Schutz vor Cyber-Kriminalität
Ein falscher Klick kann teuer werden: So erkennen Sie Betrugsmaschen im Internet
Die Methoden von Cyber-Kriminellen werden immer dreister. Die gängigsten Betrugsmaschen auf einen Blick – und wie Sie sich davor schützen.
Das Internet hat unser Leben in vielerlei Hinsicht bereichert. Doch neben vielen Vorteilen gibt es auch einige Gefahren – und sie können jeden treffen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gibt in seinem Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2023 an: „Die Bedrohung im Cyberraum ist so hoch wie nie zuvor.“ Über ein Viertel der Bürger hat demnach bereits persönlich Erfahrung mit Cyberkriminalität gemacht. Ob Diebstahl von Geld durch gehackte Kontos bis hin zu gefälschten Anrufen mit täuschend echten Stimmen – die Betrugsmaschen werden immer dreister. Mit den zunehmenden technologischen Erweiterungen bieten sich auch den Betrügern ganz neue Möglichkeiten. Dabei kann man leicht den Überblick verlieren. Hier die gängigsten Betrugsmaschen und wie Sie sich vor ihnen schützen können.
Die gängigsten Betrugsmaschen im Internet: Gefälschte SMS und Mails
Um an Passwörter oder Kreditkartendaten zu kommen, nutzen Cyber-Kriminelle häufig fingierte Nachrichten im Namen bekannter Unternehmen. Eine Betrugsmasche bei Reisebuchungen über booking.com sorgt bereits seit einiger Zeit für Aufsehen. Spiegel.de berichtete zuletzt im März 2024 darüber.
Phishing: Gefälschte Mails von Netflix und Co.
Aber auch die Namen von anderen populären Dienstleistern wie Netflix werden für den Internetbetrug missbraucht, wie das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen warnt. Nutzer erhielten demnach gefälschte SMS- oder Mail-Nachrichten, in denen ein Problem mit der Abo-Zahlung angegeben wurde. Die Nutzer wurden dabei aufgefordert, ihre persönlichen Daten zu aktualisieren. Die angegebenen Links führten zu gefälschten Webseiten. Dort wird in der Regel Phishing betrieben. Zugangsdaten werden abgegriffen, sensible Daten geklaut und oft wird man sogar zu direkten Zahlungen aufgefordert.
So können Sie sich schützen:
- Das LKA empfiehlt für die Verfolgung von Paketen, die originalen Webseiten der Transportdienstleister zu nutzen. Rufen Sie die Webseiten über Ihren Browser auf und klicken Sie nicht auf Links in SMS oder Mails.
- Wer auf eine solche Masche hereingefallen ist, sollte den echten Support der Firma kontaktieren.
- Falls Sie Zugangsdaten auf einer Phishingseite eingegeben haben, sollten diese unverzüglich geändert werden. Für die Zukunft ist eine Zwei-Faktor-Authentifizierung zu empfehlen.
- Haben Sie Zahlungsdaten angegeben, kontaktieren Sie Ihre zuständige Bank und lassen Sie Ihre Kreditkarte sperren. Achten Sie auf Ihre Abbuchungen.
- Erstatten Sie im Anschluss Anzeige bei Ihrer örtlichen Polizeidienststelle.
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Die Dreiecksmasche: Betrug beim Online-Shopping
Betrügereien beim Online-Shopping sind keine Seltenheit. Mittlerweile werden die Maschen von Cyber-Kriminellen jedoch immer dreister. Wie Ndr.de im Februar 2024 berichtete, kommt dabei immer häufiger der sogenannte Dreiecksbetrug zum Einsatz. Dabei bieten Betrüger über Fake-Shops Produkte zu günstigen Preisen an. Die Kriminellen besitzen die angebotenen Artikel jedoch überhaupt nicht. Sobald der Kunde in Vorkasse bezahlt hat, nutzen sie seine Adressdaten und bestellen das Produkt im Namen des Käufers bei einem seriösen Anieter. Dies geschieht entweder auf Rechnung oder mit gefälschten Kontodaten.
Mahnung kommt nicht an: Opfer schöpfen erst spät Verdacht
Da der bestellte Artikel auch tatsächlich beim Käufer ankommt, schöpft dieser über Wochen oder Monate keinen Verdacht. Der seriöse Online-Shop wartet derweil auf sein Geld. Mahnungen per Mail kommen aber lediglich beim Betrüger an und nicht beim Käufer. Erst wenn der Online-Shop die Mahnung postalisch an die Adresse des Käufers sendet, bemerkt dieser den Betrug. So steht das Betrugsopfer am Ende als Täter da. Will man das gekaufte Produkt nun behalten, muss man nochmal bezahlen.
