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Neue Berechnung zur Wohnraumkrise

Bau-Turbo der Merz-Regierung soll Wohnungsmangel bekämpfen: Linke warnt vor höheren Mieten

Die SPD sieht im Bau-Turbo den „Paradigmenwechsel“, die Union den Befreiungsschlag für Kommunen. Kritik kommt von den Linken: Die Regierung sei auf dem „falschen Weg“.

Berlin – In Deutschland fehlen Wohnungen: ein längst bekanntes Problem. Dass der Mangel allerdings noch größer ist, als bislang angenommen, zeigen aktuelle Berechnungen des Pestel-Instituts. 1,2 Millionen Wohnungen fehlen allein in Westdeutschland, so die Schätzung des Forschungs- und Beratungsinstituts. Unter dem Wohnungsmangel leiden nicht nur wohnungssuchende Menschen in Deutschland – laut der Studie wird auch die gesamte wirtschaftliche Entwicklung durch eine Verschärfung des Arbeitskräftemangels in Mitleidenschaft gezogen.

Der Bau-Turbo von Ministerin Verena Hubertz (SPD) soll den Wohnungsmangel in Deutschland bekämpfen. (Symbolbild)

Als ersten Schritt will die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz dem sich zuspitzenden Wohnungsmangel mit dem sogenannten Bau-Turbo begegnen: Dieser steht am Donnerstag (9. Oktober) auf der Tagesordnung im Bundestag. In der kommenden Woche soll der Bau-Turbo dann mit dem Beschluss im Bundesrat seinen Abschluss finden, stellt das Bauministerium unter Ministerin Verena Hubertz (SPD) in Aussicht.

Wie die Merz-Regierung Wohnungsmangel bekämpfen will: Ministerium setzt auf weniger Bürokratie

„Er ist ein erster und wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, erklärt eine Mitarbeiterin des Ministeriums gegenüber fr.de von Ippen.Media. Das Gesetz solle jedoch nur der Auftakt sein: „Es braucht einen guten Mix aus passenden Rahmenbedingungen, einer verlässlichen Förderlandschaft und weniger Bürokratie, damit mehr Tempo beim Wohnungsbau entstehen kann.“

Daher will die Bundesregierung mit einer zweiten Novelle des Baugesetzbuches nachlegen: Geplant seien gestraffte und vollständig digitalisierte Bauleitplanverfahren. Auch den Kommunen solle mehr Flexibilität gegeben werden, um auf den Klimawandel zu reagieren. Neben Anpassungen bei bestehenden Förderprogrammen arbeite das Ministerium derzeit zudem daran, „den immensen Bauüberhang von über 750.000 genehmigten, aber noch nicht gebauten Wohnungen zu aktivieren“ – eine entsprechende Förderung solle zeitnah auf den Weg gebracht werden.

Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die komplette Liste in Bildern

