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Europa besonders gefährdet
„Größte Bedrohung seit Kaltem Krieg“: Welche Gefahr von Putins Armee im hohen Norden ausgeht
Die europäische Arktis mit Dänemark, Island und Norwegen ist besonders gefährdet. Hybride Angriffe nehmen zu. Moskau stellt Sabotage als Unfälle dar.
In der Arktis spitzt sich ein Konflikt zu, der weitgehend im Verborgenen stattfindet. Experten warnen, dass Moskaus Fähigkeit zur Sabotage in der Region zunimmt und die Stabilität in ganz Europa bedroht. Während die NATO-Verbündeten aufrüsten, nutzt Russland den hohen Norden auch, um seine Wirtschaft im Ukraine-Krieg am Laufen zu halten.
Russlands Präsident Wladimir Putin steht hinter einem zunehmenden Schattenkrieg in der Arktis, wo der FSB und das russische Verteidigungsministerium Unterwassersabotage und elektronische Kriegsführung vorantreiben.
Zwischen Ende 2024 und Anfang 2026 wurden mehr als 20 Unterseekabel in der Ostsee und der Arktis beschädigt, ein starker Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Der jüngste Vorfall ereignete sich an Silvester, als die finnische Polizei ein aus Russland kommendes Schiff festnahm, das im Verdacht stand, ein Telekommunikationskabel zwischen Helsinki und Estland beschädigt zu haben. Finnland ließ das Schiff später frei und bezeichnete den Vorfall nicht als russische Sabotage. Die Frage nach der Verantwortung blieb trotz deutlicher Warnsignale offen.
Konflikt spitzt sich im Verborgenen zu: Moskaus Sabotage-Fähigkeit bedroht Europas Stabilität
„Moskau hat diese Vorfälle so dargestellt, dass es versucht sicherzustellen, dass es sich nur um einen Unfall handelte“, erklärte Benjamin L. Schmitt, Senior Fellow an der University of Pennsylvania, gegenüber dem Kyiv Independent. Russland verbinde Sabotageakte häufig mit Desinformationskampagnen, um die Schuld in verschiedene Richtungen abzulenken. In der öffentlichen Debatte würden die Vorfälle daher weiterhin als Werk unachtsamer Besatzungen behandelt, obwohl das Muster auf etwas anderes hindeute.
Anders als in der Ukraine oder Syrien setze Russland bei solchen Operationen nicht auf Söldner, so Sergey Sukhankin von der Jamestown Foundation gegenüber der ukrainischen Zeitung. „Es ist Russlands regulärer Sicherheitsapparat, das Verteidigungsministerium und der FSB, der die Unterwassersabotage und elektronische Kriegsführung in der Arktis vorantreibt.“ Moskau könnte Verteidigungs- oder Geheimdienstpersonal als Wissenschaftler tarnen, warnt Sukhankin. Europäische Regierungen hätten oft Schwierigkeiten, rechtliche oder politische Gründe für entschlossenes Handeln zu finden.
Trump greift nach Grönland: Der Streit um die Arktisinsel in Bildern
USA und Kanada modernisieren Verteidigung: Europäische Arktis durch Putin besonders gefährdet
Die nordamerikanische Arktis sei zwar eine verwundbare Flanke, die USA und Kanada modernisierten jedoch ihre Verteidigung, um mit russischen und chinesischen Investitionen Schritt zu halten. In Nordamerika sei man sich „der Schwere der Bedrohungen sehr wohl bewusst“, so Sukhankin gegenüber dem Blatt.
Besonders gefährdet sei hingegen die europäische Arktis mit den nördlichen Gebieten Dänemarks, Islands und Norwegens. „Wenn es zu einer Eskalation kommt, wird diese in der europäischen Arktis stattfinden“, sei Gabriella Gricius vom North American and Arctic Defense and Security Network überzeugt. Man beobachte eine Zunahme hybrider Angriffe: Sabotage kritischer Infrastrukturen, Desinformation, Operationen der Schattenflotte, Spionageversuche, Cyberangriffe. Eine militärische Eskalation liege jedoch nicht im Interesse Russlands.
Russland nutzt Nordostpassage für Kriegswirtschaft: China ist einziger BRICS-Partner mit Kapital
Um die kritische Front zu verstehen, könne man sich die Arktis als überschneidenden geopolitischen Schauplatz vorstellen, so der Bericht. Die russische Arktis ist eine ressourcenreiche Region, in der Moskau arktisches Öl, Gas und die Nordostpassage nutzt, um seine Kriegswirtschaft aufrechtzuerhalten. Für Kapital und Technologie wendet sich der Kreml an China und die BRICS-Partner und rekrutiert aktiv nicht-westliche Partner, um den Arktischen Rat zu umgehen, der Russland seit der Invasion der Ukraine ausgegrenzt hat. Innerhalb der BRICS-Staaten ist China allerdings das einzige Mitglied mit Kapital und strategischen Ambitionen in der Region, das Russland wirtschaftlich willkommen heißt, aber als militärischen Partner mit Vorsicht betrachtet.
Russlands Reaktion auf die Grönland-Ambitionen von US-Präsident Donald Trump ist vor diesem Hintergrund ebenfalls interessant. Nach außen hin falle sie zurückhaltend aus, schreibt Defense Express. Doch hinter den Kulissen wachse die Besorgnis. Russische Militärstrategen befürchten demnach, dass eine verstärkte US-Präsenz in Grönland die Marineoperationen im Atlantik gefährden könnte. „Ihnen könnte der freie Zugang zum Nordatlantik verwehrt werden“, so Andrey Kortunov vom Valdai Discussion Club mit Blick auf russische U-Boote in der Barentssee.
Moskau besorgt wegen Grönland-Ambitionen: Trump-Pläne könnten U-Boot-Zugang blockieren
Gleichzeitig sehen russische Analysten in der Krise eine Bestätigung für Moskaus Weltbild. „In dieser neuen Weltordnung ist Macht Recht, ob es uns gefällt oder nicht“, so Kortunov gegenüber dem Portal. Auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete den Streit als „tiefe Krise für die NATO“ und stellte Fragen über „den Fortbestand des Bündnisses als einheitlicher Block“. Einige Stimmen in Moskau argumentierten zudem, dass Russlands Ansprüche auf sein „nahes Ausland“ an Legitimität gewinnen, wenn die USA sich auf die Monroe-Doktrin berufen können. Putin hält sich aus der Debatte jedoch weitgehend heraus. Die offizielle Linie lautet, dies sei „ein Problem zwischen den USA und Europa“.
Inzwischen reagieren die NATO-Verbündeten auf die wachsende Bedrohung. Großbritannien wird die Zahl seiner in Norwegen stationierten Truppen in den nächsten drei Jahren von 1.000 auf 2.000 verdoppeln, wie Verteidigungsminister John Healey am Mittwoch (11. Februar) ankündigte. „Russland stellt die größte Bedrohung für die Sicherheit der Arktis und des hohen Nordens dar, die wir seit dem Kalten Krieg gesehen haben“, sagte Healey der BBC. Die Aktivitäten russischer U-Boote im Nordatlantik hätten laut britischem Verteidigungsministerium wieder das Niveau der Kalten-Krieg-Ära erreicht, ihre Zahl in britischen Gewässern sei in den letzten zwei Jahren um 30 Prozent gestiegen. (Quellen: BBC, Defense Express, Kyiv Independent) (tpn)