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Trumps neuer Imperialismus

Nach Grönland-Deal: Trump nimmt nächste Ziele „ins Visier“ – doch es formiert sich Widerstand

US-Präsident Trump hält sich zum Grönland-Deal erstaunlich bedeckt. Innenpolitisch steht er massiv unter Druck. Das könnte ihn zur Flucht nach vorne zwingen. Eine Analyse.

US-Präsident Trump lässt die Welt regelmäßig den Atem anhalten. Jüngst ging es um die Übernahme Grönlands – womöglich sogar militärisch – ehe Trump in Davos einen „Deal“ in Aussicht stellte. Wie dieser konkret aussieht, ist noch unklar. Trumps (für seine Verhältnisse) ungewöhnlich leises Einlenken in Sachen Grönland kann mit seinen innenpolitischen Problemen zusammenhängen, sagen zwei US-Experten.

US-Präsident Donald Trump spricht unverholen darüber, die Souveränität anderer Staaten zu missachten. Venezuela und Grönland sind nur zwei von vielen Fällen.

„Was in Donald Trumps Kopf vorgeht, weiß niemand“, sagt Johannes Thimm, Leiter der Forschungsgruppe Amerika der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Über die Gründe für Trumps Einlenken lasse sich nur spekulieren, jedoch gebe es Indizien: „Die Grönland-Pläne waren in den USA sowohl in der Bevölkerung als auch bei vielen Republikanern im Kongress sehr unbeliebt“, sagt Thimm. „Zwar äußert kaum noch jemand laute Kritik an Trump, aber es ist davon auszugehen, dass Trump hinter den Kulissen von Militärs und Kongressmitgliedern klargemacht wurde, dass ein Ende der NATO für die USA nicht gut wäre.“

Trumps Grönland-Deal und mögliche nächste Ziele

Auch Christian Lammert, Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politische Systeme Nordamerikas an der FU Berlin, hält es für möglich, dass sich Trump wegen innenpolitischen Drucks nicht zu Details des angekündigten Deals äußert. „Nach Jahren des lautstarken Auftretens hat er offenbar erkannt, dass bestimmte außenpolitische Initiativen – gerade solche, die geografisch und symbolisch so abseitig wirken wie der Grönland-Deal – in der Wählerschaft nicht gut ankommen und leicht zum Spott führen“, so Lammert gegenüber dieser Redaktion. Trumps Einlenken könne als Versuch gelesen werden, „sich stärker als pragmatischer ‚Dealmaker‘ zu inszenieren, der wirtschaftliche Chancen statt provokanter Gesten in den Mittelpunkt rückt“.

Dass der Grönland-Vorstoß derart unbeliebt war, hängt Lammert zufolge mit mehreren Faktoren zusammen: Die Idee, das Gebiet zu „kaufen“, wirke auf die US-Bevölkerung „anachronistisch und kolonial“. Außerdem „fehlte vielen der sichtbare Nutzen: Außenpolitische Aktionen, die mit Sicherheitsfragen oder Konkurrenz gegenüber China verbunden sind, finden eher Zustimmung. Grönland erschien hingegen als Randthema ohne unmittelbaren Vorteil für die USA“, so Lammert.