Friedrich Merz
Das Kabinett Merz ist die seit dem 6. Mai 2025 amtierende Bundesregierung unter der Führung von Kanzler Friedrich Merz. Es handelt sich um die fünfte schwarz-rote Koalitionsregierung und die 17. Regierung unter Führung der Unionsparteien auf Bundesebene. © Michael Kappeler/dpa
Nina Warken
Nina Warken hat bereits Geschichte geschrieben: Als erste Frau wurde sie im Juli 2026 Chefin des Bundeskanzleramtes. Die bisherige Bundesgesundheitsministerin übernahm das Amt von Thorsten Frei – und damit die zentrale Koordinationsstelle der Regierungsarbeit.  © Christoph Soeder/dpa
Linnemann
Im Zuge des Personalumbaus hat der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Juli 2026 das Gesundheitsressort übernommen. Allerdings hat er vorab selbst Zweifel gesät, dass er wirklich der richtige Mann für den Job ist. Er wäre nach der Regierungsübernahme durch Merz gerne Arbeitsminister geworden, musste das Ressort aber der SPD überlassen. Dem Sender Phoenix hatte er im Mai 2025 zum Interesse an anderen Kabinettsposten gesagt, es sei nicht „sein Ding“, nur Minister zu sein, damit das irgendwo in Wikipedia stehe. „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen.“  © Christoph Soeder/dpa
Steffen Bilger
Ebenfalls neu im Kabinett ist der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Er gilt als fachlich geeignet, ist sehr gut vernetzt, arbeitete in der schwarz-roten Koalition bislang aber vor allem im Hintergrund. Der gelernte Rechtsanwalt stammt aus Baden-Württemberg und ist ausgewiesener Verkehrsexperte: Er saß schon als frisch gebackener Bundestagsabgeordneter von 2009 bis 2013 im Verkehrsausschuss. Bei den Koalitionsverhandlungen nach der Wiederwahl von Angela Merkel (CDU) 2017 war er als Vertreter der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur beteiligt. 2018 wurde er dann Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. © Marijan Murat/dpa
Sommerfest der SPD im Landkreis Verden
Und sonst? Lars Klingbeil ist als Vizekanzler weiter der zweite starke Mann in der Regierung Merz. Eigentlich brennt er für die Außenpolitik und geprägt durch den familiären Hintergrund als Soldatensohn am Heeresstandort Munster für Verteidigung. Jetzt steht er dem Finanzressort vor. Für Klingbeil, der im konservativen SPD-Flügel zuhause ist, könnte es das Sprungbrett für eine Kanzlerkandidatur 2029 sein - auch wenn manchen in der Partei aufstößt, mit welcher Skrupellosigkeit er sich zuletzt seine Macht sicherte. © Focke Strangmann/dpa
Alexander Dobrindt
Innenminister ist Alexander Dobrindt. Der bisherige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag galt schon seit Wochen als gesetzt für den Posten, auf dem er die von der Union verlangte „Migrationswende“ umsetzen soll. Dobrindt war von 2009 bis 2013 CSU-Generalsekretär, danach vier Jahre Bundesverkehrsminister. Als CSU-Landesgruppenchef galt er als wesentlicher Faktor für die relativ geräuschlose Zusammenarbeit von CSU-Chef Markus Söder und Merz. © Sebastian Gollnow/dpa
Außenminister Wadephul bei der UN
Auswärtiges Amt: Johann Wadephul. Erstmals seit fast 60 Jahren führt die CDU wieder das Außenamt. Den Posten hat Merz, der im Kanzleramt maßgeblich auch die Außenpolitik mitgestalten will, nun an einen Fachpolitiker aus dem Bundestag vergeben. Wadephul kommt aus Schleswig-Holstein und ist bisher als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. Er gilt als international gut vernetzt und war in den vergangenen Wochen bereits in Paris, London und Warschau, um sich mit den dortigen Außenministern zu treffen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsminister Pistorius besucht Objektschutzregiment
Verteidigungsminister Boris Pistorius war für die SPD gesetzt – schließlich ist er Deutschlands beliebtester Politiker. Als er im November 2023 „Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime“ für die Bundeswehr ausrief, legte der Niedersachse die Latte hoch. Seit der Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse kann er sich über mangelnde Finanzierung nicht mehr beschweren. Der Jurist wurde in Osnabrück geboren, er arbeitete in mehreren niedersächsischen Regierungsstellen und war von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt („das schönste Amt der Welt“). In den zehn folgenden Jahren war er Innenminister von Niedersachsen. 2023 übernahm er das Verteidigungsministerium von Christine Lambrecht und gewann in kurzer Zeit die Anerkennung der Truppe und der Verbündeten. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Bundeswirtschaftsministerin Reiche zu Energiekosten
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie ist Katherina Reiche. Lange galt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann als wahrscheinlicher Minister – doch der sagte ab und blieb auf seinem Posten an der Spitze der Parteizentrale. Merz entschied sich dann für die frühere Umwelt- und Verkehrsstaatssekretärin Reiche aus Brandenburg. Sie ist seit vielen Jahren in der Wirtschaft und war von 2015 bis 2019 zunächst Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär. Die stellvertretende CSU-Vorsitzende war schon von 2018 bis 2021 als Staatsministerin für Digitales im Kabinett von CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Bär kam 2002 zusammen mit vielen anderen jungen Christsozialen während der Kanzlerkandidatur von Edmund Stoiber erstmals in den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte sie in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen das deutschlandweit höchste Ergebnis. © Heiko Becker/Imago
Aktionsplan Steuer- und Finanzkriminalität
Justiz: Stefanie Hubig. Die SPD-Politikerin begann 2000 im Bundesjustizministerium und stieg zur Referatsleiterin auf. 2008 ging sie nach Mainz: Erst in die Staatskanzlei, 2009 übernahm sie die Leitung der Abteilung Strafrecht im Justizministerium. Hubig wurde 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Justizminister war damals ihr Parteikollege Heiko Maas. Beide gerieten mit dem damaligen Generalbundesanwalt Harald Range aneinander: Dabei ging es um später eingestellte Ermittlungen gegen zwei Blogger von Netzpolitik.org wegen Landesverrats. © Michael Kappeler/dpa
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Karin Prien – Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die in Amsterdam geborene Prien arbeitete zu Beginn ihrer Karriere als Rechtsanwältin im Bereich Wirtschafts- und Insolvenzrecht, engagierte sich aber auch früh in der Hamburger Lokalpolitik. 2011 wurde sie in die Bürgerschaft gewählt, bevor sie nach Schleswig-Holstein wechselte. Im „Zukunftsteam“ des gescheiterten Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet war sie 2021 gleichfalls für den Bereich Bildung zuständig. © Jens Schicke/Imago
