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Radikale Ambitionen

Bundestagswahl im Blick: Weidel sieht „unglaublich beliebten“ Höcke als kommenden Minister

Alice Weidel sieht in Björn Höcke einen zukünftigen Minister. Dies verdeutlicht die radikalen Absichten der AfD vor der Wahl 2025.

Berlin – Im Schatten der bevorstehenden Bundestagswahl am 23. Februar 2025 wird die politische Landschaft Deutschlands zunehmend von der Alternative für Deutschland (AfD) geprägt, die mit ambitionierten Zielen aufwartet. AfD-Chefin Alice Weidel hat sich nun in einem Interview deutlich zu einem möglichen Ministeramt für Björn Höcke geäußert, dem umstrittenen Chef der AfD in Thüringen.

Vor Bundestagswahl: Weidel sieht Höcke als künftigen Minister

Weidel beschreibt Höcke, der selbst auf eine AfD-Kanzlerkandidatur verzichtet hatte, im Gespräch mit der Bild als in seiner Heimat beliebt und hebt dessen Qualitäten als bodenständiger Mensch hervor. In dem Interview geht Weidel auch auf ihre frühere Position, Höcke aus der AfD ausschließen zu wollen, ein, und gesteht, dass dies „völlig überzogen“ gewesen sei: „Fehler kann jeder machen.“

Weiterhin stellt Weidel die aus ihrer Sicht vorhandenen Vorzüge Höckes in den Fokus. „Ich habe ihn kennengelernt und der Mann ist bodenständig. Er ist ein ehemaliger Lehrer, extrem breit gebildet. Das gefällt mir an Leuten, das ist sehr selten geworden bei den Politikern, dass sie auch breitengebildet sind oder überhaupt eine Ausbildung haben. Und dementsprechend schätze ich ihn“, so Weidel, die 2017 noch für den Ausschluss Höckes aus der AfD plädiert hatte, seit wenigen Jahren aber keine öffentlichen Fehden mehr mit dem 52-Jährigen mehr austrägt. Auch schwärmt sie in der Bild: „Er ist in Thüringen unglaublich beliebt, weil er eben so ist. Er ist eigentlich ein sehr freiheitsdenkender Mensch.“

Alice Weidel lobt Björn Höcke, hier zu sehen bei einer AfD-Demo in Erfurt im vergangenen Jahr, als „unglaublich beliebt“ und bekräftigt seine Eignung für ein Ministeramt im Rahmen einer möglichen AfD-Regierung.

Höcke sorgt mit provokanten Äußerungen für Kontroversen

Höcke steht derweil für viele Beobachter in der deutschen Politik für eine radikale und provokante Rhetorik. Er ist bekannt für seine umstrittenen Äußerungen, wie etwa die Forderung bei einer Rede nach einer erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad, bei der er eine Neubewertung der Geschichte des Nationalsozialismus anstrebt. Er sagte dabei unter anderem laut verschiedener Medienberichte und mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin: „Wir Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

Diese und weitere Äußerungen haben viel Empörung in der Öffentlichkeit ausgelöst. Dennoch: Trotz oder vielleicht sogar gerade dieser Kontroversen könnte Höckes in Teilen der Wählerschaft vorherrschende Popularität Weidel bei der kommenden Wahl von großen Nutzen sein.

Weidel hält Koalition von Union und AfD für Wählerwillen

Die politischen Ambitionen von Alice Weidel und ihrer Parteiführung sind jedenfalls unmissverständlich. Ihre Partei hat in den Umfragen einen Anstieg der Unterstützung auf etwa 20 oder gar 21 Prozent erzielt, was Schwärmereien hinsichtlich einer Regierungsbeteiligung nährt. Weidel betont gegenüber der Bild, dass „Blau-Schwarz“ – eine mögliche Koalition zwischen der AfD und der CDU – dem Wählerwillen entspricht und stabilere Mehrheiten sowie eine zukunftsorientierte Politik ermöglichen könnte.

