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Historisches Abkommen möglich
Trump-Plan für Gaza: Netanjahu stimmt zu – das sind die Details
Trump und Netanjahu stellen im Weißen Haus einen Friedensplan vor. Er soll den Gaza-Krieg beenden. Doch die Zustimmung der Hamas ist noch offen.
Washington, D.C. – US-Präsident Donald Trump und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu haben einen umfassenden Plan zur Beendigung des Gaza-Kriegs präsentiert. Der Vorschlag soll einen sofortigen Waffenstillstand bringen und einen Ausweg aus der seit fast zwei Jahren andauernden Gewalt eröffnen. Im Zentrum steht eine Kombination aus Geiselfreilassung, Gefangenenaustausch, humanitärer Hilfe und einem langfristigen Wiederaufbau des zerstörten Gazastreifens.
US-Präsident Donald Trump (r.) und Israels Premier Benjamin Netanjahu (l.) am 29. September 2025 im Weißen Haus: Beide stellten den 20-Punkte-Plan für ein Ende des Gaza-Kriegs vor.
Trump sprach bei der Präsentation von einem „der größten Tage in der Geschichte der Zivilisation“ und betonte, Israel habe seine volle Unterstützung, sollte Hamas ablehnen. Netanjahu erklärte, der Plan erfülle die Kriegsziele Israels: Rückkehr aller Geiseln, Zerstörung der militärischen Fähigkeiten der Hamas und dauerhafte Sicherheit für Israel.
Ende des Gaza-Kriegs: Netanjahu akzeptiert Trump-Plan
Die Vereinbarung enthält klare Fristen, berichtet Reuters: Innerhalb von 72 Stunden nach Israels Zustimmung sollen 20 lebende israelische Geiseln sowie die sterblichen Überreste weiterer Opfer freikommen. Im Gegenzug will Israel rund 2000 Palästinenser entlassen werden, darunter 250 lebenslang Verurteilte und 1700 seit Oktober 2023 Inhaftierte. Gleichzeitig soll humanitäre Hilfe ungehindert in den Gazastreifen fließen.
Die israelische Armee soll sich nur schrittweise zurückziehen. Der BBC zufolge bleiben Kampfstellungen zunächst eingefroren, ehe eine internationale Stabilisierungstruppe übernimmt. Diese Truppe, unterstützt von arabischen Staaten, soll Sicherheitsaufgaben wahrnehmen, während die Entwaffnung der Hamas international überwacht wird.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Trumps Plan für Gaza: Übergangsverwaltung und „Board of Peace“
Für die Verwaltung Gazas ist ein technokratisches palästinensisches Komitee vorgesehen. Dieses soll von einem internationalen Gremium, dem „Board of Peace“, beaufsichtigt werden, das von Trump selbst geleitet wird. Der ehemalige britische Premier Tony Blair soll ebenfalls Teil dieses Organs werden, schreibt die Washington Post.
Parallel wird ein groß angelegter Wiederaufbau angekündigt. Der Gazastreifen soll gemäß Reuters zu einer Sonderwirtschaftszone entwickelt werden, finanziert durch internationale Partner. Infrastruktur wie Strom, Wasser, Krankenhäuser und Bäckereien soll rasch instand gesetzt werden, um die humanitäre Not zu lindern.
Die 20 Punkte des Trump-Plans für Gaza
Gaza wird zu einer entmilitarisierten, „terrorfreien Zone“.
Der Wiederaufbau des Gazastreifens erfolgt zum Wohle der Bevölkerung.
Mit Zustimmung beider Seiten endet der Krieg sofort.
Innerhalb von 72 Stunden nach Israels Zustimmung werden alle Geiseln – lebend und verstorben – freigelassen.
Israel entlässt im Gegenzug rund 2.000 Palästinenser, darunter 250 zu lebenslanger Haft Verurteilte sowie etwa 1700 nach dem 07.10.2023 Inhaftierte, vor allem Frauen und Kinder.
Für jede übergebene israelische Geisel werden die Überreste von 15 Palästinensern freigegeben.
Während der Übergangsphase werden alle militärischen Operationen eingefroren, die Frontlinien bleiben bestehen.
Umfassende humanitäre Hilfe gelangt sofort nach Gaza – koordiniert über UN, Roten Halbmond und andere internationale Organisationen.
Der Grenzübergang Rafah wird unter internationaler Aufsicht geöffnet.
Die Verwaltung übernimmt ein unpolitisches, technokratisches palästinensisches Komitee.
Überwacht wird dieses Gremium vom internationalen „Board of Peace“ unter Leitung von Donald Trump, in dem auch Tony Blair eine Rolle spielen soll.
Ein groß angelegtes Entwicklungs- und Investitionsprogramm („New Gaza“) startet, inklusive Sonderwirtschaftszone mit Zollvorteilen.
Niemand wird gezwungen, Gaza zu verlassen. Rückkehr für freiwillig Ausgereiste wird garantiert.
Hamas und andere bewaffnete Gruppen übernehmen keinerlei Rolle in der Verwaltung.
Sämtliche militärischen Strukturen – Tunnel, Waffenfabriken, Raketenanlagen – werden zerstört und nicht wiederaufgebaut.
Eine internationale Stabilisierungstruppe (ISF) übernimmt Sicherheitsaufgaben, bildet palästinensische Sicherheitskräfte aus und überwacht die Grenzen.