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bodenständig, geradlinig, klar: Als Bundestagspräsidentin hat sich Bärbel Bas einen guten Ruf erworben. Zuvor war die Duisburgerin einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie sitzt seit 2009 im Bundestag und kümmerte sich unter anderem um Gesundheitspolitik. Ihre unkomplizierte Art mag mit der Herkunft zu tun haben: Die neue Bundesministerin für Arbeit und Soziales wuchs als zweitälteste von sechs Geschwistern in materiell einfachen Verhältnissen auf. Spielen, so erzählte Bas später, musste sie als Kind draußen, weil im Kinderzimmer zu wenig Platz war. © Imago
Pressekonferenz Wildberger und Warken
Digitalisierung und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger. Merz hat ganz früh angekündigt, dass er einen Experten aus der Wirtschaft mit dem neu geschaffenen Ressort betrauen will. Nun soll der Chef der Holding der Elektronikmärkte MediaMarkt und Saturn den Posten übernehmen. Der promovierte Physiker Wildberger war von 2016 bis 2021 Vorstand der Holding des Energiekonzerns Eon und davor unter anderem in Managementpositionen bei den Telekom-Konzernen Vodafone und Deutsche Telekom. © Soeren Stache/dpa
Fortsetzung der Sommerreise von Bundesumweltminister
Umwelt und Klimaschutz: Carsten Schneider war in der Ampel-Regierung von Olaf Scholz Staatsminister und Beauftragter für Ostdeutschland. Damit war er eine der profiliertesten Stimmen dieser Region und sollte vor allem für gleichwertige Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern sorgen. Schneider stammt aus Erfurt und sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Dort war er unter anderem Haushaltspolitiker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Der 49 Jahre alte Bankkaufmann gilt als pragmatisch, erfahren und vielseitig einsetzbar.  © Stefan Sauer/dpa
90. Grüne Woche Berlin - Eröffnungstag
Ernährung, Landwirtschaft und Heimat: Alois Rainer. Nach dem Rückzug des zunächst vorgesehenen bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner ist der Niederbayer zum Zug kommen. Der 60 Jahre alte Metzgermeister sitzt seit 2013 im Bundestag. Schon sein gleichnamiger Vater saß 18 Jahre im Bundestag, seine Schwester ist die ehemalige Bundesbau- und Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt. © Sebastian Gollnow/dpa
Reem Alabali-Radovan
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Reem Alabali-Radovan hat eine steile politische Laufbahn hingelegt. Zuletzt war sie Integrationsbeauftragte der Ampel-Regierung. Nun folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter der Schwerinerin. Geboren wurde Alabali-Radovan 1990 in Moskau. Im Alter von sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie, die vor den politischen Verhältnissen im Irak floh, nach Mecklenburg-Vorpommern. Als Integrationsbeauftragte setzte sie sich unter anderem gegen Racial Profiling ein, also die verdachtsunabhängige polizeiliche Kontrolle von Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe und anderen ethnischen oder religiösen Merkmalen. Alabali-Radovan ist verheiratet mit dem Profiboxer Denis Radovan und bekam 2023 eine Tochter.  © Katharina Kausche/dpa
Verena Hubertz
Die neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist eine politische Senkrechtstarterin: Verena Hubertz ist seit 2021 Bundestagsabgeordnete und wurde direkt stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, zuständig unter anderem für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie, Bauen und Wohnen. Oft führte sie in der Ampel-Koalition Verhandlungen mit Politikern von Grünen und FDP, wenn es um strittige Fragen ging. Laute Töne sind nicht ihr Fall. Die Triererin und Betriebswirtin hat eine für Politiker eher ungewöhnliche Biografie. 2013 gründete sie mit einer Studienkollegin das Küchen-Start-up Kitchen Stories. Die Idee: in Videos und Schritt für Schritt zu zeigen, wie einfach Kochen sein kann.  © Kay Nietfeld/dpa
Patrick Schnieder
Bis Juli 2026 war Patrick Schnieder Bundesminister für Verkehr. Verkehr. Merz hat ihn entlassen, weil er mit seiner Amtsführung unzufrieden war – besonders bei den Dauerkrisenherden Schienennetz und Infrastruktur. Die Entlassung Schnieders nach nur gut einem Jahr im Amt stieß in der CDU teilweise auf heftige Kritik. © Sven Kaeuler/dpa
Jens Spahn
Auslöser für den Kabinettsumbau im Juli 2026 war der Rücktritt von Jens Spahn als Unions-Fraktionschef. Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz nahm den Wechsel an der Fraktionsspitze zum Anlass, die CDU in Regierung und Partei neu aufzustellen. © Michael Kappeler/dpa
Thorsten Frei
Umbau auch in der Union: Thorsten Frei übernahm den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag. Er war bisher Kanzleramtsminister. Frei steht für eine unverwüstlich wirkende Freundlichkeit, gepaart mit geduldiger Erklärlust. Trotz seiner nach außen getragenen Sanftmütigkeit steht wr inhaltlich für Härte. Die innere Sicherheit und die Begrenzung der Migration zählen zu den Kernthemen des Innenexperten, der als Sohn eines Polizisten in Südbaden aufgewachsen ist. © Michael Kappeler/dpa
Franziska Hoppermann
Für Linnemann wurde Franziska Hoppermann als CDU-Generalsekretärin ins Amt gewählt. Die bisherige Bundesschatzmeisterin gilt als arbeitnehmernah und hat ein starkes Profil in der Frauen Union.  © Christoph Soeder/dpa
Philipp Amthor
Philipp Amthor bekam eine Schlüsselrolle bei der föderalen Zusammenarbeit. Er wurde von Merz zum neuen Staatsminister im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen ernannt, der bisherige Amtsinhaber Michael Meister musste gehen. Amthor war bisher parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium. © Christoph Soeder/dpa
Christiane Schenderlein
Christiane Schenderlein wird Nachfolgerin von Tino Sorge als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Sie war bisher Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt.  © Kay Nietfeld/dpa
Wolfram Weimer
Er bleibt Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer. Er will aber nur für eine Legislaturperiode im Amt bleiben. 2003 war er Gründer des Berliner Magazins „Cicero“, das er bis 2010 leitete. Zuvor arbeitete er als Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Nach „Cicero“ war er bis 2012 Chefredakteur des Magazins „Focus“. Anschließend gründete Weimer gemeinsam mit seiner Frau, der früheren „FAZ“-Journalistin Christiane Götz-Weimer, die Weimer Media Group. © Georg Wendt/dpa

