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Keine Freiheit

Bitteres Urteil für Marius Borg Høiby: Gericht versperrt ihm Weg in die Freiheit

Seit Februar sitzt er hinter Gittern. Jetzt kämpft Marius Borg Høiby vor Gericht um eine Fußfessel – und um ein Leben auf dem royalen Familiengut.

Update vom 21. Mai, 12:00 Uhr: Der Antrag von Marius Borg Høiby (29), die verbleibende Zeit bis zur Urteilsverkündung im Hausarrest mit einer elektronischen Fußfessel verbringen zu dürfen, ist endgültig gescheitert. Der Oberste Gerichtshof in Norwegen wies die Beschwerde des 29-Jährigen ab. Zuvor hatten bereits das Osloer Bezirksgericht sowie das Berufungsgericht Borgarting das Gesuch mit Verweis auf eine weiterhin bestehende, erhebliche Wiederholungsgefahr abgelehnt. Damit muss der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit (52) definitiv im Osloer Gefängnis in Untersuchungshaft bleiben.

Kurz vor dem Prozess von Marius Borg Høiby geht es auch um seine Sicherheit: Ein eigener Eingang soll dafür sorgen, dass der Sohn der Kronprinzessin unbehelligt ins Gerichtsgebäude gelangen kann.

Trotz Høibys Zusage, sich strikt an alle Auflagen zu halten – darunter ein absolutes Drogen- und Alkoholverbot sowie unangekündigte Kontrollen –, blieben die Richter unnachgiebig. Ausschlaggebend für die Ablehnung war insbesondere seine Historie: Høiby soll das bestehende Kontakt- und Besuchsverbot gegenüber einer Exfreundin mehrfach missachtet haben – unter anderem sogar noch nach der Anklageerhebung und während des laufenden Prozesses.

Der wochenlange Mammut-Prozess, in dem der Norweger wegen rund 40 Straftaten – darunter vier Vergewaltigungen, Misshandlung in engen Beziehungen und Körperverletzung – angeklagt ist, endete im März. Während die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von sieben Jahren und sieben Monaten fordert, plädiert Høibys Verteidigung in den schwerwiegendsten Punkten auf Freispruch. Das mit Spannung erwartete Urteil soll am 15. Juni 2026 verkündet werden.

Erstmeldung vom 26. April, 10:22 Uhr: Seit dem 1. Februar sitzt Marius Borg Høiby (29), der älteste Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit (52), in Untersuchungshaft im Osloer Gefängnis. Nun kämpft er vor dem Osloer Amtsgericht um eine außergewöhnliche Lösung: Er möchte die verbleibende Untersuchungshaft mit einer elektronischen Fußfessel verbüßen – und zwar nicht irgendwo, sondern auf Gut Skaugum, dem Anwesen der Kronprinzenfamilie. Das norwegische Staatsfernsehen NRK berichtet, dass das Gericht am Mittwoch (6. Mai) über Marius’ Antrag entscheidet.

Punkt 10:04 Uhr betritt Marius Borg Høiby – mit Bart, Schnauzbart und dunkler Marinejacke – den Gerichtssaal 147 des Osloer Amtsgerichts. Es ist ein deutlich kleinerer Saal als Saal 250, in dem die Hauptverhandlung im Winter stattfand. Dutzende Journalisten und Fotografen drängen sich im Gerichtsgebäude, als Høiby neben seinem Anwalt René Ibsen Platz nimmt. Auch Polizeianwältin Oda Karterud und Nebenklage-Anwältin Hege Salomon sind vor Ort. Der Antrag ist so ungewöhnlich wie der gesamte Fall. Die Entscheidung des Gerichts erfolgte nach einer 15-minütigen Pause und ist bitter für den 29‑Jährigen. Marius bleibt in Haft. Das Risiko eines erneuten Verstoßes sei nicht gesunken, so Richter Hans Nikolai Førde. Das Gericht führt die Handynutzung als Grund für das bestehende Risiko neuer Verstöße gegen die einstweilige Verfügung an.

