ihren Angriffen wirklich bezwecken, erklärt Experte Ralph Ghadban.

Enthauptungsschlag – so nennt man im Jargon die erste Attacke von Israel und den USA gegen den Iran. Um im martialischen Bild zu bleiben: Der Kopf ist ab, der oberste Führer der islamischen Republik, Ajatollah Ali Chamenei, ist tot. Doch das Mullah-Regime ist damit noch nicht am Ende. Experten warnten schon vor dem Angriff: Die Regime-Reste werden mit allen Mitteln versuchen, ihr System zu erhalten.

Autor und Publizist Ralph Ghadban in seinem Berliner Arbeitszimmer: Der Islamwissenschaflter und Politologe gilt als ausgewiesener Iran-Kenner.

Derweil ist Berichten zufolge Chameneis zweitältester Sohn Modschtaba Chamenei zum neuen Obersten Führer bestimmt worden. Und ein echter Regierungs-Change wird so schnell wohl auch nicht kommen, glaubt Ralph Ghadban. „Das Mullah-Regime bleibt. Es gibt keine Alternative“, sagt der bekannte Autor und Publizist bei einem Treffen mit unserer Redaktion.

Iran-Regime will Macht um jeden Preis erhalten: „Das sind Mörder“

Ghadban, der aus dem Libanon stammt, gilt als ausgewiesener Iran-Kenner, ein Regal im Arbeitszimmer seiner Berliner Altbauwohnung ist bis oben gefüllt mit Literatur zum Thema. Auch sein eigenes Buch steht dort: „Das Netz der Mullahs“. Dafür hat der Politologe und Islamwissenschaftler das politische System des Iran über Jahre intensiv studiert. „Das Regime hat die Fähigkeit und den Willen, jegliche Opposition zu unterdrücken. Das hat es bewiesen, als es zuletzt Zehntausende Menschen getötet hat“, sagt er. „Das sind Mörder. Für den Erhalt ihres Systems sind sie bereit, große Teile ihrer Bevölkerung zu vernichten.“ 

Allerdings habe sich in den Wochen vor der Attacke durch Israel und die USA eine Veränderung angedeutet. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Proteste gegen das Mullah-Regime gegeben – ohne anhaltende Auswirkungen. „Aber: Anders als bei den vergangenen Protesten begann es dieses Mal im Basar“, so Ghadban. Im Zuge der dramatischen Wirtschaftskrise im Iran, und nachdem die iranische Währung Rial auf einen Tiefststand gefallen war, streikten zunächst die Geschäftsleute im Großen Basar von Teheran, dem wirtschaftlichen Herz der iranischen Hauptstadt. „Das ist die Machtbasis, der Kern des Mullah-Regimes. Das heißt, das Machtgefüge bröckelte“, erklärt Ghadban.  

Seit Wochen bringt sich derweil der im Exil lebende Reza Pahlavi, Sohn des ehemaligen Schahs Mohammad Reza Pahlavi, in Stellung: Er will die Regierung übernehmen, hat unter Exil-Iranern viel Zuspruch. Einen echten Regierungschange werde es aber nicht geben, da ist sich Experte Ghadban sicher: „Pahlavi hat keine Chance.“ 

Das hänge auch mit den mutmaßlichen Interessen von Israel und den USA zusammen, glaubt Ghadban: „Interessant ist: Israel und die USA greifen bislang nicht die Armee an. Nur Basen der Revolutionsgarden.“ Das Ziel: Zermürbung, einen offenen Krieg mit Bodentruppen wolle man so lange wie möglich vermeiden. Hilfe von Verbündeten könne der Iran kaum erwarten. „Russland oder China sind offenbar nicht bereit, sich für das Regime zu engagieren. Sie unterstützen vielleicht mit Informationen, aber mehr auch nicht.“ In Kämpfe würden sich die beiden Staaten kaum einmischen.  