Trump greift nach Grönland: Der Streit um die Arktisinsel in Bildern

Grönland
Donald Trump ist nicht der erste US-Präsident, der ein Auge auf Grönland geworfen hat. Schon in den 1860ern gab es einen ersten US-Vorstoß zum Kauf. So ließ Außenminister William Seward im Jahr 1868 einen „Bericht über die Ressourcen Islands und Grönlands“ erstellen. Es gebe dort Rohstoffvorkommen, die für die USA von Nutzen sein könnten, hieß es damals. Kurz zuvor hatte Seward bereits den erfolgreichen Kauf Alaskas vom russischen Zarenreich organisiert und wollte die Expansionspolitik fortsetzen. © Odd Andersen/AFP
Grönland
Der erste konkrete Kaufversuch scheiterte nicht an Dänemark, sondern am US-Kongress selbst. Dänemark hatte dem Verkauf Grönlands zugestimmt, doch der amerikanische Kongress wollte nicht schon wieder hohe Summen für nahezu unbewohnte „Eisregionen“ ausgeben. Die Abgeordneten waren nach dem teuren Alaska-Kauf skeptisch gegenüber weiteren kostspieligen Territorialerwerbungen in unwirtlichen Gebieten. © Odd Andersen/AFP
Expeditionen nach Grönland
Zwischen 1853 und 1909 führten die USA systematisch wissenschaftliche Expeditionen nach Nordgrönland durch, das damals noch staatsrechtliches Niemandsland war. Forscher wie Elisha Kent Kane, Isaac Israel Hayes und Robert Edwin Peary (dessen Basislager der Expedition von 1909 im Bild zu sehen ist) erkundeten das von den Inughuit bewohnte Gebiet und lieferten sich spektakuläre Wettläufe um die Erreichung des Nordpols. Diese Expeditionen legten den Grundstein für spätere amerikanische Gebietsansprüche. © Imago
Dänisch Westindien
1916/17 gelang den USA ein diplomatischer Schachzug: Dänemark verkaufte seine Kolonie Dänisch-Westindien in der Karibik an die Vereinigten Staaten, die daraufhin im Gegenzug die dänische Oberhoheit über ganz Grönland anerkannten. Dieser Handel war strategisch wichtig, da Dänemark bis dahin nur die grönländische Westküste kolonisiert hatte und Nord- sowie Ostgrönland Niemandsland gewesen waren. © Imago
Dänemark im Jahr 1940
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besetzung Dänemarks am 9. April 1940 flammte das US-Interesse an Grönland erneut auf. Washington befürchtete, Nazi-Deutschland könnte die gewaltige Insel unter seine Kontrolle bringen und damit eine strategische Bedrohung für Nordamerika darstellen. Grönland war durch die britische Seeherrschaft von dem besetzten Dänemark abgeschnitten. © Imago
Grönland
Der dänische Gesandte Henrik Kauffmann handelte am 9. April 1941 eigenmächtig einen Vertrag mit den USA aus, der die Errichtung amerikanischer Militärbasen in Grönland genehmigte. Kauffmann erklärte, dass er keine Weisungen aus dem deutsch besetzten Kopenhagen mehr entgegennehmen werde und sich zum alleinigen Vertreter der dänischen Interessen für Grönland erkläre. Diese „Entscheidung ebnete den Weg für die amerikanische Militarisierung Grönlands, die seither aufrechterhalten wurde.“ © Odd Andersen/AFP
Rostiges Fahrzeug ehemaliger US Luftwaffenstützpunkt im Zweiten Weltkrieg Ikatek Grönland
Bis Kriegsende waren knapp 6000 US-Militärs auf vier Marine- und 13 Armeestützpunkten auf Grönland stationiert (im Bild: der ehemalige US-Luftwaffenstützpunkt im Zweiten Weltkrieg, Ikatek). Die Insel diente vor allem als Basis für atlantiküberwachende Flugzeuge auf der Suche nach deutschen U-Booten und wurde als Auftankstation für eigene Seemissionen genutzt. 1941 wurde zudem die Sirius-Schlittenpatrouille gegründet, um deutsche Versuche zur Errichtung von Wetterstationen der Wehrmacht in der Arktis zu verhindern. © Egmont Strigl/Imago
Harry Truman unterzeichnet NATO-Vertrag 1949
Nach dem Krieg wollte Dänemark die amerikanische Militärpräsenz auf der Insel wieder rückgängig machen, doch ohne Erfolg. US-Präsident Harry Truman (hier bei der Unterzeichnung des NATO-Pakts 1949) schlug Kopenhagen drei Optionen vor: entweder das Abkommen von 1941 fortzusetzen, die US-Stützpunkte für 99 Jahre zu leasen oder Grönland für 100 Millionen US-Dollar in Gold zu kaufen. Die dänische Antwort war eindeutig: „Absurd.“ © Imago
