Vor 75 Jahren gegründet
Aus dem Möglichen das Beste gemacht: Waldkraiburg wächst mit Pioniergeist zur Heimat
Nicht geplant, sondern von unten gewollt: Engagement, Mut und der Wille vieler Menschen machten aus einer Notlösung eine Stadt mit Identität. Warum 75 Jahre Waldkraiburg für Tatkraft, Pioniergeist und Zusammenhalt stehen.
Waldkraiburg – Was macht Waldkraiburg aus, wie konnte diese junge Kommune in nur 75 Jahren so einen rasanten Aufstieg schaffen? Diese zentrale Frage stand im Mittelpunkt des Festakts zur Gemeindegründung Waldkraiburgs. Eins wurde deutlich: Der Erfolg der Stadt ist begründet auf den Zusammenhalt und den Pioniergeist vieler Menschen, die sich hier – ohne große Unterstützung von außen – eine neue Heimat aufgebaut haben.
Eine Heimat abseits strategischer bedeutsamer Lagen, ohne historischen Handelswege und ohne das „Protegé von Königen, Herzögen oder Klöstern“. „Es waren und sind bis heute die Menschen, die mutig, fleißig und zuversichtlich hier Hand anlegen“, sagte der Festredner und ehemalige Staatsminister Dr. Marcel Huber. Seine Festrede war eine Hommage an den Willen, den Mut und den Zusammenhalt der Waldkraiburger, die unter schwierigen Bedingungen eine beeindruckende Erfolgsgeschichte geschrieben haben.
Außergewöhnliche Leistung gelungen
Zu Beginn war kaum mehr als Wald, verlassene Industriebunker und primitive Arbeiterquartieren vorhanden. „Die Menschen standen vor dem Nichts. Dass Waldkraiburg diese Entwicklung gelungen ist, ist eine außergewöhnliche Leistung.“ Während die Vertriebenen im ersten Jahr hier ums Überleben kämpften, zeigte sich recht bald, was Waldkraiburg in seiner bisherigen Geschichte auszeichnet: „Aus den vorhandenen Gegebenheiten das Beste machen.“ Damals wie heute.
Marcel Huber sprach von einer „Pionierzeit“, in der sich die Menschen organisierten und „mutig, kreativ, innovativ und positiv“ ihren Weg gingen. „Von diesem Geist könnten sich manche im Deutschland von 2025 etwas abschneiden!“ Mit wenig Gepäck, aber viel handwerklichem Können, Geschäftssinn und Unternehmergeist seien die Menschen hier angekommen und gründeten schon bald erste Firmen, die teilweise heute noch bestehen. Und das bereits vor der Gemeindegründung.
Ganz reibungslos verlief diese nicht. Umliegende Gemeinden äußerten Vorbehalte, das sie Teile ihres Gemeindegebiets abtreten hätten müssen. „Dass es aber gut gegangen ist, haben die Waldkraiburger auch dem guten Willen und dem Vertrauen der Menschen aus den Anrainergemeinden zu verdanken“, sagte Huber. Am 1. April 1950 war es soweit: Die Gemeinde Waldkraiburg wurde gegründet.
„Bürger haben richtig Gas gegeben“
Unter dem Motto „Arbeit schafft Heimat“ folgte ein rascher Aufbau – getragen vom Pioniergeist der ersten Jahre. „Waldkraiburg, deine Bürger haben richtig Gas gegeben“, zollte Hubert seinen Respekt. Die 1948 gegründete Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft Waldkraiburg schaffte Wohnraum, die Industrie für ausreichend Arbeitsplätze. Nach zehn Jahren wurde Waldkraiburg zur Stadt erhoben.
Jenseits von Zahlen und Fakten hob Marcel Huber den „gesellschaftlichen Zusammenhalt“ als zentralen Erfolgsfaktor hervor – eine Stärke, die auch heute noch spürbar sei. Besonders wichtig war auch die Arbeit der Vereine und Landsmannschaften, die den Vertriebenen soziale Anlaufstellen boten. Huber sparte die anfänglichen Spannungen mit den Nachbargemeinden nicht aus, betonte aber auch, wie sehr sich dies gewandelt habe. Ein Zitat des ehemaligen Landrats Erich Rambold aus dem Jahr 1985 bringt es für ihn auf den Punkt: „Waldkraiburg ist eine bayerische Stadt und fügt sich bestens in den Freistaat Bayern und in unseren Landkreis ein.“
Die Waldkraiburger hätten stets bewiesen, worauf es ankommt: „Das Beste aus dem zu machen, was zu dem jeweiligen Zeitpunkt möglich ist.“ Als aktuelles Beispiel nannte Huber das Waldbad und die dazugehörige Bürgerinitiative – für ihn Ausdruck des „Waldkraiburger Spirits“. Nicht alles sei geradlinig verlaufen, oft musste um Entscheidungen gerungen werden. Aber: „Deinen Bewohnern, liebes Waldkraiburg, ist es in den letzten 75 Jahren immer wieder gelungen, sich zusammenzuraufen und auch in schwierigen Lagen Lösungen zu finden.“
Dieses Prinzip soll sich Waldkraiburg bewahren: „Immer aus dem, was zum jeweiligen Zeitpunkt möglich ist, das Beste zu machen.“
Keine leeren Hülsen, sondern gelebte Realität
Bürgermeister Robert Pötzsch brachte es auf den Punkt: „Gemeinsam – das beschreibt die Stadt am besten.“ Mut, Fleiß, Hingabe und Herzblut – Attribute, die Waldkraiburgs Entwicklung möglich gemacht haben. „Es ging von 0 auf 100. Die Menschen glaubten an die Zukunft“, fuhr Pötzsch fort. Trotz seiner jungen 75 Jahre sei in Waldkraiburg Tradition und Kultur lebendig, Waldkraiburg ist „Sportstadt, Kulturstadt und Industriestadt“. „Das sind keine leeren Hülsen, das ist gelebte Realität.“ Als vielfältig und lebendig beschrieb Pötzsch die Stadt, deren Vielfalt den Aufstieg ermöglichte. „Diese Basis müssen wir bewahren.“
Für Pötzsch ist es beeindruckend, wie die Menschen angepackt hätten. „Es geht um Verantwortung, es geht um die Zukunft. Wir müssen mutig voran und die Stadt zukunftsfähig machen.“ Denn der Blick zurück zeige, was möglich ist, wenn man zusammenhält.
Auch Landrat Max Heimerl würdigte die Leistung der Stadt: „Waldkraiburg war nicht geplant – es war von unten gewollt.“ Aus Baracken seien Häuser entstanden, aus Ruinen eine Stadt – aufgebaut von den Menschen selbst. „Dafür gebührt ihnen Respekt.“
Die Bürger hätten Verantwortung übernehmen wollen und eine „beeindruckende Wirtschaftsleistung“ erreicht. Mit der Geothermie habe die Stadt einen mutigen Schritt eingeschlagen. „Waldkraiburg ist für den Landkreis ein Kraftzentrum – wirtschaftlich, kulturell und gesellschaftlich.“
Heimerl hob den offenen Umgang mit der Geschichte hervor – und die Rolle der Heimatvereine und Landsmannschaften als Teil der städtischen Identität. „Waldkraiburg hat so viel erlebt, so viel erreicht. Es ist ein Ort, an dem man ein Zuhause findet und die Zukunft gestalten kann“, sagte Heimerl.
Abschließend zum Festakt trugen sich noch mehrere Festgäste in das Goldene Buch der Stadt ein, unter ihnen auch Unternehmer Fritz Schmidt.