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Der Iran-Krieg beginnt am 28. Februar 2026 mit Angriffen aus Israel und den USA auf Teheran. Noch am ersten Tag wird auch Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Seit dem Angriff hat sich der Konflikt auf die gesamte Golfregion ausgeweitet. © AFP
Iran-Krieg - Iran
Immer wieder schlagen Raketen in der iranischen Hauptstadt Teheran und der Umgebung ein. Die Menschen vor Ort berichten von zitternden Fenstern, in sozialen Medien kursieren Bilder von Rauchschwaden. In Teheran leben rund 15 Millionen Menschen.  © Vahid Salemi/dpa
Angriff auf den Iran - Iran
Präzisionsschläge auf relevante militärische Ziele – erstmals auch mit Drohnen, die von den Shaheds kopiert worden sind: „LUCAS kostet etwa 35.000 US-Dollar pro Plattform und ist ein kostengünstiges, skalierbares System, das modernste Fähigkeiten zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher US-Langstreckensysteme mit vergleichbarer Wirkung bietet“, sagt der Marineoffizier Tim Hawkins gegenüber dem Magazin The War Zone (TWZ). US-Präsident Trump hat sich für den Angriff gegen den Iran vermutlich von den Waffen seines Gegners inspirieren lassen: Erstmals haben die USA Kamikaze-Drohnen eingesetzt, veröffentlicht das „US Central Command“ (CENTCOM).  © dpa
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Die Angriffe gehen ohne Unterlass weiter. Dieses Standbild aus einem vom U.S. Central Command zur Verfügung gestellten Video zeigt den Start einer Rakete von einem Schiff der U.S. Navy zur Unterstützung der Operation „Epic Fury“. © dpa
Raketenabwehrsystem Iron Dome
Der Iran antwortet mit Gegenangriffen auf Israel. Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt zahlreiche Geschosse ab. Über Tel Aviv kommt es zu entsprechenden Explosionen. © Jack Guez/AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Auch am Tag feuert das israelische Luftabwehrsystem, um Raketen während eines iranischen Angriffs abzufangen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
Dennoch kommt Israel nicht ungeschoren davon. Hier verbinden Rettungskräfte einen verwundeten Mann und leisten erste Hilfe am Ort eines direkten Einschlags einer iranischen Rakete in Tel Aviv. © Tomer Neuberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
An einer anderen Stelle in Tel Aviv ist ein Feuerwehrmann dabei, ein brennendes Auto zu löschen. © Tomer Neuberg/dpa
USA Iran
Dieses offizielle Foto des Weißen Hauses, veröffentlicht am 28. Februar 2026 auf dem Account „White House X“, zeigt US-Vizepräsident JD Vance (Mitte), die Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, Tulsi Gabbard (zweite von links), und US-Finanzminister Scott Bessent (rechts) im Lagezentrum in Washington, D.C. © AFP
Trump Iran
Ein weiteres offizielles Foto des Weißen Hauses zeigt Donald Trump im Gespräch mit Stabschefin Susie Wiles (rechts), während US-Außenminister Marco Rubio (Mitte) die Aktivitäten der „Operation Epic Fury“ gegen den Iran von einem nicht genannten Ort aus überwacht. „Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot“, schrieb Trump später auf „Truth Social“. © AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Was ist das Ziel der Operation Epic Fury (Einsatz Gewaltiger Zorn)? US-Präsident Trump begründet die Luftangriffe mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm und mit der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen, wie etwa die Hisbollah im Libanon. Durch beides sieht Israel seine Existenz bedroht. Daneben will Trump aber auch die USA vor „direkten Bedrohungen“ durch den Iran schützen. © Leo Correa/dpa
Un-Sicherheitsrat
Der US-Angriff ruft die Vereinten Nationen auf den Plan: Der Sicherheitsrat ist zu einer Notfall-Sitzung zusammengekommen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte die Botschafter, die Aktion berge die Gefahr, „eine Kette von Ereignissen auszulösen, die in der instabilsten Region der Welt niemand mehr kontrollieren kann“, wie die UN berichten. Israels Botschafter Danny Danon hatte die Angriffe als gerechtfertigt dargestellt und als einen notwendigen Akt, um eine existenzielle Bedrohung abzuwehren. © Spencer Platt/AFP
Minab-Mädchenschule
Das UN-Menschenrechtsbüro hat nach den Berichten über einen Angriff auf eine Mädchenschule im Iran mit fast 200 Toten eine umfassende Untersuchung verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Bei dem Angriff in Minab im Süden des Landes waren nach iranischen Angaben mindestens 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern ums Leben gekommen. Vertreter des israelischen Militärs hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der Region bekannt.  © Ali Najafi/AFP
Proteste in London
Weltweit gehen noch am ersten Abend des Iran-Kriegs Exil-Iranerinnen und -Iraner auf die Straßen und feiern den Tod von Ajatollah Chamenei. Dieses Bild zeigt eine Demonstration vor der iranischen botschaft in London. © Vuk Valcic/Imago
Angriff auf den Iran - Berlin
Auch auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin gehen die Menschen spontan auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demo in der Türkei
Anders sieht es in der Türkei aus: Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul machen Demonstranten Donald Trump und Israel für die Eskalation verantwortlich. Sie protestierten gegen den Angriff auf den Iran und die Tötung von Ajatollah Chamenei, indem sie eine US-Flagge verbrennen. © Ozan Kose/AFP
Angriff auf den Iran - Indien
578889050.jpg © Mukhtar Khan/dpa
Angriff auf den Iran - Dubai
Der Iran-Krieg zieht auch die arabischen Länder mit in den Konflikt hinein. Mit Hunderten Raketen und Drohnen greift der Iran seit Ende Februar unter anderem Kuwait, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate an. Hier steigt Rauch nach einem iranischen Drohnenangriff im Hafengebiet von Dubai auf. © Fatima Shbair/dpa
Angriff auf den Iran – Katar
Folgen der Rache des Iran: Die USA betreiben in al-Udeid eine Militärbasis. Die liegt im Fokus des Iran – allerdings befindet sich rund 30 Kilometer entfernt die Stadt Doha; und die wird kaum durch die Luftabwehr der US-Basis abgedeckt.  © dpa
Iran-Krieg - reaktionen
US-amerikanisch-israelische Luftschläge – Schockwellen in der gesamten Welt: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hätten Demonstranten im pakistanischen Karatschi vor dem Konsulat „Tod Amerika! Tod Israel!“ skandiert; Reuters-Reporter hätten Schüsse gehört und in den umliegenden Straßen Tränengas wahrgenommen. Die Nachrichtenagentur spricht von mindestens 23 getöteten Demonstranten; davon zehn im Hafen von Karatschi, wo Sicherheitskräfte des US-Konsulats gefeuert hätten auf Demonstrierende nach deren Durchbruch durch die äußere Mauer. Elf Menschen seien demnach in der nördlichen Stadt Skardu ums Leben gekommen – die Menge soll ein UN-Büro in Brand gesetzt haben; zwei Tote verzeichnet Reuters in Pakistans Hauptstadt Islamabad. © Imago
Weitere Bilder der Straßenschlachten, die sich in Teilen Pakistans nach dem US-Angriff auf den Iran ereigneten.
Explosionen im Iran, Beben in Pakistan: „Pakistans Westgrenzen befinden sich im Kriegszustand“, sagt Muzzammil Aslam gegenüber Arab News. Der Finanzminister der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa an der Grenze zu Afghanistan fürchtet wirtschaftliche Verwerfungen, sollte der Iran seine Rachegelüste gegenüber dem Westen ausleben und damit den gesamten Nahen Osten in den Abgrund reißen. Die Wirtschaftskraft des Landes hängt an den Arbeitern in den Golfstaaten, die im Visier des Iran liegen und Anschläge auf ihre Energieindustrie befürchten müssen.  © dpa
Angriff auf den Iran - Irak
578899115.jpg © Hadi Mizban/dpa
Beirut
Der Iran-Krieg führt auch zu einer neuen Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah. Die Schiiten-Miliz feuert als Reaktion auf die Tötung von Ajatollah Ali Chamenei Raketen in Richtung Israel ab. Daraufhin greift das israelische Militär zahlreiche Ziele im Libanon an, vor allem im Süden des Landes und in den Vororten der Hauptstadt Beirut (im Bild). Diese Gebiete gehören zum Einflussgebiet der Hisbollah. © AFP
Angriff gegen den Iran - Luftverkehr
Der Iran-Krieg legt zu Beginn auch den Flugverkehr teilweise lahm. Hier prüft ein Reisender die Abflugzeiten am internationalen Flughafen Beirut Rafik Hariri, da viele Fluggesellschaften nach den Angriffen auf den Iran ihre Flüge gestrichen haben.  © Hassan Ammar/dpa
Stra0ße von Hormus
Dieses Satellitenbild, aufgenommen von 2026 Planet Labs PBC am 2. März 2026, zeigt Rauchwolken, die nach einer Explosion im Hafen von Bandar Abbas an der Straße von Hormus von einem Schiff aufsteigen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft, ist weitgehend zum Erliegen gekommen.  © 2026 Planet Labs PBC/AFP