Besonders ins Auge fällt indes die Tatsache, dass Weidel und Höcke, trotz ihrer unterschiedlichen Positionen in der Vergangenheit, nun den Schulterschluss suchen. In Thüringen haben sie sich gemeinsam im Wahlkampf engagiert und bei Auftritten ihre Verbundenheit zur Schau gestellt. Weidel beschrieb Höcke jüngst gemäß dem Spiegel als jemanden, der der AfD „noch andere Zielgruppen bringt“, und erkennt in ihm einen wertvollen Verbündeten, um die Reichweite ihrer politischen Message zu erweitern.

Interessant ist freilich Weidels mittlerweile klare Zustimmung zu Höckes Eignung für ein Ministeramt auf Bundesebene. Auf die Frage der Bild, ob sie ihn für geeignet halte, antwortete Weidel knapp, jedoch unmissverständlich: „Ja.“ Relativierend betrachtet die dabei den Umstand, dass man Björn Höcke laut richterlichen Urteil als Faschisten bezeichnen darf: „Wir haben auch keine unabhängigen Staatsanwaltschaften. Das sehen wir, wenn wir dann den Habeck als Schwachkopf bezeichnen, dass dann gleich die Staatsanwaltschaft einen Rentner mit einer behinderten Tochter durchsucht. Also was hier in diesem Land vor sich geht, das haut dem Fass den Boden aus.“

Schulterschluss mit Höcke soll verschiedene Wählerspektren der AfD bedienen

Der Schulterschluss von Weidel mit Höcke zeigt die strategische Ausrichtung der AfD, sich sowohl im konservativen als auch im radikalen Spektrum zu positionieren. Weidel, die sich selbst als bürgerliches Gesicht der Partei inszeniert, hat in der Vergangenheit immer wieder versucht, sich von extremistischen Auslegungen innerhalb der AfD abzusetzen. Doch ihr jüngstes Vorgehen deutet stark darauf hin, dass sie bereit ist, die radikaleren Stimmen in ihrer Partei zu integrieren, um die politische Macht zu sichern.

Die Strategie der AfD, unter Weidels Führung, scheint auf eine bewusste Zuspitzung ihrer politischen Positionen hinauszulaufen, um die Wählergruppe in einem sich verändernden politischen Klima zu mobilisieren. „Wir müssen Politik machen, die unser Land voranbringt, nicht gegen es“, erklärt Weidel im Bild-Interview.

Weidels Kurs birgt auch Risiken

Klar ist: Die Kooperation mit Björn Höcke könnte Weidel helfen, die wachsende Unterstützung der AfD zu mobilisieren und energische politische Veränderungen voranzutreiben. Dennoch birgt dieser Kurs auch Risiken: Die Verknüpfung mit Höckes extremistischen Ansichten könnte eine breitere Wählerbasis einschüchtern und die Glaubwürdigkeit der AfD unter Bürgerlichen gefährden.

In einem politischen Klima, das von einer intensiven Auseinandersetzung über Werte und Identität geprägt ist – nicht erst seit dem Abstimmungseklat zur Migrationspolitik – steht die AfD letztlich vor der Herausforderung, eine Balance zwischen ihrer radikalen Basis und der Notwendigkeit, sich als ernstzunehmender Partner in der politischen Landschaft darzustellen, zu finden.

Auffällig ist dabei allerdings auch im aktuellen Bild-Interview, dass Weidel immer wieder Leerstellen in ihren Ausführungen, trotz wiederholtem Nachfragen von Journalisten oder Gesprächspartnern, hinterlässt. In dem besagten Gespräch vermied die AfD-Politikerin beispielsweise klare Aussagen zu russischen Kriegsdrohungen in Richtung Europa oder handfeste Erklärungen zu ihrem Verhältnis zu Donald Trump, Putin sowie Chinas Machthaber Xi.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Karina Hessland

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