Israel zieht sich schrittweise zurück, ohne Gaza zu besetzen oder zu annektieren. Der Rückzug ist an Fortschritte bei der Entwaffnung gekoppelt.
Ein international finanziertes Abrüstungs-, Rückkauf- und Reintegrationsprogramm soll die Waffen dauerhaft unbrauchbar machen.
Die Palästinensische Autonomiebehörde muss Reformen umsetzen, um Gaza langfristig wieder übernehmen zu können.
Bei Fortschritten im Wiederaufbau und nach den PA-Reformen kann ein „glaubwürdiger Weg“ zur palästinensischen Selbstbestimmung und Staatlichkeit eröffnet werden.
(Quellen: BBC, Reuters, Times of Israel, CNN, ZDF, Politico, Spiegel)
Keine Gefahr mehr für Israel: Hamas soll entmachtet werden
Nach den Plänen soll die Hamas keinerlei Rolle in der Verwaltung übernehmen – weder direkt noch indirekt. Mitglieder, die ihre Waffen abgeben und sich zur friedlichen Koexistenz verpflichten, könnten Amnestie erhalten. Andere sollen die Möglichkeit bekommen, in Drittstaaten ins Exil zu gehen.
Die Zerstörung der militärischen Infrastruktur – darunter Tunnelsysteme und Waffenfabriken – ist ein zentrales Element. Unabhängige Beobachter sollen die Abrüstung kontrollieren, begleitet von einem international finanzierten Rückkauf- und Wiedereingliederungsprogramm für ehemalige Kämpfer.
Netanjahu sichert Änderungen und Spielraum
Kurz vor der Veröffentlichung setzte Netanjahu wichtige Änderungen durch. Laut der Times of Israel konnte Israel erreichen, dass IDF-Truppen (Israelische Verteidigungsstreitkräfte) in großen Teilen Gazas verbleiben, bis die internationale Stabilisierungstruppe einsatzbereit ist. Rückzüge sollen an Fortschritte bei der Entwaffnung gekoppelt werden.
Auch die Formulierungen zur Demilitarisierung wurden präzisiert. Waffen sollen nicht nur abgegeben, sondern dauerhaft unbrauchbar gemacht werden, unter internationaler Kontrolle. Damit stärkt Netanjahu seine Position in der innenpolitischen Auseinandersetzung mit rechten Koalitionspartnern, die einen vollständigen Rückzug strikt ablehnen, konstatiert die Washington Post.
Trumps Deals für Israel und Palästinenser: Internationale Reaktionen zwischen Zustimmung und Skepsis
Acht muslimische Staaten, darunter Saudi-Arabien, Ägypten, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate, begrüßten den Plan in einer gemeinsamen Erklärung. Auch Indonesien und Pakistan signalisierten Bereitschaft, sich an einer Stabilisierung zu beteiligen, heißt es gemäß der Le Monde. Die EU zeigte sich ebenfalls positiv: Ratspräsident António Costa sprach von einer „echten Chance auf Frieden“, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sicherte Unterstützung zu.
Die Palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah lobte die US-Bemühungen laut BBC und bot Zusammenarbeit an. Gleichwohl herrscht Skepsis: Fachleute verweisen auf vage Formulierungen, fehlende Details und unklare Zeitpläne. Zudem könnten beide Seiten die Unschärfen nutzen, um das Abkommen später zu torpedieren.
Hamas bleibt Schlüsselakteur
Ob der Plan Realität wird, hängt entscheidend von der Haltung der Hamas ab. Ein Sprecher erklärte, man werde den Vorschlag prüfen, er müsse aber die Interessen der Palästinenser wahren und einen vollständigen israelischen Rückzug garantieren. Zugleich gilt die Entwaffnung innerhalb der Hamas als „rote Linie“, solange Israel im Gazastreifen präsent ist.
Hinzu kommt die innere Zerrissenheit: Während die politische Führung im Exil zu Gesprächen bereit ist, warnen militärische Hamas-Kommandeure, schreibt die BBC, im Gazastreifen vor einem „endgültigen Schlag“ und bereiten sich laut Berichten auf eine „entscheidende Schlacht“ vor. Diese Differenzen könnten die Zustimmung weiter verzögern oder ganz verhindern.
Bringt Trumps Plan Frieden zwischen Hamas und Israel? Hoffnung und Furcht zugleich
Für die Bevölkerung im Gazastreifen wäre die Umsetzung ein überlebenswichtiger Schritt. Eine sofortige Waffenruhe und der ungehinderte Zugang zu Hilfsgütern könnten Leid und Hungersnot lindern. Nach fast zwei Jahren Krieg sehnen sich viele nach einem Ende der Zerstörung.
Doch die Gefahr eines Rückfalls bleibt bestehen. Trump und Netanjahu haben angekündigt, dass Israel mit US-Rückendeckung die Offensive fortsetzen wird, sollte Hamas ablehnen, ergänzt die New York Times. Damit schwankt die Region zwischen Hoffnung auf Frieden und der Angst vor einer neuen Eskalation – eine Entscheidung, die in den nächsten Tagen fallen dürfte. (Quellen: New York Times, BBC, Reuters, Washington Post, Le Monde, Times of Israel) (chnnn)