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USA mit Verteidigungslücke
Neue NATO-Frontlinie: Arktis wird zum Stärketest – Putin fordert Bündnis heraus
Die Arktis gewinnt zunehmend an strategischer Bedeutung für die Verteidigung. Nach Donald Trumps Grönland-Drohungen will die NATO ihre Präsenz verstärken.
Eisig kalt, zugefroren und nur spärlich bewohnt – lange war die Arktis zwar strategisch wichtig, in Europa jedoch weitgehend unbeachtet. Mit der von Trump ausgelösten Grönland-Krise ändert sich das nun. Bereits Anfang Dezember warnte das Institut „Center for European Policy Analysis“ (CEPA) vor der größeren Bedeutung der Arktis-Region für die europäische Sicherheit. „Die Präsenz der USA und ihrer Verbündeten ist nach wie vor unzureichend. Anhaltende Lücken verhindern ein umfassendes Lagebewusstsein, während sich Kommandostrukturen und Zuständigkeiten tendenziell überschneiden“, schreibt das CEPA in einer Analyse.
Die Verteidigung und Sicherheit in der Arktis sei eine Angelegenheit der gesamten NATO, erklärte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Freitag nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte in Brüssel. Seit den Drohungen des US-Präsidenten Donald Trump, Grönland für die USA zu beanspruchen, scheint es in Europa einen Sinneswandel zu geben. Nicht nur Grönland – die gesamte Arktis-Region müsse verstärkt werden.
Die Arktis im Fokus der EU und der NATO nach Donald Trumps Grönland-Drohungen
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) hatte nach dem EU-Sondergipfel zu den transatlantischen Beziehungen in Brüssel erklärt, die EU habe „zu wenig in die Arktis und die Sicherheit in der Arktis investiert“. Die Kommission werde „bald ein umfangreiches Investitionspaket vorlegen“. Darüber hinaus beabsichtige Brüssel, „die Zusammenarbeit mit den USA und allen Partnern in Fragen der arktischen Sicherheit zu vertiefen“.
Am Donnerstag auf einer Pressekonferenz machte das CEPA klar: Auch der Ukraine-Krieg hat Einfluss auf den hohen Norden. Russland intensiviert seine Bemühungen, in der Region Fuß zu fassen. Und auch China schläft nicht. „Die Arktis-Region ist nicht länger nur ein Hintergedanke“, sagte Gordon Davis Jr. auf der Pressekonferenz, wie die Kyiv Post den ehemaligen General und stellvertretenden Generalsekretär der NATO-Investitionsdivision zitiert. „Abschreckung und Verteidigung hängen heute von einem ständigen Bewusstsein, integrierten Fähigkeiten und einer widerstandsfähigen Architektur ab.“
Trump greift nach Grönland: Der Streit um die Arktisinsel in Bildern
Wie überwacht man die Arktis? Verstärkte Militärpräsenz und unbemannte Drohnen
Menschen könnten die Arktis nicht mehr alleine überwachen. Unbemannte Drohnen, ob in der Luft, zu Land oder im Wasser, müssten die Überwachung der Region unterstützen. Das betonen die Autoren auch im Bericht vom Dezember: „Die Integration unbemannter Plattformen, die für den Einsatz in der Arktis ausgerüstet sind, wird in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich exponentiell zunehmen. Zu den modernen Fähigkeiten werden Flotten von unbemannten Luftfahrzeugen (UAV) und Unterwasserfahrzeugen (UUV) gehören, die für die Verfolgung, Navigation und Flottenverwaltung sowie zur Lageerkennung eingesetzt werden (…).“
Die Zukunft zur Überwachung des eisigen Nordens sei eine Balance zwischen der Präsenz von NATO-Truppen vor Ort und der Überwachung des Gebiets aus der Ferne über „unbemannte Plattformen und autonome Systeme“. Anders als von Donald Trump behauptet könne die USA alleine die Sicherheit in der Arktis nicht gewährleisten. Die USA und die Arktis-7 insgesamt hätten ein Defizit im Einsatz von Militärgerät, das auf die eisigen Temperaturen im hohen Norden spezialisiert ist. Die Arktis-7, also Dänemark (inklusive Grönland), Kanada, Norwegen, Schweden, Finnland, Island und die USA, müssten daher gemeinsam an neuen Möglichkeiten arbeiten die Arktis zugänglicher zu machen.
Die USA können die Arktis nicht alleine verteidigen: brisante Verteidigungslücke im Arsenal des US-Militärs
Vor allem die USA hätten eine Verteidigungslücke bei Eisbrecher-Schiffen. Diese Lücke soll durch den „ICE-Pact“ in Zusammenarbeit mit Kanada und Schweden geschlossen werden. Über diesen strategischen Nachteil berichtet auch das U.S. Naval Institute: „Die Vereinigten Staaten befinden sich in der maritimen Arktis und Antarktis in einer ernsthaften Nachteilssituation. Russland verfügt über 41 Eisbrecher, und China hat massiv in Eisbrecher investiert, um als ‚nahe der Arktis gelegene‘ Nation Einfluss zu gewinnen.“ Im Gegensatz zu Russland haben die USA aktuell nur drei schwere Eisbrecher und zwei kleinere Eisbrecher.
Die Arktis-Region wird in den kommenden Jahren wohl weiter an strategischer Bedeutung gewinnen. Donald Trumps Drohungen gegen Grönland haben auch zur Folge, dass die europäischen Staaten und die Arktis-7 der NATO insbesondere wieder gen Norden blicken. Denn die „Verteidigung und Sicherheit in der Arktis ist eine Angelegenheit des gesamten Bündnisses“, wie die dänische Ministerpräsidentin in einem Social-Media-Post betonte. (Quellen: CEPA/Kyiv Post/AFP/U.S. Naval Institute) (sischr)