„Der Krieg wird weitergehen, bis Israel und die USA das Regime so weit geschwächt haben, dass sie verhandeln müssen.“ Und das alte System soll nicht zu sehr destabilisiert werden, denn: „Die Amerikaner oder Israel wollen kein demokratisches System installieren. Wer das immer noch glaubt, ist wahnsinnig“, sagt Ghadban. „Die wollen bloß irgendein Regime, das US-freundlich ist und Israel nicht angreift. Und keine Atombombe baut. Das iranische Volk ist ihnen egal.“ 

USA wollen Reformflügel des Mullahregimes im Iran installieren

Ghadban sieht in den Angriffen ein Muster: „Das ist vergleichbar mit dem Vorgehen in Venezuela.“ Auch dort gab es nach der US-Entführung von Präsident Nicolás Maduro keinen grundlegenden Systemwechsel – und der war nach Expertenansicht auch gar nicht angestrebt. Ähnlich verhalte es sich mit den US-Plänen für den Iran. Dort gibt es innerhalb des Regimes neben den Hardlinern auch Reformisten, die ein Interesse daran haben, die immer mächtiger gewordenen Revolutionsgarden in ihre Schranken zu weisen: „Die USA setzen darauf, dass ein Reformflügel innerhalb des Mullahregimes übernimmt.“ Ein solches gemäßigtes Mullahregime werde die Macht der Revolutionsgarden beschränken und unter die Kontrolle der Armee stellen, glaubt der Iran-Kenner. „Das kann lange dauern. Monate.“ 

Rubriklistenbild: © Peter Sieben/Ippen.Media, Bilal Hussein/dpa (Montage)

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