So schützen Sie sich:
- Achten Sie darauf, wo Sie bestellen. Vor allem bei sehr günstigen Angeboten ist Vorsicht geboten. Ganz nach dem Motto: Zu schön, um wahr zu sein.
- Verbraucherzentrale.de empfiehlt, besonders vorsichtig zu sein, wenn man Vorkasse leisten soll.
- Suchen Sie nach Bewertungen oder Erfahrungsberichten im Netz, um die Seriosität eines Anbieters zu überprüfen. Die Verbraucherzentrale bietet zudem einen Fakeshop-Finder an.
- Überprüfen Sie, ob der Absender der Ware, derselbe ist, bei dem Sie bestellt haben.
- Sind Sie auf die Masche hereingefallen, kontaktieren Sie unverzüglich den seriösen Anbieter und schildern Sie das Problem.
- Auch hier empfiehlt die LKA, eine Anzeige zu erstatten.
Betrug im Internet: Love-Scamming
Love-Scamming ist ein moderner Heiratsschwindel. Auf sozialen Medien oder Online-Partnerbörsen nehmen Betrüger falsche Identitäten an. Ihre Profile sind mit gefälschten Fotos und Texten ausgestattet. Oft werden dabei sogar die Identitäten bekannter Persönlichkeiten und Stars missbraucht – und damit gezielt Fans der Person angeschrieben. Die Freude über solche Nachrichten sind beim Opfer groß. Sie werden unvorsichtig. Die Betrüger bauen durch Chat-Dialoge eine Beziehung zum Opfer auf. Manchmal sogar über mehrere Monate. Wie Derstandard.de erklärt, nennt man das dann „Pig Butchering“, zu Deutsch: Schweine schlachten. Möglichst lange wird das Opfer an der Stange gehalten, und Vertrauen aufzubauen. Sobald die Zeit reif ist, beginnen die Geldforderungen, zum Beispiel, um aus einer finanziellen Notlage herauszuhelfen.
So können Sie sich schützen:
- Seien Sie misstrauisch. Eine grundlegende Skepsis kann Betrüger schnell auffliegen lassen.
- Versuchen Sie sich durch gezielte Fragen und Forderungen zu versichern, dass der Chatpartner echt ist. Rufen Sie die Person spontan an.
- Nutzen Sie Ihren Hausverstand. Wenn sich plötzlich „Helene Fischer“ bei Ihnen meldet und Sie um Geld bittet, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um eine Betrugsmasche.
- Grundsätzlich solle man Menschen, die man nie persönlich kennengelernt oder gesehen hat, kein Geld überweisen oder auf deren Forderungen eingehen.
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Betrug durch KI: Täuschend echte Stimmen und Videos
Der technologische Fortschritt durch Künstliche Intelligenz (KI) bringt viele Vorteile mit sich. Gleichzeitig kann die Technik jedoch auch missbraucht werden. Immer häufiger werden sogenannte Deepfakes für Betrugsmaschen eingesetzt. Mit dieser Technik können täuschend echte Audioaufnahmen und Videos von beliebigen Menschen erstellt werden. Dafür braucht es nur wenig Beispielmaterial, um die Stimmen und Gesichter zu „klonen“. Ende Januar 2024 wurde laut einem Bericht der Hong Kong Free Press (HKFP) ein multinationales Unternehmen um rund 26 Millionen US-Dollar erleichtert, indem die Betrüger sich mithilfe von Deepfake-Technologie als leitende Angestellte ausgaben. Auch Fake-Anrufe von Verwandten nach dem Schema des klassischen „Enkeltricks“ werden durch die Nutzung von KI kaum als solche identifizierbar.
So können Sie sich schützen:
- Bewahren Sie Ruhe. Ähnlich wie bei Phishing- oder Betrugsmails sollte man Forderungen nie umgehend nachkommen, auch wenn sie noch so echt wirken. Selbst wenn die Anweisungen von einem vermeintlichen Verwandten kommen, empfiehlt es sich, nicht sprunghaft zu handeln. Legen Sie auf und rufen Sie die Person zurück oder versuchen Sie sie über andere Kanäle zu erreichen.
- Stellen Sie der Person Fragen, die nur sie beantworten kann.
- Bittet Sie jemand darum, Geld zu überweisen, empfiehlt sich eine gewisse Grundskepsis. Sie sollten sich zuallererst fragen, ob all das überhaupt plausibel ist.
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