Marius Borg Høiby und die Fußfessel: Strenge Auflagen für ein Leben außerhalb der Gefängnismauern

Laut NRK gibt es in ganz Norwegen derzeit nur zwölf weitere Untersuchungshäftlinge mit einer solchen Fußfesselregelung. Marius Borg Høiby war bereits zuvor zweimal mit Entlassungsanträgen gescheitert – sowohl das Osloer Amtsgericht als auch das Berufungsgericht lehnten ab, weil sie die Wiederholungsgefahr als zu hoch einschätzten. Erschwerend kommt hinzu, dass Høiby während der Hauptverhandlung im Februar sogar einen Brief – ausgerechnet am Valentinstag – an eine der Geschädigten sandte, obwohl ein Kontaktverbot besteht. Als Marius das Wort erteilt wird, erklärt er: „Ich habe extrem wenig menschlichen Kontakt. Zwei bis drei Besuche pro Woche“. Ganz klar: Die Einzelhaft setzt ihm zu. „Ich werde alles tun, um aus der Zelle zu kommen“, sagt er laut den Pressevertretern vor Gericht.

Sein Verteidiger René Ibsen trat entschlossen für seinen Mandanten ein. Gegenüber der norwegischen Boulevardzeitung Verdens Gang erklärt er: „Es sind strenge Auflagen, aber dann hat er ein gewisses Maß an Freiheit. Dann kann er normaler leben als im Gefängnis.“ Die Bedingungen für eine Fußfesselregelung für Marius Borg Høiby wären demnach eindeutig: keinerlei Alkohol oder Drogen, unangemeldete Kontrollen durch den Strafvollzug, kein Verlassen der Unterkunft – und natürlich kein Verstoß gegen das bestehende Kontaktverbot. Bei jedem Regelbruch würde er sofort wieder inhaftiert. „Mir wurde ganz klar gesagt, dass es keine zweite Chance gibt“, hatte Høiby bekräftigt.

Wer ist wer im norwegischen Königshaus? Das sind die Mitglieder der royalen Familie