Frederik IX
„Wir verkaufen nicht!“ – Diese klare Absage stammte vom dänischen König Frederik IX (hier ein Gedenkstein in Nuuk) im Jahr 1960, nachdem US-Präsident Eisenhower wiederholt die Absicht geäußert hatte, Grönland von Dänemark kaufen zu wollen. 65 Jahre später sind die Aussagen Dänemarks und der USA zum gleichen Thema nahezu identisch, auch an den Motiven Washingtons hat sich im Wesentlichen nichts geändert. © Imago
Thule Air Base in Grönland
1951 gelang es den USA dennoch, ein Abkommen auszuhandeln, das ihnen gewährte, Grönland weiterhin militärisch zu nutzen, wenn sie dafür die Verteidigung Grönlands übernahmen. In diesem Jahr wurde die Thule Air Base als wichtigster militärischer Stützpunkt in Grönland errichtet. Bis 1958 nutzten die USA den Flughafen Narsarsuaq und bis 1992 den Flughafen Kangerlussuaq als Militärbasen. © Imago
Absturz einer B-52 nahe der Thule Air Base 1968
Die amerikanische Militärpräsenz führte zu schweren diplomatischen Krisen und Problemen. Zu den bedeutendsten gehörten die Zwangsumsiedlung der Bewohnerinnen und Bewohner von Uummannaq direkt neben der Thule Air Base nach Qaanaaq im Jahr 1953 und der Absturz einer B-52 nahe der Thule Air Base 1968 (im Bild). Mit diesem Vorfall musste Dänemark anerkennen, dass die USA heimlich Atomwaffen in Grönland lagerten. © Imago
Grönland
Nach Ende des Kalten Kriegs verminderten die USA ihre militärischen Aktivitäten und zogen sich 1991 aus Kangerlussuaq (im Bild) und Kulusuk zurück. Jedes Mal hinterließen sie das Gebiet mit Schrott verunreinigt und häufig mit umweltschädlichen Stoffen verseucht, weigerten sich aber dafür zu haften. Dänemark erklärte sich bereit, die Verantwortung für das Aufräumen zu übernehmen. © Sergi Reboredo/Imago
Colin Powell, Per Stig Møller und Josef Motzfeldt
2004 wurde das sogenannte Igaliku-Abkommen von den Außenministern Colin Powell (USA, rechts), Per Stig Møller (Dänemark, links) und Josef Motzfeldt (Grönland, Mitte) unterzeichnet. Die USA verpflichteten sich zur Zusammenarbeit für den Umweltschutz und Grönland erhielt mehrere entwicklungsmäßige und finanzielle Vorteile von den USA. Das Abkommen wurde im Heimatort des grönländischen Außenministers geschlossen. © AFP
Klimawandel in Grönland
Das schmelzende Polareis verschärft die strategische Bedeutung Grönlands dramatisch. Die Arktis erwärmt sich laut einer Studie der Stiftung für Wissenschaft und Politik viermal so stark wie im globalen Durchschnitt. Das zurückgehende Meereis öffnet neue Seewege zwischen Asien und Europa und macht Lagerstätten von Rohstoffen an Land und auf dem Meeresboden besser zugänglich. © Jason Briner/dpa
Grönland
In der Arktis werden in Gebieten, die durch die Klimakrise zugänglich werden, riesige Mengen an unentdeckten Erdgas- und Erdölvorkommen vermutet. Diese beiden Faktoren - Kontrolle der neuen Seewege in der Arktis und Zugang zu den immensen Rohstoffvorkommen - sind die wesentlichen Gründe für den jetzigen, erneuten Vorstoß der USA, sich Grönland „anzueignen.“ © Steffen Trumpf/dpa
Anti-Trump-Demo in Kopenhagen 2019
Donald Trump hatte bereits während seiner ersten Amtszeit 2019 ein „gieriges Auge“ auf Grönland geworfen und einen Kauf der Insel ins Gespräch gebracht. Seine Begründung: Man benötige die strategisch gelegene Insel für die „nationale Sicherheit“ der USA. In Kopenhagen kam es deswegen schon damals zu Demonstrationen.  © Niels Christian Vilmann/Imago
Grönland und Trump