Bau-Turbo der Regierung Merz: Linke warnen – „völlig falscher Weg“

Dass der Bau-Turbo in Sachen Wohnungsmangel zündet, glaubt die Linkspartei hingegen nicht: „Der sogenannte Bau-Turbo wird keinen Beitrag zur Lösung der Wohnraumkrise leisten“, erklärt Katalin Gennburg, baupolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, gegenüber unserer Redaktion. Das Gesetzespaket werde „stattdessen zu einer stärkeren Inwertsetzung des Bodens führen und damit vor allem profitorientierte Investoren und teure Neubauten befördern; das ist aber der völlig falsche Weg.“ Angesichts steigender Bodenpreise in Ballungsräumen fordert die Linken-Abgeordnete stattdessen mehr Regulierung.

Zudem befürchtet sie mit Blick auf das Vorhaben der Bundesregierung drohende demokratische Defizite: „Durch die möglichen Abweichungen von Bebauungsplänen bzw. vom Gebot der Einfügung in die Umgebung wird die demokratische Mitsprache der Bürger:innen bei Planungsvorhaben massiv beschnitten.“ Die erleichterten Umbauten und Nachverdichtungen könnten letztlich zu Mietensteigerungen auch für Bestandsmieter führen, warnt Gennburg.

Wohnungsmangel: Linke fordern Ausbau kommunaler Bauprogramme – und Fokus auf Leerstand

Als Alternative fordert Die Linke etwa den „massiven Ausbau kommunaler Bauprogramme und die Investition in gemeinwohlorientierte Bauträger, denn nur so kann günstiger und dauerhaft gebundener Sozialwohnungsbau auch qualitativ hochwertig gelingen“. Der Fokus müsse aber neben dem Neubau vor allem auf den „massenhaften Leerstand und die hunderttausenden genehmigten, aber nicht gebauten Wohnungen“ gerichtet werden.

Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung: Der sogenannte Bau-Turbo

Der Bau-Turbo ist ein Gesetzespaket, das Genehmigungsverfahren für Wohnungsbauprojekte verkürzen soll: Ziel ist es, dass schneller gebaut, nachverdichtet oder aufgestockt werden kann. Kommunen sollen mit dem Paket etwa die Möglichkeit haben, Genehmigungsverfahren zu straffen, indem sie von Bebauungsplänen abweichen. Das Bundeskabinett beschloss den Entwurf im Juni, der Bundestag behandelt ihn am 9. Oktober. Die Sonderregelung ist bis 31. Dezember 2030 befristet und erfordert die Zustimmung der jeweiligen Gemeinde.

In den Berechnungen des Pestel-Instituts fließt der von der Linken-Politikerin angesprochene Leerstand nicht ein: Wohnungen, die länger als ein Jahr leer stehen, rechnete das Institut heraus. „Was zwölf Monate und länger leer steht, wird offensichtlich dem Markt gar nicht mehr angeboten“, erläuterte Pestel-Chefökonom Günther laut Bericht der Deutschen Presse-Agentur. „Diesen leerstehenden Wohnraum gilt es zu aktivieren“, fordert Gennburg.

Der Bau-Turbo der Regierung Merz: SPD verspricht „Paradigmenwechsel“

Neben den Linken äußern auch Fachleute aus der Baubranche und Mieterverbände üben harte Kritik an den von Union und SPD geplanten Maßnahmen und zweifeln daran, dass der Bau-Turbo tatsächlich die versprochene Beschleunigung beim Wohnungsbau bringt. Union und SPD verteidigen ihr Vorhaben hingegen entschieden: „Der Bau-Turbo ist ein echter Paradigmenwechsel: Wir schaffen schnellere Verfahren und reduzieren die Bürokratie beim Planen und Bauen“, erklärt Philipp Rottwilm stellvertretender baupolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Deutschland müsse „wieder mehr Möglichmacher als Projektverhinderer werden“.

Der Sozialdemokrat verweist dabei auf die Verkürzung der Verfahren: „Der Bau-Turbo ermöglicht die Ausweisung von Bauland innerhalb von drei Monaten. Bisher dauert das viele Jahre. Das ist ein gewaltiger Unterschied.“ Dies helfe den Kommunen, den Bauherren, aber vor allem den Menschen, die nach einer neuen Wohnung suchten.

Rottwilm stellt jedoch klar: „Der Bauturbo ist erst der Anfang.“ Die Regierung aus Union und SPD arbeite an einem umfassenden Maßnahmenpaket: Ziel seien dabei die „drei Bs: Beschleunigung, bezahlbarer Wohnraum und die Begrenzung von Vorschriften“, erklärt der SPD-Abgeordnete. Es brauche weniger gesetzliche Anforderungen, niedrigere Grundstückspreise, geringere Finanzierungskosten, mehr Fachkräfte und Planungssicherheit: „Nur ein Gesamtpaket aus diesen Punkten kann die Situation am Wohnungsmarkt ändern.“

Um den Bau-Turbo zu „zünden“: Union setzt auf „starke Bürgermeister“

Auch der baupolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Jan-Marco Luczak, sieht die Regierung mit dem Vorhaben auf dem richtigen Weg: „Mit dem Bau-Turbo befreien wir die Kommunen aus dem engen, zeitaufwändigen und kostentreibenden Korsett des Baugesetzbuchs.“ Ausreden gebe es jetzt keine mehr – die Kommunen erhielten alle Mittel, um den Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu beheben, erklärt der CDU-Politiker: „Wir setzen auf starke Bürgermeister vor Ort, die mitziehen und den Bau-Turbo zünden.“

Als „Quantensprung“ bezeichnet Luczak zudem die flexiblere Handhabung von Lärmschutzregeln. Nutzungskonflikte zwischen Wohnen und Gewerbe könnten so besser aufgelöst werden: „Die Stadt der kurzen Wege kann so Realität werden.“ Mit Blick auf die geplante Baugesetzbuch-Novelle erklärt der baupolitische Sprecher: „Eine befristete Ausnahmeregel wie der Bau-Turbo kann nur eine Zwischenlösung sein.“ (eigene Recherche, dpa) (pav)

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