Norwegens König Haakon VIII. legt am 1. September 2026 im Storting den Eid gemäß der Verfassung ab.
König Haakon VIII. ist zwar zwei Jahre jünger als seine Schwester Prinzessin Märtha Louise, ursprünglich hatten die Männer in Norwegens Monarchie jedoch Vorrang. Erst in den 1990ern wurde die Verfassung geändert, jedoch nicht rückwirkend. Demnach folgte Haakon seinem Vater Harald nach dessen Tod auf den Thron. © picture alliance/dpa/NTB Pool/Lise Åserud
Kronprinzessin Mette-Marit am norwegischen Nationalfeiertag 2024 auf Gut Skaugum.
Am 25. August 2001 heiratete Haakon Mette-Marit Tjessem Høiby und machte sie so zur zukünftigen Königin Norwegens. Mette-Marit brachte ihren damals vierjährigen Sohn Marius mit in die Ehe, gemeinsam mit Kronprinz Haakon hat sie zwei Kinder. Wie 2018 bekanntgegeben wurde, ist die Kronprinzessin unheilbar an chronischer Lungenfibrose erkrankt. © Lise Åserud/NTB/AFP
Königin Sonja und König Harald 2023 bei einer Audienz im Palast vor der Verleihung des Friedensnobelpreises.
König Harald V. von Norwegen übernahm am 17. Januar 1991 nach dem Tod seines Vaters Olav V. († 87) das Zepter und blieb seinem Versprechen treu, bis zu seinem Lebensende zu regieren. Seine bürgerliche Ehefrau Sonja durfte er erst heiraten, nachdem er gedroht hatte, andernfalls für immer ledig zu bleiben. Sonja trägt auch nach Haralds Tod am 28. August 2026 weiterhin den Titel Königin. Am 29. August 2026 hätten die beiden ihren 58. Hochzeitstag gefeiert. © picture alliance/dpa/NTB/Hanna Johre
Norwegens Kronprinzessin Ingrid Alexandra bei der Vereidigung ihres Vaters König Haakon VIII. am 1. September 2026 im Storting in oslo.
Kronprinzessin Ingrid Alexandra ist das erstgeborene Kind von König Haakon und Königin Mette-Marit, nach der Verfassungsänderung hat sie in der Thronfolge Vorrang vor ihrem zwei Jahre jüngeren Bruder. © picture alliance/dpa/NTB Pool/Lise Åserud
Sverre Magnus, Prinz von Norwegen, trifft im Storting ein, wo König Haakon VIII. am 1.9.2026 gemäß der Verfassung seinen Eid ablegt.
Prinz Sverre Magnus ist der jüngere Bruder von Prinzessin Ingrid Alexandra und belegt in der norwegischen Thronfolge aktuell Rang zwei. © picture alliance/dpa/NTB Pool/Terje Pedersen
Prinzessin Märtha Louise von Norwegen 2025 bei der Aufzeichnung einer Talkshow in Stockholm.
Prinzessin Märtha Louise ist das älteste Kind von König Harald und Königin Sonja, aufgrund der damaligen Verfassung landet sie in der Thronfolge allerdings hinter ihrem älteren Bruder Haakon und dessen Kindern. In erster Ehe war Märtha Louise mit dem Schriftsteller Ari Behn († 2019) verheiratet, die beiden ließen sich 2017 scheiden. © IMAGO/TT
Maud Angelica Behn, Emma Tallulah Behn und Leah Isadora Behn bei der Hochzeit von Prinzessin Märtha Louise und Durek Verrett in Geiranger.
Maud Angelica, Emma Tallulah und Leah Isadora stammen aus Prinzessin Märtha Louises Ehe mit Ari Behn. Maud belegt in der norwegischen Thronfolge Platz 5, dahinter folgt Leah auf Rang 6, an 7. Stelle steht Emma. © picture alliance/dpa/NTB/Cornelius Poppe
Prinzessin Märtha Louise und Durek Verrett bei ihrer Hochzeit am 31. August 2024 in Geiranger.
Am 31. August 2024 heiratete Prinzessin Märtha Louise in Geiranger den selbsternannten Schamanen Durek Verrett. Die Beziehung ist in Norwegen umstritten, nach der Verlobung kündigte Märtha Louise an, keine offiziellen Aufgaben mehr für das Königshaus zu übernehmen. Ihren Prinzessinnen-Titel will sie zudem nicht für kommerzielle Zwecke nutzen. Durek Verrett ist trotz Hochzeit kein offizielles Mitglied der norwegischen Königsfamilie. © IMAGO/PPE
Marius Borg Høiby 2022 bei den Feierlichkeiten zu Prinzessin Ingrid Alexandras 18. Geburtstag.
Ebenfalls kein offizielles Mitglied der königlichen Familie ist Marius Borg Høiby. Der erstgeborene Sohn von Mette-Marit wuchs gemeinsam mit seinen beiden Halbgeschwistern Ingrid Alexandra und Sverre Magnus auf, sorgte jedoch regelmäßig für negative Schlagzeilen. Im August 2024 wurde der negative Höhepunkt erreicht, nachdem Marius wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung festgenommen wurde. Hinzu kam der Vorwurf der Vergewaltigung, weshalb Marius im November 2024 eine Woche in Untersuchungshaft verbrachte. © Lise Åserud/NTB/AFP
Prinzessin Astrid 2024 bei der Hochzeit von Prinzessin Märtha Louise und Durek Verrett.
Prinzessin Astrid ist die ältere Schwester von König Harald. Prinzessin Ragnhild, die älteste Tochter von König Olav V., verstarb 2012 im Alter von 82 Jahren. © IMAGO/PPE

Doch die Gegenseite zeigt sich skeptisch. Mette Yvonne Larsen, Nebenklage-Anwältin der sogenannten Frogner-Frau, erklärt gegenüber VG: „Es gibt keinen Grund zu glauben, dass er davon absehen wird, die Geschädigte zu kontaktieren. Und für sie wird das Wissen, dass er ein Mobiltelefon nutzen kann, Unsicherheit und Unbehagen erzeugen.“ Denn: Bekommt Høiby die Fußfessel bewilligt, erhält er automatisch auch wieder Zugang zu Handy und Computer. Auch Lill Vassbotn, Nebenklage-Anwältin einer weiteren Geschädigten, zeigt sich laut NRK wenig überzeugt.

Das Urteil in dem Verfahren mit insgesamt 40 Anklagepunkten – darunter schwere Vorwürfe wie Vergewaltigung im Schlaf und Körperverletzung – wird erst Anfang Juni erwartet. Die Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre und sieben Monate Haft. Vassbotns Worte gegenüber NRK brachten die Lage im Vorfeld auf den Punkt: „Ich wäre daher ziemlich überrascht, wenn das Gericht dem Antrag stattgeben würde, die Untersuchungshaft im eigenen Zuhause zu verbüßen“, hatte er mitgeteilt. Verwendete Quellen: nrk.no, vg.no

Rubriklistenbild: © Bernard Rubsamen/Imago

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