Doch so unverhohlen wie jetzt hatte Trump noch nie gedroht, Grönland „haben“ zu wollen. Trump verweist auf die zunehmende Präsenz russischer und chinesischer Schiffe in der Arktis-Region und behauptet, Dänemark sei nicht in der Lage, Grönland ausreichend zu schützen. Sogar eine militärische Intervention schließt er nicht aus. Die große Mehrheit der rund 57.000 auf der Insel lebenden Menschen wollen dagegen mit den USA nichts zu tun haben: Grönland stehe nicht zum Verkauf, hieß es bei einer Demonstration im März 2025. © Christian Klindt Soelbeck/dpa
Vance in Grönland
Ende März 2025 reiste US-Vizepräsident JD Vance nach Grönland. Dort äußerte er vor den stationierten US-Soldaten scharfe Kritik am NATO-Verbündeten Dänemark, zu dem die riesige Eisinsel gehört. Das Land tue angesichts der Bedrohungen durch Russland und China zu wenig für die Sicherheit Grönlands, sagte Vance auf die US-Militärstützpunkt Pituffik im abgeschiedenen Norden Grönlands.  © Jim Watson/AFP
Die Frau von Trump-Berater Stephen Miller zündelt.
Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller stellte in einem CNN-Interview sogar infrage, ob Grönland rechtmäßig zum NATO-Partner Dänemark gehöre. „Nach welchem Recht hat Dänemark die Kontrolle über Grönland?“, fragte Miller provokativ. Ein Social Media Post seiner Ehefrau Katie Miller zeigte eine Karte von Grönland in US-amerikanischen Farben. © Screenshot X
Grönland-Konflikt
In der EU und in der NATO hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: Donald Trump meint es ernst mit seinen Grönland-Ambitionen. Europas Spitzenpolitiker reagieren mit klaren Worten auf Trumps Forderungen. Deutschland und weitere Länder stellen sich nach Trumps Drohungen demonstrativ hinter Grönland und Dänemark. Erst im September 2025 hatten dänische Streitkräfte mit Hunderten Soldaten aus mehreren europäischen Staaten an einer NATO-Übung auf Gönland teilgenommen (im Bild). © Ebrahim Noroozi/dpa
Mette Frederiksen und Donald Trump
Dänemark hat Trumps Anspruch auf Grönland und die militärischen Drohungen entschieden zurückgewiesen. Regierungschefin Mette Frederiksen sagte: „Wenn die USA ein anderes NATO-Land angreifen, dann hört alles auf.“ Das wäre das Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses und damit auch der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Sicherheitsarchitektur. © Christian Hartmann/AFP
Thule, Grönland
Mehrere NATO-Bündnisstaaten haben sich zuletzt für eine stärkere Präsenz des Bündnisses in der Region ausgesprochen – auch Deutschland. Im Gespräch ist dabei unter anderem der Start eines neuen Überwachungseinsatzes mit dem Namen „Arctic Sentry“ (deutsch etwa: Wächter der Arktis). Er soll den USA das Argument nehmen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region nicht ausreichend gewährleistet werden kann. © Imago
US-Militärbasis Pituffik Space Base in Grönland
Die USA betreiben schon heute auf Basis von Abkommen mit Dänemark die Pituffik Space Base auf Grönland. Dieser Stützpunkt unterstützt Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsmissionen. Dänemark hat grundsätzlich nichts gegen eine verstärkte US-Militärpräsenz auf der Insel, solange die Souveränität respektiert wird. Die dänischen Streitkräfte sind hauptsächlich über das Arktische Kommando in Nuuk auf der Insel präsent. © Thomas Traasdahl/dpa
Grönland
Dass die Trump-Regierung bislang auch militärischen Zwang nicht ausschließt, um die Kontrolle über Grönland zu erlangen, sorgt in Europa für große Beunruhigung. Tatsächlich ist der Fall, dass ein NATO-Land das andere überfällt, in den Statuten der Allianz nicht vorgesehen – der Feind kommt traditionell immer von außen. © Mads Claus Rasmussen/Imago
Alpenglühen in Alaska
Trump hat im Streit um Grönland aber auch immer von einem „Erwerb“ gesprochen. Der Kauf zusätzlichen Territoriums ist in der US-Geschichte kein Novum. In der Vergangenheit haben die USA für bestimmte Gebietserweiterungen immer wieder Geld in die Hand genommen. Dazu zählt beispielsweise auch Alaska (im Bild), das die damalige US-Regierung im Jahr 1867 für einen Spottpreis von 7,2 Millionen Dollar von Russland erwarb.  © Al Grillo/dpa

