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Nach Verfassungsschutz-Entscheidung

AfD-Verbot gefordert: Politik ist uneins über den richtigen Umgang

Die Rufe nach einem Verbotsverfahren gegen die AfD werden immer lauter. Doch ein Verfassungsrechtler warnt vor einer bestimmten Gefahr.

Update, 16.45 Uhr: Im Rahmen von bundesweiten Demonstrationen gegen Rechtsextremismus und für ein AfD-Verbot sind am Sonntag deutschlandweit tausende Menschen auf den Straßen. In mehreren bayerischen Städten haben etwa 3.000 Menschen demonstriert. In München kamen zu der größten Demo im Freistaat laut Polizei etwa 2.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

In Berlin hatten die Veranstalter der zentralen Kundgebung 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angekündigt. Die Polizei meldete zu Beginn um 16 Uhr rund 800 Menschen – ein Reporter des rbb schätzte rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Auch in Baden-Württemberg haben Menschen gegen Rechtsextremismus und für ein AfD-Verbot demonstriert. In der Universitätsstadt Freiburg gingen mehrere Hundert Menschen auf die Straße, wie die Polizei auf Anfrage berichtete. Aus anderen Kommunen waren zunächst keine Teilnehmerzahlen zu erfahren.

Demonstrationen für ein AfD-Verbot – und die Politik streitet über den richtigen Umgang

Erstmeldung: Berlin – Der Bundesverfassungsschutz hat die Einstufung der AfD als „gesichert rechtsextremistisch“ zwar vorerst ausgesetzt. Trotzdem rufen mehrere Organisationen am Sonntag (11. Mai) dazu auf, um auf Grundlage der Entscheidung der Kölner Verfassungsschutzbehörde für ein Verbot der Partei zu demonstrieren. So haben das Netzwerk „Zusammen gegen Rechts“ und die Initiative „Menschenwürde verteidigen – AfD-Verbot jetzt“ zu einem bundesweiten Aktionstag aufgerufen.

In mehr als 60 deutschen Städten sollen zu diesem Zweck Demonstrationen stattfinden. Die Organisationen fordern unter dem Motto „AfD-Verbot Jetzt“ die neue Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD dazu auf, „einen offiziellen Antrag auf Prüfung eines AfD-Verbots“ zu stellen, wie es auf der entsprechenden Webseite heißt. Zudem fordert das Aktionsbündnis, die Partei „von der staatlichen Parteienfinanzierung“ auszuschließen und einen konsequenteren Schutz der freiheitlichen Demokratie.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

AfD-Verbot „sehr schwierig“ – Umgang mit Rechtsextremismus spaltet auch die Politik

In der Politik ist man dagegen geteilter Meinung, wie man mit der (Stand jetzt) vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall geführten AfD umgehen solle. „Alle namhaften Rechtsexperten sagen, dass ein solches Verfahren nach jetziger Sachlage sehr schwierig sein würde und der Ausgang ungewiss“, sagte dazu CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann gegenüber der Welt am Sonntag. Zudem werde ein Verbotsverfahren massiv Zeit in Anspruch nehmen und es der AfD ermöglichen, ihre „Opferrolle“ voll auszuspielen, so Linnemann.

Zudem sei dies noch „lange keine Antwort für ihre zehn Millionen in Teilen frustrierten Wähler“, so der CDU-Politiker weiter. Denn Frustration könne man nicht verbieten, erklärte er in der Welt. Ähnliche Bedenken äußerte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gegenüber der ARD. Der pochte vergangene Woche darauf, dass man das entsprechende Gutachten des Verfassungsschutzes zunächst auswerten müsse. Merz plädierte zudem dafür, dass die von ihm geführte Bundesregierung die Ursachen für den Erfolg der AfD bekämpfen müsse.

AfD
Gegründet:6. Februar 2013
Parteivorsitzende:Alice Weidel und Tino Chrupalla
Mitgliederzahl:53.000 (Parteiangaben)

Auch CSU-Chef Markus Söder erklärte der Bild am Sonntag, dass er ein Verbotsverfahren „für den falschen Weg“ halte. Die Forderung nach einem Parteiverbot gegen die AfD halte er für eine „übertriebene Reaktion“. Zudem warnte Söder davor, dass sich eine neue rechte Partei gründen könne. „Man kann jetzt nicht dieses Spiel betreiben, alle drei Jahre eine Partei zu verbieten.“ Die Idee von CDU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg, die Union könne bereits 2029 mit der AfD koalieren, wies Söder allerdings zurück.

Grüne und Linke fordern AfD-Verbot und fordern Union zum Handeln auf

„Wer sich wie Carsten Linnemann darauf ausruht, zu sagen, Protest oder Frustration könne man nicht verbieten, negiert die Gefahren, die von der AfD ausgehen, und verharmlost eine Partei, die unsere Verfassung angreift“, sagte Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Sie fordert eine umgehende Prüfung der Partei unter den Co-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla, sowie die Einleitung eines Verbotsverfahrens. Die Union müsse sich den Gefahren, die durch die AfD entstehen, stellen und sich „klar positionieren“.

Auch die Partei Die Linke forderte nach der Hochstufung der AfD umgehend dazu auf, gegen die Partei vorzugehen. „Allen muss klar sein: Eine Demokratie überlebt eine Machtbeteiligung von Rechtsextremen wie der AfD nicht“, sagte Fraktionschefin Heidi Reichinnek nach der Entscheidung des Bundesverfassungsschutzes. Es dürfe nicht akzeptiert werden, „dass eine gesichert rechtsextremistische Partei unsere Demokratie von innen bekämpft und zerstört“.

Für ein AfD-Verbot sollen in mehr als 60 Städten in Deutschland Demonstrationen stattfinden. (Archivbild)

In der Regierungspartei SPD ist man ebenfalls anderer Meinung als der Koalitionspartner. Fraktionschef Matthias Miersch erklärte gegenüber der Rheinischen Post, dass er ein Verbot der AfD für eine ganz klare Option halte. Jedoch müsse man das entsprechende Gerichtsverfahren abwarten. Vizekanzler und SPD-Finanzminister Lars Klingbeil sagte auf dem NRW-Landesparteitag, dass ein Verbotsverfahren schnell geprüft werden müsse. „Wenn unsere Verfassung bedroht ist, dann muss alles, dann müssen alle Mittel auf den Tisch, die unsere Demokratie schützen.“

Verfassungsrechtler warnt vor Scheitern bei AfD-Verbot

Der Verfassungsrechtler Christian Waldhoff erklärte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR), dass ein Verbot auf Grundlage der Einstufung als „gesichert rechtsextremistisch“ zunächst nicht für ein Verbot ausreichen würde. „Für ein Parteiverbot muss eine extremistische Partei gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung aktiv vorgehen“, so Waldhoff. Dies müsse in einem Gerichtsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht nachgewiesen werden.

Mit Blick auf ein mögliches Verbotsverfahren sieht Waldhoff, der als Prozessbevollmächtigter am Verbotsverfahren gegen die extrem rechte NPD (heute „Die Heimat“) beteiligt war, eine wesentliche Gefahr. „Wenn ein AfD-Verbot scheiterte, könnte das nur daran liegen, dass die Verfassungsfeindlichkeit nicht hinreichend nachgewiesen werden konnte“, so der Jurist. Und dies sei wegen der massiven Wahl- und Umfrageerfolge der Partei deutlich schlimmer, als bei dem gescheiterten Verbotsverfahren gegen die AfD. (nhi)

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/Kay Nietfeld/dpa (Montage)

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