Etwas anders sah es bei der von Trump befohlenen Militäraktion in Venezuela aus, als der bis dato faktische Präsident Nicolás Maduro entführt, in die USA gebracht und ein Regime-Change in Aussicht gestellt wurde. Dieser Vorstoß fand unter den Amerikanerinnen und Amerikanern breiteren Rückhalt. Wieso?

„Innenpolitisch muss man in den USA zwischen Grönland und Venezuela unterscheiden“, sagt Thimm von der SWP. „Die Operation in Venezuela hatte mehr Unterstützung, weil es in den USA viele Menschen gibt, die die Auswechslung eines kommunistischen Regimes unterstützen. Dieser Eingriff war für Trump besser zu rechtfertigen.“

Parallel zur Kritik an den Grönland-Plänen sind einige von Trumps Wahlversprechen gerade ernsthaft in Gefahr, was sich auf seine Beliebtheit auswirkt. „Um Trumps Wirtschaft ist es gerade nicht gut bestellt – er versprach, die Preise zu senken, und kann nicht liefern. Seine Umfragewerte sind im Keller“, weiß Thimm, der Trump in einer aktuellen Studie zur Erosion der Demokratie in den USA als „Systemsprenger“ bezeichnet.

Trump hat Kolumbien und Kuba im Visier – doch es gibt Widerstand

„Auch wenn die amerikanische Bevölkerung sich nicht sonderlich für Außenpolitik interessiert – außer im Kriegsfall –, können sie doch unterscheiden, dass es hier um einen möglichen Angriff auf einen Verbündeten geht“, sagt Thomas Greven, Privatdozent für amerikanische Politik an der FU Berlin, auf Anfrage.

Der innenpolitische Druck auf Trump wächst also. In der Vergangenheit sorgte der US-Präsident in solchen Phasen oft mit großen außenpolitischen Ansagen für neue Aufmerksamkeit. Könnte der Präsident also die Flucht nach vorne suchen, den Fokus auf andere Länder richten und somit weg von seinen Problemen im eigenen Land? Für US-Experte Greven durchaus eine Möglichkeit. „Trump wird immer etwas finden, um von anderen Problemen abzulenken und im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen.“

Beispiele für andere Länder, die ihm nicht passen, lieferte der Präsident selbst bereits zuhauf. Lange sprach er davon, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA machen zu wollen, drohte Kolumbien, Kuba und dem Iran öffentlich mit Ein- und Angriffen. „Eine kurze Kommandoaktion zur Demonstration von Stärke ohne amerikanisches Opfer und langfristiges Engagement hat im Fall von Venezuela funktioniert“, so Thimm von der SWP. „So ein Szenario ist für Iran nicht realistisch, da sind die Gefahren für amerikanische Truppen größer. Auch im Fall von Kolumbien dürfte die Legitimation im Inland fehlen“, so die Analyse des Experten. „Anders sieht es möglicherweise in Kuba aus, das Trump auch schon ins Visier genommen hat. Grönland hat aber gezeigt: Unendlich oft kann auch Donald Trump diese überstürzten Kampagnen nicht durchdrücken.“

Auch Politikprofessor Lammert von der FU glaubt, dass das alte Credo, innenpolitische Krisen durch Außenpolitik zu lösen, im Falle Trumps nicht dauerhaft greift. „Neue Ablenkungsmanöver über außenpolitische Konflikte sind zwar nie ausgeschlossen – etwa in Regionen, in denen wirtschaftliche oder sicherheitspolitische Interessen klar artikulierbar sind“, so Lammert. „Aber angesichts der gegenwärtigen innenpolitischen Herausforderungen dürfte sein Hauptaugenmerk auf innenpolitischen Kampagnen, wirtschaftspolitischer Profilierung und der Kontrolle über den republikanischen Kurs liegen.“

Ein neuer, überstürzter Plan für den Sturz einer weiteren Regierung ist unmittelbar also nicht zu erwarten, so die Expertenmeinung. Einig sind sich alle aber auch in der Gewissheit, dass mit dem US-Präsidenten keine Gewissheit besteht. US-Experte Greven wird deutlich: „Trump scheint es inzwischen völlig egal zu sein, wie viel Zustimmung seine Initiativen haben. Er lebt in seiner Fantasiewelt, in der er der beste und beliebteste Präsident ist. Punkt.“ (Quellen: Expertengespräche)

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